Größere Venture Capital-Gesellschaften erhalten jährlich rund 2000 Anfragen, wovon nur ein bis vier Prozent in die letzte Stufe (Abschluss eines Beteiligungsvertrages) kommen. 80 Prozent der eingereichten Business Pläne werden schon beim groben Screening ausgesät. Umso wichtiger ist es für potenzielle Risikokapitalnehmer, sich mit den Auswahlkriterien der Venture Capitalisten zu beschäftigen.
Team kommt vor Idee
Grundsätzlich arbeiten die meisten Risikokapitalgeber nach der Maxime "We would rather fund a second rate idea from a first class team than a second class team with a first rate idea". Kurz: Die Qualität des Führungsteams ist wichtiger als die Geschäftsidee.
Was die Qualität eines Teams aus Sicht der Kapital gebenden Organisationen beeinflusst, hat das Institut für Entrepreneurship und Innovation (E&I) der WU Wien untersucht. Die Ergebnisse: Als wichtigste Eigenschaft des Teams wird praktische Erfahrung in der Branche des Unternehmensprojekts angesehen. Dahinter folgen die Richtung der Ausbildung (kaufmännisch oder technisch), das Ausbildungsniveau, die Zusammengehörigkeit des Teams (gemeinsame Vergangenheit) und die Personalverantwortung in der letzten beruflichen Tätigkeit.
Ein Akademiker reicht
Weniger Bedeutung haben das Alter der Teammitglieder und die Art der Berufserfahrung (Gründung oder Beschäftigtenverhältnis). Bei den Muss-Kriterien kommt es jedoch nicht darauf an, dass alle Teammitglieder sie vorweisen können. So ist es beispielsweise ausreichend, wenn einer der Beteiligten über einen Studienabschluss verfügt. Entscheidend ist, dass überhaupt eine Person mit der entsprechenden Qualifikation im Team ist.
Ähnlich verhält es sich mit den Kriterien "Branchenerfahrung" und "Personalverantwortung": Konnte kein einziges Mitglied des Teams eine dieser Qualifikationen vorweisen, kam es in vielen der vom E&I untersuchten Fällen zur Ablehnung des Projekts.
Vielfalt statt Spezialisierung
Was die Ausbildung der Teammitglieder betrifft, gilt die Devise: Vielfalt ist besser als einseitiges Spezialistentum. So wurden Teams, die sowohl kaufmännisch als auch technisch versierte Personen vorweisen konnten, eindeutig besser bewertet als hoch, aber einseitig spezialisierte Formationen.
Subjektive Wahrnehmung
Hohe Bedeutung messen die E&I-Forscher jedoch auch subjektiven Erlebnissen der Risikokapitalgeber zu. So sei ein Venture Capitalist, der gerade schlechte Erfahrungen mit einem jungen Führungsteam gemacht hat, eher geneigt, beim nächsten Projekt ein älteres Team zu bevorzugen. Die verwendeten Kriterien unterscheiden sich somit zum Teil stark voneinander.
Für Kapital suchende Unternehmen mag das verwirrend sein, die Kriterienvielfalt hat aber auch Vorteile: Ein einmal abgelehnter Business Plan kann bei der nächsten oder übernächsten Einreichung durchaus erfolgreich sein.
© derStandard.at 2004