Consumerization of IT: Worin besteht die Win-Win-Situation?

Jeder in der Branche freute sich, als Steve Jobs – noch einmal auf den Beinen und so charismatisch wie eh und je – am 2. März 2011 die neue und verbesserte Version von Apples super-erfolgreichem Tablet-Computer vorstellte: das iPad 2. Und doch konnte sich wohl nicht jeder CIO von ganzem Herzen freuen.
Denn die Apple-Produkte im Allgemeinen und das iPad im Besonderen repräsentieren die jüngste Runde zum Thema „Consumerization of IT“, dass nämlich der Endanwender die Unternehmen vor sich her treibt, wenn es darum geht, wie es bei der technologischen Agenda weitergeht. „Wir sind einem wachsenden Druck ausgesetzt, etwas zu liefern, für das wir noch gar nicht bereit sind oder mit dem wir noch nicht völlig zufrieden sind“, erläutert Ron Frissora, CIO von M/I Homes, einem Bauträger aus dem mittleren Westen der USA. „Aber wir kennen das schon seit Jahren, weshalb es mich nicht so sehr stresst.“
Doch nicht jeder CIO sieht das so gelassen. „Es ist sehr schwer, mit der schnelle Veränderung bei den Geräten schrittzuhalten“, berichtet Joe Buser, VP of IS bei Delta Faucet. Die Mitarbeiter sind ganz wild auf das neue iPad, erzählt er, noch bevor die IT-Abteilung Zeit genug hat, ihre „Managementarme“ danach auszustrecken. Und doch: Nach einem Pilotprojekt, bei dem fünf Verkäufer das Tablet von Apple getestet haben, musste Delta „so schnell wie möglich 30 weitere Geräte bestellen“, erinnert sich Buser.
Wie war doch die Welt einfach für die IT, bevor der ganze Consumerization-Trend begann – mit der Einführung des PCs in den frühen 1980er Jahren. „Damals stellten die Erwartungen der Endanwender noch keine echte Herausforderung für uns dar“, weiß Buser. „Doch je erfahrener die Anwender wurden, desto schwieriger wurde auch der Umgang mit ihnen.“
Aber damit wir ihn nicht falsch verstehen: Sein Blick ist nicht von Nostalgie verklärt. „Angesichts der rasanten Änderungen muss sich die IT anpassen. Und das ist auch gut so. Wir müssen insgesamt viel schneller werden“, erklärt Buser. Beispielsweise fordert er von IT-Abteilungen die unbedingte Integrierbarkeit von Update-Funktionen, und das noch aggressiver als die Endanwender. „Warum soll ein Benutzer nicht in weniger als einem Tag auf neue Technologie umsteigen können?“ fragt er.
Ron Frissora von M/I Homes sieht einen logischen und strategischen Schluss beim Consumerization-Trend, und das ist eine Win-Win-Situation sowohl für die Endanwender als auch die IT. Er kehrte erst vor kurzem von einer CIO-Tagung von Bauträgern in Phoenix zurück, wo es in den Gesprächen unter den Kollegen in gleichen Anteilen darum ging, wie man mit dem Einfluss von Endanwendergeräten wie Smartphones und Tablets umgehen soll, und andererseits um die Möglichkeit, dass die IT „sich komplett aus dem Hardware-Geschäft verabschiedet“.
Doch wohin führen seiner Meinung nach diese beiden Wege? Zur Cloud. „Consumerizaton of IT bedeutet für mich, dass immer mehr Menschen zu jeder Zeit und an jedem Ort den Zugriff auf Informationen fordern, und zwar sowohl für den privaten als auch den beruflichen Gebrauch,“ erläutert er. Das gilt insbesondere für die jüngere Generation, die am Arbeitsplatz dasselbe High-Tech-Niveau erwartet, wie sie es von zu Hause kennt, ergänzt er. Und das bedeutet die Ausnutzung der Vorteile des Cloud Computing.
Frissora prognostiziert, dass der Consumerization-Trend dazu führen wird, dass immer mehr Unternehmen ihre Anwendungen und ihre Infrastruktur in die Cloud verlagern – „sobald die bisherigen Sicherheitsbedenken ausgeräumt wurden“. Dann können sie ihren Mitarbeitern die gewünschten Daten jederzeit und an jedem Ort verfügbar machen und dabei ein sicheres Gefühl haben. „Wenn dieser Punkt erreicht ist, spielt das Endanwendergerät keine Rolle mehr“, betont er. Und Bedenken angesichts der technischen Infrastruktur treten gegenüber dem Fortschritt und der unternehmerischen Innovation zurück. „Eines Tages können wir vielleicht wirklich aus dem Hardware-Geschäft aussteigen“, meint Frissora.