Executive Circle

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Corporate Technical Responsibility
Gesellschaftliche Verantwortung als Technologieunternehmen

Dr. Marianne Janik (46) ist seit Mai 2011 bei Microsoft Deutschland als Senior Director Public Sector Mitglied der Geschäftsleitung. Die Juristin hat zuvor auf unterschiedlichen Positionen für Daimler Benz, Plaut, ESG und Elster gearbeitet und hat ein besonderes Faible für den Blick über den Tellerrand. Die Redaktion des Microsoft Executive Circle sprach mit ihr über das Thema Verantwortung von Technologieunternehmen.

Executive Circle: Frau Dr. Janik, auf den Hamburger Strategietagen 2012 haben Sie an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Digitale Debatte Deutschland – Zukunftstechnologien zwischen German Angst und globalem Leichtsinn?“ unter anderem mit dem Philosophen Peter Sloterdijk und Constanze Kurz vom Chaos Computer Club teilgenommen. Was hat Sie daran gereizt?

Dr. Marianne Janik: Die Kombination aus einem der größten, lebenden, deutschen Philosophen und einer Vertreterin der neuen digitalen Jugend fand ich sehr spannend. Beide haben Microsoft und die gesellschaftliche Rolle der Informationstechnologie kritisch hinterfragt. Diese Art der Diskussion reizt mich – und es macht mir Spaß, mit Überzeugung vor allem die Chancen unserer Produkte und Ansätze aufzuzeigen, und zwar nicht nur für den einzelnen Nutzer, Wirtschaftsunternehmen oder die öffentliche Hand, sondern auch für unsere Gesellschaft. Wir von Microsoft brauchen und dürfen uns dabei nicht verstecken. Als Technologieunternehmen in einer Gesellschaft, in der Informations- und Telekommunikationstechnologien immer weiter in alle Bereiche unseres Lebens vordringen, tragen wir Verantwortung – nicht nur unmittelbar für unsere Technologien und deren praktischen Einsatz, sondern auch für deren gesellschaftlichen Nutzen. Ängste und Sorgen müssen wir ernst nehmen und auch berücksichtigen. Wir von Microsoft gehen diese Herausforderungen mit hohem Verantwortungsbewusstsein an – Stichwort: Datenschutz, IT-Sicherheit, Transparenz und Zugang zu IT.

Executive Circle: Wie sieht denn die zentrale Position von Microsoft dazu aus?

Dr. Marianne Janik: Unser zentrales Anliegen ist es, den Nutzen von ITK und Cloud-Technologien zu zeigen. Das kann uns aber nur dann gelingen, wenn wir zum Beispiel den Datenschutz mit allen Chancen und Risiken zum Thema machen. Ralph Haupter hat im vergangenen Jahr den Begriff der Corporate Technical Responsibility (CTR) geprägt. Dieses Verantwortungsprinzip basiert auf den vier Säulen:

  • Datenschutz als Verantwortung für den Umgang mit Daten und Identitäten,
  • Sicherheit als Verantwortung für Sicherheit in Anwendung und Bereitstellung neuer IT-Technologien,
  • Zugang als Verantwortung für die Marktzugänglichkeit neuer IT-Technologien und
  • Transparenz als Verantwortung für Auskunftsfähigkeit, Aufklärung und Offenlegung.
Wir haben als Unternehmen eine gesellschaftliche Verantwortung, was die Folgen des Einsatzes von Technologie angeht. Dass Microsoft diese Aufgabe mehr als ernst nimmt, war für mich einer der wesentlichen Gründe, meine Position hier zu übernehmen.

Executive Circle: Welche praktischen Auswirkungen hat diese Corporate Technical Responsibility denn für Microsoft konkret?

Dr. Marianne Janik: Dafür gibt es eine ganze Reihe an Beispielen. So ist etwa die Initiative Trustworthy Computing, der zufolge wir IT-Sicherheit, Datenschutz und Verlässlichkeit von IT-Systemen oberste Priorität einräumen, ein sehr wichtiger Aspekt. Oder nehmen wir die Vertragsbestimmungen rund um Office 365; hierbei hat Microsoft eine Vorreiterrolle in Sachen Transparenz und Kundenorientierung übernommen, weil wir die Empfehlungen der Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern sowie der EU-Kommission übernommen haben. Wir verstecken nichts im Kleingedruckten, sondern machen es unseren Kunden in den rechtlichen Rahmen einfach.

Aber auch in meinem Geschäftsbereich gibt es Initiativen, mit denen wir gesellschaftlich Verantwortung übernehmen, beispielsweise mit dem Thema Connected Government, der zuverlässigen und sicheren Zusammenarbeit über organisatorische Grenzen hinweg, etwa beim Katastrophenschutz, um in Krisensituationen sehr schnell eine Infrastruktur aufbauen zu können, die eine Kommunikation mit den Bürgern ermöglicht. Oder unsere Mitarbeit im Bündnis für Bildung (BfB). Unter dem Motto „Vernetzte Bildung“ engagieren wir uns im BfB für die nachhaltige Förderung im Bereich der IT-gestützten Lehr- und Lernumgebung. Gemeinsam mit den Gründungsmitgliedern des BfB tragen wir dazu bei, die Vernetzung und den Ausbau der IT-Infrastrukturen im deutschen Bildungswesen voranzutreiben und qualitative Standards zu setzen. In beiden Bereichen gehören unsere Technologie und ihr gesellschaftlicher Nutzen unmittelbar zusammen. Diese Verbindung bedeutet für uns gelebte Verantwortung als Technologieunternehmen.

Executive Circle: Wenn Sie drei Wünsche an die politischen Entscheider frei hätten, welche wären das?

Dr. Marianne Janik: Zum einen wünsche ich mir eine größere Offenheit der ITK gegenüber. Gerade in Deutschland haben wir hier eine noch sehr zurückhaltende, eher negative Diskussion über neue Technologien. Das führt immer wieder dazu, dass wir in einen Rechtfertigungsmodus kommen. Hier wäre mehr Offenheit wünschenswert. Unter diesem Gesichtspunkt mischt eine neue Piratenpartei die Szene durchaus ein wenig auf und bereichert die Diskussion.

Die Politiker sollten sich insgesamt intensiver mit dem Thema Open Government auseinandersetzen, also mehr Bürgernähe zulassen.

Und mein dritter Wunsch wäre, dass politische Entscheider mehr Mut zeigen und Teile ihres Budgets für innovative Pilotprojekte investieren. Es gibt ein so großes technologisches Potenzial, das wir einsetzen können, um unsere Gesellschaft voranzubringen, nicht nur in Sachen Produktivität, sondern auch in Sachen Transparenz und Teilhabe. Dafür brauchen wir mehr politische Rückendeckung und einen klaren Willen.

Microsoft Dialog

Christopher Anton

Executive Engagement Program
Microsoft Enterprise Marketing

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