Zusammenfassung In diesem Anhang wird das Simple Network Management Protocol (SNMP) beschrieben und wie es in den Betriebssystemen Microsoft® Windows Server™ 2003 und Windows® XP unterstützt wird. Mit SNMP werden in Unternehmensnetzwerken zahlreiche unterschiedliche Netzwerkgeräte verwaltet. Netzwerkadministratoren müssen mit der Funktionsweise von SNMP vertraut sein, um mit dieser Technologie Computer, auf denen Windows Server 2003 oder Windows XP ausgeführt wird, in eine SNMP-verwaltete Umgebung zu integrieren. Auf dieser Seite
SNMP im ÜberblickSNMP ist ein Netzwerkverwaltungsprotokoll sowie eine Netzwerkverwaltungsinfrastruktur, die in IP-Netzwerken vielfach eingesetzt wird. Entwickelt wurde sie zuerst von Internetanwendern zur Überwachung von Routern und Bridges und zur Behebung technischer Probleme dieser Geräte. Mit SNMP können Netzwerkadministratoren Netzwerkgeräte (Arbeitsstationen bzw. Servercomputer, Router, Switches, Drahtloszugriffspunkte) verwalten. SNMP eignet sich für folgende Zwecke:
Die Architektur von SNMP umfasst die folgenden verteilten Komponenten:
Abbildung B-1 zeigt eine Beispielinstallation von SNMP in einem Netzwerk. SNMP ist im Standard RFC 1157 definiert. Management Information BaseWelche Informationen ein Agent sammeln und ein Verwaltungssystem von einem Agenten anfordern kann, ist in der Management Information Base (MIB) festgelegt. Eine MIB ist ein Satz verwaltbarer Objekte, die verschiedene Arten von Informationen über ein Netzwerkgerät darstellen (z. B. Anzahl der aktiven Sitzungen, Version der Netzwerkbetriebssystem-Software, die auf dem Host ausgeführt wird). SNMP-Verwaltungssysteme und SNMP-Agenten interpretieren MIB-Objekte gleich. Der Agent speichert Informationen über die Objekte einer bestimmten MIB, und das Verwaltungssystem ruft die Informationen aus der MIB über den Agenten ab. Hierarchische NamensstrukturNamespaces von MIB-Objekten sind hierarchisch aufgebaut. Sie sind so strukturiert, dass jedem verwaltbaren Objekt ein global eindeutiger Name zugewiesen werden kann. Wenn nun ein Verwaltungssystem von einem Objekt eine Dateneinheit anfordert, fügt sie in die Anforderung einen global eindeutigen Namen ein. Teile des Namespace sind einzelnen Unternehmen vorbehalten. Dadurch wird sichergestellt, dass Unternehmen neuen Objekten Namen zuweisen können, ohne sich vor jeder Zuweisung bei einer Internetinstitution erkundigen zu müssen. So lautet beispielsweise der Namespace für "LAN Manager MIB II" 1.3.6.1.4.1.77 (LAN Manager ist ein veraltetes Betriebssystem von Microsoft). Microsoft wurde auch der Namespace 1.3.6.1.4.1.311 zugewiesen. Dies ist zugleich die Verzweigung, unter der alle neuen MIBs für Microsoft-spezifische Technologien erstellt werden. Microsoft ist berechtigt, allen Objekten, die sich unterhalb dieses Namespace-Abschnitts befinden, Namen zuzuweisen. Abbildung B-2 zeigt einen Abschnitt der hierarchischen SNMP-Namensstruktur. Der Objektbezeichner der Hierarchie wird als Abfolge von Zahlenbezeichnungen geschrieben; diese beginnt am Stamm und endet am Objekt. Die Bezeichnungen werden durch Punkte voneinander getrennt. So lautet der Objektbezeichner für "MIB II" 1.3.6.1.2.1, was dem Objektnamen "iso.org.dod.internet.management.mibii" entspricht. Der Objektbezeichner für "LAN Manager MIB II" lautet 1.3.6.1.4.1.77, was dem Objektnamen "iso.org.dod.internet.private.enterprise.lanmanager" entspricht. Der Namespace, mit dem Objektbezeichner zugeordnet werden, ist ein anderer als der hierarchische Namespace, der zu Domänennamen des Domain Name System (DNS) gehört. SNMP-NachrichtenIn SNMP werden die folgenden Nachrichten versendet:
Die Nachrichten Get-request, Get-next-request, Getbulk-request und Set-request werden von einem Verwaltungssystem per bestimmter UDP-Nachricht an die IPv4-Adresse des Agenten und an den Ziel-UDP-Port 161 gesendet. Trap-Nachrichten an das Verwaltungssystem werden vom Agenten als bestimmte UDP-Nachricht an die IPv4-Adresse des Verwaltungssystems und den Ziel-UDP-Port 162 versendet. Abbildung B-3 zeigt, wie der Nachrichtenaustausch zwischen einem SNMP-Verwaltungssystem und einem SNMP-Agenten funktioniert. ![]() Abbildung B-3: Nachrichtenaustausch zwischen einem SNMP-Verwaltungssystem und einem SNMP-AgentenAbbildung vergrößern Alle SNMP-Nachrichten werden ohne Datenschutz versendet. Wenn Sie Nachrichten, die zwischen SNMP-Verwaltungssystemen und -Agenten ausgetauscht werden, schützen möchten, müssen Sie sie per Internet Protocol Security (IPsec) versenden. Hierfür müssen jedoch sowohl das Verwaltungssystem als auch der Agent IPsec unterstützen. Weitere Informationen zu IPsec finden Sie in Kapitel 13, "Internet Protocol Security (IPsec) und Paketfilterung". SNMP-CommunitysVerwaltungssysteme und Agenten gehören einer SNMP-Community an, also mehreren Hosts, die aus verwaltungstechnischen Gründen zusammengefasst wurden. Agenten, die Anforderungen erhalten und Trap-Nachrichten versenden sowie Verwaltungssysteme, die Anforderungen versenden und Trap-Nachrichten erhalten, können über den Communitynamen eine Kontextprüfung durchführen. So nehmen Agenten keine Anforderungen eines Verwaltungssystems an, das sich außerhalb der konfigurierten Community befindet. Genauso nehmen Verwaltungssysteme keine Trap-Nachrichten eines Agenten an, der sich außerhalb der konfigurierten Community befindet. Communitynamen dienen in erster Linie als Organisationshilfe und nicht als Datenschutzmaßnahme. SNMP-Nachrichten werden normalerweise ohne IPsec-Schutz versendet. Böswillige Benutzer könnten deshalb ungeschützte SNMP-Nachrichten auffangen, den SNMP-Communitynamen ermitteln und eigene SNMP-Nachrichten mit dem korrekten Communitynamen versenden. Communitynamen stehen in keinerlei Beziehung zu Domain- oder Arbeitsgruppennamen. Communitynamen stellen für Gruppen der Komponenten von SNMP-Infrastrukturen einen benannten Kontext dar. Agenten und Verwaltungssysteme können mehreren Communitys angehören. Administrative Elemente von SNMP-Infrastrukturen können dadurch flexibler konfiguriert werden. Abbildung B-4 zeigt zwei definierte Communitys (IT und Admin). Nur die Agenten und Verwaltungssysteme, die Mitglied derselben Community sind, können miteinander kommunizieren. Beispiel:
Der Standardname für viele SNMP-Agenten lautet "Public". Für den SNMP-Dienst für Windows Server 2003 existiert kein konfigurierter SNMP-Communityname. Der SNMP-Dienst für Windows XP trägt den Standardnamen "Public". So funktioniert SNMPAnhand der folgenden Schritte wird beschrieben, wie SNMP eine typische Get-Operation ausführt:
In Abbildung B-5 ist der beschriebene Prozess dargestellt. Der SNMP-Dienst von WindowsDer SNMP-Dienst in Windows Server 2003 und Windows XP ist SNMP-Agentensoftware, die Informationen an Verwaltungssysteme sendet, die SNMP-Verwaltungssoftware ausführen. Der SNMP-Dienst:
Der SNMP-Dienst von Windows ist eine Windows Sockets-Anwendung. Er stellt eine interne Infrastruktur bereit, die Entwicklern von Drittanbietersoftware und -hardware ermöglicht, eigene MIBs für den SNMP-Dienst von Windows zu entwickeln bzw. die Entwicklung von Anwendungen für SNMP-Verwaltungssysteme ermöglicht. Der SNMP-Dienst von Windows Server 2003 unterstützt die folgenden MIBs:
Installieren und Konfigurieren des SNMP-DienstesFühren Sie folgende Schritte aus, um den SNMP-Dienst unter Windows Server 2003 und Windows XP zu installieren:
Der SNMP-Dienst wird nach der Installation automatisch gestartet. Im Gegensatz zu vielen anderen Diensten von Windows gibt es für den SNMP-Dienst kein dazugehöriges Snap-In. Die Konfiguration des SNMP-Dienstes wird über zusätzliche Registerkarten im Eigenschaftenfenster des SNMP-Dienstes im Dienste-Snap-In durchgeführt. Führen Sie folgende Schritte aus, um den SNMP-Dienst zu konfigurieren:
Sie konfigurieren den SNMP-Dienst über die folgenden Registerkarten:
Registerkarte "Agent"Auf der Registerkarte Agent können Sie eine Kontaktperson und den physischen Standort des Computers festlegen sowie über die Kontrollkästchen angeben, welche Informationstypen der SNMP-Dienst sammeln soll. Standardmäßig sind die Kategorien Applications (Anwendungen) Internet und End-to-end aktiviert. Auf Abbildung B-6 ist die Registerkarte Agent abgebildet. ![]() Abbildung B-6: SNMP-Diensteinstellungen auf der Registerkarte "Agent" Registerkarte "Traps"Auf der Registerkarte Traps legen Sie fest, welche Communitynamen in Trap-Nachrichten erscheinen sollen und wie die Trap-Ziele lauten (Liste mit IPv4-Adressen, an die Trap-Nachrichten gesendet werden). Auf Abbildung B-7 ist die Registerkarte Traps abgebildet. ![]() Abbildung B-7: SNMP-Diensteinstellungen auf der Registerkarte "Traps" Registerkarte "Security" (Sicherheit)Auf der Registerkarte Security (Sicherheit) können Sie folgende Einstellungen vornehmen:
Auf Abbildung B-8 ist die Registerkarte Security (Sicherheit) abgebildet. ![]() Abbildung B-8: SNMP-Diensteinstellungen auf der Registerkarte "Security" (Sicherheit) Evntcmd-ToolSie können bei der Eingabeaufforderung mit dem Tool "Evntcmd.exe" SNMP-Trap-Nachrichten konfigurieren, die gesendet werden, wenn in Systemprotokollen bestimmte Ereignisse auftreten. Evntcmd.exe eignet sich auch, um festzulegen, wohin Trap-Nachrichten innerhalb einer SNMP-Community versendet werden. | In diesem Beitrag |