Bei Active Directory handelt es sich um eine komplexe Software, deren Ausfall einen Administrator gehörig ins Schwitzen bringt. Im zweiten Teil unserer Serie geht es darum die Probleme, die der Ausfall eines FSMO-Rolemasters verursacht, zu beseitigen.
Auf dieser SeiteActive Directory ist auf eine Reihe von Diensten und Features angewiesen, um korrekt funktionieren zu können. Wenn einer dieser Dienste ausfällt, erleben Sie ungewöhnliches oder unkontrollierbares Verhalten. Unsere Serie stellt Ihnen die häufigsten Szenarien samt Lösung vor. Ausfall eines FSMOEs gibt ein paar Dinge, bei denen der Multimasterbetrieb nicht benutzt werden kann; diese müssen vielmehr von einem einzigen Server erledigt werden. Diese Aufgaben werden als FSMOs (Flexible Single Master Operations) bezeichnet; die Server, denen die Aufgaben zugewiesen sind, als FSMO-Rollenmaster.
Ein kurzer Ausfall eines FSMO-Rollenmasters erfordert keine speziellen Schritte, aber wenn ein Rollenmaster für längere Zeit vom Netz geht, sollten Sie seine Rolle bzw. Rollen auf einen anderen DC übertragen. Fällt ein FSMO-Rollenmaster vollständig aus und kann nicht mehr eingesetzt werden, dann müssen Sie ihm die Rollen entziehen und sie einem anderen DC übergeben. Bei einer Übertragung muss der vorherige Rollenmaster online sein, um die Transferanfrage annehmen zu können. Beim Entzug ist der vorherige Rollenmaster nicht online, und der neue Rollenmaster nimmt sich einfach die Rolle. Nach dem Entzug einer Rolle dürfen Sie den alten Rollenmaster nie wieder ans Netz bringen. Nur so verhindern Sie, dass der alte Rollenmaster ungültige Informationen ausgibt oder eine alternative Möglichkeit für das Update kontrollierter Strukturen wie des Schemas darstellt. Festlegung eines RollenmastersWas einen bestimmten Server zu einem FSMO-Rollenmaster macht, ist ein Attribut in dem Active-Directory-Objekt, das eine bestimmte FSMO kontrolliert. Beispielsweise kontrolliert das Domänen-Objekt die PDC-Emulator-Rolle. Ein FSMO-Attribut in diesem Objekt bedeutet, dass der definierte Name des Servers als PDC-Emulator festgelegt wurde. Wenn Sie eine Rolle übergeben oder entziehen, verändern Sie den definierten Namen, der diesem Rollenmaster-Attribut zugewiesen ist. Einen verlorenen PDC-Emulator wiederherstellenDie einzige Ausnahme, in der man alte Rollenmaster wieder in Betrieb nehmen darf, bildet der PDC-Emulator. Wenn man einen früheren PDC-Emulator wieder online nimmt, erfährt er via Replikation den Namen des neuen PDC-Emulators und stellt anstandslos all seine Rollenmaster-Aktivitäten ein. Allerdings liegt in der Praxis der RID-Master normalerweise auf demselben Server wie der PDC-Emulator, sodass Sie den Server doch nicht wieder einsetzen können. Wenn Sie einen ehemaligen RID-Master wieder einsetzen, kann es passieren, dass zwei Objekte dieselbe RID erhalten, was die Sicherheit und Datenbankkonsistenz gefährden würde. Wenn sich RID-Master und PDC-Emulator auf demselben Server befinden und ihm diese Rollen entzogen und einem anderen Server übertragen wurden, dann formatieren Sie die Platten des ursprünglichen Servers und installieren das Betriebssystem neu. Übertragung eines FSMO-RollenmastersFür den Transfer eine FSMO auf einen neuen Rollenmaster können Sie wahlweise eine MMC-Konsole oder ein Befehlszeilenutility verwenden. Die Auswahl der Konsole hängt von der zu übertragenden Rolle ab. In der Tabelle finden Sie eine Liste der FSMO-Rollen und der benötigten MMC-Konsolen sowie geeignete Sicherheitshinweise: ![]() Betrieb des InfrastrukturmastersWenn Sie einen Sicherheitsprincipal (Benutzer, Gruppe oder Computer) in eine Gruppe aufnehmen, dann wird der DN des Sicherheitsprincipals einem Attribut namens Members des Gruppenobjekts in Active Directory hinzugefügt. Active Directory erhält die interne Konsistenz, indem es einen Back-Link auf das Objekt erzeugt, das den Sicherheitsprincipal repräsentiert. So kann das Member-Attribut aktualisiert werden, wenn sich der Objektname ändert. Setzen Sie nun als Administrator einer Domäne in einem Forest einen Sicherheitsprincipal aus einer anderen Domäne in eine Gruppe Ihrer Domäne, steht Active Directory vor einem Dilemma. Es kann keinen Back-Link auf ein Objekt in einem anderen Domänen-Namenskontext erzeugen. Es löst dieses Problem, indem es ein Phantomobjekt erzeugt, was nichts weiter als eine Struktur in seinem Domänen-Namenskontext ist, die aus dem DN des Objekts, seinem GUID und seiner SID besteht. Der Infrastrukturmaster in einer Domäne entdeckt Namensänderungen an Sicherheitsprincipals, die von Phantomeinträgen in seiner eigenen Domäne repräsentiert werden. Ohne diesen Dienst würden die Namen, die bei Gruppenmitgliedschaftslisten angezeigt werden, nicht den evtl. geänderten Namen in den Quelldomänen entsprechen. Das betrifft nicht den Zugang zu Ressouren, weil die SID nicht verändert wurde. Der Infrastrukturmaster erledigt diese Aufgabe, indem er regelmäßig die Liste der Phantomeinträge durchgeht und die Namen gegen die Namen im GC prüft. Falls er einen Unterschied feststellt, aktualisiert er den Phantomeintrag so, dass er den neuen Namen repräsentiert. Diese Veränderung wird dann an die anderen DCs in der Domäne repliziert, die eine Kopie des Phantomeintrags besitzen. GC-Server verfügen bereits über eine Kopie der Objekte von anderen Domänen und speichern deswegen keine Phantomeinträge. Deswegen dürfen Sie den Infrastrukturmaster keinem GC-Server zuweisen. Ändern eines Rollenmasters über eine MMC-Konsole
Jetzt müssen Sie warten, bis die Replikation volle Konvergenz erreicht hat, damit alle Domänencontroller über den neuen Rollenmaster Bescheid wissen. Sie können die Konsole ACTIVE DIRECTORY-STANDORTE UND -DIENSTE oder den Replikationsmonitor Replmon aus den Support-Tools verwenden, um die Replikation zu erzwingen. Ändern eines Rollenmasters über NtdsutilMögen Sie grafische Tools nicht (oder verwalten Sie Ihre Server mit Telnet oder SSH), dann können Sie auch das Utility Ntdsutil zur Übertragung von Rollenmastern zwischen DCs verwenden. Sowohl ursprünglicher als auch künftiger Rollenmaster müssen online sein. Gehen Sie wie folgt vor:
Einen Rollenmaster entziehenWenn ein Domänencontroller, der einen FSMO-Rollenmaster hostet, komplett ausfällt, lassen sich die Rollen nicht mit den MMC-Konsolen übertragen – Sie müssen sie mithilfe von Ntdsutil entziehen. Zur Erinnerung: Wenn Sie einem Rollenmaster seine Rolle entziehen, darf dieser nie wieder online gehen. Das heißt im Klartext: Festplatte formatieren und neu installieren. Stellen Sie sicher, dass der Domain Controller, der als neuer Rollenmaster vorgesehen ist, online ist, und gehen Sie wie folgt vor:
server connections: connect to server srv01.firma.de. Bindung mit "srv02.firma.de" ... Eine Verbindung mit "srv01.firma.de" unter Verwendung der Benutzerinformationen des lokal angemeldeten Benutzers wurde (sic!) hergestellt. Geben Sie q ein, um das Modul zu verlassen und wieder zur Eingabeaufforderung FSMO Maintenance zu wechseln. Wählen Sie eine zu übertragende Rolle. In diesem Beispiel soll der RID-Master übertragen werden. Geben Sie etwa Seize RID Master ein. Es erscheint ein Fenster, in dem Sie den Vorgang bestätigen müssen. Klicken Sie auf OK, um den Rollentransfer zu starten. (Falls der derzeitige Rollenmaster online ist, nimmt Ntdsutil einfach eine normale Übertragung vor.) Falls der Übertragungsvorgang nicht funktioniert, erhalten Sie eine Fehlermeldung und die Rolle verbleibt beim ursprünglichen Master. Verläuft die Übertragung problemlos, dann zeigt Ntdsutil eine aktuelle Rollenmasterliste. AusblickIm nächsten Teil der Artikelserie geht es um den Ausfall von zentralen Replikationskomponenten und den entsprechenden Gegenmaßnahmen. | In diesem Beitrag |