Windows Phone 8.1 im Überblick für Entwickler

Mittwoch, 02. April 2014

Die hier aufgeführten Informationen basieren größtenteils auf Erfahrungen aus dem Vorabprogramm zum Windows Phone 8.1 SDK. Sie stellen u.U. nicht den letzten verfügbaren Stand der Informationen dar. Aus diesem Grund behalten sich die Autoren mögliche Änderungen zu einem späteren Zeitpunkt vor.

Mit Windows Phone 8.1 sind nicht nur neue Funktionen für Anwender erschienen, auch Entwickler bekommen eine Menge neuer Funktionalitäten und Möglichkeiten spendiert. Die wichtigsten Funktionen wollen wir uns in diesem Übersichtsartikel einmal anschauen. Der bereits mehrfach von Microsoft angedeutete Trend zur Vereinheitlichung der Plattformen schlägt sich im Windows Phone 8.1 SDK eindeutig wieder. Nicht alle Funktionen des SDK sind vollständig neu, einiges könnte der ein oder andere Entwickler bereits von Windows 8 kennen.

Dieses Release des Windows Phone hat es jedoch trotzdem in sich. Die Vereinheitlichung der Schnittstellen zwischen Windows und Windows Phone alleine sind schon ein geniales Feature, aber auch die vollständig neuen Funktionen und generelle Erweiterungen können sich sehen lassen.

Alles bleibt beim Alten

Wer eine Silverlight basierte App über die verschiedenen Windows Phone-Versionen gehegt und gepflegt hat, braucht keine Angst zu haben mit der neuen Windows Phone-Version auf das Abstellgleis gestellt zu werden. Silverlight basierte Apps sind weiterhin ein so genannter „First Class Citizen“, sodass hier alle relevanten Neuerungen ebenfalls verfügbar sind. Man kommt in den Genuss der neuen API-Funktionen und kann seine App, wie üblich, an die neuen Funktionen anpassen. Auch lassen sich natürlich weiterhin neue Apps auf Silverlight-Basis erstellen. Dieser Technik sollte man auch in bestimmten Szenarien den Vorrang geben. Dazu jedoch zu einem anderen Zeitpunkt mehr.

There´s a new kid in Town…

Neben dem bereits bestehenden Applikation-Stack wurde mit dem Windows Phone 8.1 SDK ein neues Modell bereitgestellt. Dieses basiert auf WinRT, welches man von Windows 8(.1) bereits kennt, und ermöglicht das Erstellen von so genannten „Windows Phone Store“-Apps. Genau das ist auch die Idee hinter dem neuen Stack: Bestehende Windows Apps nach Windows Phone portieren zu können oder aber direkt Apps erstellen zu können, die auf beiden Plattformen lauffähig sind. Für letzteres gibt es sogar ein eigenes Template für Visual Studio, um damit die Entwicklung zu erleichtern.

Windows Phone 8.1 SDK

Die nutzbaren Programmiersprachen für WinRT Apps sind dabei dieselben, wie bereits unter Windows 8: C++, C#, Visual Basic .NET und sogar Javascript mit HTML5 in WinJS. Doch einfach eine identische App zu erstellen und auf beiden Plattformen laufen zu lassen ist zwar technisch möglich, aber in den seltensten Fällen wirklich ratsam, da auch hier immer noch drei Faktoren eine erhebliche Rolle spielen:

  • Die Auflösung und Formfaktor der App
  • Der Funktionsumfang der zugrunde liegenden Plattform
  • Andersartigkeit einzelner Funktionen je nach Plattform

Klingt dies eher ernüchternd erkennt man jedoch beim genaueren Hinsehen die Vorteile die dieses Modell mit sich bringt:

  • Das verwendete XAML einer App ist nun im Gegensatz zu früher im gleichen Dialekt.
  • Die Namensräume sind angeglichen worden, so dass man identische Funktionen in den gleichen Paketen findet
  • Das Roaming von Einstellungen ist nun möglich

Gerade der letzte Punkt ist nur ein kleines Feature, welches aber vielen Nutzern das Leben erleichtern wird. War es bisher nur Windows 8 Apps vorbehalten so genannte Roamingdaten zu verwenden, wurde diese Option nun auch auf die Windows Phone-Plattform erweitert. Zu diesem spannenden Thema wird es natürlich einen eigenen Artikel geben.

Neue Notifications

Eigentlich ist die Überschrift nicht passend, denn Notifications an sich sind nicht neu. Mit Windows Phone 8.1 wird die Notificationplatform jedoch vereinheitlicht, sodass es für Entwickler einfacher wird Notifications für Apps zu verwenden. Denn auch für Windows Phone kann nun das Windows Notification System (WNS) verwendet werden. Das Microsoft Push Notification System (MPNS) kann natürlich, sofern gewünscht, weiterhin genutzt werden. Es existiert jedoch nur noch aus Gründen der Abwärtskompatibilität. Neue Funktionen, wie beispielsweise die XML-Templates, mit welchen Inhalte der gepinnten Kacheln aktualisiert werden können, existieren nur in den neuen, einheitlichen Windows Notification Services.

GeoFencing

Auf anderen Plattformen ist es Gang und Gäbe und nun ist es auch mit dem Windows Phone möglich: Das Festlegen von GeoFences. Man registriert eine Geolocation inklusive Radius und Verweildauer. Trifft dieses Ereignis ein, wird die jeweilige App hierüber benachrichtigt und kann auf dieses Ereignis reagieren. Ein Anwendungsszenario hierfür ist beispielsweise ein lokales Geschäft, welches seinem Kunden einen Rabatt auf ein Produkt zukommen lassen mag.

App Installation auf der SD Karte

Apps lassen sich nun auch auf der SD-Karte installieren. Dabei wird der Installationsordner der App, der lokale Pfad der App, der Roamingpfad und auch der temporäre Pfad verschlüsselt. Diese Verschlüsselung ist gerätespezifisch, sodass der Zugriff auf diese Daten nicht möglich ist.

Schreibender Zugriff auf SD Karten

Während es in der Vorgängerversion nur möglich war lesend auf die Speicherkarte zuzugreifen, so ist dies mittlerweile auch schreibend möglich. Hier bleibt aber weiterhin die Beschränkung bestehen, dass nur Dateitypen verarbeitet werden können, für die sich die App registriert.

Dabei gibt es jedoch zu beachten, dass diese Daten generell unverschlüsselt abgelegt werden, sodass auch andere Apps mühelos auf diese Daten zugreifen können.

Der neue Emulator in Kürze

Emulator

Der Emulator selbst ist zwar nicht neu, wurde jedoch an vielen Stellen erweitert und überarbeitet.

Besitzt man einen Entwicklungsrechner mit Touchscreen, so kann dieser ganz einfach zur Steuerung des Emulators genutzt werden. Für einfache Touch-Eingaben ging dies bereits in früheren Version, der neue Emulator unterstützt aber auch Multitouch-Eingaben wie Zoom.

Vereinfacht wurde auch die Eingabe via Tastatur. Musste man vorher noch mit PgUp und PgDown zwischen der Eingabemöglichkeit hin und herschalten, so kann jetzt einfach direkt mit der Eingabe durch die Tastatur begonnen werden, wenn der Fokus auf einem Eingabefeld liegt.

Aber auch die Hilfstools wurden erweitert. So ist es nun unter Location möglich, die Genauigkeit bei der Emulation von Positionsdaten festzulegen. Auch das Terrain kann in verschiedenen Stufen ausgewählt werden. Wird dabei eine virtuelle Route abgefahren, kann sogar die Geschwindigkeit des Objekts (Speed Limit, Walking, Biking, Fast) festgelegt werden. All diese Erweiterungen kommen dem Testen der neuen Geofencing-Funktionalität zu Gute.

Positionsdaten

Unter dem Reiter SD Card versteckt sich die Möglichkeit, einen lokalen Ordner vom Host-Rechner als virtuelle SD-Karte zu mounten. Dabei ist eine Synchronisation dieses Ordners ebenfalls möglich.

SD Card

Der Reiter Network erlaubt nun auch eine Emulation der Mobilfunkschnittstelle, sodass die Geschwindigkeit hier auf beispielsweise 2G oder 4G festgelegt werden kann. Eine Auswahl der zugehörigen Netzwerkqualität ist dabei auch möglich.

Unter Notifications ist es nun möglich, Push-Benachrichtigungen zu versenden und so eine App direkt testen zu können ohne über die Notification Server gehen zu müssen. Dabei ist sowohl die Auswahl des Notifizierungstyps, als auch des u.U. zu Grunde liegenden Templates möglich.

Zur Vereinfachung können diese so genannten Payloads auch gespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt geladen werden.

Notifications

Sensors bietet die Möglichkeit, optional vorhandene Hardware im Emulator auszuwählen. Dies dient zum Testen der so genannten „Capabilities“. Leider wird eventuell vorhandene Hardware des Host-Rechners hierbei nicht durchgeschleift.

Der letzte neue Reiter ist Checkpoints. Wer sich mit Hyper-V auskennt weiß, dass man von bestimmten Zuständen einer Machine einen so genannten Snapshot erstellen kann, zu welchem man zurückkehren kann. Dies ist nun auf einfache Art und Weise mit dem Windows Phone Emulator möglich.

Checkpoint

Desweiteren sind nun virtuelle Hardwaretasten vorhanden, mit welchen sich beispielsweise die Lautstärke des Geräts ändern, oder die Kamera starten lässt.

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Leider sind nicht alle Funktionen der Windows Phone-Plattform in den neuen App-Stack übernommen worden. So ist es beispielsweise nur Silverlight-basierten Apps vorbehalten, den Lockscreen oder Klingeltöne zu ändern. Auch der Zugriff auf die Zwischenablage ist nicht möglich. Gleiches gilt auch für Erinnerungen und Wecker.

Das bisher verwendete XAP-Dateiformat kann bis auf weiteres genutzt werden, aber per Standard werden nun AppX- Installationspakete erstellt. Dies ist insbesondere vorteilhaft bei der Installation, da hier teilweise nur Detailinformationen bei einem Update übermittelt werden – dafür sind AppX-Installationspakete jedoch nicht verschlüsselt.

Fazit

Dieser Artikel soll nur einen kleinen Überblick über die Funktionen geben, welche das neue SDK mitbringt. Aber er zeigt bereits, an welchen Stellen überall große und kleine Detailverbesserungen eingearbeitet wurden. Tauchen Sie mit uns in den nächsten Artikeln tiefer in die Materie ein.

Patrick Getzmann

Patrick Getzmann

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