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28. April 2026Nachlese

KI kann Kunst
Wie Künstliche Intelligenz kreative Prozesse verändert

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KI kann Kunst. Wie Künstliche Intelligenz kreative Prozesse verändert

Am 28. April 2026 diskutierten Vertreter*innen aus Kunst, Ethik, Musik und Kulturwirtschaft im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „KI kann…“ über die Rolle von Künstlicher Intelligenz in der Kunstbranche. Das Fazit: Künstliche Intelligenz und digitale Technologien sind heute bereits feste Bestandteile des Kunstmarktes und finden an unterschiedlichsten Stellen Verwendung. Ob als digitaler Co-Creator, Inspirationsquelle für zeitgenössische Kunst oder operative Infrastruktur einer Ausstellung – es zeigt sich, dass der Prozess zur kreativen Beschäftigung mit KI in vollem Gange ist.

Microsoft setzt Impulse für Kunst und Kultur im KI-Zeitalter

Im Rahmen der Culture AI Initiative arbeitet Microsoft bereits seit 2019 daran, digitaler Abbilder bedeutender Kulturstädten zu erstellen, um sie für die Zukunft zu erhalten und möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Gemeinsam mit verschiedenen Partnern wurden so bereits das antike Olympia und Notre-Dame nachgebaut sowie 2024 auch ein digitaler Zwilling des Vatikans erstellt.

KI in der künstlerischen Praxis

„KI muss als Material unserer Zeit verstanden werden,“ so der zentrale Gedanke bei „KI Kann Kunst“. Ähnlich wie neue Medien in früheren Epochen künstlerische Praktiken verändert haben, prägen heute Datenmodelle, Bildgeneratoren und Sprachsysteme die Bedingungen kreativen Arbeitens. Johanna Neuschäffer, Galeristin und Co-Founderin der Galerie OFFICE IMPART, argumentierte, KI werde in der Kunst dann besonders produktiv, wenn sie nicht bloß Ergebnisse automatisiert erzeugt, sondern in Co-Kreation eingebunden wird – dort, wo menschliche Kreativität Bedeutung stiftet. Was fehlt, seien laut ihr belastbare Bewertungskriterien für KI-generierte Werke am Markt.

Künstlerin Ornella Fieres arbeitet bereits seit zehn Jahren mit KI. So enthält eine ihrer Ausstellungen eine Arbeit mit KI-transkribierten Briefen, die als Zeitkapseln verstanden werden: Gebunden an einen bestimmten technologischen Moment, der so nicht wiederkehrt. KI ist für sie keine Entität mit eigenen Zielen, sondern ein Gegenüber, mit dem sie wächst.

Spannungsfeld KI: Zwischen Abhängigkeit, Autonomie und Transparenz

Dr. Dorothea Winter, Philosophin an der Humanistischen Hochschule Berlin, widersprach dem Begriff der Co-Kreation: KI bringe nichts von sich aus ein, Auswahl, Kuratierung und künstlerischer Ausdruck blieben menschliche Leistungen. Kreativität entstehe durch Zufall und Autonomie, langfristig müssten Künstler*innen sich ihrer Verantwortung für die eigene Autonomie gegenüber der KI bewusst machen.

Ähnlich sieht es in der Musikbranche aus: Rund 40 % der Songs auf Streamingplattformen seien bereits KI-generiert, erklärte Dr.-Ing. Joachim Fox, Vorsitzender von &ai, der Stiftung Ethical Artificial Intelligence. Viele Sender würden nachts ausschließlich KI-Musik spielen. Die Grenze zur menschlich komponierten Musik sei kaum noch zu ziehen. Für Fox bleibt Transparenz die entscheidende Voraussetzung für Vertrauen: KI-Labels seien sinnvoll und notwendig. Die Spannung zwischen diesen Positionen prägte den Abend produktiv.

Kunstmarkt und gesellschaftliche Dimension

Im Austausch mit dem Publikum wurde deutlich, dass der Kunstmarkt sich in einer Phase der Neuorientierung befindet: Zwischen Faszination für technologische Innovation, Unsicherheit über Einordnungskriterien und der Frage, wie künstlerische Leistung im Zusammenspiel mit KI bewertet werden kann, liegt die abschließende Bewertung weiterhin beim Rezipienten. Hypes wie NFT haben gezeigt, wie schnell vermeintliche Bewertungsmaßstäbe kollabieren können. Besonders deutlich wurde: Während Ambivalenz im Kunstkontext produktiv sein kann, wird die fehlende Unterscheidbarkeit von KI-generierten und menschlichen Inhalten in der Informationsordnung zur demokratisch relevanten Herausforderung.

Fazit

Die Debatte über generative KI im Kulturbereich geht weit über technische Machbarkeit hinaus. Sie berührt Grundfragen von Kreativität, Verantwortung, Autonomie und kulturellem Wert. Die Diskussion bei „KI Kann Kunst“ zeigte deutlich, dass technologische Entwicklung und künstlerische Prinzipien gemeinsam gedacht werden müssen, um die Grundlage für eine lebendige, vertrauenswürdige Kulturszene zu schaffen.

Sprecherinnen und Sprecher

  • Johanna Neuschäffer
    Foto: Marjorie Brunet-Plaza

    Johanna Neuschäffer

    Galeristin & Co-Founder,
    OFFICE IMPART

  • Ornella Fieres
    Foto: Billie Clarken

    Ornella Fieres

    Medienkünstlerin und Medienwissenschaftlerin

  • Dr. Dorothea Winter
    Foto: Konstantin Börner

    Dr. Dorothea Winter

    Philosophin,
    Humanistische Hochschule Berlin

  • Dr.-Ing. Joachim Fox

    Dr.-Ing. Joachim Fox

    Vorsitzender der &ai - Stiftung Ethical Artificial Intelligence

  • Andre Hansel

    Andre Hansel

    Moderation
    Leiter Geschäftsstelle Microsoft Berlin,
    Microsoft Deutschland

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