Tech∙Ed Europe 2009 und PDC 2009

Für Entwickler und IT Pros im Microsoft-Umfeld war der November 2009 ein sehr interessanter Monat. Mit der TechEd Europe 2009 und der Professional Developers Conference (PDC) 2009 fanden gleich zwei der wichtigsten Konferenzen rund um Microsoft-Technologien statt. Den Beginn machte die TechEd Europe, zu der mehr als 7.000 Entwickler und IT Pros aus über 100 Ländern nach Berlin pilgerten. Und den Anwesenden wurde einiges geboten: In knapp 700 Sessions, Hands-on Labs, Produktdemos und Diskussionsrunden bekamen die Teilnehmer alles präsentiert, was man über die Produktpalette von Microsoft wissen sollte. Direkt im Anschluss fand in der darauf folgenden Woche in Los Angeles der nächste große Event für Entwickler im Microsoft-Umfeld statt: die PDC 2009. Die PDC war dann traditionell die Konferenz, auf der neben interessanten Vorträgen und Workshops, auch viele spannende Ankündigungen gemacht wurden.

TechEd Europe – ein IT-Traum

Den Auftakt zur fünftägigen IT-Konferenz in Berlin machte die General Developer Session sowie die obligatorische Eröffnungskeynote. Im Mittelpunkt der Developer Session stand natürlich das derzeit als Beta 2 verfügbare Visual Studio 2010. Jason Zander, General Manager Visual Studio Team, hob dabei insbesondere die vielen neuen Möglichkeiten hinsichtlich Windows 7, SharePoint 2010 und Parallel Computing hervor. Aber auch das neue, vereinfachte Editionssystem und die vielfältigen Erweiterungsmöglichkeiten fanden Erwähnung. Die Keynote von Stephen Elop, President der Microsoft Business Division, drehte sich dann ganz um IT-Träume, wie zum Beispiel mehr Sicherheit oder mehr Zeit. Wahr werden sollen diese Träume durch neue Produkte wie Windows 7, Windows Server 2008 R2 oder aber Forefront Protection 2010 und Exchange Server 2010, die beide seit der Tech•Ed Europe offiziell verfügbar sind. Insbesondere die Vorstellung des rundum verbesserten Exchange Server 2010 sorgte für viel Beifall vom Publikum. Für Entwickler hatten Said Zahedani und Jason Zander eine Überraschung parat: Sie kündigten die Übernahme der Teamprise-Angebote von SourceGear LLC und deren Integration in Visual Studio 2010 an. Mit diesen können Entwickler, die die Eclipse IDE nutzen oder auf multiplen Betriebssystemen inklusive Unix, Linux und Mac OS X arbeiten, Anwendungen mithilfe von Microsoft Visual Studio Team Foundation Server erstellen.

PDC 2009: Windows Azure, Office 2010 und Silverlight 4

Eine wahre Flut an Ankündigungen gab es dann auf der PDC in Los Angeles zu bestaunen: Keynote-Speaker wie Ray Ozzie, Bob Muglia, Steven Sinofsky oder Scott Guthrie hatten jede Menge spannende Neuigkeiten zu verkünden. Angefangen bei der offiziellen Verfügbarkeit von Windows Azure , über die Beta-Versionen von Office 2010, SharePoint 2010 und Silverlight 4, bis hin zu einem ersten Blick auf Internet Explorer 9 gab es jede Menge für das Entwicklerherz. Wer sich näher für die Vorträge und Ankündigungen der Konferenz interessiert, sollte einen ausgiebigen Blick in das Videoarchiv auf der Konferenzseite werfen.

SharePoint 2010 für Entwickler

Bereits auf der TechEd war SharePoint 2010 eines der Topthemen, insbesondere für Entwickler. Mit der Verfügbarkeit von Microsoft SharePoint Server 2010 Beta, die auf der PDC verkündet wurde, können Interessierte das Thema nun auch praktisch angehen. Mit SharePoint 2010 warten viele neue Möglichkeiten auf die Entwicklergemeinde. Nicht nur, dass mit Visual Studio 2010 die Entwicklung für SharePoint komplett unterstützt wird, sondern auch Highlights wie LINQ to SharePoint oder Silverlight 3 WebParts bieten Entwicklern viel mehr Möglichkeiten. Ein weiterer Vorteil ist, dass ab der neuen Version auch unter Windows Vista SP1 oder Windows 7 für SharePoint entwickelt werden kann und keine Serverumgebung mehr dafür nötig ist. Im neu geschaffenen SharePoint 2010 Developer Center finden sich diverse Tutorials, die einen einfachen Einstieg in das Thema ermöglichen. Wer sich genauer für einzelnen Neuerungen bei SharePoint 2010 interessiert, findet diese in der MSDN Library, sowohl für SharePoint Server 2010 an sich als auch für SharePoint Foundation 2010.

Cloud Computing: Windows Azure

Auf seiner PDC-Keynote präsentierte Chief Software Architect Ray Ozzie die wichtigsten Elemente der Cloud Services-Strategie von Microsoft: Windows Azure und SQL Azure. Mit Windows Azure können Unternehmen, IT-Dienstleister, Softwarehersteller und Entwickler Webseiten, Webanwendungen und Webdienste sowie Speicherplatz sehr einfach, hoch verfügbar und skalierbar in Microsoft Rechenzentren bereitstellen. Die Windows Azure Platform umfasst Dienste wie z.B. SQL Azure, welches Relationale Datenbanken hochverfügbar in der Cloud bereitstellt. Mit dem Service Bus der Windows Azure Platform AppFabric lassen sich ferner herkömmliche IT-Systeme, die in-house bereitgestellt werden, mit einbinden – ganz gleich in welchen Sprachen sie entwickelt wurden (Java, .NET, PHP, etc.). Wichtig für Ray Ozzie war, dass Cloud sowohl die öffentliche Cloud als auch die nicht-öffentlichen Datacenter in Unternehmen, die in Lösungen gemeinsam genutzt werden können, bedeutet. Außerdem unterstrich der Chief Software Architect den Trend zu einem Mischangebot aus Online-Services und lokal installierter Software. Die umfangreiche Windows Azure-Plattform umfasst eine große Auswahl an Tools, um funktionsreiche Anwendungen für verschiedene Geräte und eine große Nutzergemeinde zu erstellen, von Desktop-PCs über Smartphones und Web bis hin zur Cloud. Sie ermöglicht dabei die Weiterentwicklung bestehender Anwendungen sowie die Erzeugung neuer Cloud-Applikationen.

Security: SDL und WIF

Das Thema Security kam auch nicht zu kurz – und wurde von zwei Punkten beherrscht: Security Development Lifecycle und Windows Identity Foundation.

Windows Identity Foundation

Was lange Zeit unter dem Codenamen "Geneva" durch die Entwicklerwelt geisterte, wurde auf der PDC offiziell als Windows Identity Foundation (WIF) veröffentlicht und steht als Evaluationsversion zum Download zur Verfügung. Die Windows identity Foundation ist ein auf .NET basierendes Framework für domänenübergreifende Authentifizierung und Rechtevergabe. Zu den Features gehören unter anderem die Grundstruktur zum Erstellen eines benutzerdefinierten Sicherheitstokendienstes (STS), ein Mechanismus zum Anfordern von Verbundauthentifizierung von ASP.NET-Anwendungen und ein Objektmodell, das die anspruchsbasierte Autorisierung für ASP.NET-Anwendungen und WCF-Dienste vereinfacht.

Für einen ersten Einstieg in die Thematik bietet sich das vor kurzem aktualisierte Windows Identity Foundation Training Kit sehr gut geeignet. Das Training Kit bietet mit enthält unter anderem Hands-on-Labs, Dokumente und Referenzen. Zusätzlich zum Training Kit gibt es für Interessierte an der Windows Identity Foundation auf Channel 9 auch eine mehrteilige englischsprachige Übungsreihe. Der italienische Security-Experte Vittorio Bertocci , der die WIF auch auf der TechEd Europe ausführlich präsentierte, hat derzeit fünf Teile zur Verfügung gestellt, die sich unter anderem mit den Themen "Web Sites Identity", "Web Services and Identity", "ASP.NET Membership Provider and Federation" sowie "Identity and the Windows Azure Platform" beschäftigen. Ebenfalls auf Channel 9 findet man die Show "The Id Element". Dort präsentiert das Identity Evangelism Team jede Menge Themen und Informationen rund um Identity und Access Management.

Security Development Lifecycle

Bereits auf der TechEd hat die Microsoft Trustworthy Computing Group neue Richtlinien für den Security Development Lifecycle (SDL)-Prozess herausgegeben. "SDL for Agile Development" ermöglicht noch mehr Entwicklern die Nutzung anerkannter Sicherheitspraktiken. Damit können sie den SDL-Prozess von Microsoft auch im Agilen Entwicklungsprozess direkt in ihre Softwareentwicklungsumgebungen integrieren, um die Sicherheit ihrer Anwendungen zu erhöhen.

Silverlight 4

Eines der Highlights, dass ausschließlich der PDC vorbehalten war, war die Vorstellung von Silverlight 4, das nun als Betaversion für Entwickler zur Verfügung steht. Das Cross-Browser-Plug-in wird in der neuen Version in diversen Bereichen verbessert sowie mit neuen Funktionen ausgestattet. Zu den wichtigsten Neuerungen gehört mit Sicherheit die Druckunterstützung anhand einer virtuellen Druckansicht. Mit Silverlight 4 werden auch Webcam und Mikrofon unterstützt werden, sodass das Senden und Aufnehmen von Video und Audio nun in Anwendungen integriert werden kann. Neu sind auch die so genannten WCF RIA Services, die Support für Netzwerk- und Datenzugriff bieten und so Anwendungen erlauben, mit jeder Art von Datenquelle und Server zu arbeiten. Weiterhin sind Performance-Verbesserungen, die Unterstützung für Rechtsklick und Mausrad sowie Drag & Drop-Funktionen zu nennen. Eine komplette Übersicht der neuen Features findet sich auf den deutschen Silverlight-Seiten. Für einen ersten Test der neuen Silverlight-Version gibt es ein paar Download-Tipps: Neben der Silverlight 4 Runtime und Visual Studio 2010 Beta 2 sind außerdem die Silverlight 4 Tools for Visual Studio 2010 (Beta 2), die Blend Preview for .NET 4 und das Silverlight Media Framework zu empfehlen.

Neues für Webentwickler

Im Rahmen der beiden Entwicklerkonferenzen wurden neben Silverlight 4 auch diverse weitere Tools für Webentwickler und –administratoren vorgestellt bzw. in neuen Versionen veröffentlicht. Zu den neu verfügbaren Veröffentlichungen gehören:

ASP.NET MVC 2 Beta

ASP.NET MVC ist ein kostenloses Framework, mit dessen Hilfe Entwickler schnell standardbasierende, suchmaschinenfreundliche Websites erstellen können. HTML und URLs bleiben dabei trotz umfassender SEO unter vollständiger Kontrolle des Entwicklers. Die neue Beta der zweiten Version des Open Source-Projekts bietet verbesserte Unterstützung für Visual Studio, erweiterbare Client-Validierung und weitere neue Produktivitätstools. Auf CodePlex steht auch der Quellcode der ASP.NET MVC Beta zur Verfügung.

ASP.NET AJAX Library Beta

Das ASP.NET AJAX Team hat eine Betaversion der ASP.NET AJAX Library veröffentlicht, welche auf CodePlex zum Download zur Verfügung steht. Die JavaScript-Bibliothek bietet Entwicklern bei der Erstellung datenbankgetriebener Webanwendungen Hilfestellung und unterstützt alle gängigen Browser. Das beliebte Ajax Control Toolkit mit seinen rund 40 Client-Controls ist ebenfalls Teil der ASP.NET AJAX Library. Zu weiteren Features gehören serverseitige Controls, eine Client Data Access Library sowie die Integration von jQuery. Nähere Informationen zur ASP.NET AJAX Library gibt es in Form von Tutorials, Dokumentation und Beispielapplikationen unter http://www.asp.net/ajaxlibrary/ oder im Blog von James Senior.

IIS Search Engine Optimization Toolkit v1

Microsoft hat die finale Version des IIS Search Engine Optimization Toolkit v1 veröffentlicht. Das Toolkit unterstützt Webentwickler bei der Optimierung ihrer Seiten für Suchmaschinen. Dafür bietet es unter anderem ein Seitenanalysemodul, ein Sitemap & Site Index-Modul sowie ein Robots Exclusion-Modul. Für einen einfachen Einstieg in den Umgang mit dem Toolkit steht ein Quickstart Guide sowie ein Forum für Fragen aller Art zur Verfügung.

IIS Application Request Routing 2.0

Administratoren von Webservern dürfen sich über die finale Version von IIS Application Request Routing 2.0 (ARR) freuen. ARR unterstützt diese bei der Verbesserung der Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit von Webanwendungen mittels regelbasiertem Routing, Load Balancing von HTTP Server Requests oder verteiltem Disk Caching. Nähere Informationen zu diesem Thema bieten unter anderem Don Raman oder Eric Rezabek in ihren Blogs.

Windows Cache Extension for PHP 1.0

Das IIS-Team von Microsoft hat die finale Version des Windows Cache Extension 1.0 for PHP veröffentlicht. Dahinter verbirgt sich ein PHP-Accelerator, der dafür sorgt, dass PHP-Anwendungen unter Windows oder dem Windows Server schneller laufen – ohne Änderung am Code. Die Windows Cache Extension unterstützt sowohl PHP 5.2 wie auch PHP 5.3. Ebenfalls verfügbar ist der Sourcecode des Projekts.

Weitere Themen für Entwickler

Neben den großen Themen wie Windows Azure, Office 2010 oder Silverlight 4, gab es viele kleinere Themen zu entdecken. Eines dieser Themen ist zum Beispiel Bing Maps: Zur Tech•Ed Europe 2009 ist Version 1.0 des Bing Maps Silverlight Control SDK zum Download freigegeben worden. Das Software Development Kit enthält Binaries und eine Programmierreferenz zum Bing Maps Silverlight Control 1.0. Das SDK ist sowohl als Download als auch als interaktive Version verfügbar.

Seit der TechEd im Beta-Status ist das Microsoft Translator Widget und das dazugehörige AJAX API. Ebenfalls auf der TechEd wurde die neue Version des Facebook Developer Toolkit vorgestellt, mit dem der Zugriff auf das Facebook Open Stream API stark vereinfacht wird.

Ein weiteres interessantes Thema der PDC war schließlich noch das .NET Micro Framework. Dieses wurde nicht nur in Version 4.0 vorgestellt, sondern auch bekannt gegeben, dass es ab sofort unter der Apache 2.0-Lizenz als Open Source zur Verfügung gestellt wird. Microsoft plant allerdings auch weiterhin, sich aktiv an der Weiterentwicklung zu beteiligen.

Markus Zeischke (Online-Redakteur MSDN Online)