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Gemeindecockpit: Business Intelligence für Ihre Gemeinde

Neues Führungscockpit gibt Gemeinden Grundlage für solide Entscheidungen
Interview mit Beat Zimmermann, Account Technology Specialist bei Microsoft

Redaktion: Einige Schweizer Gemeinden arbeiten gerade mit einem Führungscockpit. Was ist das?
Zimmermann: Das ist eine webbasierte Informatiklösung, die im Rahmen des Projekts "Strategische Führungsplattform für kleine und mittlere Gemeinden" entwickelt wurde. Sie unterstützt auf wirksame Weise die Führungsprozesse einer Gemeinde und wird derzeit bei interessierten Gemeinden eingeführt.

Was kann dieses Führungscockpit leisten?
Zimmermann: Es erlaubt den Gemeinden, mögliche Synergien, Abhängigkeiten und Zielkonflikte zwischen verschiedenen Vorhaben frühzeitig zu erkennen. Standardisierte und kommentierte Kennzahlen sowie vernetzte Umfeldinformationen ermöglichen neue Formen der Zusammenarbeit in und zwischen Gemeinden.

Können Sie konkrete Anwendungsbeispiele nennen?
Zimmermann: Das Gemeindecockpit liefert unter anderem Antworten zu Fragen bezüglich der Finanzperspektive, also mit welchen Steuereinnahmen, geplanten und getätigten Ausgaben zu rechnen ist oder wie hoch der Selbstfinanzierungsanteil von Verwaltungsaufgaben ist. Ebenso liefert es Zahlen zu Nettoinvestitionen, Finanzertrag, Ergebnis laufender Rechnung, Liegenschaftssteuer et cetera. Auch in puncto Bevölkerungsperspektive gibt das Führungscockpit Auskunft: Wie ist die Altersstruktur der Bevölkerung in der Gemeinde, wie hoch ist der Ausländeranteil, wie viele Zuzüge und Wegzüge gibt es? Wenn Gemeinden neue Schulhäuser rechtzeitig und am richtigen Standort planen möchten, können sie herausfinden, wie hoch die Schülerdichte pro Quartier oder Strasse ist.
Ein weiteres Anwendungsbeispiel ist die Personalperspektive: Die Gemeinden können sich die Kennzahlen zur Mitarbeiterzahl, der Frauenquote, der Fluktuationsrate oder der Anbindung an die Arbeitszeitkontrolle anzeigen lassen.
Und nicht zu vergessen: Man erhält auch Antworten zu Fragen rund um Raumordnung und Umweltperspektive: Wie hoch ist der Wasser- und Stromverbrauch pro Quartier und Strasse? Wie viel Wohneigentum gibt es und wie viele Mietwohnungen? Wie viele Arbeitsplätze sind vorhanden nach Sektoren, Gewerbe und Betriebsgrösse? Wie viele Vereine und Kulturangebote existieren?

Das Führungscockpit klingt nach einer klassischen Business-Intelligence-Anwendung, wie sie ähnlich in vielen Unternehmen bereits eingesetzt wird. Was ist am Führungscockpit neu und anders?
Zimmermann: Durch die Zusammenarbeit mit mehreren am Projekt beteiligten Pilotgemeinden gelingt es mit dem Führungscockpit erstmals, eine auf die Bedürfnisse von Gemeinden zugeschnittene Führungsplattform zu erstellen, die es dem Verwaltungspersonal, aber auch der Gemeindeexekutive ermöglicht, Zielabweichungen rechtzeitig zu erkennen, um gegebenenfalls Gegenmassnahmen einleiten zu können. Viele verschiedene Datenquellen werden in das Gemeindecockpit integriert. So entsteht ein umfassendes Bild von der Gemeinde. Business-Intelligence ist hier Mittel zum Zweck - nach der Methode "Erkennen - analysieren - Massnahmen ergreifen".

Welche Vorteile bringt es für die Gemeinden und die Bürger?
Zimmermann: Die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung sowie die Exekutivmitglieder haben ein einheitliches Bild über die diversen Entwicklungen innerhalb ihres Aufgabengebietes. Probleme werden frühzeitig erkannt. Massnahmen können rechtzeitig ergriffen werden. Die Zukunftsplanung basiert auf wahren, für alle erkennbaren Tatsachen. Die Bürger profitieren von einer optimalen Verwaltungsarbeit, etwa durch einen soliden Finanzhaushalt, ausreichenden und richtigen Wohnraum, Schulangebote in der richtigen Grösse am richtigen Ort, ein optimales Umweltmanagement und vieles mehr.

Welche Gemeinden arbeiten bereits mit dem Führungscockpit?
Zimmermann: Sieben Pilotgemeinden arbeiten schon damit oder werden in diesen Tagen aufgeschaltet: im Kanton Wallis sind das Brig-Glis, Naters und Visp, im Kanton Bern sind es Brügg, Roggwil, Stettlen und Wohlen.

Welche Technologien liegen dem Führungscockpit zugrunde?
Zimmermann: Zum einen Microsoft SQL Server Integration Services, über den die Daten aus den verschiedenen Systemen zusammengeführt und aufbereitet werden. Ebenso Microsoft SQL Server Datenbank, in der die Daten in relationaler Form gespeichert werden. Dazu kommen Microsoft SQL Server Reporting Services - eine Report-Engine für verschiedenste Auswertungen - und Microsoft Office PerformancePoint Server 2007, mit dessen Hilfe die verschiedenen Informationselemente wie Dashboards, Scorecards, Key Performance Indicators, Grafiken, Berichte, Analyse-Charts und anderes mehr erstellt werden. Das eigentliche Herzstück, Microsoft SQL Server Analysis Services, enthält die mehrdimensionalen Datenstrukturen. Und zu guter Letzt: Windows SharePoint Services, mit deren Hilfe die Informationselemente abgelegt und so via Internet Explorer dem Betrachter am Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt werden.

Wird das Projekt noch weiterentwickelt?
Zimmermann: Ja. Das Projekt wird laufend durch die Beteiligten vorangetrieben. Rückmeldungen und Änderungsanträge aus den Pilotgemeinden fliessen in das Projekt ein. Ein wichtiges Thema im nächsten Jahr ist beispielsweise die Anbindung an Geoinformationssysteme.

Ist es eigentlich auch interessant für andere Kunden? Und wenn ja, für welche?
Zimmermann: Die zum Einsatz kommende Technologie ist für jede Art von Kunden geeignet. Das können öffentliche Verwaltung, Industrie, Gesundheitswesen, Strom- und Wasserwerke, die Finanzbranche oder andere sein. Überall, wo Entscheidungen aufgrund historischer und aktueller Fakten gefällt werden müssen, können mithilfe der gegebenen Technologien ähnliche Führungsinstrumente eingesetzt werden. Bei der Umsetzung muss und kann auf die jeweils spezifischen Kundenbedürfnisse Rücksicht genommen werden.

Muss es dazu überarbeitet werden? Ist eine Überarbeitung geplant?
Zimmermann: Die grundsätzlichen technischen Schritte bleiben immer gleich. Einzig bei der Integration der Daten aus den Umsystemen sowie bei der Aufbereitung und Visualisierung muss jeweils auf die veränderten Bedürfnisse Rücksicht genommen werden. Wir gehen davon aus, dass sich auch grosse Städte sowie Bund und Kantone, welche ähnlich gelagerte Bedürfnisse haben, für diese Art von Führungscockpit interessieren werden. Für Kunden aus völlig anders gelagerten Segmenten wurden und werden durch verschiedene Microsoft-Partner natürlich laufend entsprechende Informationssysteme erstellt, welche auf den hier vorgestellten Technologien basieren.

Vielen Dank für das Gespräch.