Gläsernes Unternehmen statt Glaskugel

Text: Stefan Kyora | Fotos: ScanderbegSauer | Microsoft Envision Ausgabe 2

Wettbewerbsverschärfung und gleichzeitig ein Zuwachs an strategischen und operativen Handlungsoptionen durch neue Technologien: Die gegenwärtige Situation des Detailhandels ist typisch für viele Branchen. Um aktuelle Herausforderungen zu meistern und Chancen zu erkennen, wird Business Intelligence (BI) punktuell schon länger genutzt. Doch erst der organisationsweite Einsatz erschliesst deren volles Potenzial.

Der Retailmarkt in der Schweiz befindet sich in einem fundamentalen Wandel. Dafür sind zwei Ursachen massgebend:

  • Verschärfung des Wettbewerbs. Eine wichtige Rolle spielt der Eintritt von Discountern wie Aldi und Lidl in den Schweizer Markt. Zugleich gewinnen Onlineshops ausserhalb der klassischen Internetgüter Medien, Elektronik und Reisen an Bedeutung.

  • Zuwachs der Handlungsoptionen. Die Produktauswahl wird immer grösser. Vollsortimenter haben heute mehrere Hunderttausend Artikel im Angebot. Hinzu kommt die wachsende Vielfalt bei den Lieferanten durch globales Sourcing. Parallel dazu eröffnen sich auch strategische Wahlmöglichkeiten, etwa beim Ausbau des Internets als Vertriebskanal.



Um auf diese Trends reagieren zu können, wird schon länger auf BI-Lösungen zurückgegriffen. Allerdings seien die technischen Möglichkeiten dem realen Einsatz von BI-Lösungen ein ganzes Stück voraus, sagt Michael Nösges, Manager Manufacturing & Retail bei Microsoft Schweiz: «Heute können BI-Systeme Informationen für alle Rollen und Entscheider bereitstellen und Daten auswerten, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette generiert werden.» Ein gutes Beispiel für den Nutzen rollenspezifischer Informationen ist das Category Management. «Wenn die Verkaufsleitung einer Filiale jeden Abend weiss, welche Produkte gefragt sind und welche nicht, erlaubt dies dem Category Manager, das Sortiment regional- und filialspezifisch zu optimieren. «Dies steigert die Profitabilität jedes einzelnen Ladens», ergänzt Torsten Thoms, Manager Application Platform und Insider in Sachen BI und Detailhandel bei Microsoft Schweiz.

BI-Lösungen als Frühwarnsystem

Für den Nutzen von BI-Systemen, die Daten entlang der Wertschöpfungskette auswerten, gibt es viele Beispiele. «Im Grunde», so Torsten Thoms, «verstehen sich BI-Systeme auch als Frühwarnsysteme, die rechtzeitig Alarm schlagen, wenn der Warenfluss von der Produktion zum Regal ins Stocken gerät oder wenn Nachfrage und Lieferungen beginnen, sich auseinanderzuentwickeln.» Durch BI-Lösungen werden Mitarbeitenden rollenspezifisch Informationen zur Verfügung gestellt, die es ermöglichen, entsprechende Verantwortlichkeiten direkt zu übertragen. Vielen Geschäftsleitungen ist bewusst, dass dies Vorteile schafft, aber auch Organisations- und Prozessänderungen mit sich bringt. Daher sind für die erfolgreiche Einführung die Projektplanung und das Projektmanagement entscheidend. Trotzdem lohnt sich der Wandel, denn umfassende BI-Systeme unterstützen nicht nur Optimierungen – so in der Kundenpflege, der Servicequalität oder der Planung von Marketingaktionen –, sondern liefern auch Hinweise für radikale Innovationen wie die Einführung eines Hochpreislabels. «Letztlich», so Michael Nösges, «leisten BI-Lösungen einen entscheidenden Beitrag zum langfristigen Überleben des Unternehmens.»


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