Neno Lojes Vista-Tagebuch

Tag 18: Vista's Ordnerstruktur

Gleich die revolutionärste Nachricht vorweg: Microsoft hat aufgegeben! Nicht etwa den Geschäftsbetrieb, sondern damit, die Namen von Systemordnern in lokalisierten Windowsversionen zu übersetzen. So heißt jetzt der Ordner "Program Files" in der deutschen Version ebenfalls so – und nicht wie bisher "Programme".

Obwohl: so ganz stimmt das nicht. Glaubt man der Anzeige im Windows Explorer, so heißt der Ordner weiterhin "Programme". Dabei werden wir als arme, native Benutzer vom Explorer nur getäuscht, wie ein Blick auf die Kommandozeile enthüllt.

Der Explorer "lügt" dem Benutzer also etwas vor, um ihn nicht mit englischen Begriffen zu konfrontieren. Soweit so gut. Was passiert aber, wenn ich eine Software installiere?

Das Installationsprogramm fragt bei Windows nach dem Programme-Ordner und dieser heißt dann folgerichtig "C:\Program Files". Als Benutzer könnte mich das verwirren, jedoch wird auch in der Ordnerauswahl kein "Programme"-Ordner angezeigt:

Ich mache die Probe auf's Exempel und gebe per Hand "C:\Programme " ein. Da will ich – aus der Denke eines Benutzers – das Programm ja schließlich hin haben.

Das Installationsprogramm verrichtet seinen Dienst. Erfolgreich.

Das Programm wurde dennoch physikalisch unter C:\Program Files installiert.

Grund dafür sind so genannte NTFS Junction Points, die es schon seit geraumer Zeit im Dateisystem gibt, jedoch in Windows Vista erstmalig intensiv zum Einsatz kommen. Junction Points sind eine Art Umleitung. So kann ein Programm nach C:\Programme schreiben. Die Zugriffe landen jedoch in Wirklichkeit unter C:\Program Files.

Ansehen kann man sich eingerichtete Junction Points auf der Kommandozeile durch den Aufruf von "dir /a".

Dabei kommen noch weitere Junction Points (Im Screenshot als "Verbindung" bezeichnet) zu Tage. So wird zum Beispiel "C:\Dokumente und Einstellungen" jetzt auf den neuen Ordner "C:\Users" weiterleitet, aber auch die englische Bezeichnung ("Documents and Settings") gleich mit.

Gerade auch für den Ordner "Eigene Dateien" mit seinen Unterordnern "Eigene Videos", "Eigene Bilder" usw. wurden eine Vielzahl von Junction Points angelegt, damit diese in die neue Ordnerstruktur überführt werden können.

Junction PointZiel

..\Documents and Settings\<username>\Eigene Dateien

..\Users\<username>\Documents

..\Documents and Settings\<username>\ Eigene Dateien\Eigene Musik

..\Users\<username>\Music

..\Documents and Settings\<username>\ Eigene Dateien\Eigene Bilder

..\Users\<username>\Pictures

..\Documents and Settings\<username>\ Eigene Dateien\Eigene Videos

..\Users\<username>\Videos

Werfen Sie auch einen Blick in die vollständige Liste aller "Umleitungen".

Selber erzeugen kann man Junction Points mit der Software Junctions (von Sysinternals). Klar geht das auch programmatisch.

Lesen Sie auch die Tipps und Empfehlungen von Microsoft zum Erzeugen von Junction Points.

Fazit: Vorteil der Idee, Junction Points zur Weiterleitung der alten auf die neuen Pfade und Ordnerstrukturen einzusetzen: die (Windows-)Welt wird kompatibler. Ob der Benutzer an der einen oder anderen Stelle etwas verwirrt dreinschauen wird, wenn er englischsprachige Ordner findet, bleibt abzuwarten. Am Ende profitiert er aber davon.

Morgen ist unter anderem eine weitere Neuerung im Dateisystem das Thema – nämlich Transaktionen beim Umgang mit Dateien…

Viel Spaß beim Erforschen der Vista-Ordnerstrukturen wünscht Ihnen,

Ihr Neno Loje

Neno Loje
Freier Berater & Fachautor
Sie haben Fragen zu Visual Studio Team System (VSTS) oder Anregungen und Kommentare zu meinem Vista-Tagebuch? Dann freue ich mich auf Ihre Nachricht.

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