Artikel: Die Express Editionen im Überblick

Die Express Editionen im Überblick

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Wer in die Windows-Programmierung mit Visual Studio 2010 und dem .NET Framework 4 beginnen möchte, muss dafür keine Software anschaffen. Microsoft bietet fünf Express Editionen von Visual Studio 2010 kostenlos zum Download an. Damit arbeitet man auch als angehender Programmierer mit jenem Werkzeug, mit dem professionelle Software-Entwickler arbeiten. Zwar bieten die Express Editionen nicht den vollen Funktionsumfang von Visual Studio 2010 Professional, Premium oder Ultimate, es fehlt aber nichts, was Programmierer für die Umsetzung moderner Windows-Anwendungen benötigen.

Bevor die insgesamt fünf Visual Express Editionen im Detail vorgestellt werden, muss eine nicht ganz unwichtige Frage vorab beantwortet werden: Was ist eigentlich Visual Studio und warum brauche ich das Programm überhaupt?

Visual Studio = IDE

Visual Studio ist eine integrierte Entwicklungsumgebung. Das ist eine Anwendung, in der alle Schritte von der Eingabe der Befehle, über das Zusammenstellen der Benutzeroberfläche, der Anbindung des Programms an eine Datenbank (sofern eine solche benötigt wird), über das Testen der Befehle bis zum Erstellen der Programmdatei oder eines auslieferungsfähigen Pakets ausgeführt werden können. Eine solches Programm heißt im Original Integrated Development Environment, kurz IDE. Heutzutage sagt man dazu einfach nur Entwicklungsumgebung, da das Attribut „integriert“ keine echte Aussagekraft mehr besitzt. Früher, in der Pionierzeit der Programmierung, in den 60er und 70er Jahren, mussten Programmierer alle Schritten mit separaten Programmen erledigen, was deutlich mehr Aufwand war. Heute sind es Programmierer gewohnt, dass sie ihre Befehle eintippen, F5 drücken und ein fertiges Programm herauskommt (in einer stark verkürzten Zusammenfassung).

Entwickler schreiben Programme

Entwickeln oder programmieren? Beide Begriffe bedeuten dasselbe, das Schreiben von Programmen, die auch Anwendungen heißen. Heutzutage spricht man von Entwicklern; der Begriff Programmierer ist etwas aus der Mode gekommen, da sich ein Entwickler heutzutage nicht nur mit dem Programmieren, also dem Eingeben (Schreiben) von Befehlen in der Programmiersprache seine Wahl auskennen muss, sondern auch von der Methodik des Softwareentwurfs etwas verstehen und in der Lage sein muss, die Anwendungsdomäne (das Fachgebiet, in der die Anwendung arbeiten soll) zu begreifen, die darin enthaltenen Prozesse zu erkennen und sie auf Programmbefehle abzubilden. Konkret, ein Software-Entwickler, der ein Programm zur Steuerung einer chemischen Reinigung schreiben soll, muss etwas über den Ablauf in einem solchen Betrieb wissen oder sich zuerst ausführlich mit einem Fachmann auf diesem Gebiet unterhalten. Wenn man nur für sich selbst programmiert, spielen diese Faktoren meistens keine Rolle, da man selbst bestimmt, was das eigene Programm können soll.

Die glorreichen Fünf – die Express Editionen im Überblick

Das Wort Express bedeutet nicht unbedingt, dass man mit den Express Editionen schneller programmieren kann. Man kommt allerdings eventuell etwas schneller ans Ziel, da sich die Express Editionen an die Gruppe der Schüler, Studenten und Hobbyentwickler richtet, die in ihrer Freizeit programmieren oder das Programmieren lernen wollen, ohne gleich Geld für ein professionelles Werkzeug wie Visual Studio 2010 Professional ausgeben zu müssen.

Mit Visual Basic, C# und C++ deckt Microsoft alle wichtigen Sprachen aus dem eigenen Haus ab (lediglich für die Microsoft-Programmiersprache F# gibt es keine Express Edition).

Die Express Editionen sind ein relativ neues Angebot. Eingeführt wurden sie als kostenlose Alternative zu Visual Studio 2005. Für Visual Studio 2008 wurden sie genauso neu aufgelegt wie für die aktuelle Version 2010. Es spricht vieles dafür, dass es auch für den Nachfolger von Visual Studio 2010 Express Editionen geben wird. Als Teil der im September freigegebenen Windows 8 Developer Preview, mit dem Microsoft den Nachfolger von Windows 7 der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt, ist auch eine Visual Studio 11 Express Edition Preview enthalten.

Wie kommst Du nun an eine Express Edition? Ganz einfach, begib Dich zur Microsoft-Website und lade sie herunter. Die Express Editionen gibt es aber nur einzeln, sie werden als voneinander unabhängige Anwendungen installiert (allerdings in dasselbe Installationsverzeichnis, das bei der Installation des ersten Visual Studio-Produkts ausgewählt wurde). Microsoft bietet jedoch auch alle Anwendungen in einer einzigen ISO-Datei zum Download an – mehr dazu in Kürze.

Visual Studio 2010 Express Website
Die Express Editionen stehen auf einer Website zum Download bereit

Die Installation einer Express Edition ist sehr einfach. Es werden keinerlei technische Vorkenntnisse vorausgesetzt. Läuft alles glatt durch, ist die Installation in wenigen Minuten erledigt.

Hinweis

Ein wichtiger Umstand ist die Unterscheidung zwischen einer Expression Edition und dem Service Pack 1 (SP1) für Visual Studio 2010. Auch wenn die Express Editionen auch ohne das SP1 funktionieren, solltest Du das Service Pack 1 installieren. Allerdings erst, nachdem Du alle gewünschten Express Editionen installiert hast. Installiert Du zum Beispiel erst Visual Basic 2010 Express Edition, dann das SP1 und danach zum Beispiel Visual Web Developer 2010 Express Edition, lässt sich danach keine der beiden Express Edition mehr starten, da entweder alle installierten Visual Studio 2010-Editionen oder gar keine auf SP1 aktualisiert werden darf. In diesem Fall müsstet Du nach der Installation Web Developer Edition noch einmal das SP1 installieren was eine Weile dauern wird.

Web-Download oder ISO?

Es gibt grundsätzlich zwei Art und Weisen, um eine Express Edition zu installieren. Über einen Web-Installer und über eine ISO-Datei. Bei der Web-Installer-Varianten wird nur ein relativ kleines Installationsprogramm heruntergeladen, das nach dem Start die restlichen Dateien vom Microsoft-Webserver herunterlädt und installiert. Der Vorteil dieser Varianten ist, dass sie schnell und unkompliziert ist und nur das heruntergeladen wird, was für die Installation gebraucht wird. Bei einer langsamen Verbindung oder wenn jemand nur eine Express Edition installieren möchte, ohne sich um etwas kümmern zu müssen, ist das die beste Variante.

Eine ISO-Datei ist ein Abbild einer CD oder DVD. Sie ist wie eine CD bzw. DVD, nur dass sie ohne eine Scheibe daherkommt. Sie kann mit einem Brennprogramm auf eine CD/DVD gebrannt werden (zum Beispiel mit dem Abbildbrennprogramm von Windows 7), sie kann aber auch wie ein Zip-Archiv geöffnet oder beim Einrichten eines virtuellen PCs als Bootmedium angegeben werden.

Microsoft bietet alle Express Editionen in einer einzigen ISO-Datei mit dem Namen VS2010Express.iso an (sie ist 731 MByte groß). Du solltest die ISO-Datei nach dem Download mit dem in Windows 7 eingebauten Abbildbrennprogramm auf eine DVD brennen. Klicke dazu die ISO-Datei im Explorer mit der rechten Maustaste an und wähle den Eintrag „Datenträgerabbild brennen“. Danach wird die ISO-Datei so auf die eingelegte, leere DVD geschrieben, dass die Installation danach von der DVD gestartet werden kann (vergiss nicht, die DVD so zu beschriften, dass Du Dich auch nach ein paar Monaten an den Inhalt erinnern kannst). Eine einzelne Express Edition wird jeweils über das Programm Setup.exe gestartet. Während der Installation kannst Du den Umfang der Installation bestimmen. Lässt Du SQL Server 2008 Express weg, kannst Du zunächst keine Programme erstellen, die SQL Server 2008 Express als Datenbankmanagementsystem (DBMS) verwenden (stets fest eingebaut ist SQL Server Compact, ein kleines DBMS, das für viele Programme aber mehr als ausreichend ist).

Der Vorteil der ISO-Datei ist, dass Du die Installation immer wieder wiederholen kannst, ohne mit dem Internet verbunden sein zu müssen. Und Du kannst sie einfacher weitergeben, was sehr praktisch ist, wenn Du mit anderen Kollegen zusammen ein Programmierprojekt beginnst oder mehrere Leute die Express Edition installieren wollen.

Registrierung ist Pflicht

Die Express Editionen sind zwar kostenlos, Microsoft erwartet aber, dass sich jeder, der dauerhaft mit einer Express Edition arbeiten möchte, sie registriert. Ansonsten verweigert die Anwendung nach 30 Tagen ihren Start. Die Registrierung ist formlos und setzt lediglich eine E-Mail-Adresse voraus. Man erhält während der Registrierung auf der Microsoft-Webseite den Freischaltcode, muss also nicht auf den Empfang einer E-Mail warten. Danach kann die Express Edition zeitlich unbegrenzt benutzt werden. Auf der Express Website findet sich auch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Registrierung.

Die Express Editionen im Detail

Die Express Editionen im Startmenu
Die Express Editionen werden einzeln installiert und nebeneinander im Startmenü angeboten

Zur Familie der Express Editionen gehören Visual Basic 2010 Express, Visual C# 2010 Express, Visual C++ 2010 Express, Visual Web Developer 2010 Express und Visual Studio 2010 Express for Windows Phone als Teil der Windows Phone Developer Tools. Jede Edition muss einzeln installiert werden und wird nach der erfolgreichen Installation einzeln im Startmenü aufgeführt.

Werkzeug Besonderheiten
Visual Basic 2010 Express Visual Basic verwendet eine Befehlssyntax, die bei Microsoft eine lange Tradition besitzt, und die gerade Menschen anspricht, die bereits „Basic“ oder VBA beherrschen.
Visual C# 2010 Express C# ist die Sprache der professionellen Software-Entwickler, was aber nicht bedeutet, dass sie gegenüber Visual Basic schwerer zu erlernen ist.
Visual C++ 2010 Express C++ ist nach wie vor die Sprache, mit der 90% aller Windows-Anwendungen erstellt werden. Auch Windows selbst ist zum größten Teil in C++ geschrieben. Mit Visual C++ lernt man daher eine Sprache, die nach wie vor die Weltsprache der Entwickler ist. Allerdings ist C++ schwerer zu lernen und die Programmierung einer Windows-Anwendung ist deutlich aufwändiger als mit Visual Basic oder C#.
Visual Web Developer 2010 Express Dies ist das Werkzeug für alle Webentwickler. Der Schwerpunkt liegt dabei auf ASP.NET-Webanwendungen, auf Silverlight-Anwendungen und auf Cloud-Anwendungen, die unter Windows Azure laufen. Seit kurzem gibt es für Web-Entwickler mit WebMatrix bei Microsoft eine attraktive Alternative.
Visual Studio 2010 Express for Windows Phone Dies ist das Werkzeug für alle, die Apps für Smartphones mit Windows Phone von Microsoft entwickeln möchten. Programmiert wird mit C# oder Visual Basic. Dieses Werkzeug gibt es nur auf Englisch.

Visual Basic 2010 Express

Visual Basic 2010 Express Basic besitzt als universelles Entwicklungswerkzeug für Windows-Anwendungen bei Microsoft eine lange Geschichte. Die Version 1.0 kam bereits 1991 auf den Markt, damals war gerade Windows 3.1 erschienen, der Vorläufer von Windows 95. Windows war damals in, doch Windows-Programmierung war vor dem Erscheinen von Visual Basic noch relativ anspruchsvoll. Als Programmiersprache stand nur C (der Vorläufer von C++) zur Verfügung und selbst ein „Hallo, Welt“-Programm, das lediglich ein Fenster mit einem Textinhalt anzeigen konnte, bestand aus über 80 Zeilen Programmcode, von denen 79 Zeilen nur Formalitäten betrafen. Mit Visual Basic konnten endlich auch Menschen, die keine professionellen Entwickler sein mussten, kleine wie größere Windows-Anwendungen erstellen. Mit Visual Basic setzte Microsoft die Linie ihrer Programmierwerkzeuge fort, die auf der bereits in den 60er Jahren entstanden Programmiersprache BASIC (Beginners All Symbolic Instruction Code) basierte. Auf Visual Basic 1.0 folgten viele weitere Versionen, anstelle eines Visual Basic 7.0 kam aber, bedingt durch die Einführung des .NET Frameworks im Jahr 2002, ein Visual Basic .NET 1.0 auf den Markt, das nicht hundertprozentig kompatibel zu seinem Vorgänger war und am Anfang mit Akzeptanzproblemen in der Visual Basic-Community zu kämpfen hatte. Man muss Microsoft zugutehalten, dass sie auch dieses im Grunde neue Werkzeug mit jeder Version verbesserten und mit Visual Basic 2005 (das .NET war mit dieser Version offiziell kein Teil des Produktnamens mehr) vieles von dem Komfort implementierten, der Visual Basic seinerzeit ausgezeichnet hatte. Ein Beispiel von vielen ist die Möglichkeit, die Programmausführung unterbrechen, Änderungen am Quellcode vornehmen und das Programm anschließend fortsetzen zu können. Das, was Visual Basic als RAD-Werkzeug (RAD = Rapid Application Development) ausgezeichnet hatte, steht auch unter .NET inzwischen wieder zur Verfügung. Das aktuelle Visual Basic 2010 entspricht der Version 10.0 eines Programmierwerkzeugs, das weltweit immer noch zu den am meisten eingesetzten Werkzeugen zählt.

Die Vorlagenauswahl bei Visual Basic 2010 Express
Die Vorlagenauswahl bei Visual Basic 2010 Express

Die Rolle des Managed Code

Der Visual Basic-Compiler erzeugt, wie der Visual C#-Compiler, Managed Code. Dieser Programmcode wird von der Common Language Runtime (CRL), der virtuellen Maschine des .NET Frameworks ausgeführt. Diese kompiliert den Managed Code vor seiner Ausführung in nativen Maschinencode, der dann von der CPU ausgeführt wird. Das bringt verschiedene Vorteile für die Ausführungssicherheit eines Programms. Langsamer laufen die Programme dadurch aber nicht. Managed Code ist bei den Express Editionen aber nur eine Option. Wer „unmanaged code“ produzieren möchte, also Programmbefehle, die direkt von der CPU ausgeführt werden, verwendet dafür Visual C++ 2010 Express Edition.

Visual C# 2010 Express

Visual C# 2010 ExpressC# ist eine relativ neue Programmiersprache, die als Teil des .NET Frameworks von Microsoft 2002 veröffentlicht wurde. Einer der Väter von C# ist der Däne Anders Hejlsberg, der bereits bei seinem früheren Arbeitgeber Borland die Programmiersprachen Turbo Pascal und Delphi erschuf. Mit Visual C# 2010 liegt die Version 4.0 der Sprache vor. C# unterscheidet sich von Visual Basic in erster Linie durch seine Befehlssyntax, die teilweise etwas knapper und weniger ausschweifend ist. Dafür kommt es auf die Groß-/Kleinschreibung bei Befehlen und Bezeichnern an und Befehlszeilen müssen mit einem Semikolon abgeschlossen werden. C# ist vor allem bei professionellen Entwicklern sehr beliebt, wenngleich es bezüglich seiner Möglichkeiten keine Unterschiede zu Visual Basic gibt. Beide Sprachen verwenden zwar eine unterschiedliche Befehlssyntax, bieten aber grundsätzlich denselben Funktionsumfang. Im Rahmen seiner Co-Evolution-Strategie hat Microsoft schon vor einigen Jahren bekanntgegeben, das sich C# und Visual Basic gemeinsam weiterentwickeln werden. Bis auf ein paar kleinere Ausnahmen gibt es zu jedem Sprachelement in C# auch ein Pendant in Visual Basic und umgekehrt.

Die Vorlagenauswahl bei Visual C# 2010 Express
Die Vorlagenauswahl bei Visual C# 2010 Express (nach der Installation von XNA Game Studio 4.0)

Visual C++ 2010 Express

Visual C++ 2010 ExpressC++ ist zwar ein Oldtimer unter den Programmiersprachen (die Sprache entstand bereits in den 80er Jahren), ist aber immer noch ein echtes Schwergewicht in der Windows-Welt. Gut 90% aller Windows-Anwendungen weltweit dürften in C++ entwickelt sein. Vor allem Microsoft setzt für eigene Produkte auf C++. Neben Windows sind auch große Teile des Microsoft Office-Pakets in dieser Sprache entwickelt worden. Wenn C++ so wichtig ist, warum gibt es denn noch andere Programmiersprachen bei Microsoft? Sollten wir nicht alle gleich C++ lernen? Ganz so einfach ist es natürlich nicht, denn C++ besitzt nicht nur Vorteile. Man muss sehr viel mehr Programmcode schreiben als bei C# oder Visual Basic, um eine Aufgabe zu lösen, C++ erfordert sehr viel mehr Formalitäten als diese Sprachen und es ist insgesamt schwerer zu erlernen. Dafür erzeugt der C++-Compiler sog. Native Code, der direkt von der CPU ausgeführt wird. Eine virtuelle Maschine in Gestalt der CLR wie bei C# und Visual Basic ist nicht involviert.

Die Vorlagenauswahl bei Visual C++ 2010 Express
Die Vorlagenauswahl bei Visual C++ 2010 Express

Visual Web Developer 2010 Express

Visual Web Developer 2010 ExpressDiese Express-Edition richtet sich ausschließlich an Web-Entwickler. Ganz richtig ist diese Aussage aber nicht mehr, denn in der aktuellen Version lassen sich auch Browser-Anwendungen auf der Basis von Microsoft-Silverlight entwickeln.

Da Web-Anwendung ein weit gefasster Begriff ist, soll er im Folgenden etwas präzisiert werden. Eine Web-Anwendung ist eine Anwendung, die von einem Webserver ausgeführt wird. Dieser serviert nach der Eingabe einer URL (z.B. http://www.meine-tolle-web-anwendung.local) eine (meistens aus HTML bestehende) Webseite, damit diese im Browser angezeigt werden kann. Der Inhalt der Seite ist in der Regel nicht statisch, sondern wird durch Programmcode ausgeführt, der vor dem Abrufen der Webseite auf dem Webserver ausgeführt wird, und der z.B. das Ergebnis einer Datenbankabfrage in die Seite einbaut. Es gibt im Internet mehrere Hundert Millionen Webserver (die letzte Erhebung der Firma NetCraft gibt die Zahl mit knapp 526 Millionen an, so dass es auch eine große Anzahl an Webservern und Techniken gibt, durch die auf einem Webserver Programmcode ausgeführt werden kann. Microsoft verwendet als Webserver den IIS (Internet Information Services), als Server-Betriebssystem Windows und als Web-Server-Technologie für die Ausführung von Programmcode ASP.NET, bei der Server-Code in C# oder in Visual Basic geschrieben werden kann.

Mit Visual Web Developer Express Edition 2010 werden Web-Anwendungen für diese Konstellation entwickelt: ASP.NET, IIS und Windows als Server-Betriebssystem. Dieser Aspekt ist bei der Suche nach einem Hosting-Provider wichtig, da dieser genau diese Komponenten anbieten muss.

Bei ASP.NET gibt es mit WebForms und MVC inzwischen zwei Ansätze, die beide von Visual Web Developer unterstützt werden. Auch das Veröffentlichen einer Web-Anwendung in das Microsoft Cloud-Betriebssystem Windows Azure, als Alternative zum Hosten bei einem Provider, ist mit Visual Web Developer möglich.

Neben Web-Anwendungen ermöglicht Visual Web Developer auch das Entwickeln von Silverlight-Anwendungen. Eine Silverlight-Anwendung läuft ausschließlich auf dem Client und wird über eine Webseite gestartet. Sie läuft entweder als Teil der Webseite oder, im so genannten "Out-of-Browser-Modus" unter Windows, in einem eigenen Fenster.

Die Aufzählung macht deutlich, dass Visual Web Developer für ein kostenloses Werkzeug in der aktuellen Version eine große Auswahl an Projekttypen zu bieten hat.

Die Vorlagenauswahl bei Visual Web Developer Express Edition 2010
Die Vorlagenauswahl bei Visual Web Developer Express Edition 2010

Visual Studio 2010 Express for Windows Phone

Visual Studio 2010 Express for Windows PhoneDie „Phone Edition“ ist das jüngste Mitglied in der Express Edition-Familie. Es gibt sie aktuell nur auf Englisch. Mit ihrer Hilfe werden Silverlight-Anwendungen entwickelt, die auf einem Windows Phone laufen. Für das Testen der Anwendung muss man allerdings kein solches Smartphone besitzen, denn die Express Edition bietet natürlich einen sog. Emulator, der die Hardware simuliert. Damit lässt sich eine App fast so testen als würde sie auf einem richtigen Windows Phone ausgeführt.

Die Phone Edition ist Teil der Windows Phone Developer Tools, die unter anderem auch eine speziell angepasste Version von Expression Blend 4 umfasst, mit dem sich die Oberfläche für eine Windows Phone-Anwendung erstellen lässt. Mit dabei ist auch der erwähnte Windows Phone-Emulator, der ein Windows Phone per Software nachbildet. Eine weitere Entwicklungsumgebung, die als Teil der Phone Developer Tools installiert wird, ist XNA Game Studio 4.0, mit dem sich Spiele auf der Basis der Microsoft-Spieleplattform XNA entwickeln lassen (XNA ist zur Abwechslung einmal keine Abkürzung – man kann es als die „DNA“ moderner Windows-Games betrachten). Doch was haben Spiele mit Windows Phone-Programmierung zu tun? Ganz einfach, neben Silverlight-Anwendungen sind XNA-Anwendungen die zweite Kategorie von Apps, die auf einem Windows Phone laufen können. Für Software-Entwickler ist die Umsetzung von „Handy-Games“ heutzutage eine genauso spannende wie lukrative Herausforderung, da der Markt für Handy-Games vor allem in Deutschland boomt. Mit XNA Game Studio 4.0, einem weiteren kostenlosen Werkzeug von Microsoft, lassen sich Spiele für den PC, für Windows Phone und für die Xbox 360 sowohl in C# als auch (neuerdings) in Visual Basic entwickeln. Das XNA Game Studio 4.0 wird demnächst im MSDN Coding Class Portal vorgestellt.

Die Installation von Visual Studio 2010 Express for Windows Phone unterscheidet sich nicht von der Installation der übrigen Express Editionen. Es gibt allerdings einen Unterschied: Ist Visual Studio 2010 Professional bereits installiert, integriert sich die Phone-Edition in dieses Visual Studio, so dass es keine separate Entwicklungsumgebung gibt.

Die Vorlagenauswahl bei Visual Studio 2010 Express for Windows Phone
Die Vorlagenauswahl bei Visual Studio 2010 Express for Windows Phone