
Oft ist der CIO eines Unternehmens nur mehr der kostengepeinigte Verwalter der Technik ist und nicht derjenige, der ganzheitlich Lösungen konzipiert.
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Herr Izmir, im Zusammenhang mit dem Reifegrad eines Unternehmens hat Microsoft ein Modell entwickelt, nach dem man relativ genau ablesen kann, wo ein Unternehmen steht. Woran würden Sie die Reife eines Unternehmens festmachen bzw. wie orten Sie Potenziale, die ungenutzt sind?
Marcus Izmir: Wir halten alle sinnvollen Bestrebungen, die dahin führen, dass Unternehmen und vor allem deren Mitarbeiter mit den verfügbaren Werkzeugen, besser umgehen können, als wichtig und notwendig. Denn es liegt eine enorme Verantwortung darin, dafür Sorge zu tragen, dass die organisatorische und vor allem kulturelle Entwicklung eines Unternehmens mit der allgemeinen technologischen Entwicklung Schritt hält. Natürlich im Rahmen der möglichen wirtschaftlichen Parameter; wobei festzuhalten ist, dass nicht jede technologische Entwicklung ein Teil der eigenen Organisation werden muss.
Wie sehr heute die technologische Ausstattung jedoch zur Zufriedenheit der Mitarbeiter beiträgt, zeigt sich auch darin, dass diese die Voraussetzung dafür ist, dass sie am Arbeitsmarkt wertvoll bleiben. Ein Manager, der für tolle Deckungsbeiträge sorgt, es jedoch nicht schafft, dass abgegangene Mitarbeiter in fremden Firmen wieder Fuß fassen können, weil sie mit den aktuellen Werkzeuge nicht vertraut sind, ist kein wirklich guter Manager.
Sie sprechen hier ganz bewusst von einer anderen Dimension dieses Themas.
Izmir: Genau. Für mich stellt sich die Frage, wer definiert, unter welchen Umständen ein Unternehmen reif ist. Und die nächste Frage, die mir auf der Zunge brennt: Warum definiert diese Werte ein Technologiehersteller wie Microsoft?
Wir sind dabei das Interview umzudrehen, aber ich gebe Ihnen gerne darauf eine Antwort: Weil wir uns eben nicht als Technologiehersteller sehen, sondern als Lösungsanbieter. Und Lösungen sind nur eben nur gut, wenn Sie sinnvoll zum Einsatz gebracht werden. Das hat etwas mit Reife zu tun: dass man das Geld, das man investiert auch richtig einsetzt.
Izmir: Da treffen wir uns. Mir geht es darum, das Thema ganzheitlich zu behandeln und Reife nicht am Vorhandensein von Werkzeugen festzumachen. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, dass sich mit diesem Thema nicht nur Technologen, sondern auch Soziologen beschäftigten sollten.
Man kann sich dem Thema der Reife auf unterschiedlichste Weise nähern: man kann sich die Produktivitätsaspekte anschauen, die Sicherheitsaspekte, die Management-Aspekte, die Automatisierungsaspekte, die Kostenaspekte. Welche Seite würden Sie bevorzugen?
Izmir: Uns geht es sehr stark um Kommunikation und Zusammenarbeit; also das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine, sowie zwischen Organisation und Kultur. Vor dem Hintergrund eines bevorstehenden Paradigmenwechsels nähern wir uns bei der mii diesem Thema vor allem über das Ablegen, Suchen und Finden von teil bzw. unstrukturierten Informationsobjekten. Hier orten wir enormes Veränderungspotenzial – auch in Bezug auf die Werkzeuge, die zum Einsatz kommen.
Wie erkunden Sie die Potenziale in einem Unternehmen. Haben Sie spezielle Analysetools im Einsatz?
Izmir: Ja. wir haben eine Methode bzw. ein Werkzeug entwickelt, mit dem es möglich ist, einmal rein das Potenzial darzustellen. Das ist insofern interessant, als viele Unternehmen durchaus ein Gefühl dafür haben, wo ihre Potenziale liegen, aber unsicher sind. Genau diese Sicherheit im Umgang mit brachliegenden Potenzialen liefert EMENDO, unser neues Tool.
Diese Unsicherheit, die sie ansprechen, ist ja oft eine als Kostenunsicherheit verkleidete Unsicherheit in der Bewertung. Wenn man die Formel „Wert = Nutzen minus Kosten“ heranzieht, wie steht es um das Bewusstsein der Österreichischen Unternehmen in Bezug auf den Nutzen von IT? Wissen sie, wo sie stehen und wohin sie sich entwickeln wollen?
Izmir: Wenn ich Ihnen sage, dass Sie im Alltag kaum mehr als 5% der Möglichkeiten von Microsoft Word verwenden - dann wird ihnen dies nicht wirklich neu sein. Interessanter wird es, wenn sie sich die Frage stellen, wie sie Organisation und Abläufe ihres Unternehmens verändern können, um 8 oder 10% der Möglichkeiten zu nutzen und damit um ein Vielfaches effektiver sind. Ich glaube, dass die österreichischen IT-Manager recht gut um den Nutzen der Technologie Bescheid wissen. Genauso wie der Anwender ziemlich genau seine „Pains“ benennen kann, wenn er sich dafür einmal Zeit nimmt. Was mich aber immer wieder von neuem überrascht, ist die große Kluft zwischen den beiden Standpunkten. Das hat oft gar nichts mit gegenseitigem Ignorieren zu tun, sondern einfach damit, dass der CIO (Chief Information Officer) eines Unternehmens in vielen Fällen nur mehr der kostengepeinigte Verwalter der Technik ist und nicht derjenige, der ganzheitlich Lösungen konzipiert, die technologische, organisatorische und kulturelle Aspekte gleichermaßen berücksichtigen.
Das ist schon richtig, aber die Frage ist doch, warum er sich diese Zeit nicht nehmen kann oder einfach nimmt.
Izmir: Weil erstens schon die Identifizierung dieser Verbesserungen Zeit und Geld kostet und wir uns hier zweitens in einem Frühstadium von Projekten bewegen, wo Ihre weiter oben aufgestellte Kosten-Nutzen-Rechnung noch nicht greift. Und das tut wiederum vor allem dem Management weh.
Eine aktuelle Studie der Information Week befragte Unternehmen zu Ihren IT-Budgets für das Jahr 2005. Dabei sahen 75% die Steigerung der Effizienz und Produktivität als vordringlichste Aufgabe. Gefolgt von Kostensenkung mit 68% und Prozessoptimierung mit 63%. Wie kann man diese Dinge zusammenbringen?
Izmir: Ich denke, das spiegelt wunderbar alles Gesagte wider. IT muss sich rechnen und wenn man das ernst nimmt, wird man die Dinge gar nicht erst getrennt denken. Sie gehören wesentlich zusammen.
Stichwort Total Cost of Opportunity - die durch den falschen IT-Einsatz verpassten Geschäftschancen. Wo werden die meisten Potenziale verspielt?
Izmir: Problematisch ist schon allein der Umstand, dass wir bei der Realisierung von Geschäftschancen automatisch an CRM denken. Doch trifft Customer Relationship Management immer das Wesentliche einer Geschäftschance? Warum reden wir nicht besser über ein Werkzeug mit dem Namen Opportunity Administration oder Management, wo die Beziehung zu unterschiedlichen Personen – wie Partner, Lieferanten und Mitarbeiter - zwar eine durchaus wichtige Sache ist aber nicht unbedingt immer an erster Stelle steht. Warum diese Wortklauberei? Weil selten gut integrierte und einfach zu bedienende CRM-Werkzeuge anzutreffen sind. Und: weil die meisten zu viel wollen – Stichwort: Opportunity Management - und dadurch unhandlich werden.
Um Geschäftschancen zu realisieren, braucht es zeitnaher Anwendungen, die einfach zu bedienen sind. Also keine x-beliebigen Pflichtfelder, die in der Praxis ohnehin niemand braucht, sondern ein klares, übersichtliches User-Interface, das Dinge vorantreibt. Und das ist – nebenbei bemerkt - Microsoft mit CRM 4.0 sehr gut gelungen. Sie sehen, die Kunst bei CRM steckt wie bei vielen Dingen in der Vereinfachung – also in der Organisation und der Kultur. Die Technik ist nur ein Werkzeug und als solches oft der Auslöser für neue Entwicklungen. Nicht mehr, nicht weniger.
Danke für das Gespräch.