Zusammenfassung:
| • | Um die Leistung der Logistikkette effektiv messen zu können, brauchen Sie Kennzahlen, die für Ihr Unternehmen geeignet sind und helfen, die Unternehmensleistung zu steigern. |
| • | Aus den Messungen müssen Sie geeignete Maßnahmen ableiten. Ein rascher Lagerumschlag ist beispielsweise ohne jede Bedeutung, wenn die Kunden nicht die richtigen Waren zum richtigen Zeitpunkt erhalten. |
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Die Logistikkette ist ein entscheidender Bereich im Unternehmen. Damit diese reibungsfrei funktioniert brauchen Sie eine Überwachungsmethode, bei der Sie die Aktivitäten in der Logistikkette auf die gesamten Abläufe des Unternehmens abstimmen. Hierzu ermitteln Sie zunächst die geeigneten Logistikkennzahlen für Ihr Unternehmen.
Strategische Logistikkennzahlen fallen nicht unbedingt auf den ersten Blick auf. „Die meisten Unternehmen fangen mit einfachen Kennzahlen an, beispielsweise mit dem Lagerumschlag. Aber das ergibt noch lange kein klares Bild über die Leistung“, erläutert Colin Snow, Vice President bei Ventana Research. Er gibt Unternehmen jeder Größe den Ratschlag, zunächst mit allgemeinen Kennzahlen für die Leistung des Unternehmens zu beginnen. Diese Kennzahlen unterteilt er in vier Kategorien:
| • | Richtigkeit der Bedarfsprognose. Diese Kennzahl bewertet die Abweichung zwischen dem prognostizierten Bedarf und den tatsächlich eingegangenen Aufträgen. |
| • | Perfekte Aufträge. Ein „perfekter“ Auftrag ist vollständig, fehlerfrei, pünktlich und frei von Schäden. Diese Kennzahl deutet erheblich stärker als andere Kennzahlen darauf hin, wie gut die Aufträge durch Ihr Unternehmen erfüllt werden, beispielsweise die Erfüllungsrate. |
| • | Kapitalbindungsdauer. Diese Kennzahl bezeichnet die Kreditorenlaufzeit und die Debitorenlaufzeit, also die Zeitspanne zwischen dem Einkauf von Waren oder Material bis zum Eingang der Zahlungen Ihrer Kunden. |
| • | Kosten für Logistikmanagement. Diese Kennzahl bewertet die Business-Aufwendungen in Zusammenhang mit den Investitionen, den Produktions- und Lagerkosten, den Transportkosten und dem Kundenservice. Das sind interessante Werte, die eindeutige Rückschlüsse auf die Effektivität der betrieblichen Prozesse zulassen. |
Neben den genannten Kennzahlen sind noch weitere Aspekte zu berücksichtigen. „Die Durchlaufzeit bei der Entwicklung und Einführung neuer Produkte wird immer wichtiger“, so Michael Hugos, Autor des Bestsellers Essentials of Supply Chain Management. „Beachten Sie auch den prozentualen Anteil neuer Produkte am Absatz.“ Denken Sie auch an Kennzahlen in Zusammenhang mit dem Kundendienst. „Die Gesamtleistung Ihres Unternehmens wird am stärksten durch den Kundendienst beeinflusst“, betont Hugos. „Und den Kunden ist es vollkommen egal, wie effizient Ihre internen Betriebsabläufe sind. Sie interessieren sich nur für Ihre Erfüllungsrate, für pünktliche Lieferung und für die Rücklaufquote, also für die Punkte, die sich wiederum auf ihre eigene Leistung auswirken.“
Mithilfe aussagekräftiger Vergleichswerte können Sie feststellen, wie Sie im Vergleich zu Ihren Mitbewerbern abschneiden und ob die Leistungen Ihres Unternehmens ansteigen oder abfallen. Bei Beratungsunternehmen erhalten Sie Vergleichsdaten in der Regel nur gegen hohe Gebühren. Jedoch erhalten Sie eventuell auch wertvolle Vergleichsdaten:
| • | Das Supply Chain Council hat das bekannte SCOR-Modell (Supply Chain Operations Reference) entwickelt. Dieser branchenübergreifende Standard soll die Verfahren in der Logistikkette dokumentieren, verbessern und vermitteln. |
| • | Das American Productivity & Quality Council (APQC) betreibt ein Langzeit-Forschungsprojekt mit der Bezeichnung „Open Standards Benchmarking Collaborative“. Die Teilnehmer können dabei mehr als 100 Prozesse in einer Reihe von Branchen vergleichen. |
| • | Beim Council of Supply Chain Management Professionals sind die Supply Chain Management Process Standards erhältlich, eine Ratgeberreihe zu den laut SCOR-Modell wichtigsten Logistikprozessen: Planung, Beschaffung, Fertigung, Lieferung, Rücklauf. In Zusammenarbeit mit dem APQC bietet dieses Council außerdem einen kostenlosen Online-Leistungsvergleich an. |
Die Überwachung der Logistikkette beginnt nicht bei den Technologien, sondern schon bei den Geschäftsprozessen. „Genau hier geht die Sache bei vielen Unternehmen schief“, so Snow. „Technologie ermöglicht die Überwachung. Aber die Methodik sorgt dafür, dass Sie geeignete Maßnahmen ergreifen und Ihre Geschäftsabläufe verbessern können.“
Stellen Sie Prozesse auf, mit denen Messwerte im gesamten Unternehmen erfasst werden. „Sie brauchen abteilungsübergreifende Teams, die die relevanten Daten zusammenstellen und allgemein bekannt machen“, erläutert Nigel Montgomery, Forschungsdirektor bei AMR Research. „Die meisten Unternehmen begehen den Fehler, die Leistungsdaten nicht weltweit abzugleichen. In vielen Unternehmen gelten verschiedene Systeme in den verschiedenen Geschäftsbereichen. Der Überblick darüber, wo sich die Daten befinden, ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg.“ Dies gilt insbesondere für mittelständische Unternehmen, bei denen in aller Regel große Datenmengen auf dezentralen Desktopcomputern verwaltet werden. Sorgen Sie deshalb dafür, dass die Daten zu den richtigen Leuten gelangen, vor allem zu den Finanzdirektoren und den Produktionsleitern, die die Gesamtleistung des Unternehmens bewerten.
„Angenommen, ein Manager stellt fest, dass der Bestand nicht reicht, um einen bestimmten Auftrag zu erfüllen. Der Manager erteilt also einen Auffüllungsauftrag“, beschreibt Montgomery. „In der Zwischenzeit hat jedoch der Kundendienstmitarbeiter einen Ersatz beschafft, der die Anforderungen des Kunden ebenso erfüllt.“ Mit sorgfältig definierten Geschäftsregeln sollten sich solche Probleme umgehen lassen, führt er aus.
Nur weil Sie eine Bewertung vornehmen, heißt das noch lange nicht, dass Sie auch vernünftige Resultate erzielen. „Wenn Sie die Anzahl der Produkteinheiten erfassen, die aus der Fertigungsanlage kommen, erfahren Sie damit Ihre Produktionskapazitäten oder Ihre Erfüllungsrate“, legt Snow dar. „Aber dieser Wert sagt überhaupt nichts, wenn er nicht mit den Unternehmenszielen zur Kostensenkung, zur Umsatzsteigerung oder zur Erhöhung der Kundenzufriedenheit in Einklang steht.“
Eine mögliche Lösung umfasst beispielsweise Scorecards und Kurzübersichten für das Logistikmanagement. Selbst Unternehmen, die das SCOR-Modell bereits erfolgreich nutzen, können vom Einsatz einer Balanced Scorecard profitieren. Mit einer Balanced Scorecard können Sie die Kennzahlen bei der Produktentwicklung, der Bedarfsweckung, dem Customer Relationship Management und anderen Bereichen verfolgen, die sich direkt auf die Logistikkette auswirken. Nach einer Umfrage von Ventana Research unter nahezu 600 kleinen und mittelständischen Unternehmen im Februar 2006 konnten 75 Prozent aller Unternehmen, die Scorecards und Kurzübersichten eingeführt haben, eine Leistungssteigerung melden.
Jeder Logistikmanager sollte danach streben, die Kennzahlen, Maßstäbe und Prozesse zu ermitteln, mit denen sich die Steuerung der Logistikkette in handfeste geschäftliche Verbesserungen ummünzen lässt. Denn letztendlich wird die Qualität seiner Arbeit nur daran gemessen.
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