Softwarekriminalität in Deutschland
Auch in Deutschland gehen Herstellung und Vertrieb illegaler Softwareprodukte heute zunehmend auf das Konto professioneller Netzwerke. Gerade in den letzten Jahren wurden mehrere Fälle von gewerblicher Softwarepiraterie aufgedeckt, die typische Merkmale organisierter Kriminalität aufweisen. Denn die organisierte Softwarepiraterie findet mittlerweile planmäßig, über einen längeren Zeitraum und in großem Stil statt.
Nicht nur im Hinterzimmer
Softwarekriminelle agieren zunehmend als international aktive Unternehmer, die legale geschäftliche Aktivitäten vortäuschen, um damit ihr illegales Tun zu verschleiern. Häufig vermischen sich auch legale und illegale Produktions- und Vertriebswege – die kriminellen Händler verkaufen gleichzeitig Original- und illegale Software. Diese Täter haben ein ganz spezielles Profil: Nach außen hin erscheinen sie als smarte, erfolgreiche Inhaber von Software-Handelsunternehmen. Tatsächlich sind sie jedoch Mitglieder krimineller Händlerorganisationen, die ihre eigentlichen Gewinne mit illegaler Software machen. Und zwar auf Kosten der Urheber, der ehrlichen Softwarehändler und der gutgläubigen Kunden.
Höhere Gewinne als im Drogenhandel
Die organisierte Softwarekriminalität hat immens an Bedeutung gewonnen. Das bedeutet ganz konkret, dass sich die gewerbliche und organisierte Softwarekriminalität mittlerweile durchaus mit den klassischen Formen der organisierten Kriminalität wie Rauschgift-, Waffen- oder Menschenhandel messen kann. Und die Gewinnmargen der organisierten Softwarekriminalität sind sogar größer als im Drogenhandel – bei einem weitaus geringeren Risiko. Trotz des großen Schadens, den die organisierte Softwarekriminalität in Deutschland anrichtet, bleibt der Kreis der Täter überschaubar. Den Markt für gefälschte oder manipulierte Microsoft-Produkte teilen sich hierzulande nach Erkenntnissen der Polizei nur wenige Gruppen.
Die Ermittler machen Ernst
Eine bundesweite Großrazzia im Herbst 2003 hat gezeigt, wie professionell die gewerblichen Softwarepiraten heute organisiert sind. Rund 200 Einsatzkräfte des Bundeskriminalamtes, der Staatsanwaltschaft und der Polizei hatten zeitgleich bundesweit über 30 Firmen und Wohnungen durchsucht und 60 Kubikmeter Beweismaterial und 1,3 Terabyte Daten gesichert.
Neun mutmaßliche Täter wurden damals verhaftet, gegen weitere 50 Personen wurden Ermittlungen aufgenommen. Dabei wurden die zwei Haupttäter zu fünfeinhalb und zu drei Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Mit der fünfeinhalb jährigen Haftstrafe wurde eine der bislang längsten Haftstrafen in Zusammenhang mit einem Softwarefälschungsdelikt überhaupt ausgesprochen. Die Täter hatten seit mehreren Jahren Produkte verschiedener Hersteller, darunter vorwiegend Microsoft-Software, in großem Rahmen gefälscht, manipuliert und vertrieben. Der errechnete Schaden belief sich damals auf etwa 16 Millionen Euro. Die tatsächliche Schadenssumme dürfte jedoch wesentlich höher gelegen haben.
Strafrechtliche Konsequenzen
Softwarekriminellen drohen ernste strafrechtliche Konsequenzen. Denn der Handel mit illegaler Software verletzt u.a. Marken- und Urheberrechte. Die Palette der entsprechenden Straftatbestände ist breit – sie reicht bis hin zum gewerbsmäßigen Betrug, der mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden kann.
Microsoft arbeitet eng mit Behörden zusammen
Microsoft sieht in der engen Zusammenarbeit zwischen geschädigten Unternehmen und Ermittlungsbehörden ein wichtiges Mittel, um Softwarekriminalität wirkungsvoll zu bekämpfen. Mit dieser Auffassung steht das Unternehmen nicht alleine da: Auch der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hatte bei der Herbsttagung des Bundeskriminalamtes zur "Informations- und Kommunikationskriminalität" 2003 eine intensive Zusammenarbeit zwischen Software-Anbietern und Behörden gefordert.
Microsoft setzt diese Forderung bereits seit vielen Jahren erfolgreich um. So unterstützt das Unternehmen die polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsaktivitäten sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Zum Beispiel hatte Microsoft den Behörden bei der Großrazzia im Jahr 2003 mit Informationen zur Identifizierung illegaler Microsoft-Produkte und neuer Fälschungsmethoden wichtige Tipps gegeben.
Zur Aufdeckung weiterer Pirateriefälle führt Microsoft regelmäßig eigene Testkäufe durch und geht Hinweisen von Kunden und Partnern nach – zum Beispiel, wenn zweifelhafte Produkte beim Microsoft-Produktidentifikationsservice (PID) eingesendet werden. Seit dem Start dieses Services im Jahr 1999 hat Microsoft in Deutschland über 203.000 eingesandte sowie beschlagnahmte Produkte auf ihre Echtheit hin übergeprüft. Der Anteil illegaler Produkte liegt bei diesen Auswertungen bei 98 Prozent – ein Beweis dafür, wie wichtig dieser spezielle Microsoft-Service ist.
Produktmanipulationen auf einen Blick
Typisch für die gewerbsmäßig organisierte Softwarekriminalität in Deutschland ist, dass nicht nur komplette Produktfälschungen vertrieben werden, sondern immer häufiger auch manipulierte Originalprodukte. Dabei gehen die Softwarekriminellen folgendermaßen vor:
 | Original-Pakete mit CD, Handbuch, Echtheitszertifikat (Certificate of Authenticity, COA) und Microsoft-Software-Lizenzbedingungen werden in die Einzelteile zerlegt und anschließend als angebliche Vervielfältigungs- oder Einzellizenzen verkauft. Dem Kunden, der zum Teil bereits Microsoft-Software einsetzt, wird dabei z.B. suggeriert, er habe mit dem Kauf einer einzelnen Komponente eine legale Zusatzlizenz erworben. |
 | Manche Softwarepiraten verfälschen auch preisgünstigere Schulversionen eines Softwareproduktes, die lediglich für Schüler, Studenten und Lehrkräfte bestimmt sind, und verkaufen diese manipulierten Produkte zum vollen Preis. |
 | Es kommt auch immer wieder vor, dass Update-Softwareprodukte zu Vollversionen aufgerüstet und verkauft werden: natürlich zum regulären Preis der Vollversion.
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