„Deutschland erfolgreich im internationalen Wettbewerb positionieren“
Serviceorientierte Architekturen – kurz SOA – sind derzeit in aller Munde – auch im Zusammenhang mit der Verwaltungsmodernisierung. Mit ihr lassen sich kooperative Verwaltungsstrukturen schaffen und Fachanwendungen plattformunabhängig integrieren. Welche Lösungen von Microsoft jetzt schon „SOA-ready“ sind und wie der Hersteller mit der SOA-Langfriststragie „Oslo“ diesen Markt langfristig bedienen wird, darüber sprachen wir in einem Interview mit Michael Grözinger, National Technology Officer der Microsoft Deutschland GmbH.
Der Präsident und Chief Executive Officer von Fujitsu Siemens, Bernd Bischoff, ist Vorstandsvorsitzender der Initiative D21, Deutschlands größter Partnerschaft von Politik und Wirtschaft für die Informationsgesellschaft. Die Initiative setzt sich gemeinsam mit politischen Partnern in praxisorientierten und interdisziplinären Projekten ein, durch bessere Bildung, Qualifikation und Innovationsfähigkeit das wirtschaftliche Wachstum stimulieren und zukunftsfähige Arbeitsplätze sichern.
Herr Bischoff, worin sehen Sie in Ihrem neuen Amt für sich und für die Initiative D21 die größte Herausforderung in den kommenden Monaten?
Bischoff: Die Initiative D21 hat in den sieben Jahren ihres Bestehens eine Vielzahl sehr erfolgreicher Projekte ins Leben gerufen. Nun gilt es erneut, Ziele zu definieren und deren zeitnahe Umsetzung voranzutreiben. Für die Zukunft setzen wir folgende neue Tätigkeitsschwerpunkte: Im Rahmen des Themenbereichs „Digitale Integration“ geht es darum, diejenigen in die Informationsgesellschaft einzubinden, die moderne Informations- und Kommunikationstechnologien noch nicht nutzen. Ferner wird die Initiative mit praxisnahen Projekten den Aufbau einer modernen Lernkultur mit elektronischen Medien unterstützen – mit dem Ziel, Deutschland erfolgreich im internationalen Wettbewerb unter dem Stichwort „Digitale Kompetenz“ zu positionieren. Im Schwerpunktbereich „Digitale Exzellenz“ wird die Initiative D21 diejenigen unterstützen, die mit innovativen Technologieideen eine Vorreiterrolle in Deutschland einnehmen. Entsprechend gilt es jetzt, die bereits eingeleitete Neuaufstellung durch Workshops sowie den Start neuer Projekte abzuschließen.
Warum engagieren Sie sich neben Ihrer anspruchsvollen Arbeit zusätzlich in der Initiative D21?
Bischoff: Fujitsu Siemens Computers begleitet die Initiative D21 schon seit ihrer Gründung, und wenn ich mir deren Projekte anschaue, finde ich es immer wieder beachtlich, welche Erfolge durch das Engagement der Partner aus Politik und Wirtschaft schon erzielt werden konnten. Informations- und Kommunikationstechnologien durchziehen heute als „Schnittstellentechnologien“ unser Privat- und Berufsleben. Sie sind nahezu überall zu finden, und der Umgang mit diesen Technologien ist elementar für unsere persönliche Zukunft. Doch der Umgang ist leider noch keine Selbstverständlichkeit. Da ist für die D21 noch eine Menge zu tun, insbesondere in unseren neuen Schwerpunktbereichen. Dies voranzutreiben ist sowohl für den Standort Deutschland als auch für die Gesellschaft enorm wichtig. Daher ist es mir ein persönliches Anliegen, diese Arbeit als neuer Vorstandsvorsitzender gemeinsam mit den Mitgliedern und den politischen Partnern voranzubringen.
Welchen Stellenwert wird das Thema Bildung und Ausbildung bei Ihrer Arbeit haben?
Bischoff: Bildung muss und wird einen hohen Stellenwert haben. Dabei wird vor allem die Frage im Vordergrund stehen, wie wir eine moderne Lernkultur mit elektronischen Medien schaffen können. Die digitale Kompetenz muss gefördert werden, denn sie ist elementar sowohl für die Wirtschaft als auch die Gesellschaft. Ohne entsprechende Computerkenntnisse drohen den Menschen nicht nur berufliche Nachteile, sondern auch persönliche und finanzielle im privaten Bereich. Daher müssen wir mehr Menschen befähigen, elektronische Medien sinnvoll und souverän einzusetzen. Dies erfordert natürlich neue Aus- und Weiterbildungsmodelle auf allen Ebenen. Die Initiative D21 ist deshalb in zahlreichen Projekten aktiv.
Wie wichtig sind Computer bei der klassischen Schulausbildung? Verschafft der Umgang mit moderner IT-Technik den Schulabgängern Vorteile am Arbeitsmarkt?
Bischoff: Computer in der Schule sind unumgänglich. Das betrifft sowohl das Lernen am Computer als auch zu lernen, wie man mit Computern und Internet umgeht. Zwar haben wir mittlerweile in Deutschland an den Schulen eine solide Ausstattung mit Computern, aber ihre Nutzung ist längst nicht so, wie sie sein müsste – das hat kürzlich erneut eine EU-Studie belegt. Deutschland liegt bei der unterrichtsgestützten Computernutzung europaweit nur auf Platz elf. Zudem haben 22 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland im vergangenen Jahr keinen Computer im Unterricht verwendet, da die meisten von ihnen keine ausreichenden Computerkenntnisse besitzen. Diese Problematik erhält zusätzliches Gewicht, wenn man weiß, dass laut einer Studie der Confederation of British Industry 90 Prozent aller Berufe künftig ohne Informations- und Kommunikationstechnologien nicht mehr vorstellbar sind. Um also die digitale Kompetenz aller Beteiligten zu fördern, setzen wir uns verstärkt für eine moderne Lernkultur mit neuen Medien ein – auf allen Stufen des Bildungssystems: In diesem Kontext sind bereits zahlreiche Projekte in Planung. Es ist unerlässlich, den Weg in die Zukunft aktiv mitzugestalten.
Welche Maßnahmen wird die Initiative D21 unterstützen, um Jugendliche fit für den Umgang mit elektronischen Medien zu machen?
Bischoff: Natürlich müssen Bildung und Ausbildung dafür sorgen, Jugendlichen Medienkompetenz für das Informationszeitalter zu vermitteln. Doch beziehen sich unsere diesbezüglichen Maßnahmen nicht ausschließlich auf die Jugendlichen, sondern auf alle Bildungsebenen: von der frühkindlichen Bildung mit dem Portal „Wissen und Wachsen“ über die informelle und schulische Bildung mit „Jugend ans Netz“ und Fortbildungen für Lehrende bis hin zu Hochschulen und der beruflichen Fortbildung. Derartige Projekte waren bereits in der Vergangenheit erfolgreich, im Zuge der Neuaufstellung werden wir sie neu definieren.