Am 26. Mai fand im Roten Rathaus in Berlin eine Fachtagung zur Medienbildung in Kindertagesstätten und Grundschulen statt, veranstaltet von BITS 21 im fjs e.V. BITS 21 entwickelt Fortbildungskonzepte zur Medienbildung in Kindertagesstätten und Schulen sowie Gestaltungskonzepte zur medienerzieherischen Zusammenarbeit mit Eltern und Familie.

Die Themen der Vorträge und Foren erstreckten sich von der Bedeutung der Medienerfahrung im frühkindlichen Bildungsbereich über die Herausforderungen für die Medienpädagogik in der digitalen Lebenswelt bis hin zur Vorstellung von Fortbildungskonzepten und Projektangeboten für die praktische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Der Mix der Referenten aus verschiedenen Bundesländern und ganz verschiedenen Tätigkeitsfeldern war sehr gelungen und hat, wie ich finde, einen guten Überblick zum Stand der Dinge in Sachen Medienbildung in Deutschland gegeben.

Highlights waren die Vorträge von Frau Prof. Gudrun Marci-Boehncke von der TU Dortmund und Herrn Prof. Franz Josef Röll von der Hochschule Darmstadt. Frau Prof. Marci-Boehncke referierte zur Bedeutung früher Medienerfahrung und zu den Potenzialen für frühkindliche Bildungsprozesse. Ihr Credo lautet: "Erst die Themen, dann die Medien". Eine umfassende Verschränkung von Produktion, Inhalt, Rezeption und Konsum ist notwendig, um die dem Lernen förderliche Medienkonvergenz zu erreichen. Herr Prof. Röll referierte sehr unterhaltsam zum Wahrnehmungswandel, der durch die digitalen Lebenswelten eingetreten ist, und welche Herausforderungen das nicht nur für die Medienpädagogik mit sich bringt. Medien spielen heute eine große Rolle bei der Identitätsbildung von Kindern und Jugendlichen. Die Verantwortung von Eltern, Erziehern und Lehrern liegt wie eh und je darin, sie bei der Identitätsfindung zu begleiten und zu unterstützen.

Beindruckt haben mich die Praxisbeispiele aus Bremen, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern zur Medienbildung in der Schule. Die Referenten der jeweils zuständigen Landesinstitute haben drei unterschiedliche Konzepte zur Medienbildung aus den sehr verschieden strukturierten Bundesländern vorgestellt.

Meine persönliche Quintessenz: die föderale Struktur des staatlichen Bildungswesens, aber auch die stark segmentierte Trägerlandschaft nicht staatlicher Einrichtungen verhindert eine schnelle und flächendeckende Umsetzung existierender Bildungspläne und praktischer Angebote im Bereich Medienbildung. Die Struktur birgt aber auch die Möglichkeit in sich, dass einzelne Einrichtungen und Regionen ihre individuellen, dem jeweiligen Bedarf entsprechenden Konzepte anwenden dürfen. Es gibt sehr gute Beispiele gelungener Medienbildung, denen zu wünschen ist, dass sie Schule machen. Es bedarf aber auch noch einiger Harmonisierungsprozesse, um sicherzustellen, dass das Angebot überschaubar und finanzierbar bleibt, so dass im Sinne der Bildungsgerechtigkeit alle von den Entwicklungen profitieren können.