Der Digital Lifestyle erobert die Büros

Text: Stefan Kyora | Foto: ScanderbegSauer | Microsoft Envision Ausgabe 2

Neue Technologien kommen immer häufiger zuerst im Freizeitbereich zur Anwendung. Besonders für die IT ist dieser Trend zur Consumerization bedeutend, denn er verlangt ein grundlegendes Umdenken bei den Anbietern von IT-Produkten und -Services. Microsoft verstärkt deswegen weltweit die Marktentwicklung im Consumer- und Internetbereich. Das Ziel: Die Marke Windows soll zur ersten Adresse für den Digital Lifestyle werden.

Der Tesla Roadster weckt Emotionen. Dieser puristische Zweisitzer verfügt über 252 Pferdestärken und beschleunigt in vier Sekunden von null auf hundert Stundenkilometer. Dabei liegt der CO2-Ausstoss dank seinem Elektromotor bei null. Obwohl der Alltagsnutzen des über 100 000 Dollar teuren Gefährts beschränkt ist, hat wohl kaum ein zweites Auto derart viel für die Popularisierung umweltfreundlicher Fahrzeuge getan wie der Tesla.






So einzigartig der amerikanische Roadster ist, er steht doch für einen Trend. Lange wurden Innovationen zunächst in der Geschäftswelt lanciert und erst danach allmählich auch von privaten Käufern entdeckt. Dies galt für Autos genauso wie für Gebäude oder die IT: Neuheiten tauchten als Erstes in Geschäftswagen, Geschäftsgebäuden und der Business-IT auf. Doch diese Einbahnstrasse besteht heute nicht mehr. Bahnbrechende Technologien werden vermehrt zuerst in coole Produkte für den Freizeitgebrauch verpackt.
Die Entwicklung hat auch schon einen Namen: Consumerization. Und laut der renommierten Gartner Group wird dieser Trend die IT-Entwicklung in den kommenden Jahren prägen. Für den IT-Betrieb in Unternehmen bedeutet dies, dass sie von Nutzern vermehrt mit Vorschlägen konfrontiert werden, die auf privaten Erfahrungen beruhen. Dabei kann es um neue, leistungsfähigere Hardware gehen, aber auch um die Nutzung von Online-Services oder die Konvergenz von mobilen und stationären Geräten. Auch für Produkthersteller und Serviceanbieter heisst Consumerization, dass der Weg einer neuen Technologie zum Businessanwender immer häufiger über coole Gadgets für den Freizeitbereich verlaufen wird.

Microsoft nimmt Consumerization ernst

Nicht überraschend kommt die Entwicklung für Daniel Moschin. Der 43-Jährige hat schon immer in seinem Privatleben nach den neuesten Gadgets Ausschau gehalten. Und seine drei Teenager-Söhne sind ohnehin im MP3-Player-Zeitalter aufgewachsen. Moschin hat den zu seinen Erfahrungen passenden Job: Er ist der Leiter von Consumer & Online bei Microsoft Schweiz, einer neuen Organisation, die den Konzern für die Consumerization fit machen soll.

Der Aufbau der weltweiten Organisation zeigt, wie ernst Microsoft den Trend nimmt, denn damit zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab. Zum ersten Mal in der Geschichte des Konzerns wird eine Einheit aufgebaut, die sich ausschliesslich um die Marktentwicklung im Endkonsumenten- und Onlinemarkt kümmert.

Ambitioniertes Ziel

Das Ziel ist ambitioniert: Microsoft – heute immer noch etwas diffus als Hersteller von Betriebssystemen wahrgenommen – will Windows zum Brand für den Digital Lifestyle mit PC, Handy und Internet machen und auf diese Weise dessen Image und Produktepalette den Erfordernissen der Consumerization anpassen. Konkret soll Freizeitanwendern bei der Suche nach IT-Lösungen zuerst Windows in den Sinn kommen. Egal, ob

Musikhörerinnen und -hörer von jedem Ort aus auf ihre Sammlung zugreifen wollen, ob Amateurfotografen ihre Bilder mit Verwandten und Bekannten teilen möchten oder ob ein Media Center im Wohnzimmer zum persönlichen Unterhaltungszentrum werden soll.
«Allein mit klassischen Marketing- und Kommunikationsmassnahmen lässt sich dieses Ziel nicht erreichen», sagt Daniel Moschin. Das Profil des HSG-Ökonomen zeigt schon, wohin die Reise gehen soll. Er hat immer an der Schnittstelle von Marketing- und Business-Management gearbeitet: sowohl während seiner acht Jahre bei Procter & Gamble als auch in den letzten sechs Jahren bei Microsoft, wo er zunächst als Business & Marketing Officer Schweiz agierte und danach für das Windows-Geschäft in Europa verantwortlich war.

Direkter Kontakt zu den Endkunden

Moschins Truppe, die derzeit 21 Mitarbeitende umfasst und weiterhin ausgebaut wird, sucht den direkten Kontakt zum Endkunden. Insgesamt zehn Mitarbeitende reisen derzeit von einem Elektronikfachmarkt zum nächsten und beraten die Besucher nicht nur zu Produkten von Microsoft, sondern

informieren auch über die neuesten Trends im Digital Lifestyle. Hinter den Kulissen herrscht ebenfalls eifrige Aktivität. Gemeinsam mit Auftragsfertigern werden sogenannte Hero- PC entwickelt, deren Hard- und Software so aufeinander abgestimmt sind, dass sie die maximalen Möglichkeiten an Leistung herauskitzeln. Es gibt zudem Projekte mit Handyherstellern und Telcos. Ein Beispiel: Seit Anfang November funktioniert der Windows Live Messenger auch mobil mit Orange-Handys.
Ein solches Tempo ist nur möglich, weil Heimanwender Digital-Lifestyle- Angebote von Microsoft schon in grossem Stil nutzen. Dies gilt nicht nur für das Windows Media Center, das auf jedem PC mit Vista Home Premium installiert ist, sondern auch für Online-Dienste wie den Windows Live Messenger, der in der Schweiz von über zwei Millionen Benutzerinnen und Benutzern eingesetzt wird. Neue revolutionäre Dienste wie Windows Live Mesh werden die Nutzerzahlen weiter in die Höhe treiben (siehe Box). Daniel Moschin selbst ist denn auch optimistisch, was das Erreichen der ambitionierten Ziele betrifft: «Ich zweifle nicht daran, dass Windows in wenigen Jahren Brand Nummer eins für den digitalen Lifestyle sein wird.»


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