Zeitgemäße Technologie in Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft
Eine vielfältige Wirtschaftsstruktur mit Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistungen bildet das Fundament für eine herausragende Position im weltweiten Wettbewerb der Regionen als anerkannter Wirtschaftsstandort. Dass der Landkreis Cham heute zu den „Aufsteigerregionen“ in Bayern gehört, ist unter anderem der Aufgeschlossenheit der Öffentlichen Verwaltung gegenüber neuen Technologien und Arbeitsweisen zu verdanken. Dr.-Ing. Ulrich Huber, GIS-Beauftragter des Landkreises Cham, erläutert die Bedeutung der interkommunalen Zusammenarbeit im E-Government und den Nutzen des interkommunalen Geographischen Informationssystems des Landkreises Cham (IkGIS-Cham) für die Region.
Warum führte der Landkreis Cham als einer der ersten Landkreise in Deutschland die interkommunale Zusammenarbeit im E-Government ein?
Dr. Ulrich Huber, GIS-Beauftragter des Landkreises Cham: Das Projekt startete bereits im Jahr 1996; ausschlaggebend für diesen Schritt war die scheinbar ungünstige Randlage unseres Landkreises: Die einzelnen Gemeinden hatten nicht genügend Geld, um moderne, IT-gestützte Verfahren einzuführen und taten sich erfolgreich zusammen. Das eröffnete unzählige Möglichkeiten, die den Bürgern und Mitarbeitern der öffentlichen Verwaltung gleichermaßen zugute kommen: Die beteiligten Behörden können nicht nur innovative Dienstleistungen anbieten, sondern ihre Verwaltungsleistungen auch unabhängig von den behördeninternen Strukturen organisieren und den Bürgern somit lange Wege ersparen. Ein Beispiel: Fahrzeughalter können ihren Wagen bei ihrer Heimatgemeinde abmelden und müssen nicht mehr extra zum Landratsamt fahren; dieses hat die Rolle als "Back Office".
Was hat die interkommunale Zusammenarbeit auf politischer Ebene so erfolgreich gemacht?
Huber: Von Anfang an hat der Landkreis den Gemeinden niemals Befugnisse oder Funktionen weggenommen, sondern ihnen immer nur neue Dienstleistungen zur Verfügung gestellt, die ihre Arbeit erleichtert haben und den Bürgern zugute kamen. Das zeigt das Beispiel unseres Geografischen Informationssystems (GIS) besonders deutlich. Aufbau und Pflege eines solchen Systems sind so aufwändig, dass das Landratsamt allein für diese Aufgabe eine Stelle geschaffen hat – das könnten sich die einzelnen Gemeinden kaum leisten. Das System wird beim Landratsamt gehostet, wir pflegen auch die meisten Daten ein. Die Gemeinden sind jedoch aufgefordert ebenfalls Daten einzuspeisen.
Was leistet ein Geografisches Informationssystem (GIS)?
Huber: Ein Geografisches Informationssystem kombiniert Informationen aus verschiedensten Quellen wie topografische Karten, Satellitenbilder, Luftbilder, Fotografien, Videoclips, technische Pläne, Messwerte oder Statistiken und stellt sie in Form digitaler Karten bereit. Mit einem GIS lassen sich verschiedene thematische Ebenen übereinanderlegen oder Daten raumbezogen analysieren. Auf diese Weise kann man aus diesen komplexen Karten Informationen herauslesen, die herkömmliche Karten oder Datenbanken nicht liefern können.
Warum ist GIS so wichtig?
Huber: Nahezu allen Verwaltungsvorgängen liegen geografische Daten zugrunde: Das fängt bei der Planung der Schulbusroute an, geht über baurechtliche Prozesse und die Liegenschaftsverwaltung, und spielt im Umweltschutz, bei Fragen des Jagd- und Fischereirechts und beim Katastrophenschutz eine wichtige Rolle. Nicht einmal die Müllabfuhr kommt ohne geografische Informationen aus.
Das heißt, überall da, wo man früher Karten wälzen musste, genügt heute ein Mausklick?
Huber: Das geht sogar noch weiter, denn viele Vorgänge waren früher mit zeitaufwändigen Ortsterminen verbunden, weil das Kartenmaterial für manche Fälle nicht detailliert genug war. Dann mussten wir mit einem Entfernungsmesser Wegstrecken ausmessen und waren mehrere Stunden für einen Vorgang unterwegs, der nun in einer Viertelstunde erledigt ist. Mit GIS können wir sogar topografische Analysen erstellen und am Schreibtisch, zum Beispiel Steigungen oder die Sonneneinstrahlung eines Geländes, berechnen.
Haben diese erfolgreichen Projekte die wirtschaftliche Randlage nun zum Standortvorteil gemacht?
Huber: Dass wir gewissermaßen gezwungen waren modernste Werkzeuge einzusetzen hat der Region tatsächlich in einigen Bereichen einen Vorsprung verschafft. Auch hierfür ist das GIS ein gutes Beispiel: Ein geografisches Informationssystem ist die zeitgemäße Technologie für viele Einsatzbereiche in Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft. Damit können wir den Unternehmern in der Region hervorragende Dienstleistungen anbieten, was den Wirtschaftstandort stärkt. Anträge auf Baugenehmigungen lassen sich zum Beispiel schneller bearbeiten, und das elektronische Gewerbeflächenkataster gibt Wirtschaftsförderern einen phantastischen Überblick, wo sie bauen und investieren können. Die elektronische Bauleitplanung zeigt darüber hinaus die Entwicklungsmöglichkeiten, die sich bieten. Aber auch die bereits ansässigen Unternehmer haben Vorteile durch das GIS: Seit die Gemeinden Daten für Kanal und Wasser im GIS erfassen, arbeiten auch die regionalen Ingenieursbüros verstärkt mit den digitalen Daten und haben sich mit dieser modernen Arbeitsweise einen ganz neuen Zweig für kommunale Aufträge geschaffen. Und nicht zuletzt nutzen wir die geografischen Daten selbstverständlich für den Tourismus – zum Beispiel bei der Planung von Wanderwegen oder für Karten, unseren Internetauftritt und sogar einem Handyportal mit aktuellen Informationen für unsere Gäste.
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