Neno Lojes Vista-Tagebuch

Tag 28: Möchten Sie den Fehler jetzt senden? (Windows Error Reporting)

Sie alle kennen die Situation: ein Programm stürzt ab oder friert ein und es erscheint ein Dialog, der uns fragt ob wir diese Informationen an Microsoft übertragen wollen.

Vorteile für den Benutzer

Wenn sich ein Programm mit einer Fehlermeldung "verabschiedet" oder aufhängt macht der Benutzer wahrlich keine Freudensprünge. Das daraufhin die Informationen zur Fehleranalyse – nach Rückfrage – an einen von Microsoft betriebenen Server geschickt werden ist nicht weiter neu. Neu am so genannten Windows Error Reporting (WER) ist zum einen, dass nicht nur richtige Fehler, sondern auch Programme, die nicht mehr reagieren (d.h. sich "aufhängen" wie man im Volksmunde sagen würde) gemeldet werden.

Die zweite Neuerung ist die eigentlich spannende für den Benutzer: es gibt nun einen Rückkanal (bezeichnet als Windows Feedback Plattform, kurz: WFP)! Das geht dann so: ein Programm stürzt ab, ich entscheide mich die Informationen zu senden und gleichzeitig wird nach Lösungen gesucht, die der Hersteller hinterlegt hat. Ich stehe also nicht mit meinem Absturz im Regen, sondern bekomme eine Antwort wie z.B. "Es gibt ein Update, welches dieses Problem behebt." oder "es gibt zwar kein Update, aber eine Anleitung was man tun muss" oder "Danke für das Melden des Problems. Sie sind nicht der erste. Wir arbeiten zurzeit daran." oder auch "Ihre Programmversion wird nicht mehr von unserem Support unterstützt". Ich zumindest fühle mich jetzt nicht mehr so alleine und jeder, der mal in die Situation kommt überhaupt nicht zu wissen was er nach diesem Absturz tun soll wird sich beim Hersteller für diese Art der direkten Rückkommunikation bedanken.

Vorteile für den Softwarehersteller

Diese Antwort müssen natürlich auch vom Hersteller hinterlegt werden. Den Zugriff auf die Fehlerberichte Ihrer Anwendungen können Softwarehersteller kostenfrei bei Microsoft auf WinQual beantragen (die Abkürzung steht natürlich für Windows Quality). Es muss selbstverständlich zweifelsfrei sichergestellt sein, dass die Berichte nicht in falsche Hände geraten – weshalb hier per Zertifikat signierte Dateien gefordert werden und ein Identitätszertifikat zur Anmeldung an der Webseite. Gerade Hersteller von Software für eine breite Kundenmasse kann das sehr interessant sein.

Und da die Feedback Plattform nur Spaß macht, wenn auch die Hersteller ihre Antworten eingeben verlangt Microsoft von allen Herstellern, die Ihre Produkte mit einem "Certified for Windows Vista"-Logo schmücken verlangt, dass diese sich auf dem WinQual-Portal registrieren und regelmäßig die gemeldeten Fehler beheben sowie Antworten einstellen – mit dem Ziel die Qualität und Zuverlässigkeit der Software, die unter Windows läuft, kontinuierlich zu verbessern.

Vorteile für Microsoft als Betriebssystemhersteller

Natürlich hat auch Microsoft Vorteile davon die Fehlermeldungen zu sammeln und statistisch auszuwerten. Es hilft Microsoft dabei zu entscheiden welche Fehler zum Beispiel im nächsten Service Pack prioritär behandelt werden sollen. Aber auch interessante Aufschlüsse über die "gefühlte Stabilität" von Windows lassen sich daraus ziehen. Beispielsweise ist die große Mehrheit aller Windowsabstürze auf Treiber zurückzuführen. Und manchmal sind es sogar auffällig viele Treiber eines Herstellers woran man dort dann freundlich nachfragen kann… ;-)

Fazit: Macht Windows Error Reporting unsere Software besser? Nein, nicht automatisch – denn es liegt wie bisher am Benutzer wie am Entwickler. Das Abschicken der Fehlerberichte ist freiwillig und die Softwarehersteller müssen diese einsehen und Antworten liefern. Spielen aber beide Seiten mit erhält man interessante Daten über welche Probleme wirklich wie häufig (statistisch gesehen) auftreten und kann so besser priorisieren. Im Endeffekt ist der Benutzer dann der Gewinner.

Morgen schauen wir uns das dazugehörige Windows Error Reporting (WER) API an und was man damit anstellen kann und sollte.

Ihr Neno Loje

P.S. Übrigens: Unabhängig der Neuerungen kann man die Fehlerberichte auch wie gehabt komplett ausschalten (anstatt von Fall zu Fall zu entscheiden) oder bei Unternehmen (mit Software Assurance-Vertrag) auch einen eigenen Corporate Error Reporting (CER)-Server aufbauen und dann nur ausgewählte Probleme an die Microsoft-Server übermitteln (bei Interesse siehe auch die technischen Details).

Neno Loje
Freier Berater & Fachautor
Sie haben Fragen zu Visual Studio Team System (VSTS) oder Anregungen und Kommentare zu meinem Vista-Tagebuch? Dann freue ich mich auf Ihre Nachricht.

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