Seit beinahe einem Jahrzehnt stehen IBM Lotus und Microsoft nun schon im Wettbewerb um die Führung im Messaging-Marktsegment, der sich durch die Entwicklung von E-Mail als geschäftskritische Anwendung nicht weiter zugespitzt hat. Denn E-Mail verlangt heute nicht nur ein gut funktionierendes Collaboration-Umfeld, sondern muss auch den steigenden Anforderungen an Sicherheit und den Schutz der Privatsphäre gerecht werden.
Lesen Sie, welche Schlüsse die Radicati Group aus dem Vergleich der Messaging-Lösungen und -Strategien von IBM Lotus und Microsoft zieht und wie sich die Marktpositionen beider Unternehmen in den nächsten Jahren verschieben werden - wenn es nach der Prognose von Radicati geht. Und zwar zu Gunsten von Microsoft. Denn obwohl sowohl IBM Lotus als auch Microsoft innerhalb des letzten Jahres den Markt mit neuen Lösungen und Strategien konfrontierten, konstatiert die Radicati Group Microsoft eindeutig die besseren Karten: „In den nächsten Jahren erwarten wir, dass IBM mit seiner neuen Workplace-Strategie signifikant an Marktanteilen verlieren wird, und das obwohl sie durchaus innovativ ist. Und das aus dem einfachen Grund, weil sich Microsoft mit dem neuen Exchange Server 2003 auf die wesentlichen Anforderungen von Unternehmen in Bezug auf Sicherheit, Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit die bessere Antwort hat.“
Die Radicati-Analyse der IBM Lotus Strategie
Die Strategie von IBM Lotus ist ein ambitionierter Versuch, die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Collaboration-Lösungen auf Basis einer offenen, J2EE-basierten Infrastruktur zu erhöhen. Das Hauptproblem sieht Radicati darin, dass die IBM Workplace Plattform neu ist, relativ ungetestet und dass man hier auf die Funktionalität, die Domino oder Exchange heute schon liefern, noch ein paar Jahre wird warten müssen. Die Strategie, zwei Plattformen – nämlich die Client-Server-basierte Domino-Plattform und die portal-orientierte WebSphere-Plattform – über einen längeren Zeitraum parallel zu unterstützen, ist nicht nur sehr aufwendig, sondern auch einem Domino-Kunden nur schwer zu erklären. Sie ergibt sich wohl auch daraus, dass die Workplace-Plattform zum heutigen Zeitpunkt noch nicht bereit ist, Domino zu integrieren.
Auf der anderen Seite ist die Zukunft von Notes, das viele Workplace-Anwendungen nicht und auch das J2EE-Portal nur zum Teil unterstützt, noch ungewiss. „Wir bemerken eine große Verunsicherung bei bestehenden Domino-Kunden. Besonders die Migration von Domino-Daten und –Anwendungen auf die J2EE-basierte Infrastruktur von Workplace schreckt viele ab.“
Figure 1. Corporate Messaging Software IB Market share, IBM Lotus vs. Microsoft, 2004 & 2008

Die Radicati-Analyse der Microsoft Strategie
Auf der anderen Seite fällt die Beurteilung von Microsoft sehr positiv aus. Radicati konstatiert Microsoft nicht nur die besseren und klareren Strategien, sondern auch den enormen Vorteil, alle Komponenten auf einer einheitlichen Plattform zu haben, um Lotus Notes Applikationen auf Sharepoint/SQL-Basis zu übernehmen und zu betreiben.
Besonders hervorgehoben wird, dass das Thema Sicherheit zentral bei der Entwicklung des Exchange Server 2003 war, wie die Kerberos Authentifizierung, die Unterstützung des Internet Information Servers 6.0 aber auch wie der Intelligent Message Filter (IMF), das erste Anti-Spam-Produkt aus dem Hause Microsoft beweisen.
Auch die Offenheit bei der Unterstützung unterschiedlichster Protokolle wie IMAP, POP
oder SMTP und die perfekte Integration in die Microsoft Lösungssuite mit Produkten wie SharePoint Portal Server und Windows SharePoint Team Services wird als großes Plus verzeichnet. „Für den Kunden bringt die Strategie von Microsoft, Exchange als hochskalierbare Messaging-Plattform auszubauen und diese mit exzellenten Collaboration-Lösungen zu flankieren ein hohes Maß an Flexibilität. Weil sie sich dadurch entscheiden können, ob sie Exchange als bloße E-Mail-Lösung einsetzen, oder als Teil einer umfassenden und ausgeklügelten Collaboration-Infrastruktur auf der perfekt integrierten Microsoft Plattform.“
Bleibt am Ende noch der Kostenpunkt, den ebenso Microsoft für sich verbucht
Figure 2. Microsoft and IBM Lotus Messaging Software, 2000 & 2008
