Es braucht klar formulierte Visionen

Text: Dirk Rheker | Microsoft Envision Ausgabe 1

Wissen als nachhaltige Ressource gewinnt in Wertschöpfungsprozessen weiter an Bedeutung. Dennoch versäumen es viele Unternehmen noch immer, ihren Mitarbeitenden die organisatorischen Strukturen und die nötigen IT-Tools zur Verfügung zu stellen, um ihr Potenzial möglichst effizient zu nutzen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie Ready, Willing and Enabled der Economist Intelligence Unit (EIU) im Auftrag von Microsoft. Befragt wurden 1351 Führungskräfte in Unternehmen auf allen Kontinenten hinsichtlich der Ausstattung der Mitarbeitenden mit geeigneten ITTools, ihrer allgemeinen Motivation, ihrer Teamfähigkeit und ihres individuellen Beitrags zum Erfolg der Organisation. Mit anderen Worten: dem «Enablement» jedes und jeder Einzelnen.

Strukturelle Voraussetzungen

Mit Enablement (Befähigung) ist laut den Autoren der Studie alles gemeint, was die Mitarbeitenden in die Lage versetzt, ihre Aufgaben zur eigenen Zufriedenheit und wertschöpfend im Sinne des Unternehmens zu erfüllen. Enablement steht für die organisatorischen und strukturellen Grundlagen, auf denen jeder Einzelne und jedes Team die bestmöglichen Entscheidungen treffen kann. Es geht darum, das Potenzial der Mitarbeitenden am optimalsten auszuschöpfen und auf diese Weise Wachstum zu generieren. Und das, indem jeder Einzelne sein Wissen ständig in den Wertschöpfungsprozess einbringen kann, etwa durch Collaboration Tools. Enablement heisst auch, Mitarbeitern den Zugriff auf Informationen zu ermöglichen und

so sicherzustellen, dass sie die richtigen Entscheide zeitnah fällen können. Ein Prinzip von grosser ökonomischer Bedeutung – Unternehmen, die eigenverantwortliches Handeln und Teamarbeit fördern, sind laut Erkenntnis der Befragung deutlich erfolgreicher. «Es besteht eine direkte Verbindung zwischen Enablement der Mitarbeitenden und finanzieller Performance des Unternehmens », folgert die Studie.
Die Autoren von Ready, Willing and Enabled fokussieren bei ihrer Betrachtung insbesondere auf drei Themenkomplexe: die IT-Struktur als Grundlage für optimale Entscheidungsprozesse der Mitarbeitenden, den Einfluss der Unternehmenskultur auf die Bereitschaft zu selbstverantwortlichem Handeln und Teamarbeit sowie den positiven betriebswirtschaftlichen Effekt von Enablement.

Strukturelle Voraussetzungen

Obwohl sich eine grosse Mehrheit der Befragten gut gewappnet sieht, um selbstverantwortlich am Wertschöpfungsprozess des Unternehmens mitzuwirken, scheitert echtes Enablement derzeit häufig noch an fehlenden IT-Tools und Prozessen. Selbst die vorhandene Infrastruktur wird vielfach noch nicht ausreichend genutzt. Nur 48 Prozent aller Befragten haben das Gefühl, über genügend Informationen zu verfügen, um verantwortlich Entscheidungen treffen zu können. Nur etwas mehr als die Hälfte gibt an, Zugriff auf die nötigen IT-Tools zum gezielten Management von Informationen und Wissen zu haben.
Zu wenig, wie die Autoren der Studie finden. Dinge wie «Radio

Frequency Identification», also die automatische Identifizierung, Erfassung und Speicherung von Daten, werden die tägliche Datenmenge in Zukunft weiter anschwellen lassen, heisst es im Vorwort von Ready, Willing and Enabled. Die Folge: Ohne geeignete Instrumente zur Verarbeitung und Distribution dieser Daten würden grosse Mengen an wertvollem Wissen in den Organisationen nicht genutzt.

Geeignete IT-Tools und -Prozesse bilden das zentrale Element bei der Aufgabe, Datenmengen zu bewältigen und Mitarbeitende in die Lage zu versetzen, aktiv ihr Wissen zu organisieren und einzubringen. Die Studie verweist in diesem Zusammenhang auf die Cabot Corporation, ein weltweit tätiges Industrieunternehmen der Spezialchemie mit Hauptsitz in Boston. Dieses ermöglicht es seinen Mitarbeitenden mittels standardisierter Informationsplattform, spontan und zu jeder Zeit virtuelle Meetings zwischen Mitarbeitenden auf der ganzen Welt einzuberufen – und verzeichnete auf diese Weise einen messbaren Produktivitätsschub. «IT-Instrumente selbst machen die Mitarbeitenden noch nicht zu Knowledge Workers. Aber ohne sie kann niemand darauf hoffen, sein volles Potenzial zu erreichen», so die Autoren.

Einf luss der Unternehmenskultur

Ebenso wichtig für ein effizientes Enablement wie eine flexible IT-Ausstattung sind laut Studie geeignete organisatorische Strukturen und eine grundsätzliche Bereitschaft, die bestehende Infrastruktur für Kommunikation und Kooperation auch zu nutzen. Doch nur 33 Prozent der Befragten gaben an, in ihrer Organisation sei ein Umfeld gegeben, das eine selbstverantwortliche und spontane Kooperation der Belegschaft fördere. 40 Prozent der Befragten bemängelten zudem, dass das Management die generellen Geschäftsstrategien nicht ausreichend kommuniziere. «Wenn die Unternehmensleitung es versäumt, ihre Ziele klar zu vermitteln, wird es den Mitarbeitenden schwer fallen, diese zu erreichen», konstatieren die Autoren.
Als vorbildhaft führen sie in diesem Zusammenhang Eli Lilly an. Das US-Unternehmen aus der pharmazeutischen Industrie formulierte früh klare Ziele und Visionen im Hinblick auf die hohe Selbstverantwortung der Mitarbeitenden und den dynamischen Wissens- und Ideenaustausch innerhalb der Organisation. Diese Ziele werden regelmässig vom Chief Executive Officer in Richtung Belegschaft kommuniziert. «Die Mitarbeitenden haben seither eine deutlich höhere Bereitschaft gezeigt, den Wandel mitzutragen», erfuhren die Autoren.

Ihr Fazit: Eine «Enablement Culture» bedarf nicht nur theoretischer Massnahmen und einer klar formulierten Vision, sondern auch Bedingungen, die das Agieren nach den Unternehmenskulturwerten stützen und «belohnen» beziehungsweise die Abweichungen «ahnden». Kurz, es bedarf einer Unternehmenspraxis, die den Worten Taten folgen lässt.

Wertschöpfung und Unternehmensbewertung

Wurde der Wert eines Unternehmens vor fünfzig Jahren noch an materiellen Vermögensgegenständen wie Fabrikanlagen, Betriebsmitteln, Inventar oder den Aussenständen gemessen, hängt er heute zunehmend vom gelungenen Management von Ideen und Daten ab. Die Studie zitiert eine Untersuchung des Massachusetts Institute of Technology (MIT) aus dem Jahre 2002, laut deren sich der Börsenwert von Aktiengesellschaften im letzten Jahrzehnt mehr und mehr vom Buchwert entfernt hat. Darüber hinaus stellten die MIT-Forscher eine positive Korrelation fest zwischen dem Grad von Enablement der Mitarbeitenden und dem allgemeinen Geschäftserfolg

(gemessen an Faktoren wie Profitabilität, Umsatzwachstum, reale Vermögenswerte, strategische Positionierung und Aktienkurs).
«Das traditionelle Modell der Buchführung kann den Wert eines Unternehmens nicht mehr befriedigend darstellen, weil dieser zunehmend durch das dem Unternehmen angehörige Wissen sowie die Kombination von IT und organisatorischen Strukturen bestimmt ist», schreiben die Autoren. Als positives Beispiel erwähnen sie Astron Consulting, eine amerikanischindische Beratungsfirma. Diese offeriert ihren Mitarbeitenden grosse Freiheit bei der Organisation ihrer Tätigkeit – sowohl bei der zeitlichen Einteilung als auch bei der Präsenzpflicht im Büro. Möglich wird das durch die Ausstattung mit modernsten IT-Tools zur Kommunikation und zur Organisation von Teamarbeit. «Die höhere Zufriedenheit der Mitarbeitenden und die damit verbundene grössere Motivation hat bei Astron zu eindeutig besseren Geschäftsergebnissen geführt», so die Autoren. Und somit folgerichtig zu einem höheren Wert des Unternehmens.

Ready, Willing and Enabled belegt eindrucksvoll den zentralen Beitrag, den moderne Informationstechnologien zur Verbesserung von Produktivität und Wirtschaftswachstum leisten. Effiziente IT-Tools ermöglichen den Mitarbeitenden, Informationen zu finden, mit Kollegen, Kunden und Geschäftspartnern zu kommunizieren und ihre Aufgaben selbstständig zu organisieren. Die Studie zeigt aber auch, dass es neben der blossen Investition in IT weitergehende Massnahmen für den wirtschaftlichen Erfolg braucht. Zu den wichtigsten Faktoren, die einen wirkungsvollen Einsatz von IT begünstigen, gehören ein positives Umfeld für Mitarbeitende,

die Förderung ihrer Teamfähigkeit und die generelle Bereitschaft zu persönlichem Risiko. Darin liegt die zentrale Herausforderung für jede Organisation: die Kultur von Enablement in eine konkrete Verbesserung der Performance zu «übersetzen».
«Die Studie zeigt eine klare Verbindung zwischen engagierten, selbstständigen Mitarbeitenden und unternehmerischer Performance – sei es bei der Profitabilität, dem Umsatzwachstum, den Unternehmenswerten oder dem strategischen Erfolg», konstatiert auch Betsy Frost, General Manager der Microsoft Information Worker Product Marketing Group. Die Botschaft ist eindeutig: Wer seine Mitarbeitenden «enablet», wird auf Dauer die Performance des Unternehmens positiv beeinflussen.
Trotz dieser Einsichten stehen wir laut den Autoren hinsichtlich des Wertschöpfungspotenzials von Mitarbeitenden, die die Möglichkeiten moderner Informationstechnologie zur Kommunikation und Kooperation nutzen, erst am Anfang. «Die Studie beschreibt das Potenzial, das hier noch brachliegt», resümiert Betsy Frost. «Wir haben gerade mal die Oberfläche des Machbaren angekratzt.»
Das Machbare sind hoch motivierte Mitarbeitende, die mit effizienten ITTools ausgestattet selbstverantwortlich agieren, spontan Teams bilden, wenn es die Aufgabenstellung erfordert, ihr Wissen und ihre Erfahrung mit anderen teilen und mit ihrer hohen Einsatzbereitschaft und Produktivität den Wert des Unternehmens steigern. Mit anderen Worten: Mitarbeitende, die «enabled» sind.


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