„Wir haben das V-Modell® XT vollständig in unsere Application-Lifecycle-Management-Plattform integriert“
Gemeinsam mit der TU München hat Microsoft das V-Modell XT, den Projektmanagement-Standard des Bundes, in Visual Studio Team System und die dazugehörige Application- Lifecycle-Management-Plattform Team Foundation Server integriert. Marcus Alt, Technologieberater bei der Microsoft Deutschland GmbH, erläutert Hintergründe und Vorteile.
EPG Public: Herr Alt, Sie haben das V-Modell XT in Visual Studio Team System integriert. Welche Vorteile ergeben sich dadurch für Entwickler und Projektleiter in der öffentlichen Verwaltung?
Alt:
Das V-Modell XT selbst wird als reine Dokumentensammlung zur Verfügung gestellt. Wer dieses Vorgehensmodell für die IT-Systementwicklung wirklich effizient nutzen wollte, musste sich bisher erst über die methodische Umsetzung Gedanken machen und darüber, mit welchen Werkzeugen er das V-Modell XT unterstützen möchte. Diese Vorüberlegungen sind jetzt obsolet. Durch die Integration in Visual Studio Team System unterstützen wir das V-Modell XT vollständig durch unsere Application-Lifecycle-Management-Lösung und integrieren damit alle Projektrollen. Speziell Projektleiter erhalten damit einen vollständigen Werkzeugkasten für Projektplanung, -management und Projekttransparenz, den das V-Modell XT direkt mitbringt.
EPG Public: Gab es im Standardpaket des V-Modell XT nicht schon Werkzeuge?
Alt:
Das stimmt. Diese unterstützten bislang jedoch nur die organisations- und projektspezifische Anpassung des V-Modell XT, das sogenannte Tailoring. Damit lässt sich das V-Modell XT an die Bedürfnisse der jeweiligen Verwaltungseinheit anpassen und skalieren. Eine Einpassung in den Bereich Softwareentwicklung gehörte bislang nicht dazu. Mit unserer Integration wird das V-Modell XT nun vollständig in eine Application-Lifecycle-Management-Plattform integriert.
EPG Public: Das sind der Team Foundation Server (TFS) und sein dazugehöriger Client Visual Studio Team System. Wozu genau dient eine Application-Lifecycle-Management-Plattform?
Alt:
Auch die Projektleiter in der Verwaltung stehen heute vor den klassischen Herausforderungen der Softwareentwicklung: Sie müssen eine Lösung in der benötigten Qualität und in dem zur Verfügung stehenden Zeit- und Budgetrahmen bereitstellen. Die Application-Lifecycle-Management-Plattform synchronisiert und koordiniert die verschiedenen Einzelaktivitäten, Werkzeuge und Rollen, die in einem Softwareentwicklungsprojekt zusammenspielen. Der TFS ist eine offene Plattform, die alle Projektmanagementaufgaben unterstützt und zusätzliche Aspekte wie Versionskontrolle oder Reporting bietet. Sein Einsatz verbessert die Zusammenarbeit, erhöht die Projekttransparenz und sichert die Qualität. Zusätzlich lassen sich dort spezielle Tools für die einzelnen Projektrollen wie Architektur, Entwicklung, Testen und Datenbankentwicklung problemlos einklinken.
EPG Public: Welche zusätzlichen Möglichkeiten eröffnet die Integration des V-Modell XT noch?
Alt:
Das V-Modell XT ist im Prinzip „nur“ ein Managementrahmen, der sich an die Ebene der Projektleiter richtet und die Projektergebnisse (Produkte) inklusive des zugehörigen Prozesses festlegt. Das Vorgehensmodell erläutert aber nicht, was beim Entwickler oder Tester im Detail passieren soll. Daher haben wir zusätzlich zu unserer V-Modell XT-Implementierung die Integration eines methodischen „Mikromodells“ ermöglicht, welches diese Lücke schließt. Dabei unterstützen wir alle Rollen, die in Softwareprojekten der öffentlichen Verwaltung vorhanden sind – von der Ausschreibung und Angebotsvergabe über die Entwicklung bis hin zur Endabnahme der Software. Mit der Implementierung lassen sich viele Prozessschritte automatisieren, was die Nutzung des V-Modell XT erheblich vereinfacht.
EPG Public: Was bedeutet Implementierung konkret?
Alt:
Wir haben die Elemente des V-Modell XT so umgesetzt, dass diese out of the box, eingebettet in eine Toolumgebung, direkt praktisch nutzbar sind. Dabei haben wir Arbeitsaufgaben, sogenannte Work-Items, modelliert, welche die V-Modell XT-Elemente, zum Beispiel Produkte, Arbeitsaufgaben, Risiken oder Entscheidungspunkte, abbilden. Dies ermöglicht ein einfaches Handling sowie eine ganz neue Transparenz der V-Modell XT- Elemente und ihres gesamten Lebenszyklus.
EPG Public: Mithilfe des Tailoring lässt sich das V-Modell XT ja auf die Bedürfnisse der einzelnen Verwaltungseinheiten zuschneiden. Damit macht es je nach Größe des Projekts unterschiedliche Vorgaben. Wie kann unter diesen variablen Umständen eine Integration überhaupt funktionieren?
Alt:
Zunächst erfolgt mithilfe der mitgelieferten Werkzeuge die projekt- und organisationsspezifische Anpassung des V-Modell XT. Auf diesem Ergebnis setzen wir auf und bilden dank eines Prozesstemplate-Generators die Vorgaben des V-Modell XT direkt im Team Foundation Server ab. Der Generator fungiert sozusagen als Übersetzungseinheit zwischen Vorgehensmodell und TFS. Man kann diesen kostenlos im Internet unter www.codeplex.com/VModellXTTFS herunterladen.
EPG Public: Welche Voraussetzungen sind für den Einsatz nötig?
Alt:
Man benötigt lediglich den Team Foundation Server in den Versionen 2005 oder 2008. Lassen Sie mich noch ein paar Hintergründe zu Visual Studio Team System anführen: Der Team Foundation Server ist zwar eine eigene Serverkomponente, nutzt aber für Dokumentenablage und Collaboration die Windows SharePoint Services, welche mit dem Windows Server 2003 „kostenlos“ verfügbar sind. Zudem ist die Möglichkeit gegeben, einen bestehenden Microsoft Office SharePoint Server 2007 (MOSS) zu integrieren. Neben der Unterstützung der Visual Studio-Entwicklungsplattform besteht eine vollständige Integration mit der Eclipse-Entwicklungsumgebung über eine Partnerlösung.
EPG Public: Welche Pläne haben Sie für die Application-Lifecycle-Management-Plattform Visual Studio Team System?
Alt:
Wir werden die Unterstützung der einzelnen Rollen in Softwareprojekten nochmals deutlich ausbauen. Zum Beispiel werden wir den Bereich Testmanagement und Unterstützung von manuellen sowie automatisierten Tests signifikant erweitern. Zudem planen wir ein Zusammenspiel zwischen Team Foundation Server und dem Office Project Server, um Business-IT-Alignment zu ermöglichen und eine durchgängige Projekttransparenz von der Portfolioanalyse bis hin zur detaillierten Steuerung von Softwareprojekte abbilden zu können.
EPG Public: Wir danken für das Gespräch.