TCP/IP-Grundlagen für Microsoft Windows

Kapitel 11 - NetBIOS über TCP/IP

Veröffentlicht: 27. Jun 2005 | Aktualisiert: 28. Sep 2005

Zusammenfassung

In diesem Kapitel wird das "Network Basic Input/Output System" (NetBIOS) über TCP/IP und seine Implementierung in den Betriebssystemen Microsoft® Windows Server™ 2003 und Windows® XP beschrieben. In einer Netzwerkumgebung aus Servern und Clients, die auf dem Active Directory®-Verzeichnisdienst basieren, wird NetBIOS über TCP/IP nicht benötigt. Von älteren Windows-Versionen und von NetBIOS-Anwendungen, die in aktuellen Windows-Versionen enthalten sind, wird NetBIOS über TCP/IP jedoch nach wie vor verwendet. Ein Netzwerkadministrator sollte über ausreichende Kenntnisse in Bezug auf NetBIOS-Namen und die Namensauflösung bei NetBIOS verfügen, um Probleme mit der NetBIOS-Namensauflösung beheben zu können.

Auf dieser Seite
ZielsetzungZielsetzung
NetBIOS über TCP/IP – ÜbersichtNetBIOS über TCP/IP – Übersicht
Aktivieren von NetBIOS über TCP/IPAktivieren von NetBIOS über TCP/IP
Auflösen von NetBIOS-NamenAuflösen von NetBIOS-Namen
NetBIOS-KnotentypenNetBIOS-Knotentypen
Verwenden der Lmhosts-DateiVerwenden der Lmhosts-Datei
Das Nbtstat-ToolDas Nbtstat-Tool
KapitelzusammenfassungKapitelzusammenfassung
KapitelglossarKapitelglossar

Zielsetzung

Nach dem Lesen dieses Kapitels werden Sie zu Folgendem in der Lage sein:

Definieren von NetBIOS

Definieren von NetBIOS-Namen

Erklären, wie NetBIOS-Namen auf Computern unter Windows aufgelöst werden

Aufzählen und Beschreiben unterschiedlicher Knotentypen bei NetBIOS über TCP/IP

Erlären der Verwendung der Lmhosts-Datei durch Knoten bei der Auflösung von NetBIOS-Hostnamen in Remotesubnetzen

Konfigurieren einer lokalen oder zentralen Lmhosts-Datei, um NetBIOS-Namen von Hosts in Remotesubnetzen aufzulösen

Verwenden des Nbtstat-Tools, um Informationen zu NetBIOS-Namen zu sammeln

NetBIOS über TCP/IP – Übersicht

NetBIOS wurde in den frühen 80er Jahren entwickelt, um Anwendungen den Datenaustausch über ein Netzwerk zu ermöglichen. NetBIOS definiert:

Eine Programmierschnittstelle für die Sitzungsebene – Bei NetBIOS handelt es sich um eine Standard-API (Application Programming Interface) auf Sitzungsebene des OSI-Referenzmodells (Open Systems Interconnect). Benutzeranwendungen können so auf die Dienste der bereits installierten Netzwerkprotokollstacks zugreifen. Eine Anwendung, die die API der NetBIOS-Schnittstelle zur Netzwerkkommunikation verwendet, kann auf jedem Protokollstack ausgeführt werden, der eine NetBIOS-Schnittstelle unterstützt.

Ein Protokoll für Sitzungsverwaltung und Datentransport – Bei NetBIOS handelt es sich außerdem um ein Protokoll auf Sitzungs- und Transportebene, das Befehle und Unterstützung für die folgenden Dienste beinhaltet:

Registrieren und Überprüfen von Netzwerknamen

Herstellen und Beenden von Sitzungen

Verlässliche, verbindungsorientierte Übertragung von Sitzungsdaten

Unzuverlässige, verbindungslose Übertragung von Datagrammen

Überwachen und Verwalten von Protokollen und Adaptern

NetBIOS über TCP/IP (NetBT) sendet das NetBIOS-Protokoll über das Transmission Control Protocol (TCP) oder das User Datagram Protocol (UDP).

Der NetBT-Datenverkehr beinhaltet folgende Elemente:

NetBIOS-Sitzungsdatenverkehr über TCP-Port 139

NetBIOS-Datenverkehr zur Namensverwaltung über UDP-Port 137

NetBIOS-Datagrammdatenverkehr über UDP-Port 138

In Abbildung 11-1 ist die Architektur von NetBT-Komponenten in der TCP/IP-Protokollsuite dargestellt.

Abbildung 11-1 – NetBT in der TCP/IP-Protokollsuite

Abbildung 11-1 – NetBT in der TCP/IP-Protokollsuite
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NetBIOS-Vorgänge über IPv4 werden durch die RFCs (Requests for Comments) 1001 und 1002 definiert. NetBT ist für IPv6 nicht definiert. NetBIOS über TCP/IP wird manchmal auch als NBT bezeichnet.

Aktivieren von NetBIOS über TCP/IP

NetBT kann auf Computern, auf denen Windows Server 2003 oder Windows XP ausgeführt wird, folgendermaßen aktiviert werden: Öffnen Sie Netzwerkverbindungen. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine Verbindung und dann auf die Komponente Internetprotokoll (TCP/IP). Klicken Sie auf Eigenschaften, auf Erweitert, auf die Registerkarte WINS und dann unter NetBIOS-Einstellung auf die entsprechende Option. In Abbildung 11-2 ist die Registerkarte WINS dargestellt.

Abbildung 11-2 – Die Registerkarte 'WINS'

Abbildung 11-2 – Die Registerkarte "WINS"

Unter NetBIOS-Einstellung können Sie eine der folgenden Optionen wählen:

Standard – NetBT wird aktiviert, wenn die Netzwerkverbindung über eine statische IPv4-Adresskonfiguration verfügt. Wenn die Netzwerkverbindung DHCP (Dynamic Host Configuration Protocol) verwendet, werden die DHCP-Optionen in der empfangenen DHCPOffer-Nachricht verwendet, um entweder NetBT zu deaktivieren oder NetBT zu aktivieren und zu konfigurieren. Um NetBT mit DHCP zu deaktivieren, konfigurieren Sie die anbieterspezifische Option "NetBIOS über TCP/IP (NetBT) deaktivieren" von Microsoft mit dem Wert 2. Dies ist die Standardeinstellung für LAN-Verbindungen.

NetBIOS über TCP/IP aktivieren – NetBT wird unabhängig von den empfangenen DHCP-Optionen aktiviert. Dies ist die Standardeinstellung für Remoteverbindungen (DFÜ oder virtuelles privates Netzwerk).

NetBIOS über TCP/IP deaktivieren – NetBT wird unabhängig von den empfangenen DHCP-Optionen deaktiviert.

NetBT ist nicht erforderlich für Computer, auf denen Windows 2000, Windows XP oder Windows Server 2003 ausgeführt wird, es sei denn, Sie verwenden in Ihrem Netzwerk NetBIOS-Anwendungen, wie z. B. den Dienst Computerbrowser. Der Dienst Computerbrowser verwaltet die Liste der Computer im Fenster Microsoft Windows-Netzwerk unter Netzwerkumgebung. Anders als bei Windows-Versionen vor Windows 2000 ist für die Datei- und Druckerfreigabe unter Windows 2000, Windows XP oder Windows Server 2003 kein NetBT erforderlich.

NetBIOS-Namen

Ein NetBIOS-Name ist 16 Byte lang und identifiziert eine NetBIOS-Ressource im Netzwerk. Ein NetBIOS-Name ist entweder ein eindeutiger Name (exklusiv) oder ein Gruppenname (nicht exklusiv). Bei der Kommunikation mit einem bestimmten Vorgang auf einem Computer werden von NetBIOS-Anwendungen normalerweise eindeutige Namen verwendet. Bei der Kommunikation mit mehreren Computern zur selben Zeit werden von NetBIOS-Anwendungen Gruppennamen verwendet.

Bei der Datei- und Druckerfreigabe über die Komponente für Microsoft-Netzwerke (der Server-Dienst im Snap-In Dienste) handelt es sich z. B. um einen Dienst, der einen NetBIOS-Namen verwendet. Beim Start des Server-Dienstes wird ein eindeutiger NetBIOS-Name registriert, welcher auf dem Namen des Computers basiert. Der genaue vom Server-Dienst verwendete NetBIOS-Name ist der 15 Byte lange Computername plus einem sechzehnten Byte 0x20. Der Computername kann in der Systemsteuerung über die Option System auf der Registerkarte Computername konfiguriert werden. Wenn der Computername kürzer ist als 15 Byte, wird er von Windows durch Leerzeichen auf 15 Byte erweitert. Computernamen mit mehr als 15 Byte werden gekürzt.

Auch von anderen Netzwerkdiensten wird der Computername verwendet, um die jeweiligen NetBIOS-Namen zu erstellen. Daher kennzeichnet das sechzehnte Byte üblicherweise einen bestimmten Dienst. Andere Dienste, die NetBIOS verwenden, sind z. B. die Komponente Client für Microsoft-Netzwerke (Arbeitsstationsdienst im Snap-In Dienste) oder der Nachrichtendienst (nicht zu verwechseln mit Windows Messenger). Der Arbeitsstationsdienst (auch als Redirectordienst bezeichnet) verwendet den 15 Byte langen Computernamen plus ein sechzehntes Byte 0x00. Der Nachrichtendienst verwendet den 15 Byte langen Computernamen plus ein sechzehntes Byte 0x03.

In Abbildung 11-3 ist die Verwendung der NetBIOS-Namen durch den Server-, Arbeitsstations- und Nachrichtendienst in der NetBT-Architektur dargestellt.

Abbildung 11-3 – Beispiele für NetBIOS-Namen in der NetBT-Architektur

Abbildung 11-3 – Beispiele für NetBIOS-Namen in der NetBT-Architektur
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Wenn Sie in Windows mit dem Befehl net use oder in Windows Explorer eine Verbindung mit einem freigegebenen Ordner herstellen möchten, wird von NetBT versucht, den NetBIOS-Namen für den Server-Dienst des angegebenen Computers aufzulösen. Nachdem der NetBIOS-Name zur entsprechenden IPv4-Adresse aufgelöst wurde, kann vom Arbeitsstationsdienst auf dem Clientcomputer die Kommunikation mit dem Server-Dienst auf dem Dateiserver initiiert werden.

Der Server-, Arbeitsstations- und Nachrichtendienst sowie alle Dienste, die von diesen Diensten abhängig sind (z. B. die Dienste Computerbrowser, Verteiltes Dateisystem und Netzwerkanmeldung), registrieren NetBIOS-Namen. Windows-Netzwerkanwendungen, die auf diese Dienste zugreifen, müssen die entsprechenden NetBIOS-Namen verwenden.

Allgemeine NetBIOS-Namen

In Tabelle 11-1 werden allgemeine NetBIOS-Namen aufgelistet und beschrieben, die von den Netzwerkdiensten unter Windows Server 2003 und Windows XP verwendet werden.

Tabelle 11-1 – Allgemeine NetBIOS-Namen

Registrierter Name

Beschreibung

Computername0x00

Registrierter Name für den Arbeitsstationsdienst

Computername0x03

Registrierter Name für den Nachrichtendienst

Computername0x20

Registrierter Name für den Server-Dienst

Benutzername0x03

Name des aktuell auf dem Computer angemeldeten Benutzers. Der Benutzername wird vom Nachrichtendienst registriert, um net send-Befehle zu empfangen, die an diesen Benutzernamen gesendet werden. Wenn mehrere Benutzer mit demselben Benutzernamen (wie z. B. Administrator) angemeldet sind, wird der Name nur auf dem Computer registriert, auf dem dieser Benutzer zuerst angemeldet wurde.

Domänenname0x1B

Registrierter Domänenname für einen Domänencontroller unter Windows Server 2003

Registrieren, Auflösen und Freigeben von NetBIOS-Namen

Alle NetBT-Knoten verwenden für die Verwaltung von NetBIOS-Namen in einem IPv4-Netzwerk verschiedene Prozesse zum Registrieren, Auflösen und Freigeben von Namen.

Registrieren von Namen

Während der Initialisierung registriert ein NetBT-Host die eigenen NetBIOS-Namen unter Verwendung einer Registrierungsanforderungsnachricht (Registration Request) für NetBIOS-Namen. Bei dieser Namensregistrierung sendet ein NetBT-Host eine Broadcastnachricht an das lokale Subnetz oder eine Unicastnachricht an einen NetBIOS-Namenserver (NBNS).

Wenn es sich bei dem registrierten Namen um einen eindeutigen NetBIOS-Namen handelt und dieser Name bereits von einem anderen Host registriert wurde, antwortet entweder der Host, der den Namen zuvor registriert hat, oder der NBNS mit einer negativen Namensregistrierungsantwort. Nach dem Empfang einer negativen Antwort wird dem Benutzer vom Host normalerweise eine Fehlermeldung angezeigt.

Auflösen von Namen

Bei einem NetBIOS-Namen handelt es sich um einen Anwendungsbezeichner auf Sitzungsebene. Bei TCP/IP werden IPv4-Adressen als Bezeichner auf Netzwerkebene für eine Schnittstelle verwendet. Wenn daher eine NetBIOS-Anwendung eine NetBIOS-Verbindungsanforderung an NetBT ausgibt, muss von NetBT der NetBIOS-Name der Zielanwendung mit der IPv4-Adresse des Computers verknüpft werden, auf dem die Anwendung ausgeführt wird. Der Zuordnungsprozess eines NetBIOS-Namens zu einer IPv4-Adresse wird als NetBIOS-Namensauflösung bezeichnet.

Wenn von einer NetBIOS-Anwendung auf einem Computer unter Windows Server 2003 oder Windows XP ein Datenaustausch mit einem anderen TCP/IP-Host aufgenommen werden soll, wird zum Auflösen von der Anwendung eine NetBIOS-Name Query Request-Broadcastnachricht an das lokale Netzwerk oder eine NetBIOS-Name Query Request-Unicastnachricht an einen NBNS gesendet. In beiden Fällen enthält die NetBIOS-Name Query Request-Nachricht den NetBIOS-Namen des Zielhosts.

Als Antwort wird entweder vom benachbarten Host, der den NetBIOS-Namen registriert hat, oder von einem NBNS eine positive NetBIOS-Name Query Response-Nachricht gesendet. Wenn der NBNS keine Zuordnung für den NetBIOS-Namen gespeichert hat, wird eine negative Name Query Response-Nachricht gesendet.

Freigeben von Namen

Ein Name wird immer dann freigegeben, wenn eine NetBIOS-Anwendung beendet wird. Wenn zum Beispiel der Arbeitsstationsdienst auf einem Host unter Windows beendet wird, sendet der Host eine entsprechende Anforderung an den NBNS, damit weitere Namensabfragen für den Arbeitsstationsdienst nicht mehr beantwortet werden. Außerdem sendet der Host keine negativen Namensregistrierungsantworten mehr, wenn ein anderer Host im lokalen Subnetz versucht, den eindeutigen NetBIOS-Namen zu registrieren. Der NetBIOS-Name wird freigegeben und kann von einem anderen Host verwendet werden.

Segmentieren von NetBIOS-Namen mithilfe der NetBIOS-Bereichskennung (NetBIOS Scope ID)

Bei der NetBIOS-Bereichskennung handelt es sich um eine Zeichenfolge, die an den NetBIOS-Namen angefügt wird, um einen Bereich mit mehreren NetBT-Knoten zu isolieren. Ohne Bereichskennungen müssten für alle NetBIOS-Ressourcen im Netzwerk eindeutige NetBIOS-Namen vergeben werden. Durch die NetBIOS-Bereichskennung müssen lediglich die NetBIOS-Namen innerhalb einer festgelegten NetBIOS-Bereichskennung eindeutig sein. NetBIOS-Ressourcen innerhalb eines Bereichs werden von allen NetBIOS-Ressourcen außerhalb dieses Bereichs isoliert. Die NetBIOS-Bereichskennung auf zwei Hosts muss übereinstimmen, andernfalls ist keine Verbindung zwischen den beiden Hosts über NetBT möglich.

In Abbildung 11-4 ist eine Beispielorganisation dargestellt, in der zwei verschiedene NetBIOS-Bereiche verwendet werden: APPS und MIS.

Abbildung 11-4 – Beispiel für die Verwendung von NetBIOS-Bereichen

Abbildung 11-4 – Beispiel für die Verwendung von NetBIOS-Bereichen
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In diesem Beispiel ist ein Datenaustausch von HOST1.APPS und HOST2.APPS mit SERVER.APPS möglich, jedoch nicht mit HOST3.MIS, HOST4.MIS oder SERVER.MIS.

Durch NetBIOS-Bereiche können dieselben 16-Byte-Zeichenfolgen auf mehreren Computern als eindeutige NetBIOS-Namen verwendet werden, sofern den Computern unterschiedliche Bereichskennungen zugeordnet sind. Der NetBIOS-Bereich wird Teil des vollständigen NetBIOS-Namens. Dadurch wird der vollständige NetBIOS-Name eindeutig. Im Beispielnetzwerk in Abbildung 11-4 haben zwei Server denselben Computernamen (SERVER), ihnen sind jedoch unterschiedliche Bereichskennungen zugeordnet. Daher unterscheiden sich ihre vollständigen NetBIOS-Namen.

NetBIOS-Bereichskennungen können wie folgt festgelegt werden:

Durch Konfigurieren der DHCP-Option NetBIOS-Bereichskennung (NetBIOS Scope ID, Option 47) für DHCP-Clients

Durch Konfigurieren des Registrierungsschlüssels HKEY_LOCAL_MACHINE\System\CurrentControlSet\Services\Netbt\ScopeID auf dem lokalen Computer

Sofern Sie NetBIOS-Bereiche nicht speziell zur Trennung des NetBT-Datenverkehrs bei mehreren NetBT-Computergruppen verwenden bzw. benötigen, wird die Verwendung von NetBIOS-Bereichen nicht empfohlen.

Auflösen von NetBIOS-Namen

Bei der NetBIOS-Namensauflösung handelt es sich um die erfolgreiche Zuordnung eines NetBIOS-Namens zu einer IPv4-Adresse. Von TCP/IP für Windows Server 2003 und Windows XP kann jede der in den Tabellen 11-2 und 11-3 aufgelisteten Methoden verwendet werden, um NetBIOS-Namen aufzulösen.

Tabelle 11-2 – Standardmethoden zum Auflösen von NetBIOS-Namen

Methode

Beschreibung

NetBIOS-Namencache

Eine im RAM (Random Access Memory) gespeicherte lokale Tabelle, die die vom lokalen Computer vor kurzem aufgelösten NetBIOS-Namen mit den zugehörigen IPv4-Adressen enthält.

NBNS

Ein Server, der RFC 1001 und 1002 erfüllt und Namensauflösungen für NetBIOS-Namen bereitstellt. Bei WINS (Windows Internet Name Service) handelt es sich um die Microsoft-Implementierung eines NBNS.

Lokaler Broadcast

NetBIOS-Name Query Request-Broadcastnachrichten, die an das lokale Subnetz gesendet werden.

Tabelle 11-3 – Zusätzliche Microsoft-spezifische Methoden zum Auflösen von NetBIOS-Namen

Methode

Beschreibung

Lmhosts-Datei

Lokale Textdatei, in der NetBIOS-Namen ihren IPv4-Adressen zugeordnet werden. Die Lmhosts-Datei wird für NetBIOS-Anwendungen verwendet, die auf Computern in Remotesubnetzen ausgeführt werden.

Lokaler Hostname

Konfigurierter Hostname des Computers

DNS-Auflösungscache (DNS – Domain Name System)

Lokale RAM-basierte Tabelle, die Domänennamen- und IP-Adressenzuordnungen aus in der lokalen HOSTS-Datei aufgelisteten Einträgen enthält sowie Namen, die über DNS aufgelöst werden sollen.

DNS-Server

Server, die Datenbanken mit Zuordnungen von IP-Adressen zu Hostnamen verwalten.

Auflösen von lokalen NetBIOS-Namen unter Verwendung eines Broadcast

NetBIOS-Namen für NetBIOS-Anwendungen, die auf Hosts in einem lokalen Subnetz ausgeführt werden, können unter Verwendung einer NetBIOS-Name Query Request-Broadcastnachricht aufgelöst werden. Broadcastnachrichten werden folgendermaßen verarbeitet:

1.

Wenn eine NetBIOS-Anwendung einen NetBIOS-Namen zu einer IPv4-Adresse auslösen muss, überprüft NetBT im NetBIOS-Namencache, ob die gesuchte IPv4-Adresse für den NetBIOS-Namen der Zielanwendung verfügbar ist. Wenn der Name vor kurzem aufgelöst wurde, befindet sich im NetBIOS-Namencache des sendenden Hosts eine Zuordnung zum Zielhost, und es ist kein Broadcast erforderlich. Durch den NetBIOS-Namencache werden so überflüssige Broadcasts im lokalen Subnetz vermieden.

2.

Wenn der NetBIOS-Name nicht im NetBIOS-Namencache verfügbar ist, werden vom sendenden Host bis zu drei NetBIOS-Name Query Request-Broadcastnachrichten an das lokale Subnetz gesendet.

3.

Jeder benachbarte Host im lokalen Subnetz empfängt diese Broadcastnachrichten und überprüft daraufhin seine lokale NetBIOS-Tabelle. Dies ist eine Liste der NetBIOS-Namen, die von NetBIOS-Anwendungen auf diesem Computer registriert wurden.

4.

Der Computer, auf dem der angefragte NetBIOS-Name registriert ist, sendet eine positive NetBIOS-Name Query Response-Nachricht an den Knoten, der die NetBIOS-Name Query Request-Nachricht gesendet hat.

Sobald der sendende Host eine positive NetBIOS-Name Query Response-Nachricht empfägt, kann die Verbindung mit der NetBIOS-Zielanwendung hergestellt werden. Hierfür kann entweder ein NetBIOS-Datagramm oder eine NetBIOS-Sitzung verwendet werden.

Einschränkungen bei Broadcasts

Broadcasts werden von Routern nicht weitergeleitet. Broadcastframes bleiben auf das lokale Subnetz beschränkt. Wenn für die NetBIOS-Namensauflösung Broadcasts verwendet werden, können daher nur Namen von NetBIOS-Prozessen aufgelöst werden, die auf Knoten im lokalen Subnetz ausgeführt werden.

Einige Router bieten die Möglichkeit, die NetBT-Broadcastweiterleitung (UDP-Ports 137 und 138) zu aktivieren. Es wird jedoch dringend davon abgeraten, die NetBT-Broadcastweiterleitung zu aktivieren, um die NetBIOS-Namensauflösung zu vereinfachen.

Auflösen von Namen mit einem NetBIOS-Namenserver (NBNS)

Um NetBIOS-Namen von NetBIOS-Anwendungen aufzulösen, die auf lokalen Computern oder auf Remotecomputern ausgeführt werden, wird bei NetBT normalerweise ein NBNS verwendet. Wenn ein NBNS verwendet wird, erfolgt die Namensauflösung wie folgt:

1.

NetBT überprüft den NetBIOS-Namencache auf Zuordnungen von NetBIOS-Namen zu IPv4-Adressen.

2.

Wenn der Name mit dem NetBIOS-Namencache nicht aufgelöst werden kann, sendet NetBT eine NetBIOS-Name Query Request-Unicastnachricht an den NBNS, die den NetBIOS-Namen der Zielanwendung enthält.

3.

Wenn der NBNS den NetBIOS-Namen zu einer IPv4-Adresse auflösen kann, gibt der NBNS die IPv4-Adresse an den sendenden Host mit einer positiven NetBIOS-Name Query Response-Nachricht zurück. Wenn der NBNS den NetBIOS-Namen nicht zu einer IPv4-Adresse auflösen kann, sendet der NBNS eine negative NetBIOS-Name Query Response-Nachricht.

In der Standardeinstellung wird auf einem Computer unter Windows Server 2003 oder Windows XP dreimal versucht, den primären NBNS-Server (ein WINS-Server) zu finden. Wenn keine Antwort empfangen wird oder eine negative NetBIOS-Name Query Response-Nachricht das Fehlschlagen der Namensauflösung anzeigt, versucht ein Computer unter Windows, zusätzliche WINS-Server zu kontaktieren.

Wenn der sendende Host eine positive NetBIOS-Name Query Response-Nachricht empfängt, kann der Datenaustausch zwischen dem Host und der NetBIOS-Zielanwendung aufgenommen werden. Hierfür kann entweder ein NetBIOS-Datagramm oder eine NetBIOS-Sitzung verwendet werden.

Methoden zum Auflösen von NetBIOS-Namen unter Windows

Auf Computern, auf denen Windows Server 2003 oder Windows XP ausgeführt wird, können NetBIOS-Namen auch unter Verwendung der Lmhosts-Datei, des lokalen Hostnamens, des DNS-Clientauflösungscaches oder des DNS-Servers aufgelöst werden. NetBT unter Windows Server 2003 und Windows XP verwendet das folgende Verfahren:

1.

Wenn eine NetBIOS-Anwendung einen NetBIOS-Namen zu einer IPv4-Adresse auflösen muss, sucht NetBT im NetBIOS-Namencache nach der Zuordnung des NetBIOS-Namens zur IPv4-Adresse des Zielhosts. Wenn NetBT eine Zuordnung findet, wird der NetBIOS-Name aufgelöst, ohne Netzwerkaktivität zu verursachen.

2.

Wenn der Name nicht mit den Einträgen im NetBIOS-Namencache aufgelöst werden kann, versucht NetBT, den Namen durch drei NetBIOS-Namensabfragen an jeden konfigurierten NBNS aufzulösen.

3.

Wenn die konfigurierten NBNSs keine positive Antwort zurücksenden, gibt NetBT bis zu drei Broadcastabfragen an das lokale Netzwerk aus.

4.

Wenn keine positive Antwort erfolgt und das Kontrollkästchen LMHOSTS-Abfrage aktivieren auf der Registerkarte WINS aktiviert ist, überprüft NetBT die Lmhosts-Datei. Weitere Informationen finden Sie in diesem Kapitel unter "Verwenden der Lmhosts-Datei".

5.

Wenn der NetBIOS-Name nicht mithilfe der Lmhosts-Datei aufgelöst werden kann, versucht Windows, den Namen durch Mechanismen zur Hostnamensauflösung zu ermitteln. NetBT wandelt den NetBIOS-Namen in einen unvollständigen Domänennamen mit einer Bezeichnung um, indem die ersten 15 Byte des NetBIOS-Namens übernommen und Leerzeichen am Namensende entfernt werden. Für den NetBIOS-Namen FILESRV1 [20] wäre der unvollständige Domänennamen mit einer Bezeichnung beispielsweise filesrv1. Der erste Schritt bei der Hostnamensauflösung ist ein Vergleich mit dem lokalen Hostnamen.

6.

Wenn der umgewandelte NetBIOS-Name nicht mit dem lokalen Hostnamen übereinstimmt, überprüft der DNS-Client-Dienst den DNS-Clientauflösungscache.

7.

Wenn der Name nicht im DNS-Clientauflösungscache verfügbar ist, versucht der DNS-Client-Dienst den Namen durch das Senden von Suchabfragen an einen DNS-Server aufzulösen. Der DNS-Client-Dienst erzeugt vollqualifizierte Namen aus dem umgewandelten NetBIOS-Namen (unvollständiger Domänenname mit einer Bezeichnung) und verwendet hierbei die in Kapitel 9, "Windows-Unterstützung für DNS", beschriebenen Verfahren.

In Abbildung 11-5 finden Sie eine Darstellung der Methoden zum Auflösen von NetBIOS-Namen unter Windows.

Abbildung 11-5 – Methoden zum Auflösen von NetBIOS-Namen unter Windows

Abbildung 11-5 – Methoden zum Auflösen von NetBIOS-Namen unter Windows
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Wenn der NetBIOS-Name durch keine dieser Methoden aufgelöst werden kann, meldet NetBT einen Fehler an die anfordernde NetBIOS-Anwendung zurück. Normalerweise wird dem Benutzer daraufhin ebenfalls eine Fehlermeldung angezeigt.

NetBIOS-Knotentypen

Unter Windows Server 2003 und Windows XP werden alle NetBIOS-Knotentypen unterstützt, die in den RFCs 1001 und 1002 definiert sind. NetBIOS-Namen werden von jedem Knotentyp unterschiedlich aufgelöst. In Tabelle 11-4 werden die NetBIOS-Knotentypen aufgelistet und beschrieben.

Tabelle 11-4 – NetBIOS-Knotentypen

Knotentyp

Beschreibung

B-Knoten (Broadcast)

Verwendet Broadcasts zur Namensregistrierung und -auflösung. Da Router NetBT-Broadcasts normalerweise nicht weiterleiten, können NetBIOS-Ressourcen, die sich in Remotesubnetzen befinden, nicht aufgelöst werden.

P-Knoten (Peer-to-Peer)

Verwendet einen NBNS, wie z. B. WINS, um NetBIOS-Namen aufzulösen. P-Knoten verwenden keine Broadcasts, sondern es erfolgt direkt eine Abfrage des NBNS. Da keine Broadcasts verwendet werden, können auch NetBIOS-Ressourcen aufgelöst werden, die sich in Remotesubnetzen befinden. Wenn der NBNS jedoch nicht verfügbar ist, schlagen NetBIOS-Namensauflösungen für alle NetBIOS-Namen fehl, selbst bei NetBIOS-Anwendungen, die sich im lokalen Subnetz befinden.

M-Knoten (gemischt)

Eine Kombination von B- und P-Knoten. In der Standardeinstellung arbeitet ein M-Knoten genau wie ein B-Knoten. Wenn die Broadcast-Namensabfrage nicht erfolgreich ist, verwendet NetBT einen NBNS.

H-Knoten (hybrid)

Eine Kombination von P- und B-Knoten. In der Standardeinstellung arbeitet ein H-Knoten genau wie ein P-Knoten. Wenn die Unicast-Namensabfrage an den NBNS nicht erfolgreich ist, verwendet NetBT einen Broadcast.

Von Microsoft verbesserter B-Knoten

Ein B-Knoten in Kombination mit einer lokalen Lmhosts-Datei. Wenn die Broadcast-Namensabfrage nicht erfolgreich ist, überprüft NetBT die lokale Lmhosts-Datei.

In der Standardeinstellung wird für NetBT auf Computern unter Windows Server 2003 und Windows XP der von Microsoft verbesserte B-Knotentyp verwendet, wenn keine WINS-Server konfiguriert sind. Wenn einer oder mehrere WINS-Server konfiguriert sind, verwendet NetBT den H-Knotentyp.

Sie können dieses Standardverhalten ändern und den NetBIOS-Knotentyp wie folgt konfigurieren:

Durch Festlegen der DHCP-Option WINS/NBT-Knotentyp (Option 46) auf den Wert 1 (von Microsoft verbesserter B-Knoten), 2 (P-Knoten), 4 (M-Knoten) oder 8 (H-Knoten)

Durch Setzen des Registrierungswertes HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Services\Netbt\Parameters\NodeType auf 1 (von Microsoft verbesserter B-Knoten), 2 (P-Knoten), 4 (M-Knoten) oder 8 (H-Knoten)

Verwenden der Lmhosts-Datei

Bei der Lmhosts-Datei handelt es sich um eine statische Textdatei mit NetBIOS-Namen und IPv4-Adressen. NetBT verwendet die Lmhosts-Datei, um NetBIOS-Namen für NetBIOS-Anwendungen aufzulösen, die auf Remotecomputern in einem Netzwerk ohne NBNS ausgeführt werden. Die Lmhosts-Datei weist folgende Merkmale auf:

Einträge bestehen aus einer IPv4-Adresse und einem NetBIOS-Computernamen. Zum Beispiel:

131.107.7.29     emailsrv1

Bei den Einträgen wird nicht zwischen Groß- und Kleinschreibung unterschieden.

Auf jedem Computer befindet sich jeweils eine eigene Datei im Ordner systemverzeichnis\System32\Drivers\Etc.

Dieser Ordner enthält auch eine Lmhosts-Beispieldatei (Lmhosts.sam). Sie können eine andere Datei mit dem Namen Lmhosts erstellen oder Lmhosts.sam in diesem Ordner nach Lmhosts kopieren.

In der Standardeinstellung wird unter Windows Server 2003 und Windows XP die Lmhosts-Datei (falls vorhanden) für die NetBIOS-Namensauflösung verwendet. Sie können die Prüfung der Lmhosts-Datei deaktivieren, indem Sie im Dialogfeld Erweiterte TCP/IP-Einstellungen auf der Registerkarte WINS das Kontrollkästchen LMHOSTS-Abfrage aktivieren deaktivieren, wie in Abbildung 11-2 dargestellt.

Vordefinierte Schlüsselwörter

Die Lmhosts-Datei kann vordefinierte Schlüsselwörter mit dem Präfix "#" enthalten. In Tabelle 11-5 sind die möglichen Lmhosts-Schlüsselwörter aufgelistet.

Tabelle 11-5 – Lmhosts-Schlüsselwörter

Schlüsselwort

Beschreibung

#PRE

Legt fest, welche Einträge bereits zu Anfang als permanente Einträge in den NetBIOS-Namencache geladen werden sollen. Durch vorher geladene Einträge werden Netzwerkbroadcasts reduziert, da Namen ggf. über den Cache anstatt durch Broadcastabfragen aufgelöst werden können. Einträge mit einem #PRE-Tag werden entweder automatisch geladen, wenn TCP/IP gestartet wird, oder manuell über den Befehl nbtstat –R.

#DOM:Domänenname

Identifiziert Computer für Windows-Domänenaktivitäten, wie z. B. Anmeldungsüberprüfung, Kontensynchronisierung und das Suchen von Computern.

#NOFNR

Umgeht die Verwendung von Unicast-NetBIOS-Namensabfragen für ältere Computer, auf denen LAN-Manager für UNIX ausgeführt wird.

#INCLUDE Pfad\Dateiname

Lädt und sucht Einträge in der Datei Pfad\Dateiname, einer zentralen, freigegebenen Lmhosts-Datei. Es wird empfohlen, Dateipfade unter Verwendung eines UNC-Pfades (Universal Naming Convention), wie z. B. \\fileserv1\public anzugeben. Um auf Freigaben zugreifen zu können, müssen die Computernamen der Remoteserver für diese Freigaben in der lokalen Lmhosts-Datei vorhanden sein.

#BEGIN_ALTERNATE und #END_ALTERNATE

Festlegen einer Liste von alternativen Speicherorten für Lmhosts-Dateien

#MH

Hinzufügen von mehreren Einträgen für einen mehrfach vernetzten Computer

Da die Lmhosts-Datei sequenziell gelesen wird, sollten die Computer, auf die am häufigsten zugegriffen wird, als erste Dateieinträge und die Einträge mit dem #PRE-Tag zuletzt hinzugefügt werden. Die #PRE-Einträge werden in den NetBIOS-Namencache geladen und dann nicht mehr benötigt, wenn NetBT die Lmhosts-Datei nach dem Start überprüft. Wenn #PRE-Einträge in der Datei zuletzt aufgeführt werden, kann die Lmhosts-Datei von NetBT schneller nach anderen NetBIOS-Namen durchsucht werden.

Verwenden einer zentralisierten Lmhosts-Datei

NetBT kann auch Lmhosts-Dateien durchsuchen, die sich auf anderen Computern befinden. Dadurch kann eine zentralisierte Lmhosts-Datei verwaltet werden, auf die über eine lokale Lmhosts-Datei eines Benutzers zugegriffen werden kann. Um eine zentralisierte Lmhosts-Datei zu verwenden, muss weiterhin auf jedem Computer eine lokale Lmhosts-Datei vorhanden sein.

Um auf eine zentralisierte Lmhosts-Datei zuzugreifen, muss in der lokalen Lmhosts-Datei eines Computers ein Eintrag mit dem #INCLUDE-Tag und dem Speicherort der zentralisierten Datei hinzugefügt werden. Beispiel:

#INCLUDE  \\Bootsrv3\Public\Lmhosts

In diesem Beispiel fügt NetBT beim Auflösen eines Remote-NetBIOS-Namens zu einer IPv4-Adresse die Lmhosts-Datei aus dem freigegebenen Ordner "Public" auf dem Server "Bootsrv3" ein.

NetBT durchsucht die zentralisierte Lmhosts-Datei, bevor sich ein Benutzer auf dem Computer anmeldet. Da dem Computer zu diesem Zeitpunkt noch kein Benutzername zugeordnet ist, wird beim Zugriff auf den freigegebenen Ordner mit der zentralen Lmhosts-Datei ein leerer Benutzername in den Anmeldeinformationen verwendet.

Um diesen Zugriff ohne Benutzernamen auf einen freigegebenen Ordner mit einer Lmhosts-Datei zu erlauben, geben Sie den Namen des Ordners als Zeichenfolgenwert im Registrierungswert HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet \Services\Lanmanserver \Parameters\NullSessionShares auf dem Server ein, auf dem Windows Server 2003 oder Windows XP ausgeführt und der freigegebene Ordner bereitgestellt wird. Starten Sie anschließend den Server-Dienst neu. Wenn dieser Registrierungswert nicht gesetzt wird, kann auf die remote Lmhosts-Datei erst zugegriffen werden, sobald sich ein autorisierter Benutzer auf dem Computer angemeldet hat.

Mit den Tags #BEGIN_ALTERNATE und #END_ALTERNATE kann bei der Suche nach Zuordnungen von NetBIOS-Namen zu IPv4-Adressen ein Block von Lmhosts-Remotespeicherorten eingefügt werden. Diese Technik wird als Blockeinfügung (Block Inclusion) bezeichnet. Beispiel:

#BEGIN_ALTERNATE
#INCLUDE  \\Bootsrv3\Public\Lmhosts
#INCLUDE  \\Bootsrv4\Public\Lmhosts
#INCLUDE  \\Bootsrv9\Public\Lmhosts
#END_ALTERNATE

Wenn NetBT eine Blockeinfügung verwendet, wird lediglich die erste verfügbare Lmhosts-Datei des Blocks durchsucht. NetBT greift nicht auf weitere Lmhosts-Dateien zu, selbst wenn die erste verfügbare Lmhosts-Datei den gesuchten Namen nicht enthält. Durch die Blockeinfügung wird eine Fehlertoleranz für zentrale Lmhosts-Dateien bereitgestellt.

Erstellen von Lmhosts-Einträgen für spezifische NetBIOS-Namen

Ein typischer Eintrag in der Lmhosts-Datei für einen NetBIOS-Computernamen ermöglicht das Auflösen der drei NetBIOS-Namen:

Computername[00]

Computername[03]

Computername[20]

Diese Namen beziehen sich auf den Arbeitsstations-, den Server- und den Nachrichtendienst.

Häufig müssen jedoch auch spezifische 16 Byte-NetBIOS-Namen für NetBIOS-Anwendungen auf Remotecomputern aufgelöst werden. Hierzu können Sie in der Lmhosts-Datei einen beliebigen 16 Byte-NetBIOS-Namen mit folgender Syntax konfigurieren:

IPv4-Adresse "NameLeerzeichen\0xN"

Wobei:

IPv4-Adresse die IPv4-Adresse bezeichnet, zu der dieser NetBIOS-Name aufgelöst wird.

Name den ersten Teil des NetBIOS-Namens (bis zu 15 Byte) bezeichnet.

Die Leerzeichen werden benötigt, um sicherzustellen, dass der vollständige NetBIOS-Name genau 16 Byte lang ist. Wenn der Name kürzer ist als 15 Byte, muss er mit Leerzeichen auf 15 Byte erweitert werden.

N gibt in zweistelliger Hexadezimaldarstellung das sechzehnte Byte des NetBIOS-Namens an. Mit der Syntax \0xN kann jedes beliebige Byte im NetBIOS-Namen dargestellt werden, meistens wird sie jedoch speziell für das sechzehnte Zeichen verwendet.

Es soll zum Beispiel ein Eintrag erstellt werden, mit dem ein Client für die Suche nach Computern den NetBIOS-Namen Domäne0x1B auflösen kann. Bei Domäne0x1B handelt es sich um einen NetBIOS-Namen, der von den Hauptsuchdienstservern der Domäne (Domain Master Browse Servers) registriert wurde, und bestimmte Situationen bei der Computersuche erfordern das erfolgreiche Auflösen des NetBIOS-Namens Domäne0x1B. Der Lmhosts-Dateieintrag für den NetBIOS-Domänennamen EXAMPLE und die IPv4-Adresse 131.107.4.31 würde beispielsweise folgendermaßen aussehen:

131.107.4.31     "EXAMPLE        \0x1B"

Probleme beim Auflösen von Namen mit "Lmhosts"

Dies sind die häufigsten Probleme beim Auflösen von NetBIOS-Namen unter Verwendung der Lmhosts-Datei:

In der Lmhosts-Datei befindet sich kein Eintrag für einen Remote-NetBIOS-Namen.

Überprüfen Sie, ob die Zuordnungen von IPv4-Adressen zu NetBIOS-Namen aller Remotehosts, die vom Computer zum Zugriff benötigt werden, der Lmhosts-Datei hinzugefügt wurden.

Der NetBIOS-Name wurde in der Lmhosts-Datei falsch geschrieben.

Überprüfen Sie die Schreibweise jedes Namens nach dem Hinzufügen.

Die IPv4-Adresse für den NetBIOS-Namen ist ungültig.

Überprüfen Sie, ob die IPv4-Adresse für den entsprechenden NetBIOS-Namen gültig ist.

Die Lmhosts-Datei enthält mehrere Einträge für denselben NetBIOS-Namen.

Stellen Sie sicher, dass jeder Eintrag in der Lmhosts-Datei eindeutig ist. Wenn die Datei doppelte Namen enthält, verwendet NetBT den ersten Namen, der in der Datei aufgelistet ist. NetBT wird die Lmhosts-Datei nicht nach zusätzlichen Einträgen durchsuchen.

Verwenden Sie eine NetBIOS-Anwendung (z. B. den Befehl nbtstat -a), um einen Eintrag in der Lmhosts-Datei zu prüfen. So können Sie sicherstellen, dass der Eintrag richtig hinzugefügt wurde.

Das Nbtstat-Tool

Bei dem Nbtstat-Tool handelt es sich um das wichtigste Tool zum Sammeln von NetBT-Informationen beim Beheben von Problemen mit NetBIOS-Namen. In Tabelle 11-6 sind die am häufigsten verwendeten Nbtstat-Optionen aufgelistet.

Tabelle 11-6 – Allgemeine Nbtstat-Optionen

Option

Beschreibung

-n

Zeigt die NetBIOS-Namentabelle des lokalen Computers an. Verwenden Sie diese Option, um die NetBIOS-Anwendungen zu ermitteln, die auf dem lokalen Computer ausgeführt werden, sowie ihre entsprechenden eindeutigen Namen und Gruppennamen für NetBIOS.

-a RemoteComputername oder
-A IPv4Adresse

Zeigt die NetBIOS-Namentabelle eines Remotecomputers nach dessen Name oder IPv4-Adresse an. Verwenden Sie diese Option, um die NetBIOS-Anwendungen zu ermitteln, die auf dem Remotecomputer ausgeführt werden, sowie ihre entsprechenden eindeutigen Namen und Gruppennamen für NetBIOS.

-c

Zeigt den NetBIOS-Namencache des lokalen Computers an.

-R

Manuelles Löschen und erneutes Laden des NetBIOS-Namencaches mit allen Einträgen in der Lmhosts-Datei, bei denen der Parameter #PRE angegeben ist.

-RR

Freigeben und erneutes Registrieren aller lokalen NetBIOS-Namen beim NBNS (WINS-Server). Diese Option wird beim Beheben von Problemen mit der WINS-Registrierung verwendet.

Kapitelzusammenfassung

Dieses Kapitel enthält die folgenden Schlüsselinformationen:

Bei NetBIOS handelt es sich um eine Standard-API auf Sitzungsebene, mit der Benutzeranwendungen Dienste bereits installierter Netzwerkprotokollstacks nutzen können. NetBIOS definiert darüber hinaus Protokolle für die Sitzungsverwaltung und den Datentransport.

Ein NetBIOS-Name hat eine Länge von 16 Byte und identifiziert entweder eine eindeutige NetBIOS-Anwendung oder eine NetBIOS-Gruppenanwendung in einem Netzwerk.

Die NetBIOS-Namensverwaltung umfasst Mechanismen zur Registrierung, Auflösung und Freigabe von NetBIOS-Namen.

NetBT stellt NetBIOS-Dienste für Sitzungen, Namensverwaltung und Datagrammübertragungen für NetBIOS-Anwendungen bereit, die in einem IPv4-Netzwerk ausgeführt werden. NetBT ist für Computer unter Windows XP oder Windows Server 2003 nur erforderlich, wenn NetBIOS-Anwendungen ausgeführt werden.

NetBT unter Windows XP und Windows Server 2003 kann den NetBIOS-Namencache, einen NBNS, Broadcasts, die Lmhosts-Datei, den lokalen Hostnamen, den DNS-Clientauflösungscache sowie DNS-Server verwenden, um NetBIOS-Namen aufzulösen.

NetBT unter Windows XP und Windows Server 2003 verwendet einen von Microsoft verbesserten B-Knotentyp (wenn keine WINS-Server konfiguriert sind) oder den H-Knotentyp (wenn einer oder mehrere WINS-Server konfiguriert sind).

Die Lmhosts-Datei ist eine statische Textdatei mit NetBIOS-Namen und IPv4-Adressen, die von NetBT verwendet wird, um NetBIOS-Namen für NetBIOS-Anwendungen auf Remotecomputern aufzulösen.

Bei dem Nbtstat-Tool handelt es sich um das primäre Tool zum Sammeln von NetBT-Informationen beim Beheben von Problemen mit NetBIOS-Namen.

Kapitelglossar

DNS – Siehe "Domain Name System (DNS)".

DNS-Clientauflösungscache (Client Resolver Cache) – Eine RAM-basierte Tabelle, die sowohl die Einträge in der Hostdatei als auch Ergebnisse der vor kurzem durchgeführten DNS-Namensabfragen beinhaltet.

DNS-Server – Ein Server, der eine Datenbank mit Zuordnungen von DNS-Domänennamen zu verschiedenen Datentypen, wie z. B. IP-Adressen, verwaltet.

Domain Name System (DNS) – Eine hierarchische, verteilte Datenbank, die Zuordnungen von DNS-Domänennamen zu verschiedenen Datentypen, wie z. B. IP-Adressen, enthält. Mithilfe von DNS können Benutzer beschreibende und leicht zu merkende Namen für Computer und Dienste angeben. Durch DNS wird außerdem das Auffinden verschiedener anderer Informationen in der DNS-Datenbank ermöglicht.

Hostname – Der Name eines Computers oder Geräts in einem Netzwerk. Benutzer können Computer in einem Netzwerk über ihre Hostnamen angeben. Damit ein Computer gefunden werden kann, muss sein Hostname in der Hosts-Datei eingetragen oder einem DNS-Server bekannt sein. Für die meisten Computer, auf denen Windows ausgeführt wird, entspricht der Hostname dem Computernamen.

Hostnamensauflösung – Der Vorgang des Auflösens eines Hostnamens zu einer Ziel-IP-Adresse.

Hosts-Datei – Eine lokale Textdatei im gleichen Format wie die Datei /etc/hosts aus der Distribution "4.3 Berkeley Software Distribution (BSD) UNIX". Diese Datei weist Hostnamen IP-Adressen zu und ist im Ordner systemverzeichnis\System32\Drivers\Etc gespeichert.

Lmhosts-Datei – Eine lokale Textdatei, die NetBIOS-Namen zu IP-Adressen für Hosts zuordnet, die sich in Remotesubnetzen befinden. Bei Computern, auf denen Windows ausgeführt wird, befindet sich diese Datei im Ordner systemverzeichnis\System32\Drivers\Etc.

NBNS – Siehe "NetBIOS-Namenserver (NBNS)".

NetBIOS – Siehe "Network Basic Input/Output System (NetBIOS)".

NetBIOS-Name - Ein 16 Byte langer Name für eine Anwendung, die das "Network Basic Input/Output System" (NetBIOS) verwendet.

NetBIOS-Namencache – Eine dynamisch verwaltete Tabelle, in der vor kurzem aufgelöste NetBIOS-Namen und ihre zugeordneten IPv4-Adressen gespeichert werden.

NetBIOS-Namensauflösung – Die Zuordnung eines NetBIOS-Namens zu einer IPv4-Adresse.

NetBIOS-Namenserver (NBNS) – Ein Server, auf dem Zuordnungen von NetBIOS-Namen zu IPv4-Adressen gespeichert werden. Dieser Server führt NetBIOS-Namensauflösungen für NetBIOS-fähige Hosts aus. Bei dem WINS-Serverdienst handelt es sich um die Microsoft-Implementierung eines NBNS.

NetBIOS-Knotentyp – Bezeichnung für die bestimmte Methode, mit der ein NetBIOS-Knoten NetBIOS-Namen auflöst.

NetBIOS über TCP/IP (NetBT) – Die Implementierung des NetBIOS-Sitzungsprotokolls über TCP/IP (nur IPv4). Diese Implementierung stellt eine Registrierung und Überprüfung von Netzwerknamen, das Herstellen und Beenden von Sitzungen sowie Datenübertragungsdienste für verlässliche, verbindungsorientierte Sitzungen und unzuverlässige, verbindungslose Datagramme bereit.

NetBT – Siehe "NetBIOS über TCP/IP (NetBT)".

Network Basic Input/Output System (NetBIOS) – Eine Standard-API für Benutzeranwendungen, um E/A-Operationen im Netzwerk zu realisieren und Kontrollanweisungen an die zugrunde liegende Netzwerkprotokollsoftware zu senden. Darüber hinaus wird ein Protokoll für die Sitzungsebene bereitgestellt.

Windows Internet Name Service (WINS) – Die Microsoft-Implementierung eines NBNS.

WINS – Siehe "Windows Internet Name Service (WINS)".


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