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    Methoden der Kostensenkung im Einkauf: die ABC-Analyse

    System Account
    18:40 PM

    ​ Sparpotenziale schnell identifizieren

    Quelle: Haufe ProFirma Professional

    Selbstverständlich ist jeder Einkäufer bestrebt, die bestmöglichen Preise für sein Unternehmen zu erzielen, eben kostenbewusst einzukaufen.

    ​Praxis-Beispiel
    Einkaufen kann jeder?
    Trotzdem gibt es immer wieder Kollegen, die das besser wissen - einkaufen kann jeder, das macht man ja schließlich jeden Tag. Und ein Preisvergleich zwischen Aldi, Schlecker und Lidl ist schon Qualifikation genug. Meistens beziehen sich diese Nörgeleien - anders kann man es nicht bezeichnen - auf C-Artikel, die irgendwer im Baumarkt oder im Einkaufscenter billiger gesehen hat. Was derjenige nicht sieht, sind die Prozesskosten des Einkaufs. Eine Arbeitsminute kostet etwa 75 Ct. Jeder kann sich selbst ausrechnen, was es kostet, jemanden zum Baumarkt zu schicken. ​

    In Tabelle 1 sehen Sie Möglichkeiten zur Kostenreduzierung bei Lieferanten. 

    Sparpotenziale im Einkauf​
    ​Reduzierung von Vormaterialpreisen
    ​Reduzierung der Prozesszeiten
    Standardisierung von Vormaterialien und Teilen​
    ​Optimierung der Losgrößen
    Abbau von Überbeständen​
    ​Senkung der Wartungs- und Instandhaltungskosten durch vorbeugende Instandhaltung
    Senkung der Ausschussquote​
    ​Automatisierung des Materialflusses
    ​Produktionsnahe Lagerung und Senkung der innerbetrieblichen Transportkosten
    Kann der Lieferant Teilprozesse des Kunden übernehmen und damit die eigene Fertigungstiefe reduziert werden​
    ​Standardisierung der Transportverpackung
    Optimierung der Auftragsbearbeitung durch Standardisierung des Prozesses​
    ​Standardisierung der Teile
    ​Platz sparende Lagersysteme
    Rahmenaufträge als Grundlage einer optimalen Produktionsplanung​
    Zahlungsziele, Skonti, Rabatte, Boni​
    ​Transportkosten
    Verpackung​

    Tab. 1: Einsparpotentiale zuhauf: Ein cleverer Einkauf trägt viel zu geringen Kosten im Unternehmen bei

    Die ABC-Analyse

    Die Kosten für zugekaufte Materialien und Dienstleistungen bilden den größten Kostenblock im Unternehmen. Grundsätzlich wird die Einkaufspolitik bestimmt durch:

    • Lieferzeiten,
    • Qualität und
    • Preise.

    Die nächsten Fragen, die zu stellen sind:

    • Was wird eingekauft?
    • Welche Mengen werden eingekauft?
    • Wo wird eingekauft?

    Hier bietet sich eine ABC-Analyse sowohl für die Einkaufsprodukte als auch für die Lieferanten an. Es geht darum festzustellen, um welche Dinge man sich zuerst kümmern sollte, also Prioritäten zu schaffen. Erfahrungen aus der Praxis haben gezeigt, dass 10 % der Materialien etwa 80 % des Einkaufswertes abdecken und auf der anderen Seite etwa 70 % der Materialien nur etwa 5 % des Einkaufswertes repräsentieren (vgl. Abb. 1).

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    Abb. 1: Einfach, aber wirkungsvoll: Mit der ABC-Analyse finden Sie schnell heraus, wo große Sparpotenziale liegen 

    Untersuchungen haben gezeigt, dass in vielen Fällen mit 20 % der Produkte 80 % des Umsatzes erwirtschaftet werden. Diese 80/20-Regel ist auch als Pareto-Regel bekannt. Sie lässt sich auf viele Bereiche Ihres Unternehmens anwenden, zum Beispiel im Marketing oder in der Materialwirtschaft. Aus diesem Grund lässt sie sich als ein übergeordnetes strategisches Instrument betrachten. Ziel der ABC-Analyse ist es, das Augenmerk des Unternehmens stärker auf die wichtigen Bereiche zu konzentrieren. Sie können Ihre Maßnahmen dann zielgerichteter ansetzen.

    Beachten Sie jedoch, dass die ABC-Analyse nur ein Bild der aktuellen Istsituation gibt. Es werden damit Istzahlen aufbereitet und dargestellt. Um daraus Maßnahmen abzuleiten, müssen Sie überlegen, ob diese Zahlen so auch in der Zukunft gelten (sollen).

    Mit Hilfe der ABC-Analyse können Sie beispielsweise ermitteln:

    • Welche Produkte und Leistungen sind für den Umsatz derzeit am wichtigsten?
    • Welche Lieferanten sind für uns die wichtigsten?
    • Welche Einkaufsteile haben die größte Bedeutung?

    Überlegen Sie und schreiben Sie auf: Welches sind Ihre umsatzstärksten Einkaufsartikel? Werden diese auch in Zukunft in dem bisherigen Umfang benötigt? Mit welchen Lieferanten befassen Sie sich am häufigsten? Mit welchen Lieferanten arbeiten Sie am engsten zusammen?

    Sie können die ABC-Analyse in vielfältigster Weise einsetzen, beispielsweise zur Analyse von:

    • Lieferanten
    • Artikeln
    • Bestellvolumen
    • Kunden
    • Produkten
    • Verkaufsgebieten

    Für Lieferanten und Artikel sollten Sie eine entsprechend sortierte Liste aus Ihrem Warenwirtschaftssystem herausholen können. Mit Hilfe dieser Analyse können Sie dann die Prioritäten Ihrer Einkaufspolitik festlegen.   

    Artikel​ Lieferant​ Einkaufs-volumen​ Anteil am Gesamtein-kaufsvolumen​ Anzahl Bestellungen​ ​Anteil Gesamtbestellungen
    ​Blech ​B. Stahlhandel ​1.000.000 EUR ​23 % ​18 ​4 %
    ​Blech Maier ​800.000 EUR ​19 % ​14 ​3 %
    ​Flach und Rund KG ​650.000 EUR ​17 % ​10 ​2 %
    ​... ​... ​... ​... ​...

    Tab. 2: Die ABC-Checkliste liefert einen Überblick über die Bedeutung der verschiedenen Lieferanten

    Die ABC-Analyse (vgl. Tab. 2) ist ein einfaches Instrument, um sich über die Istsituation in Ihrem Unternehmen ein genaues Bild zu machen. Damit wird deutlich, in welchem Verhältnis Aufwand und Ertrag in einzelnen Bereichen stehen.

    Methoden der Kostensenkung im Einkauf: das C-Teile-Management

    Verbesserter Beschaffungsprozess senkt die Kosten einfacher Materialien

    Einsparungen im Bereich der C-Teile (vgl. Tab. 1) ergeben sich im Wesentlichen aus den Prozesskosten. 

    Typische C-Teile
    Nicht produktive C-Teile
    ​ProduktiveC-Teile
    ​Büromaterial, Computerzubehör, Reinigungsmittel, Sanitärbedarf, Arbeitsschutz, Betriebseinrichtung, Industriebedarf, Werkzeuge, Armaturen, Verpackungsmaterial, Öle, Schmierstoffe
    Normteile, Schrauben, Klebstoff, Dichtstoffe, Standardprodukte, Ersatzteile

    Tab. 1: Beispiele für C-Artikel

    Die Verlagerung der Disposition von C-Teilen in die jeweilige Fachabteilung führt zu einer Senkung der Prozesskosten im Einkauf, in der Fachabteilung und den zwischengeschalteten Stellen.

    Praxis-Beispiel
    Herkömmlicher Beschaffungsprozess
    Mitarbeiter Instandhaltung stellt einen Materialbedarf fest. Er teilt diesen Bedarf seinem Meister mit, der diesen prüft und das Formular ausfüllt, das er an den Einkauf gibt. Dieser prüft nochmals, klärt gegebenenfalls Rückfragen mit dem Meister oder der Instandhaltung, sucht einen passenden Lieferanten und erfasst die Bestellung. Später nimmt der Wareneingang die Lieferung an, macht die Qualitätskontrolle, bucht sie ein, die Ware gelangt in die Fachabteilung, die sie bestellt hat, der Lieferschein in den Einkauf. Der Einkauf kontrolliert die Rechnung, gibt sie frei oder klärt eventuelle Reklamationen und reicht die Rechnung nach Freigabe an die Buchhaltung weiter.
    Haben Sie mal überlegt, welche Kosten durch solch einen immer noch üblichen Weg verursacht werden? Versuchen Sie einmal die Zeiten für diesen Hauptprozess C-Teile-Bestellung und die zugehörigen Teilprozesse und Tätigkeiten zu erfassen und multiplizieren diese Minuten mit 75 Ct (exemplarische Kosten pro Arbeitsminute im Einkauf) und stellen Sie diesen Wert einmal dem Einkaufswert gegenüber.

    Wenn der Einkauf initiiert, für die C-Teile Lieferanten zu suchen, die kostengünstig, schnell und zuverlässig liefern können, und mit diesen Rahmenverträge aushandelt, ergibt sich eine Reihe von Vorteilen.

    • Die Überprüfung der Preise kann z.B. durch jährliche Ausschreibung erfolgen.
    • Der Lieferant verpflichtet sich, die C-Artikel direkt an die bestellende Kostenstelle zu liefern.
    • Anhand des ausgehandelten Kataloges kann die Fachabteilung die Bestellung selbst auslösen, selbstverständlich im Rahmen des vorgegebenen Budgets.
    • Die Rechnungsprüfung kann direkt in der Buchhaltung erfolgen, wenn die Fachabteilung die Aufgabe übernimmt, den Lieferschein einzubuchen.

    Ein anderes Modell, das im Handel weit verbreitet ist, ist der Regalservice durch den Lieferanten. Der Lieferant kommt zum Kunden, disponiert die fehlenden Teile und füllt das Regal wieder auf. Dies funktioniert z.B. mit Schrauben und anderen Normteilen im Maschinenbau sehr gut. Der Einkauf verhandelt mit dem Lieferanten Artikel, Mengen und Preise für ständig wiederkehrende Bedarfe und legt Mindestmengen fest, die nicht unterschritten werden sollen. Der Lieferant übernimmt die komplette Abwicklung und stellt eine Monatsrechnung über die bereitgestellten Materialien. Dazu gehört ein gewisses Maß an Vertrauen gegenüber dem Lieferanten. Er wird sich allerdings hüten, dieses Vertrauen zu missbrauchen. In den meisten Fällen stellt der Lieferant sogar das Regal und die Aufbewahrungsbehälter zur Verfügung. Auf diese Weise haben Sie immer ausreichende Bestände und sparen erhebliche Prozesskosten im Einkauf ein. Selbst wenn Sie im Endeffekt ein paar Cent mehr bezahlen, rechnet sich dieses Modell, wenn Sie berücksichtigen, dass ein Bestellvorgang Prozesskosten von mindestens 75 - 80 EUR verursacht.  

    ​Praxis-Beispiel
    Prozesskosten im Einkauf
    Durchschnittlicher Aufwand pro Beschaffungsprozess für Büro- und Verbrauchsgüter:
    Bearbeitung: 162 Min
    Durchlaufzeit: 6 Tage"
    Kosten: 90 EUR
     
    ​Tätigkeit ​Zeit (Min.)
    Bedarfsidentifikation​ ​15
    ​Bedarfsmeldung ​15
    Budgetkontrolle/Genehmigung​ ​5
    ​Buchhaltung ​7
    Bedarfsfreigabe​ ​3
    ​Marktsondierung ​15
    ​Angebotsanalyse ​20
    ​Bestellung ​10
    ​Wareneingangskontrolle ​15
    ​Transport zum Besteller ​25
    Rechnungsbuchung​ ​10
    ​Rechnungsprüfung ​17
    Zahlungsanweisung​ ​5
    Summe (Minuten) 162

    Tab. 2: Durchschnittlicher Aufwand pro Beschaffungsprozess für Büro- und Verbrauchsgüter

    Mittlerweile gibt es auch eine Reihe von Dienstleistungsanbietern, die die komplette C-Teile-Versorgung extern gewährleisten. Sie übernehmen die komplette Prozesskette für diesen Bereich des Einkaufs:

    • Kataloge studieren
    • Angebote einholen
    • Verhandeln
    • Bestellen
    • Wareneingangsprüfung
    • Lagerung
    • Verteilung an die Verbraucher
    • Rechnungsprüfung

    Auf diese Art und Weise reduzieren Sie die Prozesskosten erheblich. Ihre eigenen Einkäufer gewinnen zusätzliche Ressourcen für die Beschaffung von A- und B-Teilen und können aufgrund besserer Markt- und Produktkenntnis bessere Preise und Konditionen realisieren. Der Einkäufer kann sich auf seine Kernkompetenzen als Beschaffungsmarkt-Experte konzentrieren und ist nicht mehr in der Hauptsache Bestellabwickler.  

    Methoden der Kostensenkung im Einkauf: E-Procurement-Praxis und Investitionsgütereinkauf

    Elektronische Kataloge vereinfachen und beschleunigen Bestellvorgäng

    Zentrales Element des E-Procurement sind elektronische Kataloge. Die hohen Prozesskosten für die Beschaffung von C-Artikeln lassen gerade in diesem Bereich den Einsatz von Katalogen sinnvoll erscheinen. Aber auch standardisierbare A- und B-Artikel lassen sich mittlerweile mithilfe von E-Procurement-Plattformen beschaffen. Dies betrifft z.B. Zeichnungsteile oder auch Metalle und Bleche. Katalogsysteme bilden den Beschaffungsprozess elektronisch ab (vgl. Tab. 1).

    ​Phasen des Beschaffungsprozesses ​
    Herkömmlicher Weg​ ​via Katalogsystem
    ​1. Bedarfsidentifikation ​1. Bedarfsidentifikation
    ​2. Markterkundung vorab
    ​3. Bestellanforderung ​2. Bestellanforderung
    ​4. Vertragsprüfung automatisch
    5. Genehmigungsverfahren​ automatisch
    6. Freigabeerklärung​ automatisch
    ​7. Angebotseinholung vorab
    ​8. Angebotsauswertung nicht erforderlich
    9. Kaufentscheidung​ automatisch
    ​10. Wareneingang ​3. Wareneingang
    ​11. Rechnungseingang nicht erforderlich
    ​12. Rechnungsprüfung nicht erforderlich
    ​13. Zahlung automatisch

    Tab. 1: Prozesskettenverkürzung durch E-Procurement

    Die Bedarfsidentifikation bzw. -entstehung wird in die Fachabteilung verlagert. Der autorisierte Mitarbeiter wählt den Artikel aus dem Katalog aus, legt ihn in den Warenkorb und löst nach Erfassung aller benötigten Artikel die Bestellung aus. Mithilfe eines Berechtigungssystems und einer Budgetkontrolle sowie der Vergabe der Zugriffsrechte nur für bestimmte Materialgruppen lassen sich Genehmigungsverfahren automatisieren und Prozesskosten senken.

    Preise, Konditionen und Lieferant sind im System hinterlegt und freigegeben. Die Verhandlungen über das Gesamtpaket haben bereits vorher stattgefunden und wurden in eine Rahmenvereinbarung "gegossen". Die klassische Wareneingangsfunktion kann insofern entfallen, als dass mit dem Lieferanten eine kostenstellengerechte Anlieferung vereinbart wird und damit der Besteller die Wareneingangsprüfung vornimmt, den Wareneingang im System eingibt und die Erstellung einer Eingangsrechnung oder einer Ausgangsgutschrift auslöst. Die Rechnungsprüfung erfolgt systemintern durch Abgleich der Liefer- und Bestelldaten.

    Ist das E-Procurement-System an das Buchhaltungsprogramm angebunden, erfolgt eine automatische Zahlung nach Freigabe durch die Buchhaltung. Die Belegarchivierung erfolgt ebenso automatisiert. Sie können beispielsweise an den Regalen Sichthüllen mit vorgefertigten Bestellfaxformularen anbringen, die jeweils bei Erreichen eines Mindestbestandes direkt von den Lagermitarbeitern an den Lieferanten gefaxt werden.

    Die C-Teile-Beschaffung lagern Sie somit in die Fachabteilungen aus und gewinnen im Einkauf dadurch die Zeit, sich intensiv mit den A- und B-Teilen zu befassen.

    Investitionsgütereinkauf: Nicht das Machbare, sondern das Notwendige ist das Ziel

    Sie sollten als Einkauf auch bei der Beschaffung von Investitionsgütern und bei der Produktentwicklung eingebunden sein. Die Beschaffung von Investitionsgütern wird gern von den Fachabteilungen in eigener Regie durchgeführt. "Der Einkauf hat sowieso keine Ahnung davon, also brauchen wir ihn auch nicht zu beteiligen." Solche Auffassungen sind nach wie vor weit verbreitet. Bei der Festlegung technischer Determinanten mag dies noch zutreffen, was das einkäuferische Know-how angeht, liegen die Kompetenzen klar beim Einkauf.

    Ingenieure und Techniker neigen gern dazu, das zwar technisch Machbare zu realisieren, wichtig für den Betrieb ist aber das technisch Notwendige. Was nützen die tollsten Möglichkeiten, wenn der Kunde dies nicht honoriert.

    Praxis-Beispiel
    Konstruktionselemente am Bau ​
    Nehmen Sie an, Ihre Produkte werden für den Betonbau produziert - sagen wir Schalungshilfen aus Blech. Dazu brauchen Sie keine Maschinen und Anlagen, die auf den hundertstel oder auch zehntel Millimeter genau arbeiten. Die Fertigungstoleranzen am Bau sind wesentlich größer. Also müssen Sie dies beim Anlagenkauf berücksichtigen und nicht Geld für Funktionen ausgeben, die nicht benötigt werden. Letztlich führt dies zu Unwirtschaftlichkeiten, weil der Kunde es nicht bereit ist zu bezahlen.

    Kostentransparenz durch ganzheitliche Kostenbetrachtung

    Quelle: Haufe ProFirma Professional

    Beim Kauf von Investitionsgütern müssen Sie die gesamten Kosten des Lebenszyklus - Life Cycle Cost - berücksichtigen, also von vornherein die Folgekosten einbeziehen (vgl. Abb. 1).

    ​Praxis-Beispiel

    Ein gutes Beispiel sind Tintenstrahldrucker. Sie sind in der Anschaffung sehr billig. Haben Sie aber ein hohes Druckvolumen, werden Sie von den Kosten für die Tintenpatronen aufgefressen. Für zwei Satz Tintenpatronen bekommen Sie einen neuen Drucker, weil Sie jedes Mal praktisch den kompletten Druckkopf kaufen müssen. Ein Laserdrucker ist zwar in der Anschaffung wesentlich teurer, unter Berücksichtigung der Folgekosten jedoch wesentlich wirtschaftlicher.​

      
    Abb. 1: Effiziente und effektive Kostenoptimierung während aller Lebenszyklusphasen

    Abb. 1: Effiziente und effektive Kostenoptimierung während aller Lebenszyklusphasen

    Von Unternehmen wird einerseits erwartet, dass sie für ihre Eigentümer, aber auch für andere Interessenten wie beispielsweise die Lieferanten, nachhaltig Wert schaffen. Ihre Handlungen sollen nach Abzug aller internen Kosten einen Überschuss erzielen. Andererseits werden Unternehmen zunehmend angehalten, die von ihnen ausgehenden Umweltbelastungen zu kontrollieren und zu reduzieren. Beispielsweise bewirken schärfere gesetzliche Rahmenbedingungen (Altfahrzeug-Gesetz, Elektronikschrottrichtlinien) und neue Anforderungen der Einkaufs- und Absatzmärkte, dass Unternehmen sich eingehender mit den Folgekosten der einzukaufenden Produkte, beispielsweise dem Recycling, und der Entsorgung der Produkte beschäftigen müssen. Gerade Umweltkosten stellen aufgrund einer unzureichenden Berücksichtigung oft einen unüberschaubaren Gesamtkostenblock dar. Auch Instandhaltungs-, Wartungs- und Updatekosten sind einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen. Geringe Kostentransparenz erschwert die interne Planung und Steuerung. Externe Risikofaktoren wie z.B. sich ändernde Marktpreise bewirken, dass Folgekosten den Gewinn erheblich beeinträchtigen. Grundsätzlich läuft ein Produktentwicklungs-Projekt in folgenden Phasen ab, die jeweils betrachtet und einbezogen werden müssen, um die auf den ersten Blick nicht ersichtlichen Kosten zu erfassen (vgl. Abb. 2):

    • Initiierungsphase

    • Planungsphase

      Konzeption
      Konstruktion
      Design
    • Realisierungsphase

    • Betriebsphase

      Konzeption
      Konstruktion
      Design
    • Entsorgung 

    Abb. 2: Jede Phase im Zyklus verursacht Kosten

    Abb. 2: Jede Phase im Zyklus verursacht Kosten

    Wichtig ist der Faktor Zeit, die Produktlebensdauer, die realistisch geschätzt werden muss, um eine möglichst realitätsnahe Kostenschätzung zu ermöglichen. Aber auch hier gilt das Controller-Motto: "Es kommt nicht auf die letzte Nachkommastelle an."
    Im Vordergrund des Life Cycle Costing (LCC) steht die ganzheitliche Sichtweise (Lebenszyklusperspektive). Es werden steuerungsrelevante Informationen aus allen Lebensphasen des Produktes oder der Prozesse gesammelt und aufbereitet. Die Prozesse, die mit dem Recycling bzw. der Entsorgung verbunden sind, stellen einen festen Bestandteil der Betrachtung dar. Die ganzheitliche Sichtweise bringt den Vorteil mit sich, dass alle mit dem Projekt verbundenen Vorgänge und Kosten dem Projekt eindeutig zugerechnet, für dieses prognostiziert und analysiert werden. Kostensenkungspotenziale werden dadurch leichter identifiziert.

    Praxis-Tipp​

    Eine frühzeitige Kostenbeeinflussung kann weitgehend in der Phase der Produktgestaltung festgelegt werden. Es bietet sich daher an, dieses Potenzial zur Kostensenkung und gleichzeitig zur Schaffung einer Recycling-gerechten Produktzusammensetzung in der Vorlaufphase zu nutzen. Bereits hier müssen die Anforderungen an die ökologische Verträglichkeit der Produktart bzw. der dafür verwendeten Produktionsverfahren und des später benötigten Recyclingaufwands berücksichtigt werden. Die durch Ge- bzw. Verbrauch der Produkteinheit verursachten Belastungen der Umwelt und Kosten müssen vermieden oder zumindest möglichst gering gehalten werden. ​

    Vorteile und Nutzen des Life-Cycle-Costing-Konzepts

    Das LCC dient der effektiven und effizienten Steuerung von Werttreibern, indem die während des Lebenszyklus eines Produkts anfallenden Kosten und Erlöse analysiert werden.

    Als Planungsinstrument ermöglicht das LCC die Bewertung und Optimierung von einzelnen Prozessen und Technologien.

    Der LCC-Ansatz ermöglicht bei gegebenen Randbedingungen ein kostenoptimiertes Recycling-gerechtes Produktkonzept. Damit können unternehmensabhängig Kosteneinsparungen erreicht werden. Durch den Einbezug des technischen Restwerts von Komponenten, Bauteilen und Werkstoffen in die Kostenbetrachtung wird das im Recycling bzw. in der Entsorgung steckende Potenzial erfasst.

    Die Berücksichtigung der Wiederaufbereitungs- und Wiederverwendungsmöglichkeiten bedeutet für die Kostenrechnung eine Erweiterung des Bilanzierungsrahmens, was u.U. das Endergebnis der Kostenrechnung wesentlich beeinflusst.

    Vorgehensweise

    Die Vorgehensweise bei der Umsetzung orientiert sich an folgenden Schritten:
    Erfassen aller produkt- bzw. prozessbezogenen Kostenströme. Kosteneinsparungsanalyse von Produkten/Produktklassen unter Betrachtung aller Lebenszyklusphasen (inkl. Recycling- und Entsorgungsphase). Auswahl der kostenoptimalen Lebenszyklusstrategie für ein definiertes Spektrum an Produkten bzw. Prozessen. Erarbeiten alternativer Vorschläge für die kostenoptimale Produktentwicklung und -gestaltung für alle Phasen: Produktion, Nutzung, Recycling und Entsorgung. Überprüfen und Anpassen von Prozessintegration und -substitution. Ergänzende Betrachtung der notwendigen Logistik- und Organisationsaspekte mit Vorschlägen zur Steuerung sowie Optimierung, kumulierten Kosten, Lebenszyklusphasen. Am Beispiel der EDV lassen sich die einzelnen Punkte verdeutlichen.

    Versteckte Kosten – Was bei der Kostenbetrachtung häufig übersehen wird

    Strategische Planung innerhalb eines Unternehmens betrifft auch den EDV-Bereich. Die tatsächlichen Kosten für die unternehmensweite Technologiestruktur bilden dabei die Grundlage für weitere strategische Entscheidungen. Zumeist werden als Kosten für die EDV-Technologie aber nur die Investitionen für Soft- und Hardware betrachtet. Bei diesen Ausgaben handelt es sich jedoch nur um einen Bruchteil der tatsächlich entstehenden Kosten. Wird ein neuer Arbeitsplatz eingerichtet, so müssen auch die Aufwendungen für das Netzwerk anteilig hinzugezählt werden. Ebenso gehören laufende Betriebskosten zu den Auslagen für PC-Arbeitsplätze oder für Netzwerk-Server. Hinzukommende Schulungskosten für die Mitarbeiter und - anhand angestellter Rechnungen leicht nachvollziehbar - Aufwendungen für Support und Systemarbeiten externer Dienstleister. Das größte Paket bilden jedoch die "versteckten" Kosten: Unbeachtet bleibt oft, was der einzelne Anwender kostet, wenn er x Stunden an seinem Rechner arbeitet. Wie viel Zeit benötigen z.B. die Mitarbeiter für die Lösung ihrer Probleme mit Anwendungen oder Netzwerkinstallationen? All diese Ausgaben bestehen zwar, werden aber nicht zu den Technologiekosten gezählt. Um die Gesamtkosten transparenter und damit kalkulierbarer zu gestalten, ist es jedoch notwendig, alle Faktoren zu berücksichtigen.

    Praxis-Tipp​

    Institute wie die Aberdeen oder Gartner Group veröffentlichen alljährlich Prognosen im Bereich der Technologie-Gesamtkosten. Die Standards zur Kostenermittlung werden hierbei durch Befragung und Untersuchungen repräsentativer Stichproben gewonnen. ​

      

    In den so genannten "capital costs" - dazu gehören Software, Hardware und Netzwerk - verbergen sich die Kosten für Anschaffung und die Betriebskosten der Systeme. Sie bilden ca. 30 % der Gesamtkosten. Hier sind Einsparungen nur begrenzt möglich, da Hard- und Softwarelösungen effizient sein müssen. Anwenderzeit und der Aufwand für Systemunterstützung machen zusammen 70 % der gesamten Technologiekosten aus. Trotzdem verfügt dieser Bereich auch über das größte Einsparungspotenzial. Unter dem Gesichtspunkt immer effizienterer EDV-Lösungen steigen die Anforderungen bezüglich Supportleistungen. Die Anwenderzeit, also die Zeit, die ein Anwender de facto am Rechner arbeitet, soll sich aber bei gleichem Arbeitsaufwand nicht erhöhen. Im Gegenteil, mit modernen EDV-Systemen will man schnelleres und damit auch effizienteres Arbeiten ermöglichen. Zudem sollten Probleme, mit denen sich EDV-Benutzer konfrontiert sehen, möglichst schnell gelöst werden und vor allem den Anwender nicht unnötig aufhalten. Steigender Service- und Supportbedarf und gleichzeitige Kostensenkung in Bezug auf die Kosten der Anwenderzeit und Supportleistungen schließen sich aber nicht aus. Wenn in einem Unternehmen mehrere Anwender das gleiche Problem haben, so ist es sicher nicht sinnvoll, jeden selbst an diesem Problem arbeiten zu lassen. Es bietet sich an, bereits aufgetretene Probleme und deren Lösungen zu dokumentieren, um im Bedarfsfall darauf zurückgreifen zu können. Entscheidend bei Problemlösungen ist das Know-how auf eben diesem Fachgebiet. Diese Funktionen kann ein interner wie externer Mitarbeitersupport leisten. Im Unterschied zum "hauseigenen" Support kann aber ein externer Anbieter seine gesamten Erfahrungen bei einer Problemlösung oder bei Systemarbeiten einbringen: Ein Fehler, der in dem einen Unternehmen noch nie aufgetreten ist, ist aus einem anderen Unternehmen vielleicht schon bekannt. Dort wurde bereits eine Lösung erarbeitet und davon profitieren seitdem alle Kunden mit dem gleichen Problem. Zudem hat ein externer Supportanbieter den Vorteil, in engem Kontakt zu den Herstellern zu stehen. Auch das begünstigt schnelle Problemlösungen. Idealerweise besteht die Anwenderzeit dann nur aus der Arbeitszeit des Mitarbeiters, die er für das Erfüllen der Aufgabe mittels eines Computers benötigt. Voraussetzung für den effizienten Einsatz des PCs ist natürlich eine qualifizierte Schulung der Anwender. Aufwendungen für Administration, Wartung und Support- bzw. Systemarbeiten können mit Hilfe eines externen Dienstleisters transparenter gestaltet werden. Die Kosten sind damit kalkulierbar.

    Auszug aus dem Beitrag: Gewinne einkaufen - Kostensenkung in Einkauf und Materialwirtschaft