Letzten Dienstag fand im Quadriga Forum Berlin die zweite Veranstaltung unserer Eventreihe "Chancen und Potenziale von Cloud Computing" statt. Im Forum Gesundheit widmeten wir uns im gemeinsamen Dialog den sich durch moderne Technologie ergebenden Chancen für das Gesundheitswesen. Geladen waren: ein Politiker, Dr. Edgar Franke, MdB, ein Wissenschaftler, Prof. Dr. Roland Trill sowie ein Praktiker, Hugo Thiel von der Comparex AG. Die Moderation übernahm wie gewohnt Dr. Hajo Schuhmacher. In dieser Runde konnten wir mit einer Vielzahl interessanter Gäste die Probleme sowie durch Cloud Computing ermöglichte Lösungsansätze dieses für Staat und Bürger eminent wichtigen Sektors erörtern.

Allein die Fakten im Gesundheitswesen sind beeindruckend: 4,7 Millionen Beschäftige arbeiten hier, die jährlichen Kosten belaufen sich auf circa 260 Mrd. Euro, prognostiziert wird eine Verdoppelung in den kommenden Jahren. Trotz dieser horrenden Ausgaben ist die Situation in Deutschland alles andere als perfekt: Im europaweiten Vergleich der Gesundheitssysteme befindet sich Deutschland auf Rang 6, in Sachen eHealth sogar nur auf Platz 18. Diese schlechte Position bemängelte Dr. Franke, indem er fragte, warum Patienten in Israel fünf Minuten nach dem Arztbesuch ihre Untersuchungsergebnisse ausdrucken können – "warum geht eHealth so nicht bei uns?"

Ein deutscher Arzt verbringt ungefähr drei Stunden täglich mit dem Ausfüllen von Formularen. Nach Umfragen von TNS Infratest bemängeln 71% aller Deutschen die steigenden Gesundheitskosten und wünschen sich eine gesteigerte Effizienz. Der dringende Reformbedarf wird deutlich. Dies untermauerte auch Prof. Trill in seiner Forderung nach der stärkeren Nutzung von eHealth-Anwendungen. Hierdurch wird demnach die einzige Möglichkeit geboten, unser Gesundheitssystem bei gleichbleibendem Budget gegenüber einer durch die demografische Entwicklung bedingten Zunahme an versorgungsbedürftigen Menschen funktionsfähig zu halten. Die Lösung kann keine Einschränkung der Leistung sein, sondern vielmehr eine deutliche Effizienzsteigerung: Wir brauchen mehr Leistung bei gleichen Kapazitäten.

Zu den Hauptakteuren im Gesundheitswesen zählen außer den Ärzten die Patienten. Bei ihnen ist ein deutlicher Trend erkennbar: 62% der Deutschen würden ihre medizinischen Daten gerne selbst elektronisch verwalten und damit eine aktivere Rolle im eigenen Gesundheitsmanagement einnehmen. Dieser Wunsch zeigt unverkennbar, welche Rolle das Gesundheitswesen in Zukunft einnehmen sollte, und zwar die des Dienstleisters, der zum Bürger kommt und es ihm erlaubt, alle seine Daten ganzheitlich zu verwalten. Welche Daten für wen verfügbar sind, entscheidet der Bürger selbstbestimmt, denn Datenschutz ist in einem so sensiblen Bereich wie diesem essentiell.

Die Grundvoraussetzungen für diese Form des Gesundheitsmanagements bietet Cloud Computing. Die von Hugo Thiel geforderte Anbindung des Gesundheitswesens an die Telematik kann damit ebenso garantiert werden wie ein für Ärzte ständig verfügbares Gesundheitsportal, das in Notfällen sofortige und intersektorale Hilfe bestmöglich garantiert.

Die technischen Möglichkeiten sind also vorhanden. Was wir brauchen, ist ein Umdenken hin zu einer Offenheit gegenüber innovativen Technologien – nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Politik, welche die Rahmenbedingungen schaffen muss, und der Wirtschaft, die Sicherheit bieten und für Vertrauen sorgen muss, damit innovative Angebote wahrgenommen werden. Denn wie Dr. Franke sehr treffend plädiert: "Die Zukunft, auch im Gesundheitswesen, muss digital sein."