Interviewseite mit Dr. Dan

Ein Interview mit Dr. Dan Odell, zertifizierter Ergonom

F: Was bedeutet Ergonomie?

A: Ergonomie bezeichnet die Wissenschaft zur Untersuchung menschlicher Arbeitsweisen. Natürlich ist die Unterstützung der Menschen bei einer sicheren und gesunden Arbeitsweise einer der Schwerpunkte der Ergonomie. Darüber hinaus gibt es jedoch noch viele weitere Aspekte. Es gibt viele schlechte „ergonomische“ Produkte, da deren das Augenmerk lediglich auf der Reduzierung des Verletzungsrisikos liegt. Mit einem Design, das den Arbeitsweisen der Menschen angepassten ist, wird auch die Arbeit an sich angenehmer, komfortabler und effizienter. Deshalb ist es für mich wichtig, den Fokus auf alle Aspekte des Arbeitens zu legen, um spürbare Erfolge beim ergonomischen Design zu erzielen.

F: Erzählen Sie uns, wie Sie zur Ergonomie kamen.

A: Ich war schon immer an Ergonomie interessiert, habe mich aber erst mit Beginn meiner Tätigkeit als Mechanical Designer intensiver mit diesem Thema befasst. Damals verbrachte ich acht Stunden am Tag vor dem Computer mit CAD-Arbeit. Ständig hatte ich Schmerzen in meiner Schulter.

Leider hab ich meinen Körper nicht gut behandelt, bevor ich etwas über Ergonomie gelernt und die Zusammenhänge verstanden habe. Anhand der neuen Erkenntnisse konnte ich jedoch einige einfache Änderungen an meinem Arbeitsplatz vornehmen, die zu wesentlich mehr Bequemlichkeit führten. So konnte ich in meinem Beruf weiterarbeiten.

Nach meinen Praxiserfahrungen habe ich auf einen Abschluss an der UC Berkeley hingearbeitet. Meine Forschungsarbeit dort konzentrierte sich auf das Design von Eingabegeräten. Später arbeitete ich dann an im Rahmen eines gemeinsamen Ergonomieprogramms von UC Berkeley Engineering und der UCSF Medical School an diesem Thema. Durch die Arbeit in den Kursen, die Literatur, die ich las, und anderes Wissen, das ich zum Verbessern meiner Entwürfe ansammeln konnte, habe ich eine Menge über Ergonomie und die Arbeit mit dem Computer gelernt.

F: Wie kam die Verbindung mit Microsoft zustande?

A: Das Ergonomieprogramm, mit dem ich meinen Abschluss gemacht habe, genießt hohes Ansehen. Bei der Besetzung einer offenen Stelle erkundigte sich Microsoft Hardware bei meinen Mentor nach einem Designer mit Erfahrung im Bereich Ergonomie. Wie bereits erwähnt, beschäftigte ich in meiner Forschungsarbeit an der Universität intensiv mit dem ergonomischen Design von Eingabegeräten. Das machte mich zur idealen Besetzung.

Ich arbeite nun seit 8 Jahren als Ergonomieexperte bei Microsoft und forsche für die Hardware-Abteilung. Meine Aufgabe war es, die Entwicklungsteams mit ergonomischen Fachkenntnissen zu beraten, um die Produkte benutzerfreundlicher zu gestalten. Meine Tätigkeit leistete einen maßgeblichen Beitrag zur Entwicklung ergonomischere Hardwareprodukte, die die Produktivität erhöhen und mehr Benutzerkomfort bieten.

F: Warum ist das ergonomische Design von Maus und Tastatur so wichtig?

A: Jeder Mensch sollte sich Gedanken über die geeignete Maus und Tastatur machen, die eine ergonomische Arbeitsweise am Computer ermöglichen. Das kann bedeuten, dass jemand eine kleine Maus benötigt, die für kleine Hände geeignet ist, in anderen Fällen ist eine geteilte Tastatur am besten geeignet, um eine neutrale Position einzunehmen. Das Wichtigste dabei ist, den Arbeitsplatz an die persönliche Arbeitsweise anzupassen und sich nicht einer Arbeitsumgebung zu unterwerfen, die einfach nicht zu einem passt. Nehmen Sie sich bei der Suche nach dem geeigneten Eingabegerät Zeit. Begnügen Sie sich nicht einfach mit dem Zubehör, das mit dem Computer geliefert wurde oder bereits vorhanden ist. Dadurch fühlen Sie sich bei der Arbeit wohler und arbeiten produktiver. Sie sitzen einfach mit mehr Freude am Computer und gehen körperlichen Beeinträchtigungen, die einfacher zu vermeiden als zu behandeln sind, aus dem Weg.

F: Zu welchen körperlichen Beeinträchtigungen können Geräte mit schlechten ergonomischen Eigenschaften führen?

A: Es kommt hauptsächlich zu Weichteilverletzungen, die im Laufe der Zeit immer schlimmer werden. Viele Leute denken sofort an das Karpaltunnelsyndrom, wenn Sie an durch Verletzungen durch die Arbeit am Computer denken. Probleme in diesem Bereich sind jedoch eher selten. Viel häufiger treten Nacken- und Schulterprobleme auf, wie ich sie auch hatte.

Das Problem bei diesen Beeinträchtigungen ist, dass sie im Laufe der Zeit langsam zunehmen. Dadurch ist es wesentlich schwieriger, die genaue Ursache festzustellen. Wenn die Ursache nicht bekannt ist, wird der empfundene Schmerz möglicherweise einem anderen Umstand zugeschrieben. Wenn die Ursache der Schmerzen erkannt wird, sind die Probleme meist schon weit fortgeschritten. Deshalb ist es so wichtig, bei Schmerzen im Zusammenhang mit der Arbeit am Computer sofort etwas zu unternehmen.

Jeder Computer, an dem Sie arbeiten, sollte genau Ihren Bedürfnissen entsprechend eingerichtet werden, damit diese Probleme erst gar nicht auftreten. Gesunde Menschen lassen sich mitunter nur schwer davon überzeugen, wie wichtig eine ergonomische Arbeitsumgebung ist, da sie ja momentan nicht unter Beschwerden leiden und deshalb oft denken, ihre Tastatur oder Umgebung seien „gut genug“ Das ist jedoch oftmals nicht der Fall, und häufig werden erst nach eigenen schmerzhaften und beeinträchtigenden Erfahrungen (oder Erfahrungen über den Bekanntenkreis) positive Änderungen in Erwägung gezogen. Ich erwarte nicht von jedem meinen Enthusiasmus, deshalb wäre ich schon damit zufrieden, wenn ich die Leute davon überzeugen könnte, beim Einrichten des Computers auf die Grundregeln zu achten.

F: Warum sind gerade Microsoft Comfort Curve- und Natural-Produkte so besonders dafür geeignet, diese Art von Beeinträchtigungen zu vermeiden?

A: Comfort Curve- und Natural-Produkte unterscheiden sich darin, dass bei deren Entwicklung umfangreiche Erkenntnisse zu menschlichen Arbeitsweisen und Risikofaktoren für Verletzungen berücksichtigt wurden. Die Wissenschaft beschäftigt sich schon sehr lange mit Ergonomie – die erste Idee zu einer geteilten Tastatur wurde bereits 1920 veröffentlicht! Unsere Entwürfe basieren also auf soliden Daten und Modellen, die sich im Laufe der Zeit bewährt haben.

Letztendlich ist jedoch die angenehme Arbeitsweise das überzeugendste Argument. Das Natural-Design ist schon eine Weile auf dem Markt, deshalb liegen bereits einige gute Studien mit aussagkräftigen Bewertungen vor. Eine Studie von 1999 belegt, dass das Natural-Design bei Menschen, die es verwenden, Schmerzen lindert. 2003 wurde festgestellt, dass das Natural-Design bei der Vorbeugung sowie der Behandlung von Beeinträchtigungen effektiv ist. Die Autoren der Studie haben festgestellt, dass die Natural-Tastatur „zu einer Verbesserung bei Handgelenks- und Karpaltunnelsyndrom-Symptomen führt“ und nur beim Natural-Design „ein bemerkenswerter positiver Effekt bei muskuloskeletalen Symptomen auftritt“. Es ist großartig zu sehen, dass Benutzer unserer Natural-Produkte tatsächlich so sehr von der Umsetzung ergonomischer Prinzipien beim Entwurf profitieren.

F: Wie entwickeln Sie die Designs für die ergonomischen Microsoft-Produkte?

A: Es beginnt zunächst mit gezielter Forschungsarbeit zu menschlichen Arbeitsweisen. Anhand dieser Informationen können wir Risikofaktoren herausarbeiten und bereits Entwürfe zur Verbesserung einbringen. Sobald wir eine Vorstellung von den notwendigen Verbesserungen haben, führen wir ein Brainstorming zu den Umsetzungsmöglichkeiten durch. Anschließend erstellen wir Modelle, in die diese Ideen einfließen, und beginnen mit umfangreichen Tests.

Wir lassen die Modelle von verschiedenen Personen begutachten und ermitteln, was diese Personen besonders gut oder schlecht bzw. komfortabel oder unpassend an den Modellen finden. Anhand dieser Feedbacks überarbeiten wir dann die Modelle dabei lassen wir alle Features, die von den Testern als positiv bewertet wurden, in den nächsten Fertigungsschritt einfließen. Diese Phase wird oft so lange wiederholt, bis wir aufgrund der vorliegenden Daten von unserem Ziel überzeugt sind. Außerdem berücksichtigen wir in unserer Testphasen immer das beste Produkt auf dem Markt (eigene oder Konkurrenzprodukte), um sicherzustellen, dass unsere Entwürfe besser als die derzeitig erhältlichen Produkte sind.

Sobald wir zwei bis drei Konzepte haben, mit denen wir zufrieden sind, testen wir sie in Laborumgebungen, in denen die Produkte von Benutzern verwendet werden, während wir die Haltung, Leistung, Vorlieben und andere Faktoren messen. Im letzten Schritt wählen wir auf Grundlage dieser Informationen das Konzept aus, das bei den Benutzern auf die höchste Akzeptanz gestoßen ist.

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