Intensive Unterstützung für Start-ups

Vordenker brauchen Freiräume. Das großzügig gestaltete Dachgeschoss von Microsoft Berlin bietet einen idealen Ort für kreative Visionäre. Im Rahmen eines viermonatigen Accelerator-Programms haben hier ausgewählte Start-ups die Möglichkeit, ihre Geschäftsmodelle gemeinsam mit Experten voranzutreiben. Am 18. August sind nach einem erfolgreichen ersten Durchgang acht neue Teams mit ihren innovativen Ideen in ihr kostenloses Büro auf Zeit gezogen. Marius Sewing, Microsoft CEO in Residence, leitet das Projekt.

Welche Aufgabe übernehmen Sie beim Accelerator-Programm?

Seit Januar 2014 leite ich das Programm als CEO in Residence und unterstütze tatkräftig die teilnehmenden Start-ups. Ich bin in einem täglichen Austausch mit ihnen. Ich kann mich gut in die Lage der Teilnehmer hineinversetzen, weil ich seit zehn Jahren in der deutschen IT-Gründerlandschaft aktiv bin und vor meiner Tätigkeit bei Microsoft selbst ein Unternehmen gegründet habe. Aus diesem Grund weiß ich, welche Herausforderungen und Hürden es zu meistern gilt.

Welche Ziele verfolgt Microsoft mit dem Programm?

Der Accelerator ist ein sehr intensives Beschleunigungsprogramm. Ziel ist es, dass die jungen Unternehmen es schaffen, ihre Potenziale national sowie international voll zu entfalten. Damit dies in möglichst kurzer Zeit gelingt, stehen den Gründern zahlreiche Spezialisten, Mentoren und Partnerunternehmen zur Seite. Zusammen mit ihnen erarbeiten die ausgewählten Start-ups wichtige Themenfelder wie zum Beispiel Marketingstrategien oder erörtern steuerrechtliche Problematiken. Aber wir arbeiten auch hart an der Umsetzung ihrer Technologien. Dabei wird immer auf die individuellen Eigenschaften der Unternehmen eingegangen, denn es gibt keine Universallösung, die für alle gilt.

Das weltweite Programm ist letztes Jahr in Berlin an den Start gegangen. Welche Zwischenbilanz ziehen Sie?

Wir bekommen permanent Rückmeldungen von den Teilnehmern, und diese fallen extrem positiv aus. Das Programm bietet den Jungunternehmern einen enormen Mehrwert. Das Zusammenbringen mit Partnerunternehmen aus verschiedenen Industrien sowie möglichen Investoren ist für sie extrem wichtig. Gerade an diesen beiden schwierigen Punkten scheitern sehr viele Gründungsunternehmen. Als Teilnehmer des Accelerator-Programms erhalten die Start-ups Zugang zu ganz, ganz starken Firmen im Markt, die auf Innovationen setzen. Auch bei der Investorensuche können die Accelerator-Absolventen viel selbstbewusster auftreten.

Wie geht es den neun Start-ups, die in Berlin als erste das das Programm durchlaufen haben?

Es läuft für die Unternehmen richtig gut und alle neun haben es geschafft, sich am Markt zu etablieren. Es gibt sogar einige, die mit ihrem Geschäftsmodell geradezu durch die Decke gehen, so dass man nur staunend daneben steht. Das sind zum Beispiel MyLorry oder Sensorberg. Beide Firmen haben bereits Investoren gefunden, die über eine Million Euro an Finanzierungsgeldern in die Projekte einfließen lassen. Sie sind jeweils mit zwei, drei Gründern gestartet und haben jetzt schon 10-köpfige Teams.

Der Startschuss für den zweiten Durchgang des Programms fällt am 18. August. Was sind Ihre Erwartungen?

Wir hoffen, dass wir mit den ausgewählten acht Firmen neue, starke Impulse für Berlin setzen können. Unser Ziel ist es, die Existenzgründer auf ihrer spannenden Reise zu stärken, damit sie mit ihren Ideen etwas Großes bewegen und einen Mehrwert für die ganze Stadt leisten können.

360 Bewerbungen waren es bei der Premiere. Jetzt haben sich bereits 500 Start-ups um eine Teilnahme beworben. Warum bewerben sich so viele Gründer?

Neben der Chance, von dem umfangreichen Netzwerk eines großen Unternehmens wie dem unsrigen zu profitieren, bleiben die Start-ups bei unserem Programm unabhängig. Denn im Gegensatz zu anderen Accelerator-Programmen müssen sie keine Anteile an ihrer Firma abgeben. Das ist mit Sicherheit ein entscheidender Grund, warum das Programm so beliebt ist und einen solch hohen Zuspruch hat. Weltweit haben das Accelerator-Programm inzwischen schon rund 120 Start-ups durchlaufen. 85 Prozent der Existenzgründer bekamen im Anschluss eine weitere Finanzierung. Das Programm von Microsoft wird in sechs Ländern angeboten, neben Deutschland sind das Indien, China, Großbritannien, Frankreich und Israel.

Es heißt, dass die Gründerlandschaft in Deutschland noch zu gering ausgebaut ist. Viele kritisieren, dass es zwar gute Ideen gibt, aber dass diese nicht ökonomisch umgesetzt werden. Woran liegt das, und kann ein Accelerator Abhilfe schaffen?

Ja, absolut! Häufig scheitern junge High-Tech-Gründer daran, dass sie keine Investoren finden. Ein Accelerator-Programm hilft den jungen Unternehmen bei der Etablierung im Markt, und dazu gehört auch die Suche nach geeigneten Finanzgebern. Das ist ein wichtiger Punkt, an dem wir täglich mit den Programmteilnehmern arbeiten.

In welchen IT-Bereichen kann sich Deutschland zukünftig einen Wettbewerbsvorteil sichern?

Wenn es um das Thema Datensicherheit geht, wie zum Beispiel Cloud-Storage, gibt es tolle Ansätze. Auch im Consumer-Bereich haben wir spannende Firmen. Ich glaube darüber hinaus fest an die lokalen, digitalen Ökosysteme und die lokale Innovation. Da gibt es sehr viel Potenzial für zukünftige Unternehmen.

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