Barcelona gestaltet die Stadt der Zukunft

Barcelona gestaltet die Stadt der Zukunft
Barcelona wurde im dritten Jahrhundert v. Chr. gegründet und ist die zweitgrößte Stadt Spaniens mit 1,6 Millionen Einwohnern und rund 14.000 Angestellten. Die Stadt Barcelona gilt als globaler Wegbereiter im Bereich Handel, Tourismus, IT und Architektur. Sie arbeitet zudem aktiv – mit Technologie – an einer erfolgreichen Gestaltung ihrer eigenen und der Zukunft anderer Städte.
Jede Behördenstelle in Barcelona verwendet ein anderes System und Tools von Drittanbietern, um Prozesse wie Business Intelligence (BI) zu verwalten. Vor 2013 bedeutete dies, dass Mitarbeiter unterschiedliche Daten manuell zusammentragen mussten, um Einblick in städtische Dienstleistungen wie Transport- und Notfall-Einsatzteams zu erhalten. Diese manuellen Prozesse verlangsamten die Effizienz und erhöhten die Kosten. Mit der Entstehung sozialer Medien und anderer neuer Technologien wurden riesige Mengen an öffentlichen Daten verfügbar, blieben jedoch von der Stadt und den Bürgern ungenutzt.
Um Fortschritte zu erleichtern, entschied sich die Stadt Barcelona für eine erschwingliche, einfach zu bedienende Big Data-Lösung in der Cloud. „Wir bereiten uns auf eine neue Ära vor, wo wir Big Data nutzen können, um die Lebensqualität der Menschen durch bessere Dienstleistungen und Wirtschaftswachstum zu verbessern“, sagt Lluis Sanz Marco, Director of Information am Städtischen Institut für Information der Stadt Barcelona.
Nachdem Cloud-Technologien geprüft wurden, entschied sich die Stadt Barcelona, eine Big Data-Pilotlösung auf der Microsoft-Plattform aufzubauen. Für die Lösung werden Windows Azure, Windows Azure HDInsight Service und Microsoft SQL Server 2012 Enterprise Edition-Software verwendet sowie das Betriebssystem Windows 8 und das Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel 2010. „Mit Windows Azure HDInsight können wir umfangreiche und komplexe Daten im Vergleich zu anderen Parallelverarbeitungstechnologien zu angemessenen Kosten analysieren“, so Marco. Zur Unterstützung bei der Entwicklung und Bereitstellung der Big Data-Pilotlösung engagierte die Stadt Bismart, einen Microsoft Big Data-Partner und Microsoft Business Intelligence-Partner des Jahres.
Im Jahr 2011 erstellte ein Team bestehend aus Entwicklern von Bismart und der Stadt eine Hybrid-Cloud, um einige Abteilungssysteme auf Windows Azure zu übersiedeln, während andere im privaten Netzwerk der Stadt verblieben. Die Stadt Barcelona arbeitete mit Bismart auch an der Erstellung von drei neuen Dienstleistungen: Open Data, bigov Better City Indicators und das La Mercè-Festival. Alle drei Dienstleistungen, die sich derzeit in der Pilotphase befinden, können die Stadt beim Erreichen ihrer Ziele, bessere Dienstleistungen und mehr staatliche Transparenz zu bieten, unterstützen.
Bigov Better City Indicators
Um für mehr staatliche Transparenz zu sorgen, arbeitete die Stadt mit Bismart an der Erstellung eines Dashboards, das als bigov Better City Indicators bezeichnet wird. Das für Beamte und Bürger entwickelte Dashboard bietet fast in Echtzeit Einblicke in 120 Key-Performance-Indikatoren (KPIs). Diese Indikatoren liefern Messdaten über Themen wie Verwaltungsvorgänge, Stadtdienstleistungen einschließlich öffentlicher Fahrrad-Nutzung und Anzahl der Menschen auf jeder Busroute sowie die Wirtschaft und Bevölkerungsdemografie. Bismart entwickelte zudem die Windows 8-App unter Verwendung von Microsoft Visual Studio 2010 Premium.
La Mercè-Festival
Um die Planung des größten jährlichen Festivals Spaniens, La Mercè, zu optimieren und die Durchführbarkeit von Big Data zu testen, arbeitete die Stadt Barcelona mit Bismart an der Erstellung des La Mercè-Diensts. Beamte erhalten dadurch Einblick in strukturierte und unstrukturierte Daten bezüglich des Festivals, wodurch die Stadt ihre Dienstleistungen verbessern sowie höhere Besucherzahlen besser bewältigen kann. Die gesammelten Daten beziehen sich auf die Festival-Unterhaltung und Verpflegungsmöglichkeiten, Bürgerinteresse und -zufriedenheit, Mobilität der Besucher und Störfallerkennung. Andere Datenquellen geben Einblick in Kreditkartentransaktionen, Website-Besuche, Kundendienstanfragen, GPS-Daten, Verkehrsstatus, Wetterdaten und Parkmöglichkeiten. Die Stadt erhält auch Einblick in die Zahl der Besucher, die das Festival durch ein bestimmtes Tor betreten haben und Statistiken über medizinische Notfälle und Straftaten. Dadurch können vergangene Störfälle klein gehalten und zukünftige Festivals verbessert werden.
Verbesserung der Lebensqualität und Geschäftschancen
Die Bereitstellung von kostenlosen Open Data-Diensten bietet auch Chancen für Unternehmen, um neue Apps und Onlinedienste zu erstellen. Die Fähigkeit, Big Data sinnvoll zu nutzen, verbessert darüber hinaus deutlich die städtischen Dienstleistungen. Mitarbeiter können die Anforderungen der Besucher aufgrund der Aufzeichnungen in staatlichen Systemen, in sozialen Medien und durch GPS-Signale, die Auskunft über das Verhalten der Besucher im Stadtraum geben, besser erkennen.
Die Stadt Barcelona kann ihren erhöhten Dateneinblick beispielsweise zur Optimierung des öffentlichen Fahrradverleihsystems, dem sogenannten Bicing-Programm nutzen. Lluis Sanz Marco betont: „Eines der Probleme in Großstädten wie Barcelona ist der öffentliche Nahverkehr. Wir verfolgen die Busrouten sowie andere Transportmittel wie den Fahrradverleih. Durch Verarbeitung der Daten können wir die erforderlichen Erkenntnisse gewinnen, um die Fahrräder auf unterschiedliche Weise zu verteilen, sodass die Benutzer sie für den Anschluss an andere Transportmittel wie Busse oder Züge verwenden können. Darüber hinaus können wir den Menschen mehr Möglichkeiten für den öffentlichen Nahverkehr bieten und dadurch ein nachhaltigeres Modell schaffen.“
Mit der neuen Big Data-Lösung kann die Stadt Barcelona eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Bürgern, Unternehmern und Touristen fördern. „Unsere Windows Azure Big Data- und BI-Lösungen sind wirklich internationale Projekte“, sagt Marco. „Sie helfen nicht nur unserer Stadt, sondern können darüber hinaus die Grundlage für eine intelligente Stadtinfrastruktur bilden, wie sie von der City Protocol Society vorgeschlagen wird. Bei Erfolg könnten auch andere Städte den Rahmen verwenden, um Dienstleistungen zu verbessern. Außerdem könnte man durch Vergleiche zwischen den Standorten den Menschen weltweit bei der Entscheidungsfindung, wo sie leben und investieren möchten, helfen.“