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„Technologie soll den Menschen dienen“

„Technologie soll den Menschen dienen“

Artikel vom 20.05.2014

Bei einem Vortrag bei Microsoft Berlin erläuterte Brad Smith, Executive Vice President und Chefjustiziar von Microsoft, im prall gefüllten Atrium seine Sicht auf die zentralen Themen Datenschutz und Datensicherheit. Ihm gehe es dabei vor allem darum, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen, sagte er vor mehr als 150 Zuhörern am Montagabend.

Smith erinnerte an die Vision der Microsoft-Gründer, die sich vor fast 40 Jahren vorgenommen hatten, einen Personal Computer in jeden Haushalt zu bringen. „Heute findet sich nicht nur auf jedem Schreibtisch ein Computer, sondern sogar in jeder Hosentasche“, sagte Smith. Doch statt diesen außergewöhnlichen Erfolg feiern zu können, müsse man sich heute vor allem mit neuen Gefahren beschäftigen. Was müssen Regierungen in aller Welt und was können Technologie-Unternehmen tun, um Vertrauen zurückzugewinnen? Um diese Frage kreiste seine Rede.

Seit im vergangenen Juni zum ersten Mal Berichte über ein NSA-Programm namens „Prism“ erschienen seien, habe man gerätselt, in welchem Ausmaß Microsoft davon betroffen sei. Erst als Ende Oktober die Washington Post berichtete, dass Regierungsstellen systematisch Technologieunternehmen gehackt hätten, musste Microsoft von einem ähnlichen Regierungszugriff ausgehen. Das Unternehmen hat daraufhin die Verschlüsselung aller Microsoft-Services verstärkt. Als zweite Maßnahme richtete die Firma Transparenz-Center in aller Welt ein, um Regierungen vor Ort die Möglichkeit zu geben, sich davon zu überzeugen, dass in die Software keinerlei Hintertüren o.ä. eingebaut sind. In Berlin, Brüssel, Peking und Washington gibt es zudem Center, in denen der Dialog mit allen Beteiligten – von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und zivilgesellschaftlichen Organisation bis hin zum Endkunden – geführt wird.

Drittens wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen, um über die Anfragen der USY-Regierung zur Datenweitergabe informieren zu können. Viertens ermöglicht es Microsoft seinen Kunden, Daten außerhalb der USA zu speichern – in Europa etwa in Datencentern in Irland und den Niederlanden –, um sie dem Zugriff amerikanischer Behörden zu entziehen.

Brad Smith betonte die Notwendigkeit, Gesetze und den Gesetzesvollzug in den USA zu reformieren. Die Washington-Post-Enthüllung sei ein Erdbeben gewesen, das die großen Technologieunternehmen zusammengebracht und gemeinsame Reform-Initiativen ausgelöst habe. Microsoft ging sogar soweit, die eigene Regierung zu verklagen – woraufhin die Obama-Administration Anfang des Jahres einem Vergleich zustimmt und der Präsident einer Veröffentlichung der Regierungsanfragen zugestimmt habe. Ein wichtiger Politikwechsel des Weißen Hauses.

Smith forderte weitere Schritte: Das Erweitern der Transparenz, eine Reform der Geheimgerichte, eine Anerkennung des Prinzips, dass die Gültigkeit von US-Gesetzen an amerikanischen Grenzen endet – wofür man bereit sei, bis zum Supreme Court zu gehen – und die offizielle Versicherung, dass die Regierung sich nicht in Datenbanken einhackt. „Unserer Reise in Richtung Reform ist nicht zu Ende, bis all diese Schritte vollzogen sind“, sagte Smith.

Zum Schluss erinnerte er an die Pflicht der Technologieunternehmen, die Privatsphäre seiner Kunden zu respektieren. „Den Menschen ist ihre Privatsphäre nicht egal – kommen sie doch mal nach Berlin“, müsse er amerikanischen Gesprächspartnern manchmal sagen. Er plädierte für verstärkte internationale Zusammenarbeit bei der Herausforderung, gemeinsame, grenzübergreifende Regeln für Datensicherheit zu entwickeln.

Zum Schluss erinnerte Brad Smith daran, dass es in der ganzen Diskussion immer um die Menschen gehe. „Technologie ist ein Werkzeug, das den Menschen dienen soll“, sagte Smith. „Nicht andersherum. Und so soll es auch bleiben.“