Ein Start-up-Team aus Hannover entwickelt ein System zur Vermeidung von Staus, das neben einer hohen Zeitersparnis auch den Ausstoß von CO2 verringert und Treibstoffverbrauch senken hilft



Deutschland hat 2012 1,6 Prozent mehr Treibhausgase in die Luft geblasen als im Vorjahr, vermeldete die Nachrichtenagentur Reuters Ende Februar. Die IT-Lösung „Nunav“ kann helfen, dies wieder zu verringern.

Geboren wurde die Idee in einem Café in London. Damals noch als Studenten, beobachteten Christian Brüggemann und seine Kommilitonen, wie sich der Verkehr durch eine Straße quälte, während andere Wege komplett frei waren. „An der Universität hatten wir uns intensiv mit Graphentheorie und Algorithmen beschäftigt“, erzählt Christian Brüggemann. Auf dieser Basis sei dann ihre „Nunav“-Lösung zur Vermeidung von Staus entstanden.

Das Prinzip ihres Systems funktioniert so: Per GPS werden alle 30 Sekunden Position und Geschwindigkeit der mit „Nunav“ ausgestatteten Navigationssysteme an einen Server weitergeleitet. Daraufhin ermittelt ein Algorithmus den Verkehr in Echtzeit und legt gleichzeitig eine maximal mögliche Auslastung aller Straßen fest. Erkennt das System, dass sich zu viele Fahrzeuge gleichzeitig einer Route nähern, leitet die Lösung weitere Autos auf individuelle Wege um. Auf diese Weise wird das ganze Straßennetz effizient ausgelastet und Staus werden von vornherein vermieden. „Die üblichen Navigationslösungen bieten zwar eine Stauumfahrung an, aber auch die ist dann schnell überlastet“, sagt Brüggemann. Bei ersten Tests mit einer Simulationssoftware ergab sich eine um die Hälfte reduzierte Fahrtzeit bei Stadtfahrten und die Senkung des Treibstoffverbrauchs von durchschnittlich 7,5 auf 6,5 Liter. Darüber hinaus wurde eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um rund 20 Prozent gemessen. „Selbst wenn nur zehn Prozent der Autofahrer einer Region mit ‚Nunav‘ ausgestattet sind, funktioniert unser System“, so Brüggemann.

Mit seiner Idee bewarb sich das Team 2009 beim internationalen Studentenwettbewerb „Imagine Cup“, den Microsoft einmal jährlich veranstaltet. „Wir haben es bis zu den internationalen Finalrunden nach Kairo geschafft. Für einen Preis reichte es leider nicht. Uns mangelte es an Präsentationserfahrung und betriebswirtschaftlichem Wissen. Deshalb haben wir unser Projekt weiter vorangetrieben und 2012 noch einmal an dem ‚Imagine Cup‘ teilgenommen“, berichtet Brüggemann. Diesmal mit großem Erfolg: Das Team überzeugte die internationale Fachjury in Sydney, Australien, und erhielt den Sonderpreis für ökologisch nachhaltige Projekte über 10 000 US-Dollar. Damit nicht genug: Neben diversen Präsentations- und Technologie-Seminaren gewannen die Hannoveraner auch den „Imagine Cup Grant“ mit 100 000 US-Dollar. „Mit diesem Geld können wir nun ein Jahr lang weiter an unserer Lösung arbeiten und sie marktfähig machen.“

Staufrei ans Ziel

Eine zweite Testpilotphase mit 60 Microsoft-Mitarbeitern, die zwei Monate lang während ihrer Autofahrten „Nunav“ ausprobierten, verlief extrem positiv. „Inzwischen haben wir uns entschieden, keine App zu erstellen, sondern ‚Nunav‘ als Service für Navigationshilfeanbieter über Lizenzierungen anzubieten“, erläutert Brüggemann. Einige Interessenten gibt es schon, darunter Nokia Drive. Den Kontakt vermittelte Microsoft. Bis 2014 will sich das junge Unternehmen mit den ersten Kunden gut aufgestellt haben. „Bis dahin unterstützt uns Microsoft mit der kostenlosen Nutzung ihrer Serverstruktur, was für uns eine große Kostenersparnis bedeutet, denn wir benötigen eine große Serverkapazität“, sagt der Informatiker.

Gestartet mit dem Ziel, für einen Studentenwettbewerb Informationstechnologien so einzusetzen, dass sie globale Herausforderungen wie Klimaschutz und Energieverschwendung lösen helfen, kann „Nunav“ vielleicht schon bald freie Fahrt bei weniger CO2-Ausstoß auf allen Straßen bescheren.