Wohl jeder IT-Profi hat seinen Lieblingsserver und weiß genau, was dieser leisten kann... und was nicht. Bei Kollegen aus anderen Abteilungen, speziell aus dem Vertrieb, trifft das eher selten zu. Da wird, wie es Besim Karadeniz erlebte, einem betagten System schon einmal die Aufgabe zugesprochen, ein ganzes Land in Bewegung zu halten.
Vor einigen Jahren hatten wir mit einem Kunden, der bei uns diverse Internet-Dienstleistungen beziehen wollte, einige Gespräche. Unter anderem war auch ein Serverhosting im Gespräch. Unser damaliger Vertriebsmitarbeiter nahm mich als Techniker zu diesem Gespräch mit, um eventuelle technische Fragen gleich vorab klären zu können.
Das Gespräch begann mit den üblichen Begrüßungen. Unser Vertriebsmitarbeiter setzte, wie es sich gehört, zu einer kleinen Unternehmensvorstellung an (erfahrungsgemäß für den Techniker ein etwas langweiliger Vorgang). Der Tenor der Präsentation: Wir sind ISP mit vorwiegend regionaler Ausrichtung im Raum Pforzheim, spezialisiert auf Standleitungen, aber auch Profis im Bereich Serverhosting, vor allem beim Hosting von verteilten Datenbanken. Selbst die Deutsche Bahn, so der Vertriebskollege, hostet bei uns ihre Fahrplandatenbanken, die für das Buchungssystem der Bahn-Website gebraucht werden.
Huch, dachte ich und horchte möglichst unauffällig auf. Die Deutsche Bahn hostet bei uns ihre Fahrplandatenbanken? Weshalb weiß ich davon nichts? Unsere beiden Besucher nickten anerkennend, während ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen. In Wahrheit aber ließ mich der Gedanke nicht in Ruhe, wie unser Vertriebsmitarbeiter auf diese kühne Idee kam, dass wir Datenbanken der Deutschen Bahn hosten würden – und dann auch gleich noch Fahrplandatenbanken. Nach dem Gespräch fragte ich, rein interessehalber, bei ihm unter vier Augen nach, wie er denn auf die Geschichte mit den Fahrplandatenbanken der Deutschen Bahn gekommen wäre.
Naja, meinte er, wir hätten da ja einen Server im Serverraum stehen, auf dem ganz groß auf dem Desktop "DB-Server" stehen würde. Zugegeben, das sind so Momente im Technikerleben, bei denen man sich fragt, wo jetzt eigentlich die versteckte Kamera installiert ist.
Ach, unser guter alter DB-Server, noch mit Windows NT 4 aufgebaut, lange Zeit bis noch vor einigen Monaten unser "Nesthäkchen", weil eine der zuverlässigsten Maschinen überhaupt, fast schon mit legendärem Ruf im Hause. Der übrigens so hieß, weil er von 1996 bis 2001 unsere RADIUS-Datenbank als Backup und einige DNS-Zonen als sekundärer DNS-Server hielt... weshalb der damalige Systemadministrator die Maschine in der Domain eben, zugegeben etwas unkreativ, "DB-Server" benannte. Als 486er mit 64 MB RAM (an mehr RAM war bei diesem Board nicht zu denken) war er schon mit dieser Aufgabe so voll beschäftigt, dass er als richtiger Fahrplandatenbankserver für die Deutsche Bahn vermutlich kaum länger als zwei Sekunden überlebt hätte :-).