Sechs Tricks für die Geschäftsetikette in sozialen Netzwerken

Die meisten von uns verwenden heutzutage in irgendeiner Form soziale Medien, wenn wir in der Geschäftswelt etwas bewegen möchten. Aber wie verwendet man sie, ohne negativ aufzufallen?

Bei der Geschwindigkeit, mit der Technologien ihre eigene soziale Evolution vorantreiben, fühlt sich die Anwendung geschickter Etikette in sozialen Tools wie ein Trip durch den Wilden Westen an. Wir haben schon alle den lauten Verkäufer mit lautem Gelächter in der Hotelhalle vernommen, oder den angespannten Multitasker beobachtet, der während eines Meetings dauernd SMS versendet. Herr Knigge konnte die Zukunft nicht vorhersehen. In einer Geschäftswelt ohne festgelegte Regeln könnten wir daher ein paar Ratschläge brauchen.

  1. Vorsicht beim Abschicken von Nachrichten. Falls Sie einen privaten Termin wegen eines geschäftlichen Termins (oder umgekehrt) abgelehnt haben, passen Sie auf, dass der Feed Sie nicht verrät. Auch die Besten unter uns brauchen Freiraum. Wenn Ihre Arbeitskollegen ebenso mit Ihrem sozialen Netzwerk verbunden sind, passen Sie daher sehr gut auf. Software für automatische Standortbestimmung auf Ihrem Mobilgerät könnte zu Ihrer Kündigung führen.

  2. Schalten Sie es aus. Eigentlich sollte ich das Offensichtliche nicht erwähnen müssen. Folgendes nimmt jedoch zu. Nehmen Sie während eines Geschäftsessens oder eines Meetings keine Anrufe entgegen, es sein denn, es handelt sich um einen echten Notfall. Falls Sie doch antworten, entschuldigen Sie sich freundlich, verlassen den Tisch und gehen in einen anderen Raum bzw. in den Eingangsraum. Sollten derartige Notfälle wöchentlich vorkommen, vermittelt das Ihren Arbeitskollegen ein ganz bestimmtes Bild: Sie haben Ihr Leben nicht im Griff. Wenn Sie inmitten einer Krise stecken und jemand aus Ihrer Familie sehr krank ist (und Sie daher viele Notanrufe erhalten), geben Sie Ihrem Manager Bescheid, dass sich eine private Notsituation abzeichnet – und ersparen Sie ihnen die schlimmen Details. Diese Geste ist sehr wirkungsvoll, und Sie verlieren nicht das Gesicht. Verschicken Sie außerdem niemals SMS-Nachrichten, während Sie sprechen. Das bedeutet so viel wie: „Sie sind mir nicht wichtig genug, als dass ich mich entschuldigen würde, während ich mit dieser anderen Person kommuniziere“.

  3. Betteln Sie nicht. Wenn Sie einen Freund (geschäftlich oder privat) mit einer fünf- oder sechsstelligen Zahl an Twitter-Followern haben, sind diese nicht verpflichtet, als Ihre persönliche PR-Maschine zu fungieren. Bitten Sie diese nicht, etwas unter Ihrem Namen zu veröffentlichen, es sei denn, es handelt sich um eine besondere Situation, in der Sie etwas Gleichwertiges im Gegenzug bieten können. Falls Sie zu den Menschen gehören, die Ihre Marke zu dieser Reichweite ausgebaut haben (Glückwunsch!), stellen Sie sicher, dass Ihr Mobiltelefon Passwort geschützt ist. Angespannte Volkswirtschaften neigen dazu, ansonsten vernünftige Geschäftsleute zu Haien mit durchlässigen Grenzen zu machen. Das bringt mich zum nächsten Punkt ...

  4. Schließen Sie es weg. Wenn Ihr Mobiltelefon nicht mit einem schwer entschlüsselbaren Passwort geschützt ist, sind die Probleme vorprogrammiert. Einige Smartphones, wie z. B. Windows Phones, fordern Sie dazu auf, sobald Sie sich mit einem Unternehmenskonto einer bestimmten Sicherheitsebene verbinden. Ein eifersüchtiger Arbeitskollege, ein Kind ohne böse Absichten, ein Industriespion – all diese Konstellationen begünstigen Sabotage-E-Mails, Beschädigungen an Fotos oder, dass etwas mit sensiblen Unternehmensdaten schief geht. Stellen Sie sich vor, Sie müssten erklären, warum Ihr 8-Jähriger Ihnen das Foto eines ausgefallenen Zahns geschickt hat, wobei das ganze Unternehmen die Nachricht eines grinsenden Kindes erhält und im Hintergrund ein nur mit einem Handtuch bekleideter Teenager zu sehen ist. Er wollte ja niemandem jemals ein Foto seiner Schwester schicken, wie sie gerade aus der Dusche steigt ... er tat es aber, und zwar über Ihre E-Mail. Oder Sie müssten erklären, wie diese vertraulichen Prototypen über Ihr E-Mail-Konto mit anderen geteilt wurden. Sollte sich Ihr Büro in Ihrer Tasche befinden, können Zwischenfälle Ihre Arbeitsstellung ernsthaft bedrohen, und Entschuldigungen reichen vielleicht nicht aus.

  5. Sagen Sie nicht „Cheese“. Apropos Foto-Etikette: Bei einem geschäftlichen Anlass in privaten Räumen, einem Club nur für Mitglieder oder sogar bei bestimmten politischen Komitees, überlassen Sie das fotografieren dem Gastgeber, vor allem in den Räumen. Es könnte dem Gastgeber nicht gefallen, wenn das Foto am nächsten Tag Sie vor seiner unschätzbar wertvollen Sammlung von Samurai-Schwertern auf Yammer zeigt. So skurril es für Benedict Cumberbatch war, seinen Kollegen bei der Oscar-Verleihung eine Fotobombe zu präsentieren, widerstehen Sie um jeden Preis der Versuchung, sich auf Fotos von Arbeitskollegen oder Vorgesetzten in Szene zu setzen, wenn Sie nicht zum Gruppenschnappschuss eingeladen wurden. Möchten Sie mit jemandem fotografiert werden? Fragen Sie nach. Vielleicht ist die andere Person geschmeichelt, vielleicht lehnt sie ab. Ihre Arbeitskollegen werden keine bessere Meinung von Ihnen haben, wenn Sie auf einem Foto zusammen mit dem aktuellen Vorstand zu sehen sind. Den Ruf als gesellschaftlicher Emporkömmling wird man schwerer los, als Sie vielleicht denken. Die meisten werden Sie morgen mehr aufgrund echter Integrität als fürs Posieren schätzen. Sind auf Ihrer Seite viele solcher Fotos zu sehen, wirkt Ihr Feed wie die Wand eines Friseurs in Brooklyn und nicht wie die des Bevorzugten, der Sie zu sein glauben. Das bringt mich zum letzten Punkt ...

  6. Bleiben Sie bescheiden. Wir haben uns so sehr an die kollektive Prahlerei in den News-Feeds gewöhnt, dass es scheint, als hätten wir eine Ego-Impfung bekommen. Prahlerei über eine Beförderung, Ihren Sommer in Monaco oder die Veröffentlichung dieses wichtigtuerischen Fotos von Ihnen und Jack Welch hat auf Freunde und Arbeitskollegen die gegenteilige Wirkung. Die Prahlerei könnte jemanden treffen, dem gerade gekündigt wurde oder der eine private Krise durchlebt, und könnte unabsichtlich jemanden verletzen, der Ihnen nahe steht.

Das ist der Test, und seien Sie ehrlich: Bedeutet das „Hallo, ich bin wichtig“ oder „Ich freue mich über ___“? Passen Sie auch auf, was Sie wo tun. Bedenken Sie auch, ob sich Ihre Veröffentlichung besser für einen Teil eines Facebook-Publikums oder für eine Auswahl Ihrer Geschäftsverbindungen in LinkedIn eignet. Sie können nicht wissen, was Ihr Manager beim Beförderungsgespräch so im Hinterkopf hat.

Gehen Sie vorwärts, seien Sie brillant, gesellschaftlich jedoch bewusst. Vertrauen Sie mir, Ihre Arbeitskollegen (und Freunde) werden es Ihnen danken.

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