Neuer Standard für Datenaustausch zwischen Unternehmen

Elektronische Auftrags- und Projektabwicklung ist eine komplizierte Angelegenheit, wenn mehrere Unternehmen beteiligt sind. Allein in Deutschland existieren mehr als 150 Anbieter von IT-Systemen für die Unternehmensplanung und -steuerung (Enterprise Resource Planning, ERP). Diese heterogene IT-Landschaft führt dazu, dass zwar in den Unternehmen die meisten Prozesse elektronisch ablaufen, doch an der Unternehmensgrenze hören sie oft auf. An andere Firmen werden immer noch vor allem Faxe und Briefe geschrieben, oder es wird zum Telefonhörer gegriffen, um die Zusammenarbeit überhaupt zu ermöglichen. Dadurch werden unnötig Ressourcen gebunden und Übertragungsfehler provoziert. Und auch der elektronische Datenaustausch läuft nicht immer wirklich reibungslos. „Bisher musste jedes Mal neu festgelegt werden, wie die Daten ausgetauscht werden, weil jeder Partner andere Software und Arbeitsabläufe verwendet“, erklärt Harald Walter, Vertriebsbeauftragter des Microsoft Dynamics-Partners B.i.TEAM aus Karlsruhe. „Im ungünstigsten Fall musste man zehn verschiedene Schnittstellen zu zehn verschiedenen Zulieferern programmieren.“


Diesen Aufwand können Unternehmen sich in Zukunft sparen: Der neue Kommunikationsstandard myOpenFactory, der im vergangenen Oktober als Public Available Standard (PAS) festgelegt wurde und bereits von ersten Unternehmen genutzt wird, räumt jetzt auf. „myOpenFactory wird von großen Anbietern von Automatisierungslösungen wie Siemens Automation & Drives, Rockwell und Festo sowie von Komponentenlieferanten wie Würth als Bestellplattform angeboten“, sagt Volker Schnittler, Informatikreferent des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V. (VDMA). „Zudem findet die Lösung zunehmend Verwendung in mittelständischen Unternehmen.“


myOpenFactory ermöglicht den elektronischen Datenaustausch zwischen verschiedenen IT-Systemen und beruht auf einem standardisierten Modell für Prozesse und Daten. Mit myOpenFactory können Projekte firmenübergreifend ohne redundante Datenpflege, händische Eingabe und teure EDI-Schnittstellen abgewickelt werden. Statt vieler verschiedener Schnittstellen wird nur noch eine benötigt: vom ERP-System der Firma zu myOpenFactory. Zu diesem Zweck hat das System eine sternförmige Struktur. Jede Kommunikation läuft über einen zentralen Server, der von der Genossenschaft myOpenFactory eG betrieben wird. Unternehmen ohne ERP-System können über das Webcockpit teilnehmen – das ist eine Website, über die sie Bestellungen aufgeben und Aufträge empfangen können. Einen Testzugang gibt es unter „www.openoperation.com“.


„Im Prinzip reicht ein Internetbrowser zur Teilnahme“, erklärt Volker Schnittler, der das Projekt begleitet, seit es im Forschungsinstitut für Rationalisierung an der RWTH Aachen entwickelt wurde. „Wir arbeiten jedoch daran, dass sehr viele ERP-Anbieter eine Standardschnittstelle für myOpenFactory in ihre Software implementieren.“ Dafür ist es besonders praktisch, dass alle Daten im modernen XML-Format übertragen werden, welches auch die ERP-Systeme Dynamics AX und Dynamics NAV von Microsoft unterstützen. Microsoft-Partner B.i.TEAM berät Unternehmen, die myOpenFactory nutzen wollen, und schließt ihre ERP-Systeme an, indem er die XML-Schnittstelle programmiert und die Verarbeitung der Daten anpasst. „Aufwand und Preis dafür sind unterschiedlich, je nach Voraussetzungen, Umgebungen und gewünschter Integrationstiefe“, erklärt Harald Walter. Vorher müssen sich die Unternehmen noch bei der myOpenFactory eG anmelden. Dort bekommen sie ihre Log-in-Daten und bezahlen einen monatlichen Pauschalbetrag sowie eine Gebühr für jede gesendete Nachricht.


Diese Kosten amortisieren sich aber schnell. „Einerseits entfällt die Notwendigkeit, Dokumente wie Anfragen, Angebote, Aufträge und Auftragsbestätigungen, die auf unterschiedlichen ERP-Systemen bei Kunden und Lieferanten liegen, immer wieder abzuschreiben, um sie ins eigene System zu bringen“, erklärt Volker Schnittler. „Zum anderen kommt mit myOpenFactory ein transparentes Lieferungsmanagement, mit dem die Liefertermine zwischen den Beteiligten online überwacht werden können.“ So sind Artikelstammdaten automatisch austauschbar, damit alle Artikel immer mit aktuellen Nummern, Bezeichnungen (auch fremdsprachlich), Preisen und Maßen vorliegen. „Wer sich einmal mit Stammdatenpflege herumschlagen musste, der weiß, was für eine Erleichterung das in der Einkaufsabteilung bedeutet“, sagt Volker Schnittler lachend. Außerdem lohnen sich damit jetzt auch Preisvergleiche für relativ billige Produkte oder kleine Bestellungen. Statt mehreren Anbietern hinterherzutelefonieren, holt man sich einfach und schnell ihre Angebote auf den Bildschirm.

Weitere Informationen zum Thema:

myOpenFactory eG

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