Zusammenfassung In diesem Kapitel werden die Details der Adressierung für IPv4 und IPv6 beschrieben. Netzwerkadministratoren müssen mit beiden Arten der Adressierung eingehend vertraut sein, um TCP/IP-Netzwerke (Transmission Control Protocol/Internet Protocol) verwalten und Probleme bei der auf TCP/IP basierenden Kommunikation beheben zu können. In diesem Kapitel werden die Typen der IPv4- (Internet Protocol Version 4) und IPv6-Adressen (Internet Protocol Version 6) ausführlich behandelt. Zudem werden die den Schnittstellen von Netzwerkknoten zugeordneten Typen von Unicastadressen beschrieben. Auf dieser Seite
Ziele dieses KapitelsNach der Lektüre dieses Kapitels werden Sie in der Lage sein, folgende Aufgaben auszuführen:
IPv4-AdressierungEine IP-Adresse ist ein Bezeichner, der einer Schnittstelle oder einem Schnittstellensatz auf der Internet-Schicht zugeordnet wird. Jede IP-Adresse kann die Quelle oder das Ziel von IP-Paketen kennzeichnen. Für IPv4 besitzt jeder Knoten in einem Netzwerk eine oder mehrere Schnittstellen, und Sie können für jede dieser Schnittstellen TCP/IP aktivieren. Wenn Sie für eine Schnittstelle TCP/IP aktivieren, weisen Sie ihr eine oder mehrere logische IPv4-Adressen zu, entweder automatisch oder manuell. Die IPv4-Adresse ist eine logische Adresse, da sie auf der Internet-Schicht zugeordnet wird und keine Beziehung zu den Adressen besitzt, die auf der Netzzugangsschicht verwendet werden. IPv4-Adressen besitzen eine Länge von 32 Bit. IPv4-AdresssyntaxWenn Netzwerkadministratoren IPv4-Adressen mithilfe der Binärnotation angeben würden, müsste jede Adresse als Zeichenfolge aus 32 Einsen und Nullen dargestellt werden. Da derartige Zeichenfolgen umständlich anzugeben und schwer zu merken sind, verwenden Administratoren eine Notation, bei der jeweils vier Dezimalzahlen (zwischen 0 und 255) durch Punkte voneinander getrennt werden (Punkt-Dezimalnotation). Jede Dezimalzahl, auch als Oktett bekannt, stellt 8 Bit (1 Byte) der aus 32-Bit bestehenden Adresse dar. Die IPv4-Adresse 11000000101010000000001100011000 wird z. B. in der Punkt-Dezimalnotation als 192.168.3.24 ausgedrückt. Wenn Sie eine IPv4-Adresse von der Binärnotation in die Punkt-Dezimalnotation konvertieren möchten, müssen Sie wie folgt vorgehen:
Wenn Sie auf eine IPv4-Adresse verweisen, verwenden Sie die Notation w.x.y.z. Abbildung 3-1 zeigt die IPv4-Adressstruktur. Damit Sie mit dem Wechsel zwischen den binären und dezimalen Formaten vertraut werden, können Sie sich die binären (zur Basis2) und dezimalen (zur Basis10) Zahlensysteme sowie die Konvertierung zwischen den Systemen nochmals verinnerlichen. Obwohl Sie auch den Rechner der Betriebssysteme Microsoft® Windows Server™ 2003 oder Windows® XP für das Konvertieren zwischen Dezimal- und Binärzahlen verwenden können, ist der Vorgang leichter zu verstehen, wenn er manuell durchgeführt wird. Konvertieren von Binärzahlen in DezimalzahlenDas dezimale Zahlensystem verwendet die Ziffern 0 bis 9 und die Potenzen von 10, um eine Zahl auszudrücken. Die Dezimalzahl 207 besteht z. B. aus der Summe von 2x102 + 0x101 + 7x100. Das binäre Zahlensystem verwendet die Ziffern 1 und 0 und die Potenzen von 2, um eine Zahl auszudrücken. Die Binärzahl 11001 ist die Summe von 1x24 + 1x23 + 0x22 + 0x21 + 1x20. Die Punkt-Dezimalnotation umfasst niemals Zahlen, die größer als 255 sind, da jede Dezimalzahl 8 Bit einer aus 32-Bit bestehenden Adresse darstellt. Die größte, durch 8 Bit darstellbare Zahl im Binärformat ist 11111111, wobei es sich im Dezimalformat um die 255 handelt. In Abbildung 3-2 werden eine aus 8 Bit bestehende Binärzahl, die Bitpositionen und ihre Dezimalwerte gezeigt. Um eine 8-Bit-Zahl aus dem Binärformat in das Dezimalformat zu konvertieren (beginnend am Anfang von Abbildung 3-2), gehen Sie wie folgt vor:
Für die 8-Bit-Binärzahl 10111001 ergibt sich z. B. Folgendes:
Daher ergibt sich aus der Binärzahl 10111001 die Dezimalzahl 185. Addieren Sie also die dezimalen Äquivalente für die Bitpositionen, die den Wert 1 besitzen, um eine Binärzahl in das dezimale Äquivalent zu konvertieren. Wenn alle 8 Bit den Wert 1 besitzen, addieren Sie 128 + 64 + 32 + 16 + 8 + 4 + 2 + 1 und erhalten 255. Konvertieren von Dezimalzahlen in BinärzahlenUm eine Zahl bis zu 255 aus dem Dezimalformat manuell in das Binärformat zu konvertieren (beginnend in der dezimalen Spalte von Abbildung 3-2), gehen Sie wie folgt vor:
Hier folgt ein Beispiel für die Konvertierung der Zahl 197 aus dem Dezimalformat in das Binärformat:
Überprüfen Sie beim Konvertieren aus dem Dezimalformat in das Binärformat also, ob die Dezimalzahl den durch die Bitpositionen repräsentierten Stellenwert enthält, vom achten Bit bis zum ersten Bit. Wenn jeder Stellenwert vorhanden ist, wobei mit dem achten (128) begonnen wird, setzen Sie das Bit für diese Bitposition auf den Wert 1. Die Dezimalzahl 211 enthält 128, 64, 16, 2 und 1. Daher ergibt 211 in der Binärnotation die Zahl 11010011. IPv4-AdresspräfixeJedes Bit einer eindeutigen IPv4-Adresse besitzt einen definierten Wert. IPv4-Adresspräfixe drücken jedoch Bereiche von IPv4-Adressen aus, in denen null oder mehr der höherwertigen Bit auf bestimmte Werte festgelegt sind und der Rest der niederwertigen variablen Bit auf 0 gesetzt werden. Adresspräfixe werden standardmäßig dazu verwendet, um einen Bereich zulässiger Adressen, zu Subnetzen zugeordnete Netzwerkbezeichner und Routen darzustellen. Sie müssen die Anzahl der höherwertigen, unveränderlichen Bit und ihre Werte ermitteln, um ein IPv4-Adresspräfix darzustellen. Dann können Sie die Notation mit der Präfixlänge oder die Punkt-Dezimalnotation verwenden. PräfixlängennotationWenn Sie die Präfixlängennotation verwenden, stellen Sie Adresspräfixe als Startadresse/Präfixlänge dar, wobei:
Der IPv4-Adresspräfix 131.107.0.0/16 gibt z. B. einen Bereich von 65.536 Adressen an. Die Präfixlänge, 16, gibt an, dass alle Adressen im Bereich mit denselben 16 Bit beginnen wie die Startadresse. Da die ersten 16 Bit der Startadresse auf 10000011 01101011 (131 107 in Dezimalnotation) festgelegt sind, besitzen alle Adressen im Bereich die 131 als erstes und 107 als zweites Oktett. Mit den 16 variablen Bit in den letzten beiden Oktetts ergeben sich insgesamt 216 oder 65.536 mögliche Adressen. Wenn Sie ein Adresspräfix mithilfe der Präfixlängennotation angeben müssen, erstellen Sie die Startadresse, indem Sie alle variablen Bit auf den Wert 0 setzen. Dann konvertieren Sie die Adresse in die Punkt-Dezimalnotation, um dann einen Schrägstrich und die Anzahl der festen Bit (die Präfixlänge) hinter der Startadresse hinzuzufügen. Das IPv4-Adresspräfix 131.107.0.0/16 besitzt 16 feste Bit (10000011 01101011). Die Startadresse besteht aus den ersten 16 Bit, die unveränderlich sind und den letzten 16 Bit, die den Wert 0 erhalten, wodurch sich 10000011 01101011 00000000 00000000 oder 131.107.0.0 ergibt. Als Nächstes würden Sie einen Schrägstrich hinzufügen und die Anzahl der festen Bit (/16) angeben, um das Adresspräfix als 131.107.0.0/16 darzustellen. Die Präfixlängennotation ist auch als CIDR-Notation (Classless Inter-Domain Routing) bekannt. Punkt-DezimalnotationSie können die Präfixlänge einer IPv4-Adresse auch als 32-Bit-Zahl in der Punkt-Dezimalnotation angeben. Dazu legen Sie alle festen Bit auf den Wert 1 sowie alle variablen Bit auf den Wert 0 fest. Anschließend konvertieren Sie das Ergebnis in die Punkt-Dezimalnotation. In Anbindung an unser vorheriges Beispiel legen Sie für die 16 festen Bit den Wert 1 und für die 16 variablen Bit den Wert 0 fest. Daraus ergibt sich 11111111 11111111 00000000 00000000 oder 255.255.0.0. Das Adresspräfix wird als 131.107.0.0, 255.255.0.0 angegeben. Die Angabe der Präfixlänge als punkt-dezimale Zahl ist auch als Netzwerkmasken- oder Subnetzmaskennotation bekannt. In Tabelle 3-1 sind die Dezimalwerte eines Oktetts aufgeführt, wenn Sie für die aufeinander folgenden höherwertigen Bit einer aus 8 Bit bestehenden Zahl den Wert 1 festlegen.
Tabelle 3-1 Dezimale Werte für die Präfixlängen Wenn Sie IPv4-Adresspräfixe unter Windows konfigurieren, verwenden Sie die Subnetzmaskennotation häufiger als die Präfixlängennotation. Sie müssen jedoch mit beiden Notationsarten vertraut sein, da einige Dialogfelder der Windows-Konfiguration von Ihnen die Verwendung der Präfixlängennotation und nicht die Subnetzmaskennotation verlangen. Ein weiterer Grund ist, dass IPv6 nur die Präfixlängennotation unterstützt. Typen von IPv4-AdressenDie Internetstandards definieren die folgenden Typen von IPv4-Adressen:
In den folgenden Abschnitten werden diese Adresstypen eingehender erläutert. IPv4-UnicastadressenDie IPv4-Unicastadresse kennzeichnet die Position einer Schnittstelle im Netzwerk auf dieselbe Weise, in der die Angabe von Straßenname und Hausnummer ein Haus in einem Ort kennzeichnet. So wie die Wohnanschrift einen eindeutigen Aufenthaltsort kennzeichnet, muss eine IPv4-Unicastadresse global eindeutig sein und ein eindeutiges Format besitzen. Jede IPv4-Unicastadresse umfasst einen Netzwerk-ID- und einen Host-ID-Anteil.
In Abbildung 3-3 wird die Struktur eines Beispiels einer IPv4-Unicastadresse veranschaulicht. Wenn die Netzwerk-ID im TCP/IP-Netzwerk und die Host-ID im Netzwerksegment eindeutig sind, ist die gesamte IPv4-Unicastadresse im gesamten TCP/IP-Netzwerk ebenfalls eindeutig. InternetadressklassenDie Internetgemeinschaft hat die Adressklassen ursprünglich definiert, um Adresspräfixe systematisch zu Netzwerken mit variierender Größe zuzuordnen. Die Klasse der Adressen hat angegeben, wie viele Bit für die Netzwerk-ID und wie viele Bit für die Host-ID verwendet wurden. Die Adressklassen haben außerdem die mögliche Anzahl von Netzwerken sowie die Anzahl der Hosts pro Netzwerk festgelegt. Von den fünf Adressklassen waren die Klasse A, B und C für IPv4-Unicastadressen reserviert. Adressen der Klasse D wurden für IPv4-Multicastadressen und Adressen der Klasse E für experimentelle Zwecke reserviert. Netzwerk-IDs der Klasse A wurden Netzwerken mit einer sehr großen Anzahl von Hosts zugeordnet. Die Präfixlänge von Netzwerk-IDs der Klasse A beträgt nur 8 Bit, wodurch die verbleibenden 24 Bit zum Kennzeichnen von bis zu 16.777.214 Host-IDs verwendet werden können. Die kurze Präfixlänge beschränkt jedoch die Anzahl von Netzwerken, die Netzwerk-IDs der Klasse A erhalten können, auf 126. Erstens wird das höherwertige Bit in Netzwerk-IDs der Klasse A immer auf den Wert 0 festgelegt. Diese Konvention schränkt die Anzahl von Netzwerk-ID der Klasse A von 256 auf 126 ein. Zweitens können Adressen, bei denen die ersten acht Bit auf 00000000 eingestellt sind nicht zugeordnet werden, da diese eine reservierte Netzwerk-ID bilden. Drittens können Adressen, bei denen die ersten acht Bit auf 01111111 (127 in Dezimalnotation) eingestellt sind, nicht zugeordnet werden, da diese für Loopbackadressen reserviert sind. Die letzten beiden Konventionen verringern die Anzahl der Netzwerk-IDs der Klasse A von 128 auf 126. Für alle IPv4-Netzwerk-IDs sind die zwei Host-IDs, bei denen die Hostbit alle auf 0 oder alle auf 1 festgelegt sind, reserviert und können nicht zu Schnittstellen von Netzwerkknoten zugewiesen werden. Durch diese Konvention wird die Anzahl der Host-IDs in Netzwerken der Klasse A von 16.777.216 (224) auf 16.777.214 verringert. In Abbildung 3-4 wird die Struktur einer Adresse der Klasse A veranschaulicht. Netzwerk-IDs der Klasse B wurden zu mittelgroßen bis großen Netzwerken zugeordnet. In den Adressen dieser Netzwerke geben die ersten 16 Bit ein bestimmtes Netzwerk und die letzten 16 Bit einen bestimmten Host an. Die beiden höherwertigen Bit in einer Adresse der Klasse B erhalten immer den Wert 10, wodurch das Adresspräfix für alle Netzwerke und Adressen der Klasse B 128.0.0.0/2 (oder 128.0.0.0, 192.0.0.0) ergibt. Mit Netzwerk-IDs der Klasse B, die durch 14 Bit dargestellt werden, und durch 16 Bit dargestellte Host-IDs, können Adressen der Klasse B zu 16.384 Netzwerken mit bis zu 65.534 Hosts pro Netzwerk zugewiesen werden. In Abbildung 3-5 wird die Struktur einer Adresse der Klasse B veranschaulicht. Adressen der Klasse C wurden kleinen Netzwerken zugewiesen. In den Adressen dieser Netzwerke geben die ersten 24 Bit ein bestimmtes Netzwerk und die letzten 8 Bit einen bestimmten Host an. Die beiden höherwertigen Bit in einer Adresse der Klasse C erhalten immer den Wert 110, wodurch das Adresspräfix für alle Netzwerke und Adressen der Klasse C 192.0.0.0/3 (oder 192.0.0.0, 224.0.0.0) ergibt. Mit Netzwerk-IDs der Klasse C, die durch 21 Bit dargestellt werden, und durch 8 Bit dargestellte Host-IDs können Adressen der Klasse C ingesamt 2.097.152 Netzwerken mit bis zu 254 Hosts pro Netzwerk zugewiesen werden. In Abbildung 3-6 wird die Struktur einer Adresse der Klasse C veranschaulicht. Adressen der Klasse D sind für IPv4-Multicastadressen reserviert. Die vier höherwertigen Bit in einer Adresse der Klasse D erhalten immer den Wert 1110, wodurch das Adresspräfix für alle Adressen der Klasse D 224.0.0.0/4 (oder 224.0.0.0, 240.0.0.0) ergibt. Weitere Informationen finden Sie in diesem Kapitel unter "IPv4-Multicastadressen". Adressen der Klasse E sind für experimentelle Zwecke reserviert. Die höherwertigen Bit in einer Adresse der Klasse E erhalten den Wert 1111, wodurch das Adresspräfix für alle Adressen der Klasse E 240.0.0.0/4 (oder 240.0.0.0, 240.0.0.0) ergibt. In Tabelle 3-2 sind die Internetadressklassen A, B und C zusammengefasst, die für IPv4-Unicastadressen verwendet werden können.
Tabelle 3-2 Übersicht über die Internetadressklassen Moderne InternetadressenDie Internetadressklassen stellen eine veraltete Methode zur Reservierung von Unicastadressen dar, da sie sich als uneffizient erwiesen haben. Eine große Organisationen mit einer Netzwerk-ID der Klasse A kann bis zu 16.777.214 Hosts besitzen. Wenn die Organisationen jedoch nur 70.000 Host-IDs nutzt, werden 16.707.214 potenzielle IPv4-Unicastadressen für das Internet verschwendet. Seit 1993 werden IPv4-Adresspräfixe auf Basis der tatsächlichen Anforderungen einer Organisation nach über das Internet zugänglichen IPv4-Unicastadressen zugeordnet. Diese Methode ist als CIDR (Classless Inter-Domain Routing) bekannt. Angenommen eine Organisation ermittelt, dass sie 2.000 über das Internet zugängliche IPv4-Unicastadressen benötigt. Die ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) oder ein ISP (Internet Service Provider) reserviert ein IPv4-Adresspräfix, bei dem 21 Bit unveränderlich sind, wodurch 11 Bit für die Host-IDs verbleiben. Aus den 11 Bit für die Host-IDs können 2046 mögliche IPv4-Unicastadressen erstellt werden. CIDR-basierte Adresszuweisungen beginnen normalerweise mit 24 Bit für die Netzwerk-ID und 8 Bit für die Host-ID. In Tabelle 3-3 ist die erforderliche Anzahl von Host-IDs sowie die entsprechende Präfixlänge für CIDR-basierte Adresszuweisungen aufgeführt.
Tabelle 3-3 Host-ID-Anforderungen und CIDR-basierte Präfixlängen Öffentliche AdressenWenn Sie direkte Verbindungen (über Router) zum Internet wünschen, müssen Sie öffentliche Adressen verwenden. Wenn Sie indirekte Verbindungen (über Proxys oder übersetzt) zum Internet wünschen, können Sie entweder öffentliche oder private Adressen verwenden. Wenn das Intranet in keiner Weise mit dem Internet verbunden ist, können Sie beliebige IPv4-Adressen verwenden. Sie sollten jedoch private Adressen verwenden, um eine erneute Nummerierung des Netzwerks zu vermeiden, sollte das Intranet irgendwann direkt mit dem Internet verbunden werden. Die ICANN ordnet öffentliche Adressen zu, die entweder aus traditionell zugeordneten klassenbezogenen Netzwerk-IDs bestehen oder sie weist (in jüngster Zeit) CIDR-basierte Adresspräfixe zu, die im Internet garantiert eindeutig sind. Für CIDR-basierte Adresspräfixe reicht der Wert von w (das erste Oktett) von 1 bis 126 und von 128 bis 223, ausgenommen die privaten Adresspräfixe, die im Abschnitt "Private Adressen" in diesem Kapitel beschrieben werden. Wenn die ICANN einer Organisation ein öffentliches Adresspräfix zuweist, werden den Routern im Internet Routen hinzugefügt, damit der an dieses Adresspräfix gerichtete Datenverkehr die Organisation erreichen kann. Wenn einer Organisation z. B. ein Adresspräfix zugewiesen wird, existiert dieses Adresspräfix ebenfalls als Route in den Routern des Internets. IPv4-Pakete, die an Adressen innerhalb des zugewiesenen Adresspräfix gesendet wurden, werden an das richtige Ziel geleitet. Ungültige AdressenPrivate Intranets von Organisation, die keine Internetverbindung erfordern, können beliebige Adressschemata wählen und auch öffentliche Adresspräfixe verwenden, die die ICANN anderen Netzwerken zugeordnet hat. Wenn sich die private Organisation später dazu entschließt, eine direkte Verbindung mit dem Internet einzurichten, können diese Adressen mit vorhandenen öffentlichen Adressen in Konflikt geraten und zu ungültigen Adressen werden. Organisationen mit ungültigen Adressen können keinen Datenverkehr über diese Adressen empfangen, da die Router im Internet den an die von der ICANN zugewiesenen Adresspräfixe gerichteten Datenverkehr an die zugeordneten Organisationen senden und nicht an die Organisationen, die ungültige Adressen verwenden. Angenommen eine private Organisation wählt das Adresspräfix 206.73.118.0/24 für ihr Intranet. Die ICANN hat dieses Präfix der Microsoft Corporation zugeordnet und in den Internetroutern sind Routen vorhanden, um alle Pakete für IPv4-Adressen an 206.73.118.0/24 an Microsoft zu senden. So lange die private Organisation keine Verbindung zum Internet herstellt, treten keine Probleme auf, da sich die beiden Adresspräfixe in separaten IPv4-Netzwerken befinden und die Adressen somit in den einzelnen Netzwerken eindeutig sind. Wenn die private Organisation später eine direkte Verbindung zum Internet herstellt und weiterhin das Adresspräfix 206.73.118.0/24 verwendet, trifft sämtlicher Datenverkehr, der über das Internet an diese Adressen gesendet wird, bei Microsoft und nicht bei der privaten Organisation ein. Private AdressenJede IPv4-Schnittstelle erfordert eine IPv4-Adresse, die im IPv4-Netzwerk eindeutig ist. Im Falle des Internets erfordert jede IPv4-Schnittstelle in einem Subnetz, das mit dem Internet verbunden ist, eine IPv4-Adresse, die im Internet eindeutig ist. Mit zunehmender Größe des Internets wurde für Organisationen, die eine Verbindung zum Internet herstellten, eine öffentliche Adresse für jede Schnittstelle im Intranet erforderlich. Diese Anforderung bedeutete für den Pool verfügbarer öffentlicher Adressen eine immense Nachfrage. Bei der Analyse der Adressierungsanforderungen von Organisationen bemerkten die Entwickler des Internets, dass bei vielen Organisationen die meisten Hosts keine direkte Verbindung zum Internet erforderten. Diese Hosts, die eine bestimmte Auswahl von Internetdiensten beanspruchten, z. B. Webzugriff und E-Mails, griffen auf die Internetdienste über Gateways der Anwendungsschicht zu, wie Proxyserver und E-Mail-Server. Somit verlangten die meisten Organisationen nur einige wenige öffentliche Adressen für die Knoten (z. B. Proxys, Server, Router, Firewalls und Übersetzer), die direkt mit dem Internet verbunden waren. Die Host innerhalb der Organisation, die keinen direkten Zugriff auf das Internet beanspruchten, erforderten IPv4-Adressen, die keine bereits zugewiesenen, öffentlichen Adressen duplizierten. Die Entwickler des Internets reservierten einen Teil des IPv4-Adressraums für private Adressen, um dieses Problem zu beheben. IPv4-Adressen im privaten Adressraum sind als private Adressen bekannt und werden niemals öffentlichen Adressen zugewiesen. Da sich die öffentlichen und privaten Adressräume nicht überlappen, duplizieren die privaten Adressen niemals die öffentlichen Adressen. RFC 1918 definiert die folgenden Adresspräfixe für den privaten Adressraum:
Da die ICANN niemals die IPv4-Adressen im privaten Adressraum einer mit dem Internet verbundenen Organisation zuordnet, werden die Internetrouter niemals Routen zu privaten Adressen enthalten. Es ist nicht möglich, über das Internet eine Verbindung zu einer privaten Adresse herzustellen. Daher muss ein Host mit einer privaten Adresse seinen Datenverkehranforderungen für das Internet an ein Gateway der Anwendungsschicht (z. B. ein Proxyserver) senden, der über eine zulässige öffentliche Adresse verfügt, oder über ein NAT-Gerät (Network Address Translation), das die private Adresse in eine zulässige öffentliche Adresse übersetzt. Automatische private IP-AdressierungWie in Kapitel 1, "Einführung in TCP/IP", beschrieben, können Sie eine Schnittstelle eines Computers konfigurieren, der Windows Server 2003 oder Windows XP ausführt, damit die Schnittstelle automatisch eine IPv4-Adresskonfiguration erhält. Wenn der Computer keine Verbindung zu einem DHCP-Server (Dynamic Host Configuration Protocol) herstellt, verwendet der Computer seine alternative Konfiguration, wie auf der Registerkarte Alternative Konfiguration des Dialogfeld mit den Eigenschaften für die Komponente Internetprotokoll (TCP/IP) angegeben. Wenn die Option Automatisch zugewiesene, private IP-Adresse auf der Registerkarte Alternative Konfiguration aktiviert ist und kein DHCP-Server gefunden werden kann, verwendet die TCP/IP-Komponente von Windows die automatische private IP-Adressierung (APIPA, Automatic Private IP Adressing). Die TCP/IP-Komponente wählt eine zufällige IPv4-Adresse aus dem Adresspräfix 169.254.0.0/16 und weist die Subnetzmaske 255.255.0.0 zu. Dieses Adresspräfix wurde von der ICANN reserviert und es ist somit nicht über das Internet erreichbar. Durch APIPA können die aus einem Subnetz bestehenden SOHO-Netzwerke (Small Office/Home Office) TCP/IP benutzen, ohne von einem Administrator das Konfigurieren und Aktualisieren statischer Adressen oder das Verwalten eines DHCP-Servers verlangen zu müssen. APIPA konfiguriert keinen Standardgateway. Deshalb können Sie Daten nur mit anderen Knoten im Subnetz austauschen. Spezielle IPv4-AdressenNachfolgend sind spezielle IPv4-Adressen aufgelistet:
Richtlinien für die IPv4-UnicastadressierungWenn Sie den Subnetzen einer Organisation Netzwerk-IDs zuweisen, verwenden Sie dabei die folgenden Richtlinien:
Wenn Sie den Schnittstellen von Knoten in einem IPv4-Subnetz Host-IDs zuweisen, verwenden Sie dabei die folgenden Richtlinien:
Wenn Sie den Bereich zulässiger IPv4-Unicastadressen für ein gegebenes Adresspräfix definieren, verwenden Sie dabei die folgende Standardvorgehensweise:
Wenn Sie z. B. den Adressbereich für das Adresspräfix 192.168.16.0/20 darstellen möchten:
Deshalb reicht der Bereich der Adressen für das Adresspräfix 192.168.16.0/20 von 192.168.16.1 bis 192.168.21.254. IPv4-MulticastadressenIPv4 verwendet Multicastadressen, um einzelne Pakete von einer Quelle an viele Ziele zu liefern. In einem multicastfähigen IPv4-Intranet leiten die Router ein an eine IPv4-Multicastadresse gerichtetes IPv4-Paket an die Subnetze weiter, in denen Hosts den Datenverkehr überwachen, der an die IPv4-Multicastadresse gesendet wird. IPv4-Multicasting überträgt viele Arten der Kommunikation effizient von einer Quelle zu vielen Zielen. IPv4-Multicastadressen sind durch Internetadressklassen der Klasse D definiert: 224.0.0.0/4. IPv4-Multicastadressen liegen im Bereich von 224.0.0.0 bis 239.255.255.255. IPv4-Multicastadressen für das Adresspräfix 224.0.0.0/24 (224.0.0.0 bis 224.0.0.255) sind für den Multicastverkehr in einem lokalen Subnetz reserviert. IPv4-BroadcastadressenIPv4 verwendet eine Reihe von Broadcastadressen, um Pakete von einer Quelle an alle Schnittstellen im Subnetz zu liefern. Alle Schnittstellen im Subnetz verarbeiten Pakete, die an IPv4-Broadcastadressen gesendet wurden. Nachfolgend sind Sie die Arten von IPv4-Broadcastadressen aufgeführt:
IPv6-AdressierungDer offensichtlichste Unterschied zwischen IPv6 und IPv4 ist die Länge der Adresse. Eine IPv6-Adresse besteht aus 128 Bit und ist somit vier Mal länger als eine IPv4-Adresse. Der 32-Bit-Adressraum bietet 232 oder 4.294.967.296 mögliche Adressen. Der 128-Bit-Adressraum bietet 2128 oder 340.282.366.920.938.463.463.374.607.431.768.211.456 (oder 3,4x1038) mögliche Adressen. Der IPv4-Adressraum wurde Ende der 70er entworfen, in einem Zeitraum, als sich kaum jemand bzw. niemand vorstellen konnte, dass dieser Adressraum einst erschöpft sein kann. Aufgrund der ursprünglichen Reservierung von auf Internetadressklassen basierenden Netzwerk-IDs und der in den letzten Jahren immens gestiegenen Anzahl von Hosts im Internet wurde der IPv4-Adressraum so weit belegt, dass bereits 1992 offensichtlich war, dass ein Ersatz erforderlich ist. Mit IPv6 ist es noch schwerer vorstellbar, dass der IPv6-Adressraum aufgebraucht wird. Damit dies leichter in Relation zu setzen ist: Ein 128-Bit-Adressraum bietet für jeden Quadratmeter der Erdoberfläche 655.570.793.348.866.943.898.599 (6,5x1023) Adressen. Die Entscheidung, dass der IPv6-Adressraum eine Länge von 128-Bit erhält, ergab sich nicht aus der Anforderung, dass jeder Quadratmeter der Erde 6,5x1023 Adressen aufweisen muss. Stattdessen wurde der relativ große IPv6-Adressraum für eine effiziente Adresszuweisung und ein effizientes Routing entwickelt, die die Topologie des modernen Internets widerspiegeln. Außerdem wurde ein derart großer Adressraum entworfen, um 64-Bit-MAC-Adressen (Media Access Control) aufnehmen zu können, die von neueren Netzwerktechnologien verwendet werden. Die Verwendung der 128 Bit ermöglicht mehrere Hierarchieebenen sowie die Flexibilität beim Entwerfen einer hierarchischen Adressierung und eines hierarchischen Routings, die dem auf IPv4 basierenden Internet fehlen. RFC 3513 beschreibt die IPv6-Adressierungsarchitektur. IPv6-AdresssyntaxIPv4-Adressen werden in der Punkt-Dezimalnotation dargestellt. Bei IPv6 ist die 128-Bit-Adresse in 16-Bit-Grenzen unterteilt, wobei jeder 16-Bit-Block in eine aus vier Ziffern bestehende Hexadezimalzahl konvertiert wird (Zahlensystem zur Basis16) und die einzelnen 16-Bit-Blöcke durch Doppelpunkte getrennt sind. Die sich ergebende Darstellung ist als Doppelpunkt-Hexadezimalnotation bekannt. Eine IPv6-Adresse im Binärformat sieht wie folgt aus: 0011111111111110001010010000000011010000000001010000000000000000 0000001010101010000000001111111111111110001010001001110001011010 Die 128-Bit-Adresse ist in 16-Bit-Gruppen aufgeteilt: 0011111111111110 0010100100000000 1101000000000101 0000000000000000 0000001010101010 0000000011111111 1111111000101000 1001110001011010 Jeder aus 16 Bit bestehende Block wird in die Hexadezimalnotation konvertiert, wobei benachbarte Blöcke durch Doppelpunkte getrennt werden. Dadurch ergibt sich Folgendes: 3FFE:2900:D005:0000:02AA:00FF:FE28:9C5A Die IPv6-Darstellung kann noch weiter vereinfacht werden, indem die führenden Nullen in den einzelnen 16-Bit-Blöcken entfernt werden. Jeder Block muss jedoch mindestens eine Ziffer enthalten. Wenn die führenden Nullen ausgelassen werden, ergibt sich die folgende Adresse: 3FFE:2900:D005:0:2AA:FF:FE28:9C5A Konvertieren zwischen Binär- und HexadezimalnotationDas hexadezimale Zahlensystem verwendet die Ziffern 0 bis 9, A, B, C, D, E und F sowie die Potenzen von 16, um eine Zahl darzustellen. In Tabelle 3-4 sind die dezimalen, hexadezimalen und binären Äquivalente der Zahlen 0-15 aufgeführt.
Tabelle 3-4 Dezimale, hexadezimale und binäre Konvertierungen Wenn Sie eine hexadezimale Zahl in eine binäre Zahl konvertieren möchten, wandeln Sie jede hexadezimale Ziffer in das aus 4 Bit bestehende Äquivalent um. Wenn Sie z. B. die hexadezimale Zahl 0x03D8 in das Binärformat konvertieren möchten, wandeln Sie jede hexadezimale Ziffer (0, 3, D und 8) in das Binärformat um. Daher ergibt 0x03D8 die binäre Zahl 0000 0011 1101 1000 oder 0000001111011000. Wenn Sie eine binäre Zahl in eine hexadezimale Zahl konvertieren möchten, segmentieren Sie die binäre Zahl in 4-Bit-Blöcke, wobei Sie mit dem niederwertigen Bit beginnen. Konvertieren Sie anschließend jeden aus 4 Bit bestehenden Block in sein hexadezimales Äquivalent. Zum Konvertieren der binären Zahl 0110000110101110 in das hexadezimale Format unterteilen Sie zuerst die gesamte Zahl in 4-Bit-Blöcke, wodurch sich 0110 0001 1010 1110 ergibt. Anschließend konvertieren Sie jeden Block in hexadezimale Ziffern und somit zu 0x61AE. Obwohl Sie auch den Rechner der Betriebssysteme Windows Server 2003 oder Windows XP für das Konvertieren zwischen Hexadezimal- und Binärzahlen verwenden können, ist der Vorgang leichter zu verstehen, wenn er manuell durchgeführt wird. Für die Konvertierung zwischen dezimalen und hexadezimalen Zahlen, die für IPv6-Adressen selten erforderlich ist, verwenden Sie den Windows-Rechner. Komprimieren von NullenEinige Adresstypen enthalten lange Folgen von Nullen. Damit die Darstellung von IPv6-Adressen weiter vereinfacht wird, können Sie einzelne, fortlaufende Folgen von 16-Bit-Blöcken, die den Wert 0 besitzen, in der Doppelpunkt-Hexadezimalnotation zu "::" zusammenfassen (Doppelter Doppelpunkt). Sie können z. B. die IPv6-Unicastadresse FE80:0:0:0:2AA:FF:FE9A:4CA2 zu FE80::2AA:FF:FE9A:4CA2 sowie die IPv6-Multicastadresse FF02:0:0:0:0:0:0:2 zu FF02::2 komprimieren. Sie können die Komprimierung von Nullen nur zum Komprimieren einer einzelnen, fortlaufenden Folge von 16-Bit-Blöcken verwenden, die in der Doppelpunkt-Hexadezimalnotation dargestellt sind. Sie können die Komprimierung von Nullen nicht zum Einbeziehen eines Teils von 16-Bit-Blöcken verwenden. Die Darstellung FF02:30:0:0:0:0:0:5 kann z. B. nicht als FF02:3::5 angegeben werden. Wenn Sie die Anzahl der Nullen ermitteln möchten, die durch "::" dargestellt werden, können Sie die Anzahl der Blöcke im der komprimierten Adresse zählen, diese Zahl von 8 subtrahieren und das Ergebnis dann mit 16 multiplizieren. Die Adresse FF02::2 besitzt z. B. zwei Blöcke (den Block "FF02" und den Block "2"), somit wurden die anderen sechs 16-Bit-Blöcke (96 Bit insgesamt) komprimiert. Sie können die Komprimierung von Nullen in einer gegebenen Adresse nur ein Mal verwenden. Andernfalls können Sie die Anzahl der 0 Bit nicht ermitteln, die durch die einzelnen Instanzen von "::" dargestellt werden. Wenn eine Adresse zwei Folgen von aus Nullen bestehenden Blöcken derselben Länge enthält und keine Folge von aus Nullen bestehenden Blöcken länger ist, dann wird der am weitesten links stehende Block gemäß Konvention als "::" dargestellt. IPv6-AdresspräfixeSie stellen IPv6-Adressbereiche auf dieselbe Weise als Adresspräfixe dar, wie bei den IPv4-Adressbereichen unter Verwendung der Präfixlängennotation. FF00::/8 ist z. B. ein Adressbereich, 3FFE:FFFF::/32 ist ein Routenpräfix und 3FFE:FFFF:0:2F3B::/64 ist ein Subnetzpräfix. Adresspräfixe werden nicht mithilfe eines Doppelpunkt-Hexadizimal-Äquivalents einer IPv4-Subnetzmaske dargestellt. Typen von IPv6-AdressenIPv6 verfügt über drei Adresstypen:
IPv6-Adressen kennzeichnen immer Schnittstellen, keine Knoten. Ein Knoten wird durch eine Unicastadresse gekennzeichnet, die einer seiner Schnittstellen zugeordnet ist. RFC 3513 definiert keine Typen von Broadcastadressen. Stattdessen werden IPv6-Multicastadressen verwendet. Die Subnetz- und begrenzten Broadcastadressen von IPv4 werden z. B. durch die reservierte IPv6-Multicastadresse FF02::1 ersetzt. IPv6-UnicastadressenNachfolgend sind Sie die Arten von IPv6-Unicastadressen aufgeführt:
Globale UnicastadressenGlobale Unicastadressen sind mit öffentlichen IPv4-Adressen vergleichbar. Sie sind global routerfähig und im IPv6-Bereich des Internets erreichbar, der als IPv6 Internet bekannt ist. Globale Unicastadressen können aggregiert oder zusammengefasst werden, um eine effiziente Routinginfrastruktur zu erzeugen. Das momentan auf IPv4 basierende Internet ist eine Mischung aus flachem und hierarchischem Routing, aber das auf IPv6 basierende Internet wurde von Grund auf dazu entworfen, eine effiziente und hierarchische Adressierung sowie ein effizientes und hierarchisches Routing zu unterstützen. Globale Unicastadressen sind in ihrem Gültigkeitsbereich eindeutig, bei dem es sich um das gesamte IPv6-Internet handelt. In Abbildung 3-7 wird die allgemeine Struktur einer globalen Unicastadresse veranschaulicht, wie sie in RFC 3587 definiert ist. In Abbildung 3-8 wird die Struktur von globalen Unicastadressen veranschaulicht, die von IANA zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Dokuments zugewiesen wurde, wie in RFC 3587 definiert. Folgende Felder werden in globalen Unicastadressen verwendet:
Die Adresse 3FFE:FFFF:2A3C:F282:2B0:D0FF:FEE9:4143 ist z. B. eine globale IPv6-Unicastadresse. Innerhalb dieser Adresse gilt Folgendes:
Die Felder in der globalen Unicastadresse (wie in RFC 3587 definiert) erstellen eine Struktur mit drei Ebenen, wie in Abbildung 3-9 gezeigt. ![]() Abbildung 3-9 Die aus drei ebenen bestehende Struktur einer globalen Unicastadresse gemäß der Definition in RFC 3587 Die öffentliche Topologie ist die Auflistung größerer und kleinerer ISPs, die den Zugang zum IPv6-Internet bereitstellen und der Organisationen, die eine Verbindung zum IPv6-Internet herstellen. Die Standorttopologie ist die Auflistung der Subnetze am Standort der Organisation. Der Schnittstellenbezeichner kennzeichnet eine bestimmte Schnittstelle im Subnetz am Standort einer Organisation. Lokal verwendete Unicastadressen können in zwei Kategorien eingeteilt werden:
Verbindungslokale Adressen (Link-local)Knoten verwenden verbindungslokale Adressen für die Kommunikation mit benachbarten Knoten auf derselben Verbindung, auch als Subnetz bekannt. In einem IPv6-Netzwerk mit einzelner Verbindung und ohne Router werden verbindungslokale Adressen für die Kommunikation zwischen Hosts der Verbindung verwendet. Verbindungslokale Adressen entsprechen APIPA IPv4-Adressen, die automatisch auf Computern konfiguriert wurden, die Windows ausführen. Der Gültigkeitsbereich einer verbindungslokalen Adresse (der Bereich des Netzwerks, in dem die Adresse eindeutig ist) ist die lokale Verbindung. Eine verbindungslokale Adresse ist für die Prozesse zur Nachbarerkennung (Neighbor Discovery) erforderlich und wird immer automatisch konfiguriert, auch wenn alle anderen Unicastadressen nicht vorhanden sind. In Abbildung 3-10 wird die Struktur einer verbindungslokalen Adresse (Link-local) veranschaulicht. Da die ersten 64 Bit der verbindungslokalen Adresse feststehend sind, wird als Adresspräfix für alle verbindungslokalen Adressen FE80::/64 verwendet. Ein IPv6-Router leitet verbindungslokalen Datenverkehr niemals über die Verbindung hinaus weiter. Standortlokale Adressen (Site-local)Standortlokale Adressen entsprechen dem privaten IPv4-Adressraum. Private Intranets, die keine direkte, geroutete Verbindung zum IPv6-Internet besitzen, können standortlokale Adressen verwenden, ohne mit globalen Adressen in Konflikt zu geraten. Standortlokale Adressen sind von anderen Standorten aus nicht erreichbar und die Router dürfen standortlokalen Datenverkehr nicht außerhalb des Standorts leiten. Standortlokale Adressen können zusätzlich zu globalen Adressen verwendet werden. Der Gültigkeitsbereich einer standortlokalen Adresse ist ein Standort (ein Teil eines Organisationsnetzwerks, der definierte geografische oder topologische Grenzen oder begrenzte Netzwerkbandbreiten aufweist). Im Gegensatz zu den verbindungslokalen Adressen werden die standortlokalen Adressen nicht automatisch konfiguriert und müssen daher über eine statusfreie oder statusbezogene Adresskonfiguration zugewiesen werden. In Abbildung 3-11 wird die Struktur einer standortlokalen Adresse (Site-local) veranschaulicht. Die ersten 10 Bit der standortlokalen Adressen sind fest und besitzen den Wert 1111 1110 11. Daher ist das Adresspräfix für alle standortlokalen Adressen FEC0::/10. Außer den 10 höherwertigen, festen Bit befindet sich in der Adresse ein Feld für eine aus 54 Bit bestehende Subnetz-ID, das Sie zum Erstellen von Subnetzen in der Organisation verwenden können. Mit den 54 Bit können Sie bis zu 254 Subnetze in einer ebenen Subnetzstruktur erstellen, oder die höherwertigen Bit des Felds für die Subnetz-ID weiter unterteilen, um eine hierarchische und zusammenfassbare Routinginfrastruktur zu erstellen. Hinter dem Feld mit der Subnetz-ID befindet sich ein aus 64 Bit bestehendes Feld für die Schnittstellen-ID, das eine bestimmte Schnittstelle in einem Subnetz kennzeichnet. Hinweis Ein Internetentwurf mit dem Titel "Deprecating Site Local Addresses" (draft-ietf-ipv6-deprecate-site-local-0x.txt, nur auf Englisch verfügbar) lehnt die Verwendung von standortlokalen Adressen für zukünftige IPv6-Implementierungen ausdrücklich ab. Vorhandene Implementierungen von IPv6 können weiterhin standortlokale Adressen verwenden, bis ein standardisierter Ersatz gefunden wurde. Es wurde jetzt eine aktualisierte Version des Standards der IPv6-Adressierungsarchitektur als Internetentwurf veröffentlicht (draft-ietf-ipv6-addr-arch-v4-0x.txt, nur auf Englisch verfügbar), die die Ablehnung standortlokaler Adressen umfasst. Dieser Internetentwurf für den Standard der IPv6-Adressierung macht RFC 3513 überflüssig. Zonen-IDs für lokal verwendete AdressenLokal verwendete Adressen sind im Intranet einer Organisation nicht eindeutig. Verbindungslokale Adressen können pro Verbindung (Subnetz) dupliziert werden. Standortlokale Adressen können pro Standort dupliziert werden. Beim Festlegen einer verbindungslokalen Adresse müssen Sie daher die Verbindung angeben, in der sich das Ziel befindet. Beim einer standortlokalen Adresse müssen Sie bei Verwendung mehrerer Standorte den Standort festlegen, an dem sich das Ziel befindet. Sie verwenden eine Zonen-ID, um den Teil oder die Zone des Netzwerks anzugeben, in dem das Ziel erreichbar ist. Für die Befehle Ping, Tracert und Pathping lautet die Syntax zum Festlegen einer Zonen-ID IPv6-Adresse%Zonen-ID. Für verbindungslokale Ziele entspricht Zonen-ID normalerweise dem Schnittstellenindex der Schnittstelle, die der Verbindung zugeordnet ist, in der sich das Ziel befindet. Der Schnittstellenindex ist die einer IPv6-Schnittstelle zugeordnete interne Nummer, die über die Anzeige des Befehls netsh interface ipv6 show interface sichtbar ist. Für standortlokale Adressen entspricht Zonen-ID der Standortnummer, die über die Anzeige des Befehls netsh interface ipv6 show address level=verbose sichtbar ist. Werden nicht mehrere Standorte verwendet, ist eine Zonen-ID für standortlokale Adressen nicht erforderlich. Der Parameter Zonen-ID ist nicht erforderlich, wenn das Ziel eine globale Unicastadresse ist. Spezielle IPv6-AdressenNachfolgend sind spezielle IPv6-Adressen aufgelistet:
KompatibilitätsadressenDie folgenden Adressen sind festgelegt, um beim Übergang von IPv4 zu IPv6 zu helfen:
IPv6-SchnittstellenbezeichnerDie letzten 64 Bit einer IPv6-Unicastadresse stellen den Schnittstellenbezeichner dar, der für das aus 64 Bit bestehende Präfix der IPv6-Adresse eindeutig ist. IPv6-Schnittstellenbezeichner werden wie folgt ermittelt:
EUI-64-Adressen-basierte SchnittstellenbezeichnerRFC 3513 gibt an, dass alle Unicastadressen, die die Präfixe 001 bis 111 verwenden, ebenfalls einen aus 64 Bit bestehenden Schnittstellenbezeichner verwenden müssen, der von der EUI-64-Adresse abgeleitet wurde, einer von der IEEE definierten 64-Bit-Adresse. EUI-64-Adressen werden entweder einem Netzwerkadapter zugewiesen oder von IEEE 802-Adressen abgeleitet. Ein traditioneller Schnittstellenbezeichner für einen Netzwerkadapter verwendet eine 48-Bit-Adresse, die auch als IEEE 802-Adresse bezeichnet wird. Er besteht aus einer 24-Bit-Firmen-ID (auch als Hersteller-ID bezeichnet) und einer 24-Bit-Erweiterungs-ID (auch als Karten-ID bekannt). Die Kombination aus Firmen-ID, die jedem Hersteller von Netzwerkadaptern eindeutig zugeordnet wird, und der Karten-ID, die jedem Netzwerkadapter bei der Herstellung eindeutig zugewiesen wird, erzeugt eine global eindeutige 48-Bit-Adresse. Diese 48-Bit-Adresse nennt man auch physische Adresse, Hardwareadresse oder MAC-Adresse (Media Access Control). Abbildung 3-12 zeigt die Struktur der 48-Bit großen IEEE 802-Adresse. Folgende Bits sind in der IEEE 802-Adresse definiert:
Bei einer standardmäßigen 802-Netzwerkadapteradresse sind die U/L- und die I/G-Bits auf 0 gesetzt, was einer allgemeingültig verwalteten Unicast-MAC-Adresse entspricht. Die IEEE EUI-64-Adresse stellt einen neuen Standard für die Netzwerkschnittstellenadressierung dar. Die Größe der Firmen-ID beträgt weiterhin 24 Bit, die der Erweiterungs-ID jedoch 40 Bit. Somit wird ein wesentlich größerer Adressbereich für einen Netzwerkadapterhersteller geschaffen. Bei der EUI-64-Adresse werden die U/L- und I/G-Bits auf die gleiche Weise verwendet wie bei der IEEE 802-Adresse. Abbildung 3-13 zeigt die Struktur der EUI-64-Adresse. In Abbildung 3-14 wird veranschaulicht, wie eine EUI-64-Adresse aus einer IEEE 802-Adresse erstellt wird. Sie fügen die 16 Bit 11111111 11111110 (0xFFFE) in der IEEE 802-Adresse zwischen der Firmen-ID und der Erweiterungs-ID ein. Um den 64-Bit-Schnittstellenbezeichner für IPv6-Unicastadressen abzurufen, wird das U/L-Bit in der EUI-64-Adresse komplementiert. (Wenn es auf 1 gesetzt ist, wird es in 0 geändert; wenn es auf 0 gesetzt ist, wird es in 1 geändert). Abbildung 3-15 zeigt die Konvertierung einer allgemeingültig verwalteten Unicast-EUI-64-Adresse. ![]() Abbildung 3-15 Konvertieren einer allgemeingültig verwalteten Unicast-EUI-64-Adresse in einen IPv6-Schnittstellenbezeichner Um einen IPv6-Schnittstellenbezeichner aus einer IEEE 802-Adresse abzurufen, müssen Sie zuerst die IEEE 802-Adresse einer EUI-64-Adresse zuordnen und dann das U/L-Bit komplementieren. Abbildung 3-16 zeigt die Konvertierung einer allgemeingültig verwalteten Unicast IEEE 802-Adresse. ![]() Abbildung 3-16 Konvertieren einer allgemeingültig verwalteten Unicast IEEE 802-Adresse in einen IPv6-Schnittstellenbezeichner Beispiel für eine IEEE 802-AdresskonvertierungHost A hat die Ethernet-MAC-Adresse 00-AA-00-3F-2A-1C. Zuerst wird diese in das EUI-64-Format umgewandelt, indem zwischen dem dritten und vierten Byte FF-FE eingefügt wird, so dass die Adresse nun 00-AA-00-FF-FE-3F-2A-1C lautet. Anschließend wird das U/L-Bit, das siebte Bit im ersten Byte, komplementiert. Binär wird das erste Byte als 00000000 dargestellt. Nach Komplementierung des siebten Bits ändert sich das Byte in 00000010 (0x02). Das Endergebnis lautet 02-AA-00-FF-FE-3F-2A-1C, das nach Konvertierung in die Doppelpunkt-Hexadezimalnotation als Schnittstellenbezeichner 2AA:FF:FE3F:2A1C dargestellt wird. Daraus ergibt sich für die verbindungslokale Adresse, die dem Netzwerkadapter mit der MAC-Adresse 00-AA-00-3F-2A-1C entspricht, die Darstellung FE80::2AA:FF:FE3F:2A1C. Fügen Sie bei der Komplementierung des U/L-Bits zum ersten Byte 0x2 hinzu, wenn die Adresse allgemeingültig verwaltet wird, und ziehen Sie 0x2 vom ersten Byte ab, wenn die Adresse lokal verwaltet wird. Temporäre AdressschnittstellenbezeichnerIm heutigen IPv4-basierten Internet stellt der typische Internetbenutzer die Verbindung über einen ISP (Internet Service Provider) her und erhält eine IPv4-Adresse unter Verwendung des PPP (Point-to-Point Protocol) und des IPCP (Internet Protocol Control Protocol). Bei jedem Verbindungsaufbau erhält der Benutzer möglicherweise eine andere IPv4-Adresse, wodurch es sich als schwierig erweist, den Datenverkehr eines DFÜ-Benutzers im Internet auf Basis der IPv4-Adresse nachzuverfolgen. Bei IPv6-basierten DFÜ-Verbindungen wird dem Benutzer ein 64-Bit-Präfix zugewiesen, nachdem die Verbindung über die Routererkennung und die automatische Konfiguration der statusfreien Adresse hergestellt wurde. Wenn der Schnittstellenbezeichner immer auf der EUI-64-Adresse basiert (wie von der statischen IEEE 802-Adresse abgeleitet), kann ein Angreifer den Datenverkehr eines bestimmten Knotens unabhängig vom Präfix erkennen, wodurch bestimmte Benutzer und deren Nutzungsverhalten im Internet einfach nachverfolgt werden können. Damit dieses Problem beseitigt und ein gewisser Grad an Anonymität geboten wird, beschreibt RFC 3041 einen alternativen IPv6-Schnittstellenbezeichner, der zufällig generiert wird und sich im Verlauf der Zeit ändert. Der anfängliche Schnittstellenbezeichner wird mithilfe von Zufallszahlen generiert. Für IPv6-Systeme, die keine Verlaufsdaten zum Generieren zukünftiger Schnittstellenbezeichnerwerte speichern können, wird bei jeder Initialisierung des IPv6-Protokolls ein neuer zufälliger Schnittstellenbezeichner erzeugt. Bei IPv6-Systemen mit Speichermöglichkeiten wird ein Verlaufswert gespeichert und beim Initialisieren des IPv6-Protokolls ein anderer Schnittstellenbezeichner über folgendes Verfahren erstellt:
Die sich ergebende IPv6-Adresse, die auf diesem zufälligen Schnittstellenbezeichner basiert, ist als temporäre Adresse bekannt. Temporäre Adressen werden für öffentliche Adresspräfixe generiert, die eine statusfreie automatische Adresskonfiguration verwenden. IPv6-MulticastadressenBei IPv6-Multicastadressen sind die ersten acht Bit auf 1111 1111 festgelegt. Daher ist das Adresspräfix für alle IPv6-Multicastadressen FF00::/8. Neben den ersten acht Bit umfassen Multicastadressen eine zusätzliche Struktur, um Flags, ihren Gültigkeitsbereich und die Multicastgruppe zu kennzeichnen. Abbildung 3-17 zeigt die Struktur der IPv6-Multicastadresse. Die Felder in der Multicastadresse sind:
Um alle Knoten für schnittstellenlokale und verbindungslokale Bereiche zu identifizieren, wurden folgende Adressen definiert:
Um alle Router für schnittstellenlokale, verbindungslokale und standortlokale Bereiche zu identifizieren, wurden folgende Adressen definiert:
Eine Liste der permanent zugeordneten IPv6-Multicastadressen finden Sie unter http://www.iana.org/assignments/ipv6-multicast-addresses (nur auf Englisch verfügbar). IPv6-Multicastadressen ersetzen sämtliche Formen der IPv4-Broadcastadressen. Der Multicastadresse für alle Knoten des verbindungslokalen Bereichs (FF02::1) in IPv6 ersetzt die IPv4-Netzwerkbroadcastadresse (bei der in einer klassenbezogenen Umgebung alle Hostbit auf den Wert 1 gesetzt sind) die Subnetzbroadcastadresse (bei der in einer klassenlosen Umgebung alle Hostbit auf den Wert 1 gesetzt sind) und die begrenzte Broadcastadresse (255.255.255.255). Solicited-Node-MulticastadresseDie Solicited-Node-Multicastadresse nutzt die effizienten Abfragemöglichkeiten von Netzwerkknoten, um eine Adresse der Sicherungsschicht für eine bekannte IPv6-Adresse zu ermitteln. Dieser Vorgang ist auch als Adressauflösung auf der Sicherungsschicht bekannt. In IPv4 wird die ARP-Anforderung für drahtlose Ethernet- und 802.11-Netzwerksegmente an die Broadcastadresse 0xFF-FF-FF-FF-FF-FF gesendet. Dieser Rahmen stört alle Knoten im Netzwerksegment, einschließlich der Knoten, die kein IPv4 ausführen. IPv6 verwendet die Nachbaraufforderungsnachricht, um die Adressauflösung auf der Sicherungsschicht durchzuführen. Statt jedoch als Ziel für die Nachbaraufforderungsnachricht die Multicastadresse für alle Knoten des verbindungslokalen Bereichs zu verwenden, wodurch alle IPv6-Knoten auf der lokalen Verbindung gestört würden, wird die Solicited-Node-Multicastadresse verwendet. Die Solicited-Node-Multicastadresse besteht aus dem Präfix FF02::1:FF00:0/104 und den letzten 24 Bit einer IPv6-Unicastadresse. In Abbildung 3-18 wird die Zuordnung einer IPv6-Unicastadresse zu ihrer entsprechenden Solicited-Node-Multicastadresse veranschaulicht. Knoten A ist z. B. die verbindungslokale IPv6-Adresse FE80::2AA:FF:FE28:9C5A zugeordnet, der aber ebenfalls die Solicited-Node-Multicastadresse FF02::1:FF28:9C5A überwacht. (Der fett gestellte Teil hebt die Entsprechung der letzten sechs hexadezimalen Ziffern hervor.) Der zur lokalen Verbindung gehörende Knoten B muss die verbindungslokale Adresse FE80::2AA:FF:FE28:9C5A von Knoten A in seine entsprechende Adresse der Sicherungsschicht auflösen. Knoten B sendet eine Nachbaraufforderungsnachricht an die Solicited-Node-Multicastadresse FF02::1:FF28:9C5A. Da Knoten A diese Multicastadresse überwacht, verarbeitet er die Nachbaraufforderungsnachricht und antwortet mit einer Unicast-Nachbaranwesenheitsnachricht, wodurch die Adressauflösung abgeschlossen ist. Das Verwenden der Solicited-Node-Multicastadresse führt dazu, dass Adressauflösungen der Sicherungsschicht, die bei einer Verbindung häufig vorkommen, keine Netzwerkknoten stören. Daher werden während der Adressauflösung nur sehr wenige Knoten gestört. In der Praxis bedeutet dies, dass aufgrund der Beziehung zwischen der Sicherungsschichtadresse, der Schnittstellen-ID von IPv6 und der Solicited-Node-Adresse, die Solicited-Node-Adresse als Pseudo-Unicastadresse für eine sehr effiziente Adressauflösung fungiert. IPv6-AnycastadressenEine Anycastadresse wird mehreren Schnittstellen zugewiesen. Pakete, die an eine Anycastadresse adressiert sind, werden über die Routinginfrastruktur an die nächste Schnittstelle weitergeleitet, der die Anycastadresse zugewiesen ist. Um die Übermittlung zu vereinfachen, muss die Routinginfrastruktur die Schnittstellen mit zugewiesenen Anycastadressen und deren Entfernung bezüglich der Routingeigenschaften beachten. Momentan werden Anycastadressen lediglich als Zieladressen verwendet. Anycastadressen werden aus dem Unicastadressbereich zugewiesen, und der Bereich einer Anycastadresse entspricht dem Bereich des Unicastadresstyps, von dem die Anycastadresse zugewiesen ist. Die Subnetzrouter-Anycastadresse wird aus dem Subnetzpräfix für eine gegebene Schnittstelle erstellt. Die Subnetzrouter-Anycastadresse wird durch Setzen der Bit im 64-Bit-Subnetzpräfix auf die entsprechenden Werte erstellt. Die Bit im Schnittstellen-ID-Anteil der Adresse erhalten den Wert 0. Alle mit einem Subnetz verbundenen Routerschnittstellen werden der Subnetzrouter-Anycastadresse für dieses Subnetz zugeordnet. Die Subnetzrouter-Anycastadresse kann für die Kommunikation mit einem von mehreren Routern verwendet werden, die mit einem Remotesubnetz verbunden sind, z. B. zum Abrufen einer Statistik zur Netzwerkverwaltung für den Datenverkehr im Subnetz. IPv6-Adressen für einen HostEin IPv4-Host mit einem einzigen Netzwerkadapter verfügt üblicherweise über eine einzige IPv4-Adresse, die diesem Adapter zugewiesen ist. Ein IPv6-Host hat jedoch normalerweise mehrere IPv6-Adressen, sogar mit einer einzigen Schnittstelle. Einem IPv6-Host sind die folgenden Unicastadressen zugewiesen:
IPv6-Hosts verfügen normalerweise mindestens über zwei Adressen, über die sie Pakete empfangen können – eine verbindungslokale Adresse für lokalen Verbindungsdatenverkehr und eine routbare standortlokale oder globale Adresse. Zusätzlich überwacht jeder Host den Datenverkehr auf folgenden Multicastadressen:
IPv6-Adressen für einen RouterEinem IPv6-Router sind die folgenden Unicast- und Anycastadressen zugewiesen:
Zusätzlich überwacht jeder Router den Datenverkehr auf folgenden Multicastadressen:
Vergleichen der IPv4- und IPv6-AdressierungIn Tabelle 3-5 sind die IPv4-Adressen und Adressierungskonzepte sowie ihre IPv6-Entsprechungen aufgeführt.
Tabelle 3-5 Vergleichen der IPv4- und IPv6-Adressierung Zusammenfassung des KapitelsIn diesem Kapitel wurden folgende Schlüsselinformationen behandelt:
KapitelglossarAdresse – Ein Bezeichner, der einer Schnittstelle oder einem Satz von Schnittstellen auf der Internet-Schicht zugewiesen wird und die Quelle oder das Ziel von IP-Paketen angibt. Adressklasse – Eine vordefinierte Gruppe von IPv4-Adressen, die im Internet verwendet werden. Adressklassen haben Netzwerke bestimmter Größe definiert und den Zahlenbereich bestimmt, der für das erste Oktett in der IPv4-Adresse zugewiesen werden kann. Durch CIDR (Classless Inter-Domain Routing) wurde die klassenbezogene IPv4-Adressierung überflüssig. Adresspräfix – Ein Adressbereich, der durch Festlegen der höherwertigen festen Bit auf definierte Werte und der niederwertigen Bit auf den Wert 0 definiert ist. Adresspräfixe werden normalerweise dazu verwendet, um einen Bereich zulässiger Adressen, zu Subnetzen zugewiesenen Netzwerkbezeichnern und Routen darzustellen. In IPv4 werden Adresspräfixe in Präfixlängennotation oder in Punkt-Dezimalnotation (Subnetzmaske) dargestellt. In IPv6 werden Adresspräfixe in der Präfixlängennotation dargestellt. Anycastadresse – Eine Adresse, die aus dem Unicastadressraum zugewiesen wird, dabei mehrere Schnittstellen kennzeichnet und Pakete von einer Quelle an eines von vielen Zielen liefert. Mit der geeigneten Routingtopologie werden an Anycastadressen gerichtete Pakete an eine einzelne Schnittstelle geliefert, wobei es sich um die von der Adresse bezeichnete Schnittstelle mit dem kürzesten Pfad handelt. APIPA – Siehe Automatic Private IP Addressing (APIPA). Automatic Private IP Addressing (APIPA) – Ein Feature der TCP/IP-Komponente in Windows Server 2003 und Windows XP. APIPA ermöglicht es einem Computer, eine IPv4-Adresse und eine Subnetzmaske aus dem Bereich 169.254.0.0/16 automatisch zu konfigurieren, wenn die TCP/IP-Komponente auf die automatische Konfiguration eingestellt und kein DHCP-Server verfügbar ist. CIDR – Siehe Classless Inter-Domain Routing (CIDR). IPv4-Adresse der Klasse A – Eine IPv4-Unicastadresse die von 1.0.0.1 bis 127.255.255.254 reicht. Das erste Oktett kennzeichnet die Netzwerk-ID und die letzten drei Oktetts geben die Host-ID an. Durch CIDR (Classless Inter-Domain Routing) wurde die klassenbezogene IPv4-Adressierung überflüssig. IPv4-Adresse der Klasse B – Eine IPv4-Unicastadresse die von 128.0.0.1 bis 191.255.255.254 reicht. Die ersten beiden Oktetts kennzeichnen die Netzwerk-ID und die letzten beiden Oktetts geben die Host-ID an. Durch CIDR (Classless Inter-Domain Routing) wurde die klassenbezogene IPv4-Adressierung überflüssig. IPv4-Adresse der Klasse C – Eine IPv4-Unicastadresse die von 192.0.0.1 bis 223.255.255.254 reicht. Die ersten drei Oktetts kennzeichnen die Netzwerk-ID und das letzte Oktett gibt die Host-ID an. Durch CIDR (Classless Inter-Domain Routing) wurde die klassenbezogene IPv4-Adressierung überflüssig. Classless Inter-Domain Routing (CIDR) – Ein Verfahren im modernen Internet zum Zusammenfassen von Routen und Zuweisen von IPv4-Adressen. CIDR stellt Adresspräfixe in Form eines Adresspräfixes und einer Präfixlänge dar, anstatt Adressklassen zu verwenden, die durch CIDR ersetzt werden. Doppelpunkt-Hexadezimalnotation – Die zum Darstellen von IPv6-Adressen verwendete Notation. Die aus 128-Bit bestehende IPv6-Adresse wird in acht Blöcke mit einer Länge von 16 Bit unterteilt. Jeder Block wird in der Hexadezimalnotation dargestellt, wobei benachbarte Blöcke durch Doppelpunkte getrennt werden. Innerhalb der einzelnen Blöcke werden führende Nullen unterdrückt. Ein Beispiel einer IPv6-Unicastadresse in der Doppelpunkt-Hexadezimalnotation ist 3FFE:FFFF:2A1D:48C:2AA:3CFF:FE21:81F9. Punkt-Dezimalnotation – Die am häufigsten zum Darstellen von IPv4-Adressen verwendete Notation. Die aus 32-Bit bestehende IPv4-Adresse ist in vier Blöcke mit einer Länge von 8 Bit unterteilt. Jeder Block wird in der Dezimalnotation dargestellt, wobei benachbarte Blöcke durch Punkte getrennt werden. Ein Beispiel für eine IPv4-Unicastadresse in Punkt-Dezimalnotation ist 131.107.199.45. Doppelter Doppelpunkt – Die Vorgehensweise eine einzelne fortlaufende Reihe von Blöcken aus Nullen einer IPv6-Adresse zu "::" zu komprimieren. Die Multicastadresse FF02:0:0:0:0:0:0:2 wird z. B. als FF02::2 dargestellt. EUI – Siehe Erweiterter eindeutiger Bezeichner (Extended Unique Identifier). EUI-64-Adresse – Eine 64-Bit-Adresse der Sicherungsschicht, die als Basis für einen IPv6-Schnittstellenbezeichner verwendet wird. Erweiterter eindeutiger Bezeichner (Extended Unique Identifier) – Eine Adresse der Verbindungsschicht, die vom IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers) definiert wurde. Globale Unicastadresse – Eine IPv6-Unicastadresse, die im IPv6-Bereich des Internets global routbar und erreichbar ist. Globale IPv6-Adressen sind mit öffentlichen IPv4-Adressen vergleichbar. IEEE – Institute of Electrical and Electronics Engineers. IEEE 802-Adresse – Eine 48-Bit-Adresse der Sicherungsschicht, die vom IEEE definiert wurde. Ethernet- und Token Ring-Netzwerkadapter verwenden IEEE 802-Adressen. IEEE EUI-64-Adresse – Siehe EUI-64-Adresse. Ungültige Adresse – Eine doppelte Adresse, die mit einer öffentlichen IPv4-Adresse, die bereits von der ICANN einer anderen Organisation zugeordnet wurde, in Konflikt gerät. Verbindungslokale Adresse – Eine lokal verwendete Adresse mit dem Präfix FE80::/64, deren Gültigkeitsbereich die lokale Verbindung darstellt. Knoten verwenden verbindungslokale Adressen für die Kommunikation mit benachbarten Knoten auf derselben Verbindung. Verbindungslokale Adressen entsprechen APIPA-IPv4-Adressen (Automatic Private IP Adressing). Loopbackadresse – Für IPv4 ist dies die Adresse 127.0.0.1. Für IPv6 ist dies die Adresse 0:0:0:0:0:0:0:1 (oder ::1). Mithilfe der Loopbackadresse können Knoten Pakete an sich selbst senden. Multicastadresse – Eine Adresse, die keine oder mehrere Schnittstellen kennzeichnet und zum Liefern von Paketen von einer Quelle an viele Ziele verwendet wird. Mit der geeigneten Multicastroutingtopologie werden an Multicastadressen gerichtete Pakete an alle Schnittstellen geliefert, die durch die Adresse gekennzeichnet sind. Präfixlängennotation – Die Vorgehensweise Adresspräfixe als Startadresse/Präfixlänge darzustellen, wobei Präfixlänge die Anzahl der höherwertigen festen Bit in der Adresse angibt. Private Adressen – IPv4-Adressen, die von Organisationen für die private Intranetadressierung innerhalb einer der folgenden Adresspräfixe verwendet werden: 10.0.0.0/8, 172.16.0.0/12, 192.168.0.0/16. Öffentliche Adressen – IPv4-Adressen, die von der ICANN zugewiesen werden und im IPv4-Internet garantiert global eindeutig und erreichbar sind. Standortlokale Adresse – Eine lokal verwendete IPv6-Adresse mit dem Präfix FEC0::/10, deren Gültigkeitsbereich der Standort darstellt. Standortlokale Adressen entsprechen dem privaten IPv4-Adressraum. Standortlokale Adressen sind von anderen Standorten au |