Virtualisierung 2.0

Interview mit Hans Berndl, Product Manager, Server Business Group, Microsoft Östereich

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Gartner hat gerade die IT-Hypes für 2008 veröffentlicht. Dass dabei Virtualisierung ein Thema ist, kommt nicht sehr überraschend. Eher, dass es mit einer Versionsnummer versehen wurde. Was halten Sie von Virtualisierung 2.0?


*Ich spreche von der Zukunft. Und in der Zukunft, kann die Maschine auch ein intelligenter Tisch sein oder irgendein Möbelstück, das mitdenkt.*
Hans Berndl
Product Manager, Server Business Group
Microsoft Österreich

Hans Berndl: Die Versionierung reflektiert natürlich auch die Entwicklung des Themas. Noch vor wenigen Jahren dachte beim Thema Virtualisierung alles in Richtung Hardware-Auslastung der physischen Server im Rechenzentrum. Am Anfang ging es vor allem um die Virtualisierung der Ressourcen …

Was nichts anderes bedeutet, als dass ein Server, der nicht ausgelastet ist, mit anderen Aufgaben eingedeckt wird, die er auf virtuell vollkommen getrennten Bereichen abarbeitet.

Hans Berndl: Genau. Doch diese Art der Servervirtualisierung war – wie gesagt – erst der Anfang. Andere Bereiche kamen dazu – das Thema taucht plötzlich auch im Zusammenhang mit Desktops und Applikationen auf. Und mit zunehmender Komplexität wurden Management und Verwaltung dieser virtuellen Infrastrukturen immer wichtiger.

Sie geben also Gartner indirekt recht, indem Sie sagen, dass hier ein neues Niveau in der ganzen Virtualisierungsthematik erreicht wird …

Hans Berndl: Im Prinzip beschreibt doch die Gartner Group mit 2.0 die Vision vom dynamischen Rechenzentrum, die wir seit 2 Jahren im Rahmen der Dynamic Systems Initiative pushen und vorwärts treiben. Unser Ansatz basiert im Wesentlichen auf 3 Säulen: 1) Erstens geht es darum, IT-Prozesse so zu beschreiben, dass Developer auf der einen und Administratoren auf der anderen Seite gleichermaßen und aus ihren unterschiedlichen Blickwinkeln heraus darauf zugreifen können. Das geschieht über Modelle, die die Prozesse kapseln und die IT damit transportabel machen – mit dem schönen Nebeneffekt, dass der Developer in der gleichen Umgebung entwickeln und testen kann.

Kapselung meint ja nichts anderes, als dass ich etwas so umschließe, dass es von der Umgebung abstrahiert – mit dem Effekt, dass ich alles vollkommen unabhängig voneinander anfassen, verschieben oder portieren kann.

Hans Berndl: Mit anderen Worten geht es hier um Trennung – auf den unterschiedlichsten Niveaus. Ich kann – wie im Fall des virtuellen Desktops - die Software von der Hardware trennen, ich kann aber auch das Betriebssystem von den Anwendungen trennen – also die Applikationen selbst virtualisieren, damit ich schneller reagieren kann und im Falle eines Problems meine ganze Arbeitsumgebung mit einem Klick auf eine andere Maschine verlagern kann, während man die Hardware darunter austauscht. Das ist die Portabilität der Zukunft, unsere 2) zweite Säule.

Sie sprechen von Maschinen: Was meinen sie jetzt?

Hans Berndl: Ich spreche von der Zukunft. Und in der Zukunft, kann die Maschine auch eine intelligenter Tisch sein oder irgendein Möbelstück, das mitdenkt.

Sie denken an den neuen Coffee Table „MILAN“, den Microsoft kürzlich vorgestellt hat?

Hans Berndl: Warum nicht? Nehmen Sie Ihr Notebook, das sie vor sich haben. Und nehmen Sie an, dass es plötzlich nicht mehr funktioniert. In der Zukunft werden Sie mit der Hand die ganze Software, die sie brauchen um weiterzuarbeiten, auf diesen Tisch unter dem Notebook ziehen können. Sie arbeiten weiter, während der Techniker sich stressfrei um Ihr Gerät kümmert.

Das klingt ziemlich futuristisch.

Hans Berndl: Ist es aber gar nicht so, wenn man imstande ist, diese Dynamik auch zu managen. Zu diesem Zweck gibt es das neue Microsoft System Center – es bildet unsere 3. dritte Säule. Hier kann man sehr gut sehen, wie die Dinge nach und nach zusammen wachsen und unsere Vision Schritt für Schritt Realität wird.

Gehen wir zurück in die Gegenwart oder besser gesagt in die nächste Zukunft.

Hans Berndl (schmunzelt): Sie sehen, wie nahe sie bereits ist?

Im Jänner wird der neue Windows Server 2008 weltweit gelauncht, der erstmals die Virtualisierungsthematik und damit auch den Virtual Server ins Betriebssystem hereinholt. Warum kommt Microsoft damit erst jetzt, wo es bereits sehr starke Player in diesem Marktsegment gibt – man denke an VMWare oder XEN?

Hans Berndl: Tatsache ist, dass sich der Mitbewerb auf zwei Themen fokussiert und diese isoliert vorangetrieben hat. Wir sehen die beiden Bereiche Server- und Desktopvirtualisierung aus einer übergeordneten Perspektive und haben sie von Anfang an – also seit 2003 (siehe Grafik) - in Richtung dynamisches Rechenzentrum entwickelt. Dieser breite Ansatz bedeutete natürlich zunächst mehr Aufwand, macht sich aber jetzt bezahlt: Unser entscheidender Plattformvorteil ist, dass wir heute in der Lage sind, die einzelnen Komponenten dynamisch zu verwalten und über Modelle aufeinander abzustimmen.

Dynamics System Initiative


Breit meint aber auch, dass wir nicht High-End für wenige, sondern High-End für viele machen. Und wir sind bereit dazu: Wir haben CPU-Technologien für 100%ige Hardware-Virtualisierung – dank unserer Partnerschaften mit AMD und Intel -, UND wir haben mit dem Windows Server 2008 eine Virtualisierungstechnologie entwickelt, die auf diesen Komponenten (64bit) aufsetzt und im Server drinnen ist.

Was war entscheidend, den Virtual Server ins Betriebssystem hineinzunehmen?Warum haben Sie das gemacht?

Hans Berndl: Ganz einfach. Weil Virtualisierung in Zukunft eine Grundkomponente der IT sein wird. Als solche muss sie mit dem Betriebssystem zusammenwachsen.

Schlägt sich das auch bei den Preisen nieder oder bleibt Virtualisierung eine Elitedisziplin?

Hans Berndl: Wenn man sich anschaut, was man braucht, um ein flexibles virtuelles System bauen zu können und dann unsere Komponenten mit denen des Mitbewerbs vergleicht – wobei immer wieder zu betonen ist, dass es in dieser Breite nichts Vergleichbares gibt – dann kommt man auf einen Kostenfaktor von 1:10!

Für Microsoft?

Hans Berndl: Für Microsoft!

Das klingt ja alles sehr schön, aber wie schaut das Zusammenspiel der Komponenten aus, wenn man die Microsoft Welt verlässt – also, wenn es ernst wird? Rechenzentren werden ja nicht auf der grünen Wiese entworfen und umgesetzt. Man stößt auf gewachsene Strukturen und so genannte Legacy-Anwendungen, die man zu integrieren hat.

Hans Berndl: Sie haben schon recht: im heterogenen Umfeld trennt sich im Normalfall die Spreu vom Weizen. Doch auch hier hat Microsoft die besten Karten. Konkret beinhaltet Virtualisierung für uns auch die Interoperabilität zu anderen Plattformen – so kann ich auf der Microsoft Plattform auch einen Linux Server virtualisieren bzw. als Virtual Server im Einsatz haben – und umgekehrt. Auch in den Bereichen Support, Lizenzierung und Formate hat Microsoft viel Weitblick gezeigt. So wurde zB das VHD-Format, in dem virtuelle Maschinen gespeichert werden, von uns sehr früh offen gelegt – mit dem Effekt, dass heute viele 3rd-Party-Lösungen auf diesem Format aufsetzen.

Letztendlich soll das alles ja dem User zugute kommen, der möglichst flexibel auf Software und Services zugreifen können soll, die er für seine Arbeit benötigt.

Hans Berndl: Dynamik, Mobilität, Wendigkeit – darum geht es, ganz klar. Wir wollen eine Infrastruktur schaffen, die imstande ist, den User überallhin zu begleiten. Auf der anderen Seite braucht es dafür auch einen Anwender, der weiß, was er braucht und wo er sich das holen kann. Um sich ganz dynamisch durch die Infrastrukturangebote zu bewegen, wird es auch notwendig sein, dass man sich von den alten Kategorien wie Hardware und Software trennt. Der „Roaming-User“ von morgen denkt vielmehr in Richtung Funktionen und Services, die er gezielt einsetzt, um kreativer, produktiver …

… und vielleicht auch ein kleines Stück entspannter, zufriedener und glücklicher zu sein.

Hans Berndl: Aber das klingt jetzt wirklich futuristisch!

Sie haben recht. Das ist jetzt mit mir durchgegangen.

Danke für das Gespräch.


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