„Verbesserte Ressourcenplanung kommt der Unterrichtsqualität und somit der Ausbildung der Jugendlichen direkt zugute“
Die Webanwendung „Schüler-Online – Übergangsmanagement von Schule in Beruf“ vereinfacht das Übergangsmanagement von der Schule in den Beruf. Mit ihr können sich Schüler zu allen Bildungsgängen der Berufskollegs oder zur Sekundarstufe II an Gymnasien oder Gesamtschulen anmelden, ohne persönlich vorstellig zu werden. Kernfunktionen der Anwendung sind Schüleranmeldung, Schulpflichtüberwachung und Unterstützung der Bildungsberatung. Die Anwendung erhebt außerdem Daten für statistische Auswertungen. Reinhold Harnisch, Geschäftsführer beim Kommunalen Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe (krz), erläutert, wie Schüler, Behörden und Schulen gleichermaßen von der Lösung profitieren.
Was war die Intention für die Entwicklung von „Schüler-Online – Übergangsmanagement von Schule in Beruf“?
Reinhold Harnisch: Die Berufskollegs wollten den Übergang von der Sekundarstufe I in die Sekundarstufe II – also von der zehnten Klasse in das Berufskolleg oder in die gymnasiale Oberstufe – optimieren. Mehrfachanmeldungen an den einzelnen Berufsschulen blockierten häufig Plätze in großem Umfang, die zu Schuljahresbeginn dann nicht benötigt wurden. Das zentralisierte Onlineerfassungssystem sollte Schulen die Möglichkeit geben, ihre Fachklassen frühzeitig zu planen und Lehrkräfte oder Ressourcen wie Klassenräume verbindlich einzuteilen. Schulleiter und stellvertretende Schulleiter begleiteten die Entwicklung aktiv und arbeiten auch heute noch eng mit uns zusammen an neuen Funktionen. Sie kennen die Anforderungen ganz genau und können am besten beurteilen, welche Erweiterungen notwendig und sinnvoll sind.
Wovon profitieren die beteiligten Schulen?
Harnisch: Schüler-Online beschleunigt den gesamten Anmeldeprozess. Das System importiert bereits vorhandene Schülerdaten und reicht sie automatisch an die neue Schule weiter. Zeitverluste und Fehler durch Mehrfacheingabe von Daten gehören damit der Vergangenheit an. Da die Schüler sich bei der Onlineanmeldung auf zwei Kollegs – eine Erstwahl und eine Zweitwahl – festlegen müssen, ist außerdem schon kurz nach Ablauf der Anmeldefrist Anfang März absehbar, wie viele Klassen und Lehrer im kommenden Unterrichtsjahr für die verschiedenen Fächer eingesetzt werden müssen. Diese Planungssicherheit erleichtert unter anderem den Lehreraustausch zwischen den Schulen. All das bedeutet eine enorme Unterstützung bei den komplexen Schulverwaltungsaufgaben, für die die Lehrer bisher sehr oft Überstunden einplanen mussten.
Darüber hinaus vereinfacht sich die Überwachung der Schulpflicht enorm. Mithilfe eines Fragenkatalogs zur Berufsplanung lassen sich die beruflichen Interessen der Schulabgänger ermitteln. So können die Arbeitsagenturen, die mittlerweile erfolgreich mit den Schulen zusammenarbeiten, Jugendliche, die sich in keinem Bildungsgang befinden, gezielt ansprechen und individuell beraten.
Grundlegende Neuerungen kosten Geld. Stieß die Anregung der Schulen bei den Kostenträgern trotzdem auf Akzeptanz?
Harnisch: Der Kreis Ostwestfalen-Lippe als Kostenträger engagiert sich stark in der beruflichen Bildung und hat das Vorhaben von Anfang an unterstützt. Mittlerweile hat sich erwiesen, dass die Einsparungen bei den Schulverwaltungsaufgaben den finanziellen Aufwand für die Einführung schon im ersten Jahr kompensieren. Das ist sicherlich ein wichtiger Grund dafür, dass das Interesse an Schüler-Online von Jahr zu Jahr durch Mundpropaganda der beteiligten Schulleiter wächst. Nach dem Probelauf am Lüttfeld-Berufskolleg in Lemgo im Jahr 2004 war die Lösung bereits vor zwei Jahren im gesamten Kreis Ostwestfalen-Lippe im Einsatz, seit Februar gehören sämtliche Schulen in Ostwestfalen dazu, und wir rechnen mit einer Flächendeckung für Nordrhein-Westfalen in zwei Jahren.
Ist das Konzept auf ein Bundesland und eine Schulart beschränkt?
Harnisch: Ganz im Gegenteil, je mehr Regionen und je mehr Schulen mitmachen, desto effizienter lassen sich die Werkzeuge einsetzen. Seit Kurzem kommt Schüler-Online an den ersten niedersächsischen Schulen zum Einsatz. Es wurde dort von der Itebo GmbH implementiert. Gerade entlang der Ländergrenzen findet ja auch ein Austausch statt, denn manchmal ist die Berufsschule im benachbarten Bundesland besser zu erreichen als die nächstgelegene Bildungseinrichtung im eigenen.
Bezüglich der eingebundenen Schularten bestehen ebenfalls Zukunftspläne, zu denen nicht zuletzt die ausnahmslos positiven Rückmeldungen von Lehrern und Verwaltung ermutigt haben. Grundschulen werden künftig ebenfalls mit Schüler-Online arbeiten. Darüber freuen sich viele Eltern, denn sie müssen für die Schulanmeldung ihrer Kinder dann keinen Urlaub mehr nehmen, sondern können das bequem zu Hause erledigen, wann immer sie wollen.
Gewinner sind hier also nicht nur Behörden und Schulen, sondern auch die Bürger?
Harnisch: Ganz ohne Zweifel dient Schüler-Online nicht nur der Effizienzsteigerung und Kosteneinsparung, sondern verbessert auch den Dienst am Bürger. Schülerinnen und Schüler brauchen für die Anmeldung nicht mehr in der jeweiligen Schule vorstellig zu werden. Die Jugendlichen bekommen ein Passwort, können zwei Schulwünsche angeben und bekommen innerhalb weniger Wochen bereits eine Rückmeldung. In den meisten Fällen leiten die Lehrer die Schüler an – innerhalb einer Zeitspanne von rund drei Wochen kann die Anmeldung aber an jedem beliebigen PC mit Internetzugang erfolgen. Darüber hinaus arbeiten wir ständig an neuen Funktionen, zum Beispiel an einer Integration der Fahrtkostenerstattung. Die müssen die Schüler dann nicht mehr extra beantragen, sondern sie wird gemäß den im System vorliegenden Daten automatisch ausgezahlt. Und nicht zuletzt kommt die verbesserte Ressourcenplanung der Unterrichtsqualität und somit der Ausbildung der Jugendlichen direkt zugute.
Wir danken für das Gespräch!