Cloud und Consumerization... die Macht der Ressourcenwahl

Zu den Gründen, warum meine Funktion bei Avanade so interessant ist, zählen die Gespräche, die ich mit den Kunden darüber führe, wie sich technologische Umwälzungen (wie die Cloud) auf ihr Geschäft und IT-Strategien auswirken. Die Auswirkungen verstärken sich in Verbindung mit anderen wichtigen Trends sogar noch, wie z. B. mit der Consumerization of IT (dem zentralen Thema dieses Beitrags).

Zunächst einmal ist die Verwirrung häufig ziemlich groß, wenn es darum geht, was überhaupt den Umfang und die Auswirkung der Consumerization of IT ausmacht, und die Debatte zu den Bedeutungsunterschieden ist oft hitzig. Jemand sagte mir, dass jeder, der als IT-Berater im Unternehmen fungiert und Consumerization of IT auf „Integration des Spielerischen und tolle Geräte“ reduziert, ganz entscheidende Auswirkungen übersieht. Es handelt sich in jedem Fall um einen Trend, der bei IT-Entscheidungen ganz oben auf der Prioritätenliste stehen muss.

Ich habe bereits erwähnt, dass immer höhere Beträge für IT ausgegeben werden, auf die der CIO keinen direkten Einfluss mehr hat, und es sich dabei um ein Ergebnis der Consumerization of IT handelt.

Unabhängig von der vollständigen und genauen Definition und Auswirkung beinhaltet die Consumerization of IT meiner Ansicht nach zwei Aspekte.

Consumerization of IT ist:

  • Aufkommende Erwartungen der Endbenutzer hinsichtlich sofortiger Belohnung und Agilität in Verbindung mit ineinanderfließenden geräte- und mobilitätsorientierten Aktivitäten des Arbeitslebens... UND
  • die Aufnahme von Verhaltensweisen, die von Kräften des Markts bestimmt werden, in die Entscheidungsfindung von Personen und Unternehmenseinheiten hinsichtlich der Inanspruchnahme von IT-Diensten. Kurzum: „Die Macht der Wahl”.

Das war noch nie so deutlich wie heute, da wir den Nachweis für diesen Vorgang in der Praxis erleben, wie ich im Folgenden erläutern werde.

Bei einer effizienten Lieferkette im Unternehmen fließen die Budgetmittel für Rohmaterial und Dienste in der Regel an den Lieferanten, der für gleiche Qualität den günstigsten Preis anbietet. In der IT wäre das normalerweise ein externer Spezialist. (Angenommen, Sie vertreten eine Bank, dann läge Ihr Wettbewerbsvorteil darin, der Beste im Bankwesen zu sein und nicht im E-Mail-Hosting.) Ist das nicht der Fall, liegt das meist an den Transaktionskosten, wie den Kosten für die Suche, Verhandlungskosten und Überwachungskosten, was de facto auf einen mangelhaften Markt mit Eintrittshürden hinweist. Die Folge ist, dass der Bedarf eher intern gedeckt wird.

Stellen wir uns im Schnelldurchlauf das Jahr 2012/2013 vor, dann sehen wir global zugängliche gewerbliche Cloud-Dienste mit qualitativ hochwertigen SLAs zu einem fantastischen Preis. Gründe hierfür:

  • Kosten für die Suche fallen geringer aus, da der Dienst in einer bekannten Liste von Hauptanbietern ausgewählt werden kann und alle Einzelheiten zu seinen Merkmalen uneingeschränkt zur Verfügung stehen.
  • Verhandlungskosten minimieren sich, da es sich um den Einkauf eines vorgegebenen Diensts handelt.
  • Überwachungskosten verringern sich dank Industriestandards wie SAS-70, ISO usw. in Verbindung mit genau definierten SLAs. Zudem gibt es einen neuen Standard zu Dienstausfällen und den Schritten zur Problembehebung.

In der Praxis heißt das, der Markt wird effizienter, Hürden bei Wettbewerb und Consumerization fallen weg und IT-Dienste werden zunehmend direkt vom Unternehmen über Cloud-Anbieter in Form von SAAS/PAAS/IAAS usw. in Anspruch genommen.

Welche Rolle übernimmt dann die herkömmliche IT? Zwei Wege können eingeschlagen werden.
Die Consumerization of IT wird abgewehrt und Hürden zum Schutz der herkömmlichen Vorgehensweise errichtet (durch FUD, kurz Einschüchterung). Zwar kann diese Methode kurzfristig effektiv sein, langfristig tritt jedoch eine Verschlechterung bei der Anpassung der IT an die Geschäftserfordernisse ein.
Die Inanspruchnahme der frei auf dem Markt erhältlichen Kernfunktionen aus der Cloud, wie die technische Plattform, wird aktiv gefördert. Der Schwerpunkt verlagert sich mehr auf das Geschäft und weg vom „internen Anbieter“. Die IT verbringt mehr Zeit mit der Gesamtintegration, einer nahtloser Dienstbereitstellung und geschäftlicher Innovation. Die Unternehmens-IT wird eher zum strategischen Berater/Wegbereiter für das Geschäft.

Fazit: Der hohe Entwicklungsstand der Cloud brachte für IT-Dienste enorme Vorteile und niedrige Einstiegskosten bei den Geschäftsanforderungen. Die Unternehmens-IT sollte sich diesem Trend zu Consumerization nicht verweigern, sondern ihn eher begrüßen und die kostbaren freigesetzten Ressourcen für Ziele nutzen, die bei den strategischen Geschäftsergebnissen den größten Nutzen bringen.

Gavin Williams – Vice President EALA für Cloud Computing Gavin verfügt über 20 Jahre Erfahrung darin, Unternehmenskunden innovative IT-Lösungen für den Unternehmenserfolg zu vermitteln. Gavin arbeitet mit verschiedenen Kunden der EALA zusammen, um ihre Geschäftsanforderungen kennenzulernen und sie bei der Entwicklung der technologischen Strategie und Zielrichtung zu unterstützen. Der Schwerpunkt liegt dabei insbesondere auf fortschrittlichen Maßnahmen für Kunden, die Organisation und Dienste ihrer IT im Kontext der Dienstbereitstellung über Cloud-Plattformen umgestalten möchten.