Raubkopien: Interessante Ergebnisse einer Studie der Universität Witten/Herdecke
Wenn es um Raubkopien geht, verhalten sich PC-Nutzer durchaus ambivalent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zur Digitalen Mentalität der Universität Witten/Herdecke, die von der Microsoft Deutschland GmbH in Auftrag gegeben und im Juli 2004 in Berlin vorgestellt wurde. Denn die große Mehrheit der PC-Nutzer weiß, dass Software kein freies Gut ist. Und trotzdem gaben knapp zwei Drittel der Befragten zu, privat Raubkopien zu nutzen. Immerhin sprach sich aber die überwiegende Mehrheit dafür aus, die kommerzielle Nutzung von Raubkopien als Straftat zu verfolgen. Untersuchung von Denkmustern ... Für die Studie wurden PC-Nutzer befragt, die im privaten Umfeld oder in Unternehmen illegale Kopien von Software herstellen und benutzen. Dabei interessierte sich die Studie jedoch nicht für die ökonomischen und juristischen Probleme des Raubkopierens, sondern versuchte die Denkmuster, die hinter dem Phänomen stehen, zu erfassen. Damit sollte zum einen das Bewusstsein für Probleme der Digitalen Mentalität geschärft und zum anderen eine konstruktive Debatte angestoßen werden. ... und Motiven Im Rahmen von Online-Umfragen und Experten-Interviews untersuchten die Wissenschaftler die unterschiedlichen Motive von Raubkopierern. Im Vordergrund stand dabei die Frage, ob sich bereits eine "Digitale Mentalität" entwickelt habe, die zu einem weniger ausgeprägten Unrechtsempfinden im Umgang mit Geistigem Eigentum führt. Zwar waren sich die Befragten darüber klar, dass Raubkopieren eine Straftat ist, die wirtschaftlichen Schaden verursacht: 86 Prozent meinten, dass der Verkauf von Raubkopien bestraft werden sollte, 85 Prozent stuften die Nutzung nicht-lizenzierter Software in Unternehmen als strafbare Handlung ein. Doch ganz anders die Ergebnisse der Studie zur privaten Nutzung von Raubkopien: Nur 22 Prozent der Teilnehmer waren dafür, private Raubkopien zu bestrafen; 78 Prozent waren dagegen. Unrechtsbewusstsein wenig ausgeprägt Generell wurden private Raubkopien von den Befragten als eher normal empfunden – im Gegensatz z.B. zum Ladendiebstahl. Obwohl bei illegaler Software das Urheberrecht verletzt wird, ist das Unrechtsbewusstsein der Nutzer wenig ausgeprägt. Das kann daran liegen, dass bei illegaler Software nichts Physisches weggenommen wird. Die Studie kommt daher zu dem Fazit, dass bei den Nutzern das Bewusstsein dafür geschärft werden müsse, dass Software als geistiges Eigentum einen Wert hat und daran klare Rechte bestehen. Hierzu kann eine 'Digital Honesty', eine neue digitale Ehrlichkeit, beitragen, die über einen offenen und sachlichen Dialog zwischen Software-Industrie und Anwendern gefördert werden kann. |