Wie Gründer zu ihrem Startkapital kommen? In den meisten Fällen über die "drei Fs": "family, friends, and fools". Wobei zu Letzteren auch die kreditgebenden Banken zu zählen sind. Weniger Bedeutung hat in der österreichischen KMU-Landschaft hingegen das Venture Capital - eine im angloamerikanischen Raum weit verbreitere Finanzierungsform.
Aufholbedarf
Wie eine Studie der European Private Equity and Venture Capital Association (EVCA) zeigt, hat Österreich in puncto rechtliche Rahmenbedingungen für Beteiligungskapitalgeber noch beträchtlichen Aufholbedarf: So seien die Hürden, die institutionelle Anleger vom Investment in Venture Capital-Projekte abhalten, in Österreich besonders hoch, so die Studienautoren.
Hohes Risiko, hohe Chance
Bei Venture Capital handelt es sich um Eigenkapital, das eine Person oder Institution dem Unternehmen für eine begrenzte Zeit zur Verfügung stellt, ohne eine fixe Rückzahlung oder Verzinsung dafür zu verlangen. Diese Finanzierungsform eignet sich daher besonders für Phasen des Unternehmens, die mit einem hohen Risiko verbunden sind - also Phasen, in denen auch Kredite nur äußerst schwierig zu haben sind. Dazu zählen neben der Unternehmensgründung etwa die Expansion ins Ausland, die Vermarktung von Innovationen, Restrukturierungen, Zusammenschlüsse oder Nachfolgeregelungen. Venture Capitalisten entscheiden sich dann für eine Investition, wenn sie die hohen Risiken durch umso höhere Erfolgschancen gerechtfertigt sehen.
BASEL II
Gerade im Hinblick auf die verschärften Bonitätsvorschriften für Kreditnehmer (Stichwort: "BASEL II") wird Beteiligungskapital jedoch immer wichtiger. Das gilt besonders für Gründungen mit einem hohen Grad an Innovativität, weil das Risiko eines Fehlschlags hier besonders schwer einschätzbar ist.
Zugang zu anderen Geldquellen
Den Nachteilen des privaten Beteiligungskapitals - Einflussnahme des Venture-Capitalisten auf das laufende Geschäft und meist relativ großzügige Beteiligung am Gewinn - stehen einige Vorteile gegenüber: Venture Capital ist zinsfreies Kapital, das weniger auf die Eigenkapitalbasis als auf die Entwicklungschancen des Unternehmens achtet. Besonders innovative Firmengründer erhalten so die Möglichkeit, sich über die Zufuhr von Venture Capital ihre Finanzierungsstruktur aufzubessern, um in der Folge auch Zugang zu Fremdkapital zu erhalten.
Branchenwissen
Was manche als störende Einflussnahme der Kapitalgeber empfinden, kann auch als Know-how-Zufuhr von außen betrachtet werden. Schließlich sind Venture Capital-Gesellschaften in der überwiegenden Mehrheit auf wenige Branchen spezialisiert - dieses Erfahrungswissen kann für junge Unternehmen besonders hilfreich sein.
Venture Capital wird in Österreich von zahlreichen Institutionen vermittelt, die zum Teil selbst als Kapitalgeber auftreten, zum Teil aber auch nur eine Makler-Funktion zwischen Investoren (Investmentfonds, Pensionskassen) und Kapital suchenden Unternehmen einnehmen. (mas)
© derStandard.at 2004