So gewinnen Sie bei „Schere, Stein, Papier“

Daten und Einblicke tauchen an den ungewöhnlichsten Orten auf... z. B. auf dem Spielplatz. Oder beim Bezahlen der Zeche. Oder wenn es darum geht, beim nächsten Ausflug vorn im Auto zu sitzen.

Ob auf dem Bürgersteig oder dem Schulhof – viele Menschen greifen gerne auf das Spiel Schere, Stein, Papier zurück, um kleine und grosse Zufallsentscheidungen zu fällen. Als ich an der Uni war, kannte ich ein Mädchen, das mich und meine Kommilitonen stets verblüffte, weil es das Spiel fast jedes Mal gewann. Es gab viele Theorien zu den Tricks unserer Kommilitonin. War sie schneller? Konnte sie Gedanken lesen? Erkannte sie unsere Tells wie ein Pokerexperte? Wahrscheinlich traf nichts davon zu. Aber es handelt sich hierbei um eine Frage, die die Gemüter überall im Netz beschäftigt.

Im April 2014 veröffentlichte eine Gruppe Studenten der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking eine revolutionäre Studie mit Hinweisen, wie man das Spiel fast jedes Mal gewinnen kann. Und wie soll das funktionieren? Natürlich mit Daten und Einblicken.

In der Studie wird davon ausgegangen, dass es sich bei Schere, Stein, Papier um eine Basisstudie zu Entscheidungsfindungen und Einblicken bei Menschen handelt. Und so funktioniert es:

  • Beobachten Sie die erste Runde. Die erste Runde zu gewinnen, ist schwierig – aber das ist eigentlich auch nicht so wichtig. Beobachten Sie die Reaktion der Mitspieler.
  • Nach der ersten Runde bleibt der Gewinner normalerweise bei demselben Symbol.
  • Der Verlierer wechselt hingegen in der Regel zu einem anderen Symbol, und zwar im Uhrzeigersinn: Stein zu Papier, Papier zu Schere, Schere zu Stein – so wie in der folgenden Abbildung:

In der Praxis kann man leicht durcheinander kommen. Hier also ein Beispiel:

Ich spiele zu zweit mit meiner Mitspielerin Jen:

Runde 1: Jen spielt Schere, ich Papier. Jen gewinnt.
Runde 2: Jen spielt Schere, ich wechsle zu Schere. Ein Unentschieden.
Runde 3: Jen spielt Schere, ich wechsle zu Papier. Ich verliere also.

Wenn ich das Gelernte aus der Studie angewendet hätte, wäre ich vielleicht folgendermassen vorgegangen:

Runde 1: Jen spielt Schere, ich Papier. Sie gewinnt. Ich denke an die Abbildung und wechsle ausgehend von Jens Schere im Uhrzeigersinn zum nächsten Symbol, dem Stein. Also...
Runde 2: Jen spielt wieder Schere, ich wechsle zu Stein. Ich gewinne. Ich glaube, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sie entweder zum nächsten Symbol im Uhrzeigersinn oder zu meinem eben gespielten Symbol wechselt (beides Stein). Also...
Runde 3: Jen wechselt zu Stein, ich wechsle zu Papier. Ich gewinne zwei von drei Runden.

Das Faszinierende ist herauszufinden, an welcher Stelle Einblicke (in Form von Spieltheorie und menschlichem Verhalten) auf Entscheidungsfindung und evolutionäre Dynamik treffen. Und noch viel toller ist, dass eine Gruppe Studenten das Muster erkannt und veröffentlicht hat.

Wohin führen Daten Sie als Nächstes?

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