Zusammenfassung In diesem Kapitel werden die verschiedenen Methoden beschrieben, die Microsoft Windows-basierte Computer verwenden, um Hostnamen, beispielsweise www.example.com, in die zugehörigen IP-Adressen aufzulösen. Netzwerkadministratoren müssen wissen, wie die Hostnamenauflösung unter Windows funktioniert, um bei der Auflösung von Hostnamen auftretende Probleme beheben zu können, und um die komplexen Einzelheiten von DNS (Domain Name System) zu verstehen. Auf dieser Seite
Ziele dieses KapitelsNach der Lektüre dieses Kapitels werden Sie in der Lage sein, folgende Aufgaben auszuführen:
TCP/IP-BenennungsschemataBevor die Kommunikation aufgenommen werden kann, muss jeder Schnittstelle eines jeden TCP/IP-Knotens eine IP-Unicastadresse zugewiesen werden. Einem TCP/IP-Host und seiner Schnittstelle können auch Namen zugewiesen werden. Jedoch bestimmt das Benennungsschemata auch die Art und Weise, in der Anwendungen einen Host oder eine Schnittstelle ansprechen. Zum Beispiel:
Bei NetBIOS-Anwendungen müssen die Benutzer immer den NetBIOS-Namen und nicht die IPv4-Adresse angeben. Windows-Sockets-Anwendungen erlauben den Benutzern, den Zielhost über seinen Hostnamen oder seine IP-Adresse anzusprechen. Definition von HostnamenEin Hostname ist ein Alias, der einen TCP/IP-Host oder seine Schnittstellen bezeichnet. In allen TCP/IP-Umgebungen werden Hostnamen verwendet. Die folgenden Ausführungen beschreiben einige Attribute eines Hostnamens:
Der Vorgang der HostnamenauflösungDie Hostnamenauflösung ist der Vorgang der Zuordnung eines Hostnamens zu einer IP-Adresse, bevor der Quellhost das erste IP-Paket sendet. Tabelle 7-1 beschreibt die Standardmethoden der Hostnamenauflösung von TCP/IP für Windows XP und Windows Server 2003.
Tabelle 7-1 Standardmethoden der Hostnamenauflösung Tabelle 7-2 beschreibt die zusätzlichen Methoden, die von TCP/IP für Windows XP und Windows Server 2003 für die Hostnamenauflösung verwendet werden.
Tabelle 7-2 Windows-spezifische Methoden der Hostnamenauflösung Namenauflösung mit der Datei 'Hosts'Wenn TCP/IP für Windows XP und Windows Server 2003 Namen auflöst, wird die Datei Hosts nicht direkt durchsucht. Vielmehr werden die Einträge dieser Datei automatisch in den DNS-Clientauflösungscache geladen. Daher vollzieht sich auf einem Windows-basierten Computer der Vorgang der Namenauflösung in folgender Weise:
Im Unterschied zu der Datei Lmhosts, die nur für NetBIOS-basierte Remotehosts und -IPv4-Adressen verwendet wird, ordnet die Datei Hosts Hostnamen sowohl von benachbarten als auch von Remotehosts ihren IPv4- oder IPv6-Adressen zu. Namenauflösung mit einem DNS-ServerDNS ist ein verteiltes, hierarchisch geordnetes Benennungssystem, das im Internet und in den meisten Intranets verwendet wird, um voll qualifizierte Domänennamen (FQDN, Fully Qualified Domain Names) in IP-Adressen aufzulösen. Ein Beispiel für einen FDQN ist www.microsoft.com. Ein DNS-Server verwaltet typischerweise Informationen über einen Bereich des DNS-Namespace, etwa alle Namen, die mit wcoast.example.com enden, und behandelt DNS-Namensabfragen von DNS-Clientcomputern entweder selbst oder durch Abfragen anderer DNS-Server. Computer unter Windows XP oder Windows Server 2003 können als DNS-Clients arbeiten, und ein Computer unter Windows Server 2003 kann als DNS-Server arbeiten, der für einen DNS-Client oder andere DNS-Server Namen auflöst. Ist TCP/IP für Windows XP und Windows Server 2003 mit der IP-Adresse eines DNS-Servers konfiguriert, vollzieht sich der Vorgang der Namenauflösung folgendermaßen:
Windows-Methoden der Auflösung von HostnamenIst NetBIOS über TCP/IP aktiviert, versucht Windows standardmäßig Hostnamen mittels NetBIOS-Methoden aufzulösen, sobald die Standardmethoden fehlgeschlagen sind. Zu diesen NetBIOS-Methoden der Namenauflösung zählen der Cache der NetBIOS-Namen, konfigurierte WINS-Server, NetBIOS-Broadcasts und die Datei Lmhosts. Wenn eine Anwendung Windows Sockets verwendet, und die Anwendung selbst oder der Benutzer gibt einen Hostnamen an, versucht TCP/IP für Windows XP und Windows Server 2003, wenn NetBIOS über TCP/IP aktiviert ist, den Namen in der folgenden Reihenfolge aufzulösen:
Der Vorgang der Namenauflösung wird beendet, sobald Windows die erste IP-Adresse für diesen Namen findet. Kann Windows mit keiner dieser Methoden den Hostnamen auflösen, dann ist der Vorgang der Namenauflösung fehlgeschlagen und die Kommunikation mit dem Zielhost ist nur dann möglich, wenn entweder seine IP-Adresse oder ein anderer dem Host zugeordneten Namen angegeben wird, den Windows zu einer IP-Adresse auflösen kann. Abbildung 7-1 zeigt alle Methoden, die von TCP/IP für Windows XP und Windows Server 2003 für die Hostnamenauflösung verwendet werden. ![]() Abbildung 7-1 Die von TCP/IP für Windows XP und Windows Server 2003 für die Hostnamenauflösung verwendeten Methoden Die Datei 'Hosts'Die Datei Hosts ermöglicht mittels einer lokal gespeicherten Textdatei, die Zuordnungen von IP-Adressen zu Hostnamen. Auf den meisten UNIX-basierten Computern finden Sie die Datei unter /etc/hosts. Auf Windows-basierten Computern ist die Datei Hosts im Ordner systemroot\System32\Drivers\Etc. Die folgenden Ausführungen beschreiben einige der Attribute der Datei Hosts für Windows:
Der Vorteil der Datei Hosts besteht darin, dass Benutzer sie für ihre Zwecke anpassen können. Jeder Benutzer kann die Einträge erstellen, die er möchte, einschließlich einfach zu behaltender Spitznamen für Ressourcen, auf die häufig zugegriffen wird. Jedoch ist die individuelle Verwaltung der Datei Hosts nicht sonderlich gut dazu geeignet, eine große Zahl von FQDN-Zuordnungen zu speichern oder auf Änderungen von IP-Adressen von Server und Netzwerkressourcen zu reagieren. Die Lösung für die Speicherung und Verwaltung einer großen Zahl von FQDN-Zuordnungen bietet DNS. Die dynamische DNS-Konfiguration löst auch das Problem der Verwaltung von FQDN-Zuordnungen von sich ändernden IP-Adressen. Ein Eintrag in der Datei Hosts hat das folgende Format: Addresse Name Der Addresse-Teil des Eintrags ist eine IPv4- oder IPv6-Unicastadresse. Der Name-Teil nennt einen oder mehrere Namen, die durch mindestens ein Leerzeichen voneinander getrennt sind. Die Adresse muss von dem ersten Namen durch ein oder mehrere Leerzeichen oder Tabulatoren getrennt sein. IPv4-EinträgeBei IPv4-Einträgen wird die Adresse in der Datei Hosts als dezimale IPv4-Unicastadresse angegeben, deren Elemente durch Punkte voneinander getrennt sind. Das folgende Beispiel der Datei Hosts enthält IPv4-Einträge: # # Table of IP addresses and host names # 127.0.0.1 localhost 131.107.34.1 router 172.30.45.121 server1.central.example.com s1 In diesem Beispiel können Sie den Server mit der IPv4-Adresse 172.30.45.121 mit seinem FQDN (server1.central.example.com) oder mit seinem Spitznamen (s1) ansprechen. Dieses Beispiel geht davon aus, dass sich die IP-Adresse des Servers namens server1.central.example.com nicht irgendwann ändern wird. Dies gilt dann, wenn zum Beispiel dem Server server1.central.example.com manuell eine IP-Adresskonfiguration zugewiesen wurde, oder er eine DHCP-Clientreservierung (Dynamic Host Configuration Protocol) verwendet. IPv6-EinträgeBei IPv6-Einträgen wird die Adresse in der Datei Hosts als globale oder standortlokale IPv6-Adresse angegeben, deren Elemente durch Doppelpunkte voneinander getrennt sind. Das folgende Beispiel der Datei Hosts enthält sowohl IPv4- als auch IPv6-Einträge: Hinweis: Einige der folgenden Codezeilen werden zur besseren Lesbarkeit in mehreren Zeilen wiedergegeben. Sie sollten in eine einzige Zeile eingegeben werden. # # Table of IP addresses and host names # 127.0.0.1 localhost 131.107.34.1 router 172.30.45.121 server1.central.example.com s1 fec0::fa3:2aa:ff:fe9f:2a40 webv6.central.example.com w1 3ffe:ffff::10:2aa:ff:fe21:5a88 tsrvv6.wcoast.example.com ts1 Sie sollten in die Datei Hosts keine Einträge für verbindungslokale Adressen aufnehmen, weil Sie für diese Adressen keine Zonen-ID angeben können. Dieses Konzept ist ähnlich der Verwendung des Tools Ping zur Überprüfung eines verbindungslokalen Ziels ohne Angabe der Zonen-ID. Daher sind in der Datei Hosts nur Einträge für globale oder standortlokale IPv6-Adressen sinnvoll. Der Beispieleintrag für die standortlokale Adresse fec0::fa3:2aa:ff:fe9f:2a40 setzt voraus, dass nur ein einzelner Standort verwendet wird. Weitere Informationen zu IPv6-Adressen und die Verwendung der Zonen-ID finden Sie in Kapitel 3, "IP-Adressierung". Der DNS-ClientauflösungscacheDer DNS-Clientauflösungscache ist eine im RAM-Speicher vorgehaltene Tabelle mit Einträgen aus der lokalen Datei Hosts sowie den Hostnamen, die Windows mithilfe von DNS aufzulösen versucht hat. Der DNS-Clientauflösungscache speichert sowohl erfolgreiche als auch erfolglose DNS-Namenauflösungen. Ein Name, der zwar abgefragt, jedoch nicht erfolgreich aufgelöst wurde, wird als negativer Cacheeintrag bezeichnet. Die folgende Liste beschreibt die Attribute des DNS-Clientauflösungscache:
Das folgende Beispiel zeigt, welche Informationen mit dem Befehl ipconfig /displaydns angezeigt werden: C:\>ipconfig /displaydns
Windows IP Configuration
localhost.
------------------------------------------------------
Record Name . . . . . : localhost
Record Type . . . . . : 1
Time To Live . . . . : 31165698
Data Length . . . . . : 4
Section . . . . . . . : Answer
A (Host) Record . . . :
127.0.0.1
dc7.corp.example.com.
------------------------------------------------------
Record Name . . . . . : dc7.corp.example.com
Record Type . . . . . : 1
Time To Live . . . . : 852
Data Length . . . . . : 4
Section . . . . . . . : Answer
A (Host) Record . . . :
157.60.23.170
1.0.0.127.in-addr.arpa.
------------------------------------------------------
Record Name . . . . . : 1.0.0.127.in-addr.arpa
Record Type . . . . . : 12
Time To Live . . . . : 31165698
Data Length . . . . . : 4
Section . . . . . . . : Answer
PTR Record . . . . . :
localhost
mailsrv15.corp.example.com.
------------------------------------------------------
Record Name . . . . . : mailsrv15.corp.example.com
Record Type . . . . . : 1
Time To Live . . . . : 2344
Data Length . . . . . : 4
Section . . . . . . . : Answer
A (Host) Record . . . :
157.54.16.83
Zusammenfassung des KapitelsIn diesem Kapitel wurden folgende Schlüsselinformationen behandelt:
KapitelglossarNetBIOS-Namen-Cache – Eine dynamisch verwaltete Tabelle auf einem für NetBIOS aktivierten Host; sie speichert die kürzlich aufgelösten NetBIOS-Namen und die ihnen zugeordneten IPv4-Adressen. DNS – Siehe Domain Name System (DNS). DNS-Clientauflösungscache – Eine im RAM-Speicher vorgehaltenen Tabelle, die den Inhalt der Datei Hosts und die Ergebnisse vorheriger DNS-Namensabfragen enthält. DNS-Server – Ein Server, der eine Datenbank mit Zuordnungen von DNS-Domänennamen zu verschiedenen Daten, etwa IP-Adressen, verwaltet. Domain Name System (DNS) – Eine hierarchisch aufgebaute, verteilte Datenbank, die Zuordnungen von DNS-Domänennamen zu verschiedenen Daten, etwa IP-Adressen, enthält. DNS erlaubt, Computers und Dienste über benutzerfreundliche Namen anzusprechen, und ermöglicht auch, andere in der Datenbank gespeicherte Informationen aufzufinden. Hostname – Der Name eines Computers oder eines Geräts in einem Netzwerk. Benutzer sprechen Computer eines Netzwerks über ihre Hostnamen an. Um einen Computer zu finden, muss dessen Hostname entweder in der Datei Hosts enthalten oder dem DNS-Server bekannt sein. Bei den meisten Windows-basierten Computern entspricht der Hostname dem Computernamen. Datei Hosts – Ein lokale Textdatei, die in demselben Format vorliegt wie die Datei \etc\hosts von 4,3 BSD UNIX. Diese Datei ordnet Hostnamen IP-Adressen zu und ist im Ordner systemroot\System32\Drivers\Etc gespeichert. Datei Lmhosts – Ein lokale Textdatei, die NetBIOS-Namen IP-Adressen für Hosts in Remotesubnetzen zuordnet. Auf Windows-basierten Computern ist diese Datei im Ordner systemroot\System32\Drivers\Etc gespeichert. Namenauflösung – Der Vorgang der Zuordnung eines Hostnamens zu einer IP-Zieladresse. NBNS – Siehe NetBIOS Name Server (NBNS). negative Cacheeinträge – In den DNS-Clientauflösungscache aufgenommene Hostnamen, die abgefragt wurden, jedoch nicht aufgelöst werden konnten. NetBIOS-Name – Der 16 Zeichen lange Name eines Prozesses, der NetBIOS verwendet. NetBIOS-Namenauflösung – Der Vorgang der Zuordnung eines NetBIOS-Namens zu einer IPv4-Adresse. NetBIOS Name Server (NBNS) – Ein Server, der Zuordnungen von NetBIOS-Namen zu IPv4-Adressen speichert und für NetBIOS-aktivierte Hosts NetBIOS-Namen auflöst. WINS ist die Microsoft-Implementierung eines NBNS. Windows Internet Name Service (WINS) – Die Microsoft-Implementierung eines NBNS (NetBIOS Name Server). WINS – Siehe Windows Internet Name Service (WINS). | In diesem Beitrag |