Die Schlagworte für die CWP-Investition sind Produktivitätssteigerungen, Kosteneinsparungen und Empowerment. Hügli rechnet damit, dass CWP die Produktivität bei Ringier um 20 Prozent erhöhen wird, da Synergien nutzbar, administrative Abläufe vereinfacht und Leerläufe vermindert werden. Das beginnt bei so kleinen Dingen wie Spesenabrechnungen, die künftig nicht mehr auf Papier, sondern via CWP eingereicht werden. Auch werden die Personaldaten sämtlicher Ringier-Mitarbeitenden an einem einzigen Ort gespeichert und dort auch verwaltet. Und Sitzungsprotokolle werden nicht mehr an die jeweils Beteiligten verschickt, sondern für sie auf dem CWP abgelegt und zugänglich gemacht.
Auf Seiten der Kosten eröffnet CWP Sparpotenziale, etwa bei den Betriebskosten. Künftig muss nur noch eine einzige Telefonzentrale betrieben und unterhalten werden. Mit gut 10 Prozent Einsparungen rechnet Hügli bei den Reisen, da einzelne Treffen durch Videokonferenzen ersetzt werden können – und zwar ohne Beizug eines IT-Spezialisten: CWP hat zum Ziel, die Anwendung modernster Kommunikationstechnologien so zu vereinfachen, dass sie von jedem, jederzeit und überall eingesetzt werden können – das ist Empowerment in Reinkultur. «Wir entwickeln ein Werkzeug, das nicht von Spezialisten bedient wird, sondern von Mitarbeitenden», sagt Hügli, «das ist ein kompletter Paradigmenwechsel.»
Nützen soll CWP vor allem denjenigen, die das Kerngeschäft von Ringier betreuen: den Journalisten. Gemäss Hügli werden sie dank CWP schneller an Themen herankommen, schneller an die richtige Aussage, schneller ans richtige Bild.
Herausgefordert fühlt sich Hügli von der Angst der Mitarbeitenden gegenüber der Neuerung. CWP wird die Abläufe und die Kommunikation bei Ringier zwar vereinfachen, aber eben auch von Grund auf verändern. Damit CWP nicht bloss als weitere IT-Spielerei abgekanzelt wird, sondern möglichst schnell auf eine breite Akzeptanz stösst, sind Widerstände bei den Mitarbeitenden im Gesamtprojekt eingeplant: Schulungsunterlagen, Kurse und elektronische Unterstützungstools sollen helfen, die Skepsis in Begeisterung zu kehren. Sogenannte Change Agents, 300 Mitarbeitende aus den Redaktionen, werden im Herbst einen Pilot starten. «Ich brauche Leute, die sagen, CWP ist toll», erklärt er die Roll-out-Strategie, «und zwar nicht Informatiker, sondern Journalisten, die mit einfachen Worten sagen können, worum es geht, was effektiv einfacher wird.» Läuft alles nach Plan, will Hügli 2009 alle 2500 Arbeitsplätze von Ringier in der Schweiz umstellen.
Hüglis Zwischenbilanz nach eineinhalb Jahren CWP-Projekt? «Alles geht viel langsamer, als ein CIO sich das wünscht», ist seine Antwort, «und alles kostet mehr als ein CFO sich das wünscht.» Aber: «Wir streben nach Innovationsführerschaft und werden sie mit diesem Projekt auch erreichen», sagt Hügli. Neben Ringier sind weltweit erst 60 andere Unternehmen an der Einführung von CWPs. Fraglos werden CWP in drei bis vier Jahren als Standard erhältlich sein.