Microsoft und Open Source - Potenziale für die Zukunft

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"Microsoft is all-in on open source. We have been on a journey with open source, and today we are active in the open source ecosystem, we contribute to open source projects, and some of our most vibrant developer tools and frameworks are open source. When it comes to our commitment to open source, judge us by the actions we have taken in the recent past, our actions today, and in the future." - Satya Nadella, CEO Microsoft
Als ich vor gut 10 Jahren bei Microsoft anfing, gab noch es eine recht klare Abgrenzung zwischen urheberrechtlich geschützter Software auf einen und Open Source Software auf der anderen Seite. „Der Wettbewerb der Geschäftsmodelle von Lizenz- und Open Source Software bewegt seit eh und je die Gemüter der IT-Szene“, so lautete der Einleitungssatz eines Whitepapers, das wir damals veröffentlichten. Diese Zeiten sind längst vorbei. Microsoft ist heute ein integraler Bestandteil des Open-Source-Ökosystems und einer der aktivsten Mitwirkenden der Open-Source-Community weltweit. Eine klare Abgrenzung zwischen Open Source und Lizenzsoftware ist in der heutigen Zeit fast unmöglich geworden.
Interessant ist dennoch, dass das (überaus verständliche) Bestreben nach Wahrung digitaler Souveränität oftmals mit einem lauten Ruf nach verstärkter Förderung von OSS einhergeht. Nicht nur verstehe ich die Definition digitaler Souveränität anders – digital souverän ist, wer die Wahlfreiheit über den Einsatz von Technologie hat und die Kenntnis, diese bestmöglich zu nutzen-, auch ist die frühere Abgrenzung zwischen den Geschäfts- und Entwicklungsmodellen im Softwarebereich aus Sicht von Microsoft nicht mehr zeitgemäß. Hier ein paar Fakten dazu:
1. Microsoft sieht Open Source Software heute als ein wichtiges Element und bedeutenden Innovationstreiber der IT an. Tatsächlich zählt Microsoft zu den weltweit wichtigsten Unterstützern und Entwicklern von Open Source.
2. Microsofts kontinuierliche Öffnung gegenüber Open Source ist Ausdruck eines tiefgreifenden kulturellen Wandels und einer natürlichen Veränderung. Sowohl die Technologie als auch unsere Kunden haben sich in den vergangenen Jahren immer weiter in Richtung Open Source entwickelt.
3. Ein wesentliches Beispiel für unser Open Source Engagement ist unsere Cloud-Plattform Microsoft Azure. Über die Hälfte aller Workloads auf Azure nutzen schon heute Open Source Software und/oder stützen sich auf Linux-basierte virtuelle Maschinen. Bei allen Produktentwicklungen von Azure werden Linux-basierte Systeme in gleichem Maße unterstützt wie Windows-basierte. Microsoft liefert seit mittlerweile 10 Jahren Software für den Linux Kernel und ist selbst ein aktiver Teil der Linux Community sowie Mitglied der Linux Foundation.
4. Unser Browser Microsoft Edge setzt seit Ende 2019 (ab Version 16.1.20) auf Open Source, spezifisch auf Bausteine des Open-Source-Projekts Chromium. Wir haben uns bewusst dazu entschlossen, Microsoft Edge vollständig zu überarbeiten und mit Chromium zu entwickeln, um bessere Kompatibilität für alle, geringere Fragmentierung für Webentwickler und eine Partnerschaft mit der Chromium-Community zur Verbesserung der Chromium-Engine insgesamt zu erzielen.

5. Unser Zusammenschluss mit GitHub hat uns eine noch engere Zusammenarbeit mit der Open Source Entwickler-Community ermöglicht. Wir haben die GitHub-Entwicklerplattform in unsere Entwicklungsplattform(en) integriert, was dazu führt, dass Open Source mittlerweile an den verschiedensten Stellen in unserem Produktportfolio einen festen Platz hat – von der Infrastruktur-Ebene (Windows-Server), über unsere Entwicklungstools (Visual Studio, .Net) bis hin zu den Applikationen (u.a. Dynamics, SharePoint, Exchange).
6. Open Source ist in seiner Essenz ein Paradigma, das Zusammenarbeit ermöglicht und mittlerweile tief in der DNA der globalen Softwareentwicklung verankert ist - und nicht zuletzt auch unsere eigenen Softwareentwickler maßgeblich prägt. Für uns geht es bei der Orientierung in Richtung Open Source darum, in offener Zusammenarbeit mit den Communities gemeinsame Wertschöpfung zu generieren.
7. In Zeiten von Cloud Computing liegt Wertschöpfung jedoch nicht mehr nur in der Bereitstellung der Software, sondern auch in ihrem Betrieb. Über Open Source Software haben unsere Kunden somit die Möglichkeit, Erweiterungen zu unserer kommerziellen Software zu entwickeln. So z.B. können zu Microsoft Azure als Cloud Operating Environment über Open Source Additionen hinzugefügt werden und damit selbst Wertschöpfung generiert werden, was speziell für die öffentliche Hand interessant sein kann.
8. Auch in Zukunft werden wir bei Microsoft unser Engagement für und Bekenntnis zu Open Source weiter vertiefen und den darin verankerten Kollaborationsgedanken auf weiteren Ebenen unserer Aktivitäten verankern, wie beispielsweise auf Azure Quantum als offene Entwicklungs- und Erprobungsplattform für die neue Welt im Quantum Computing – offen auch für alle Arten und unterschiedliche Anbieter kommender Quantum Computer. Nicht zuletzt wird Microsoft Research weiterhin regelmäßig wichtige Innovationsimpulse aus der Forschung als Open Source bereitstellen, z.B. mit Tools für die Umsetzung vertrauenswürdiger und zuverlässiger KI.
Wir sind der Überzeugung, dass offene Zusammenarbeit von Software-Entwicklerinnen und Entwicklern unabhängig von dem dahinterliegenden Geschäfts- und Entwicklungsmodell essenziell ist, um einige der größten Herausforderungen unserer Zeit über digitale Technologien zu lösen und dabei insbesondere die Potenziale von neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz oder Quantum Computing zu heben. Um diese Möglichkeiten voll auszuschöpfen, ist es unerlässlich, Wissen aus verschiedensten Organisationen, Institutionen und Unternehmen zu bündeln und Expertinnen und Experten aus der ganzen Welt zu vernetzen.