
Schon seit sechs Jahren dient der Euro als gemeinsame Währung in den meisten Ländern der Europäischen Union und dennoch ist die Umstellung der Finanzsysteme nicht abgeschlossen. Bei Überweisungen ins Ausland gelten oft noch teurere Konditionen als im Inland, obwohl der Transfer elektronisch erfolgt und meistens kein Geldumtausch notwendig ist. Damit wird bald Schluss sein. Die national unterschiedlichen Formen von Lastschriften, Überweisungen und Kartenzahlungen wird es nur noch bis Ende 2011 geben. Spätestens dann werden sie durch die einheitlichen Standards der Single Euro Payments Area (SEPA) ersetzt. Das ist ein einheitlicher Euro-Zahlungsraum, in dem alle Transfers wie inländische Zahlungen behandelt werden.
Es wird nicht mehr zwischen nationalen und grenzüberschreitenden Zahlungen unterschieden. Statt nationaler Bankleitzahlen und Kontonummern müssen die europaweit einheitlichen Parameter BIC und IBAN in die Formulare eingetragen werden. BIC steht für „Bank Identifier Code“, auch bekannt als SWIFT-Code, und ist die internationale Bankleitzahl eines Geldinstituts. Er besteht aus maximal elf Buchstaben und Ziffern, welche die Bank, das Land, die Stadt und die Filiale bezeichnen. Die Abkürzung IBAN steht für „International Bank Account Number“ und ist eine international standardisierte Kontonummer für grenzüberschreitende Zahlungen. Sie kann bis zu 34 Stellen lang sein und enthält in den meisten Fällen die früher verwendeten Bankleitzahlen und Kontonummern, denen noch ein Ländercode und eine Prüfnummer vorangestellt sind.
Schon seit dem 28. Januar 2008 können Unternehmen SEPA-Überweisungen in alle Länder der europäischen Union sowie nach Norwegen, Island, Liechtenstein und in die Schweiz ausführen. Die nationalen Zahlungssysteme laufen parallel dazu weiter. Mit SEPA lassen sich europaweite Überweisungen zu Inlandskonditionen in maximal drei Werktagen zustellen, auch über den bisherigen Höchstbetrag von 50.000 Euro hinaus. Den meisten Firmen scheint das aber noch nicht bekannt zu sein. Bisher wird die Bezahlmethode vorrangig von Privatleuten verwendet – wahrscheinlich, weil die Unternehmen für SEPA ihre Buchführung umstellen müssen. Bei einer Umfrage der Investmentbank Dresdner Kleinwort unter größeren Unternehmen gaben 74 Prozent an, die SEPA-Überweisung noch nicht zu nutzen. Die übrigen Unternehmen verwenden sie vornehmlich beim Zahlungseingang und nur neun Prozent bei Einzahlungen und Auszahlungen.
Für Banken hat SEPA den Vorteil, dass es kaum noch Reklamationen gibt. Bei den bisherigen Auslandsüberweisungen kam es immer wieder zu Fehlbuchungen, weil die Auftraggeber die Zahlungssysteme des Empfängerlandes nicht kannten und deshalb die Formulare falsch ausfüllten. Um den Umstieg zu fördern, führen die Banken Ende 2008 auch Termin- und Eilüberweisungen nach dem SEPA-Verfahren ein. Dadurch werden europaweite Überweisungen möglich, die am selben Tag gutgeschrieben werden. Den richtigen Durchbruch bringt aber wohl erst die Einführung der SEPA-Lastschrift im November 2009. Damit können die Unternehmen auch ausländischen Kunden das preisgünstige Lastschriftverfahren zur Bezahlung anbieten. Die Kartenzahlung wird durch SEPA ebenso vereinheitlicht. Mit der EC-Karte lässt sich dann im Ausland nicht nur Geld abheben, auch in Restaurants und Geschäften kann man damit bezahlen.
