
Importierende Unternehmen stecken in einer Klemme: Einerseits hadern sie mit den Umsatzeinbrüchen aufgrund der Wirtschaftskrise, andererseits müssen sie immer teurere Bürokratieanforderungen erfüllen. Seit 1. Juni 2007 gilt die EU-Chemikalienverordnung REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals), die das Chemikalienrecht der Mitgliedstaaten in den nächsten zehn Jahren harmonisieren und vereinfachen soll. REACH verlangt, dass in Europa nur noch chemische Stoffe hergestellt oder importiert werden dürfen, die vorher registriert wurden. Der Aufwand dafür ist groß.
Allein BASF musste bei der zuständigen Behörde ECHA (European Chemicals Agency) 40.000 Chemikalien anmelden. Bis 2010 sollen alle Stoffe registriert werden, von denen 1000 oder mehr Tonnen pro Jahr hergestellt oder importiert werden. Für Gefahrstoffe und umweltgefährliche Stoffe gelten noch kleinere Mengen. Wenn Unternehmen ihre Substanzen nicht registrieren, riskieren sie ihre Geschäftsgrundlage. Es gilt das Prinzip: „Ohne Daten kein Markt“. Doch diese Daten werden bei der ECHA in Helsinki nicht nur gesammelt; gefährliche Stoffe wie Asbest könnten auch aus dem Verkehr gezogen werden. Besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC, Substances of Very High Concern) bedürfen einer expliziten Zulassung.
Die REACH-Verordnung verpflichtet Unternehmen zu umfangreichen Dokumentations- und Informationspflichten innerhalb der Lieferkette und gegenüber dem Verbraucher. Sie sind zu erfüllen, sobald ein Erzeugnis einen zulassungspflichtigen Stoff mit einem Gewichtsanteil ab 0,1 Prozent enthält. Ein Verbraucher, der beispielsweise im Supermarkt ein Spielzeug kauft, kann anschließend nachfragen, ob dieses eine besorgniserregende Substanz enthält. Der Hersteller oder Importeur muss in höchstens sechs Wochen schriftlich Auskunft geben. Das Umweltbundesamt stellt auf seiner Homepage bereits Musterbriefe für solche Anfragen von besorgten Kunden bereit.
„In allen Produkten stecken Chemikalien“, erklärt Christian Sega, Geschäftsführer der Softwarefirma agiles. „Man muss sie lückenlos nachweisen können.“ Hohe Kosten entstehen Unternehmen dabei nicht nur durch die Meldepflicht an die ECHA. „Die neue Verordnung verursacht auch Mehrkosten, weil Unternehmen ihre Produkte von unabhängigen Labors zertifizieren lassen müssen“, so Sega. Nach einer Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens KPMG kommen zu den Produktherstellungskosten nun Ausgaben von 6 bis 20 Prozent hinzu. Gemäß REACH muss der gesamte Lebenszyklus von Inhaltsstoffen dokumentiert werden: vom Produzenten des Inhaltsstoffs über den Hersteller des Produkts und den Importeur bis zum Groß- und Einzelhändler.
Die Branchenlösungen von agiles erweitern Microsoft Dynamics NAV um alle Funktionen, die für die Erfüllung von REACH nötig sind. „agilesTrade“ und „agilesWorkflow“ richten sich vor allem an internationale Handelsunternehmen, die aus Ostasien importieren. Die agiles-Lösungen vereinfachen beispielsweise das mit REACH verbundene Dokumentenmanagement. So verlinken sie Berichte und Zertifikate von Prüflabors, sodass sie direkt aus der Warenwirtschaft aufgerufen werden können. Alle Inhaltsstoffe sind sofort abrufbar. Jedes Produkt bekommt seine Registrierungen und Analysen zugeordnet, damit beim Weiterverkauf alle nötigen Dokumente automatisch mitgeschickt werden. Außerdem überwacht die Software, ob REACH-Zertifikate nicht abgelaufen sind.
Das steigert die Effizienz“, sagt Sega, „denn bisher waren Qualitätssicherung und Dokumentenverwaltung nicht in die Warenwirtschaft integriert.“ Begleitdokumente lagen häufig als Word-Texte oder Excel-Tabellen auf Festplatten und mussten erst aufwendig zusammengesucht werden. Die Lösung auf der Basis von Microsoft Dynamics NAV erleichtert die Arbeit, indem sie komplexe Abläufe übersichtlich gestaltet und Verantwortung, etwa für Dokumentation, abnimmt. So kann die Einführung einer REACH-konformen Branchenlösung dazu beitragen, Arbeitsabläufe im Unternehmen insgesamt zu optimieren.
