Deutschen Berufsanfängern bleibt die Sprache weg

Deutschen Unternehmen fehlt qualifizierter Nachwuchs. Viele junge Bewerber verfügen nicht über die notwendigen Schlüsselqualifikationen. Was noch gravierender ist: oft fehlt ihnen buchstäblich die Sprache. Dabei sind fundierte Deutschkenntnisse das A und O einer erfolgreichen Bildungskarriere. Weil Kinder in jungen Jahren besonders lernfähig sind, fordert Berit Heintz, Bildungsexpertin beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), die frühkindliche Sprachförderung im Vorschulalter zu intensivieren.

Jeder fünfte Grundschüler in Deutschland kann nicht richtig lesen

Einer von fünf Grundschülern in Deutschland kann nicht richtig lesen. Das ist eines der Ergebnisse der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU), die seit 2001 alle fünf Jahre das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern am Ende der vierten Jahrgangsstufe international untersucht. Ein Vergleich der drei Erhebungen IGLU 2001, 2006 und 2011 zeigt auf: Die Leseleistungen deutscher Viertklässler von 2011 haben sich verschlechtert und entsprechen in etwa dem Leistungsniveau von 2001.

Unternehmen haben es schwer, geeignete Auszubildende zu finden

Die „Sprachlosigkeit“ der Kinder hat weitreichende Konsequenzen, denn nicht nur der schulische Werdegang ist davon betroffen, das unzureichende Sprachvermögen gefährdet auch den Eintritt und das Bestehen in der heutigen Arbeitswelt. „Für die Unternehmen wird es durch die demografische Entwicklung immer schwieriger, ausreichend geeignete Jugendliche für eine betriebliche Ausbildung zu finden“, so Berit Heintz, Bildungsexpertin des DIHK. „Mehr als die Hälfte aller Ausbildungsbetriebe leistet selbst Nachhilfe, um die Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen zu verbessern. Viele engagieren sich auch in Partnerschaften mit Schulen, um den Schülerinnen und Schülern die praktische Relevanz des Schulwissens nahe zu bringen. Fest steht: Da wir weniger werden, muss die Produktivität steigen, wenn wir unsere Wirtschaftskraft und unseren Wohlstand erhalten wollen. Wir brauchen also die Kreativität, die Ideen und die Tatkraft aller“, betont Heintz.

Investition in frühkindliche Bildung zahlt sich aus

Die Beherrschung der deutschen Sprache ist die Grundlage für eine erfolgreiche Schulkarriere und eine berufliche Zukunft. Die Förderung der Sprache sollte deshalb nach Auffassung von Berit Heintz so früh wie möglich beginnen. „Kinder im Vorschulalter lernen besonders schnell und leicht. Was wir heute in die frühkindliche Bildung investieren, können wir womöglich später sparen, wenn wir dadurch die Zahl der Schulabbrecher reduzieren können. Die Bildung und Sprachförderung im Vorschulalter ist dabei vor allem für die Kinder wichtig, deren Eltern wenige Lerngelegenheiten und -impulse anbieten.“

Lernstoff an Schulen muss praxisorientierter werden

Neben der Förderung in Kindertageseinrichtungen ist ein Umdenken in den Schulen unerlässlich: „Schulen müssen ihre Arbeit anschlussorientierter ausrichten. Sie bereiten ihre Schülerinnen und Schüler nicht allein und in erster Linie auf die Abschlussprüfungen vor, sondern auf das Leben danach. Deshalb sollte der Lernstoff deutlich praxis- und lebensnäher sein als heute. Enge Kooperationen mit Unternehmen und anderen Institutionen, wie zum Beispiel Vereinen, Kultur- und sozialen Einrichtungen bieten sich dafür an. Lernförderprogramme und Konzepte für individuelles Lernen müssen in den Schulen entwickelt und umgesetzt werden“, so die Bildungsexpertin des DIHK weiter.

Bereitschaft zu lebenslangem Lernen wird vorausgesetzt

Neben einer guten Allgemeinbildung und der Fähigkeit Texte lesen, verstehen und selbst verfassen zu können, müssen Berufsanfänger die Motivation haben, sich stetig weiter zu entwickeln. „Worauf heute mehr Wert als früher gelegt wird, sind solche Kompetenzen wie Kommunikations- und Teamfähigkeit oder sich in einer Flut von Informationen zu Recht zu finden und Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden zu können. In einer Zeit, in der sich das Weltwissen rasend schnell vervielfacht, gehört auch die Bereitschaft lebenslang zu lernen dazu“, so Heintz.

Schlaumäuse-Kinder haben es leichter im Leben

Durch die Sprachlernsoftware „Schlaumäuse – Kinder entdecken Sprache“ wird das Sprachvermögen frühzeitig gestärkt, sprachliche Defizite können rechtzeitig vor Eintritt in die Schule ausgeglichen werden. Das bestätigt eine Umfrage im Jahr 2011 unter 300 Erzieherinnen und Erziehern: Rund 90 Prozent der Kinder, bei denen die Schlaumäuse im Kindergarten eingesetzt wurden, verfügen über die zur Einschulung notwendigen sprachlichen Fähigkeiten. Doch die Schlaumäuse verbessern nicht nur den deutschen Wortschatz. Die Kinder werden spielerisch an neue Medien herangeführt und lernen den sinnvollen Umgang mit dem Computer. Das gemeinsame Spielen fördert das soziale Miteinander und die Fähigkeit, sich auszutauschen und in der Gemeinschaft nach geeigneten Lösungswegen zu suchen. All dies sind wertvolle Kompetenzen, die den Kindern bei ihrem schulischen und beruflichen Weg helfen.

Verwandte Artikel

Weiterführende Links

Verwandte Downloads

Verwandte Videos